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5 Min Lesezeit 44 Kommentare

DVB-T-Abschaltung: Die Gründe für DVB-T2 und die Alternativen

Ab dem 29. März gibt es für einige Fernsehzuschauer eine große Veränderung: Die Ausstrahlung via DVB-T wird eingestellt und der Regelbetrieb von DVB-T2 wird gestartet. Obwohl nicht jeder davon betroffen sein wird, läutet DVB-T2 ein neues Zeitalter ein und langfristig werden beinahe alle Zuschauer die Folgen zu spüren bekommen: Pay TV ist auf dem Vormarsch.

Warum wird DVB-T abgeschaltet?

DVB-T ist seit einigen Jahren im Regelbetrieb und hat die digitale Ausstrahlung des Fernsehprogramms über Funk mit sich gebracht (terrestrische Übertragung). Um die Signale zu übertragen, benötigt DVB-T Funkfrequenzen. Konkret arbeitet DVB-T in den Frequenzbereichen 474 bis 786 MHz. DVB-T2 wiederum verwendet nur den Bereich 470 MHz bis 690 MHz.

Diese sind aber begehrt und der zunehmende mobile Datenverkehr fordert seinen Tribut. So kam die Idee auf, weitere Frequenzen für den Mobilfunk bereitzustellen. Eine Möglichkeit ist dabei das 700-MHz-Band. Dazu wiederum passt die Entwicklung von DVB-T2, das gegenüber DVB-T eine effizientere Übertragung sicherstellt, sodass weniger Kapazität für ein größeres und besseres Angebot ausreicht.

Die Frequenzen im 700-MHz-Bereich wurden im Jahr 2015 an die drei großen Netzbetreiber versteigert und diese können ab 2018 für Mobilfunknetzwerke verwendet werden - wenngleich die tatsächliche Nutzung möglicherweise erst später beginnen wird.

DVB-T wird in vielen Regionen am 29. März abgeschaltet, allerdings erfolgt dieser Schritt nicht überall zu diesem Termin. Einige Sendeanlagen werden erst im Herbst 2017 und andere noch später umgestellt. Genaue Informationen zum Stand in den einzelnen Regionen sind auf einer Webseite der Initiative DVB-T2 HD zu finden. Kurz gesagt: Vor allem in Ballungsräumen erfolgt die DVB-T-Abschaltung Ende März. Kassel, Koblenz, Dresden und Freiburg wären prominente Regionen mit einer Umstellung im November 2017.

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freenet TV wirbt um neue Kunden. / © Screenshot: ANDROIDPIT

Welche Vorteile hat DVB-T2?

DVB-T2 bringt einige entscheidende Vorteile mit sich. In Deutschland kommt der Videocodec h.265 - auch als High Efficiency Video Codec (HEVC) bekannt - zum Einsatz. Die Übertragung der Bildsignale fordert daher weniger Kapazität als DVB-T, weswegen nun auch die Ausstrahlung in HD bzw. Full-HD möglich ist.

Welche Nachteile hat DVB-T2? Was ist eigentlich dieses freenet TV?

DVB-T2 hat mehrere gravierende Nachteile: Allen voran erfordert DVB-T2 spezielle Hardware-Unterstützung. Wer bislang seine DVB-T-Zimmerantenne an den Fernseher angeschlossen hat, muss nachrüsten: Gesetzt dem Fall der Fernseher unterstützt DVB-T2 nicht, braucht es einen neuen DVB-T2-Receiver.

Um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, gibt es zwei unterschiedliche DVB-T2-Receiver-Typen: DVB-T2-fähige und DVB-T2-HD-fähige. Der Unterschied liegt darin, dass HD-fähige Receiver zusätzlich das Verschlüsselungssystem IRDETO beherrschen. Damit schützen die Privatsender ihre HD-Sendungen. Genau: Es handelt sich um einen Pay-TV-Service. Dieser Dienst ist unter dem Namen freenet TV bekannt. Der Name hat aber nichts mit kostenlos zu tun. Vielmehr hat die freenet-Gruppe Anfang 2016 Media Broadcast übernommen - diese Firma betreibt viele der Sendeanlagen, die jetzt freenet TV ausstrahlen sollen.

Wer im DVB-T2-Zeitalter also private Sender über den terrestrischen Weg empfangen möchte, muss freenet TV abonnieren, was derzeit 5,75 Euro im Monat kostet - eine dreimonatige kostenlose Testphase gibt es immerhin.

Damit Kunden erkennen können, ob ein Receiver für DVB-T2 oder DVB-T2 HD geeignet ist, gibt es zwei Logos. Beim Neukauf eines Fernsehers solltet Ihr darauf achten:

DVB T2 HD Logo
Achtet auf dieses Logo / © Initiative DVB-T2 HD

Tatsächlich dürfte die IRDETO-Verschlüsselung bzw. der Ansatz von freenet TV der privaten Sender schwerwiegende Folgen für alle Zuschauer haben: Für die privaten Sender handelt es sich um eine zusätzliche Einnahmequelle. Überhaupt gibt es kaum mehr Übertragungswege, die HD kostenlos anbieten. Lediglich die öffentlich-rechtlichen Sender sind auf den klassischen Wegen in HD-Qualität zu haben - wenn man einmal die Rundfunkgebühren außer Acht lässt.

Künftig dürfte es dazu kommen, dass die Sender weitere Übertragungswege abschotten und für den Empfang Geld verlangen. Das ist bereits bei DVB-C zu sehen und auch bei den meisten anderen DVB-T2-Alternativen kosten HD-Sender einen Aufpreis.

Alternativen zu DVB-T bzw. DVB-T2

Ab dem 29. März ist Schluss mit DVB-T. Spätestens dann muss also etwas neues her. Der logische Weg ist natürlich die Nutzung von DVB-T2, wenngleich hier für Zuschauer mit Interesse an den Privatsendern nach einer dreimonatigen kostenlosen Testphase 5,75 Euro im Monat bezahlen müssen. Dazu kommt noch ein DVB-T2-HD-fähiger Receiver, denn die meisten Fernseher sind gar nicht DVB-T2-fähig. Das bedeutet aber auch: Es kommt in der Fernsehecke eine weitere Box hinzu - neben Spielekonsole, Blu-ray-Player, Media-Player und Chromecast haben wird ein weiterer HDMI-Anschluss benötigt.

Die Folge kann also sein, dass durch die Umstellung größere Anpassungen an der Infrastruktur nötig werden. Im schlimmsten Fall muss ein neuer Fernseher mit mehr HDMI-Eingängen her - der sollte dann aber idealerweise gleich DVB-T2-HD unterstützen. In anderen Wohnzimmern wird bei zu wenigen HDMI-Anschlüssen entweder ein neuer AV-Receiver oder aber der Rausschmiss eines bestehenden Geräts nötig.

Neben dem Wechsel zu DVB-T2 gibt es weitere Alternativen. Vor allem DVB-C ist eine Option, dafür braucht es aber einen entsprechenden Anschluss - für den wie so oft weitere Kosten anfallen können. Selbst bei DVB-C kommt bei einigen privaten HD-Sendern eine Verschlüsselung zum Einsatz. Vor einem Wechsel sollte man sich also bei seinem Kabelnetzbetreiber über die Modalitäten informieren.

Über eine schnelle Internetleitung kann auch das TV-Signal gestreamt werden - IPTV ist das Stichwort. Dieses kommt in vielen Facetten. Direkte Angebote der Netzbetreiber wie Telekom Entertain und Vodafone Giga TV erlauben Fernsehen über die Internetleitung. Häufig gibt es hier Zusatzdienste wie Timeshifting oder Videorekorder - die Aufnahmen gelangen aber verschlüsselt auf die Festplatte, sodass sie nicht frei anzuschauen sind.

Drittanbieter mit TV-Streams gibt es obendrein. waipu.tv hat eine eigene Infrastruktur und leitet hierüber IPTV-Streams. Weitere Anbieter wie magine.tv treiben die neuen Möglichkeiten mittels Apps in nie dagewesene Welten. Mit der richtigen App wird der Mediaplayer oder das Smartphone zum Fernseher.

Fazit

In Städten dürfte die DVB-T-Abschaltung keine ganz so gravierenden Folgen haben, stehen doch genügend Alternativen bereit. Kritikwürdig ist allerdings, dass es keine kostenlose Option für Privatsender gibt. In manchen Regionen hingegen ist die Auswahl bescheiden, denn nicht überall ist ein TV-Kabel oder eine schnelle Internetleitung vorhanden. 

Zu welchem DVB-T-Ersatz greift Ihr? Oder habt Ihr schon lange kein DVB-T mehr im Einsatz? Lasst es uns wissen!


In einem zweiten Teil gehen wir genauer auf die Optionen ein, die sich mit der DVB-T-Abschaltung ergeben.

Top-Kommentare der Community

  • Tenten 21.03.2017

    Da schließe ich mich an, ein wirklich guter Artikel. Ich hatte mich mit der Thematik bislang nicht beschäftigt, da ich DVB-T nicht genutzt habe. Für Pro 7, Sat 1, Kabel oder RTL werde ich jedenfalls kein Geld ausgeben, zumindest nicht für ein Programm in der jetzigen Form. Das ist mir nicht einen Euro wert.

  • Conjo Man 21.03.2017

    informativer Artikel(!)

    Danke dafür, über den "Tellerrand" Smartfone/-technik geschaut zu haben. Denke, dass nicht Jeder exakt darüber Bescheid weiß.

  • Tobi 22.03.2017

    Gucke über Satellit. Allerdings gucken meine Kinder. Ich selber sehe mir nur Filme über Netflix und Amazon an. Die privaten verfolge ich schon seit Jahren nicht mehr. Selbst ohne Werbung würde ich mich nicht freiwillig auf das Niveau begeben wollen. Und dann noch zahlen um zu verdummen? Nein danke. Schade, dass die öffentlich rechtlichen noch so hoch bezahlt werden müssen. Ich informiere mich komplett online. In meiner Region war dvbt auch kaum empfangbar. Somit fällt diese Option auf dem Land ohnehin weg.

  • A. K.
    • Mod
    22.03.2017

    Danke für den informativen Artikel. Ich frage mich schon ewig, was der bescheuerte Fließtext ("... Wird am 29.03. Abgeschaltet") so für Auswirkungen hat.

    Ich träume davon, dass keiner die privaten Sender bezahlt und das Konzept verworfen wird. Wir haben es als Endkunden noch selbst in der Hand...

  • MajorTom 21.03.2017

    Nette Idee. Da wird eine bessere Bildqualität entwickelt die ich mit meinem Fernseher bezahlt habe, aber um es nutzen zu können muss ich nochmal blechen. Der Aufwand für Übertragung würde den Aufpreis fordern.
    Ist über Satellit ja das gleiche mit den HD-Karten.
    Egal. Mit den Jahren verabschiedet man Tschungelcamp/Casting Shows bis Frauentausch bzw Volksverblödungs-TV. Bis auf alle paar Monate eine free TV Premiere kannst die privaten vergessen nach meiner Ansicht. Und meist habe ich über Stream die Filme dann schon gesehen.
    Die besseren Sender sind glücklicherweise frei für HD. Und ein guter TV Interpoliert recht gut.
    Mit UHD geht die Geschichte wohl wieder von vorne los. Aber bis dahin muss erst mal HD frei eingespeist werden.
    Nach so vielen Jahren immernoch nicht frei. Moderne Zeiten und ihre Geschäftsmodelle. Ich kaufe keine HD-Karten mehr jährlich.

44 Kommentare

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  •   18
    Gelöschter Account 28.03.2017 Link zum Kommentar

    Nur zurückgebliebene schauen im Jahr 2017 noch TV.... Wofür gibt es bitte OnlineMediatheken, Netflix, und Kino*****


  • Alles nur Geldmacherei genau wie die GEZ.


  • Hab mittlerweile Kabel TV über die Nebenkosten


  • Meine Eltern durften sich für DVBT-T2 schon extra einen neuen Fernseher anschaffen, mussten aber hinterher feststellen, dass zwischen DVBT-T2 HD und DVBT-T2 ein himmelweiter Unterschied besteht, den der Verkäufer verschwiegen hatte. Nun gut, noch nen Receiver dazu und es funktionierte.

    Immerhin verdienen jetzt auch die Privaten daran. Die öffentlich-rechtlichen Sender machen inzwischen genauso viel Werbung, verdienen aber durch die Rundfunkgebühren extra nebenbei. Schade, dass diese als Ausgleich nicht abgeschafft werden, aber so herrscht zumindest Ausgeglichenheit. Auf Kosten des Endnutzers, solange man kein IPTV, DVB-C oder DVB-S/DVB-S2 nutzt.


    • Ich hab bei den Öffentlich-Rechtlichen noch nicht erlebt, dass ein Film durch Werbung unterbrochen wurde. Und zum Glück muss auch kein DVB-T2-Nutzer zahlen, wenn er auf die Privaten verzichtet.
      Aber wer mit den Programminhalten der Privaten glücklich wird, der zahlt vermutlich auch dafür. Muss ja jeder selber wissen...


  • Ich habe schon umgestellt auf DVB-T 2HD allerdings werde ich nicht extra zahlen. Ist für mich nur ein Notfall Backup Was mich bei den Privaten interessiert gucke ich dann über 7TV bei Pro7. Die RTL Gruppe lasse ich links liegen. Nutze noch MagineTV Film und Serie , Maxdome , Netflix und Sky Ticket.


  • Super Beitrag, ich finde, das DVB-T2 weitesgehend als Abzocke bezeichnet werden kann, da wir betroffen sind, werden DVB-T2 ignorieren und auf Internet-Stream wechseln, kostet zwar auch Geld, aber so aus Prinzip mag ich freenet-Zwangs-TV nicht


    • Die Abzocke wird auch bei DVB-C und DVB-S2 kommen. Da wurden die Privatsender nur verpflichtet, bis 2022 (wenni ch richtig informiert bin) auch unverschlüsselte Inhalte anzubieten. Es kommt nur darauf an, wieviele Leute die CI-Karte kaufen. Ich befürchte jedoch, das werden viele sein, denn bei DVB-C und DVB-S2 kaufen sie die Leute ja auch. Und das nur für HD, denn SD ist dort unverschlüsselt.


      •   6
        Gelöschter Account 22.03.2017 Link zum Kommentar

        Mir ist das völlig egal, mir reicht die Kombination aus Youtube, Amazon Prime und Youtv. Das herkömmliche TV ist spätestens dann am Ende, wenn es sogar in Deutschland mal flächendeckend brauchbares Internet gibt (bei uns gibts seit 4 Jahren DSL, und ich wohne 300 Meter hinter der Stuttgarter Stadtgrenze!).


  • Ein lesenswerter Beitrag. Der Umfang der Umstellung war mir so hat nicht bewusst. Gut, dass ich eine Satellitenschüssel habe...


  • Auf dem Land dürfte die "Abschaltung" auch keine gravierenden Folgen haben, denn da gibt es an den meisten Orten eh kein DVB-T/2. Daher haben die Leute entweder DVB-C oder -S .... Und mal davon ab: Neuen Receiver + 70€/Jahr + für ein werbeverseuchtes Programm?? Nur für eine Bildänderung?


  • Naja ab 29.3. wird abgeschalten, in unsrer Region Erfurt wird erst Frühjahr 2018 umgestellt. Also kann ich noch nen Jahr mit der alten Technik am Tablet schauen.


  • Dvbt1 hatte doch auch keine kostenlosen privat Sender. Die einzige Neuerung ist der Wechsel zu HD. Naja wer braucht schon Fernsehen wenn er youtube, twitch und streaming Dienste zur Verfügung hat.


  • Gucke über Satellit. Allerdings gucken meine Kinder. Ich selber sehe mir nur Filme über Netflix und Amazon an. Die privaten verfolge ich schon seit Jahren nicht mehr. Selbst ohne Werbung würde ich mich nicht freiwillig auf das Niveau begeben wollen. Und dann noch zahlen um zu verdummen? Nein danke. Schade, dass die öffentlich rechtlichen noch so hoch bezahlt werden müssen. Ich informiere mich komplett online. In meiner Region war dvbt auch kaum empfangbar. Somit fällt diese Option auf dem Land ohnehin weg.


  • A. K.
    • Mod
    22.03.2017 Link zum Kommentar

    Danke für den informativen Artikel. Ich frage mich schon ewig, was der bescheuerte Fließtext ("... Wird am 29.03. Abgeschaltet") so für Auswirkungen hat.

    Ich träume davon, dass keiner die privaten Sender bezahlt und das Konzept verworfen wird. Wir haben es als Endkunden noch selbst in der Hand...


  •   24
    Gelöschter Account 22.03.2017 Link zum Kommentar

    Unfassbar, Wieso wollen die privaten noch mehr Geld haben? Die strahlen doch jetzt schon nur noch Werbung aus. Das ist eine Frechheit.

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