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Durch Google Maps in den Ruin

Auf Google Maps erfahren wir vieles über eine Unzahl an öffentlichen und privaten Etablissements. Von Öffnungszeiten über Eintrittspreise bis hin zu Nutzerbewertungen. Davon profitieren wir alle. Doch diese stetig wachsende Informationsoffenheit und -Fülle kann nach hinten losgehen. Wer trägt dann die Verantwortung?

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brandenburger tor google maps teaser
Nicht immer sind Manipulationen von Maps so harmlos. / © fotoeins/ flickr.com/AndroidPIT

Rene Bertagna, ein Restaurantbesitzer in den USA, hat eine Klage gegen Google angestrengt. Der Grund? Sein Lokal Serbian Crown verzeichnete praktisch über Nacht einen scheinbar unerklärlichen Rückgang an Wochenendpublikum von 75 Prozent, der ihn am Ende in den Ruin trieb. Was Bertagna zu spät und nur zufällig bemerkte: Irgendwer oder irgendetwas hatte im Google-Maps-Eintrag der Serbian Crown die für ihn so wichtigen Wochenendöffnungszeiten umgeschrieben und das Restaurant als “geschlossen” markiert.

Bertagna verdächtigt einen Mitbewerber der Sabotage, sein Anwalt argumentiert, Google hätte die Manipulation entdecken und verhindern oder rückgängig machen müssen. Google schüttelt die Vorwürfe als haltlos ab. Man ist versucht, beiden Seiten zumindest teilweise recht zu geben. Aussichten auf Erfolg hat die Klage dennoch nicht wirklich, denn Manipulationsvorkommnisse wie diese sind gängige Realität, jedoch selten so weit nachweisbar, dass Ansprüche geltend gemacht werden könnten.

adolf hitler platz
Peinlicher Fehler: der Theodor-Heuss-Platz historisch - aber nicht politisch - korrekt. / © Google

Hier ist das Problem

Google Maps ist im Prinzip ein großes Gemeinschaftsprojekt, dessen Offenheit gleichzeitig seine größte Schwäche ist. Ähnlich ging es lange Zeit auch Wikipedia. Mit relativ wenig technischem Know-how ist es möglich, Aspekte des Programms (wie Öffnungszeiten) zu ändern. Man erinnere sich an den Vorfall um den “Adolf-Hitler-Platz” in Berlin (wir berichteten). Die schiere Größe von Maps macht es teils unmöglich zu überwachen, und so können falsche Angaben mitunter lange stehenbleiben. Google ist über die Jahre deutlich besser geworden, von Lückenlosigkeit ist Maps aber weit entfernt.

Insbesondere Nutzer von Google Places for Business können hier Schindluder treiben, und wenn das Opfer dies nicht eigenständig bemerkt, tut es niemand. So geschehen im Fall des 74-jährigen Rene Bertagna. Doch ist es fast unmöglich nachzuweisen, dass die Restaurant-Pleite auf Maps-Manipulation zurückzuführen ist.

Die offensichtliche Frage 

Wie weit ist ein Anbieter eines Dienstes (wie hier Google) verantwortlich für das, was Nutzer mit diesem machen? Und können beziehungsweise wollen wir den vollen Umfang der daraus resultierenden Eigenverantwortlichkeit tragen? Hätte Rene Bertagna, der womöglich nicht einmal wusste, dass es in Maps einen Eintrag für sein Restaurant gab, den Sachverhalt selber überblicken und beheben müssen?

Was sagt Ihr?

Maps – Navigation, Bus & Bahn Install on Google Play

Quelle: Wired

Top-Kommentare der Community

  • luneth 11.07.2014

    wenn man so eine Anzeige in Google Maps einstellt sollte man sie auch überwachen. Mitunter selber schuld.

  • Patrick Peter 11.07.2014

    Vorallem wenn man anscheinend zu geizig ist auch auf anderen, kostenpflichtigen Kanälen zu werben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle seine Kunden das Restaurant nur über Google maps gefunden haben. Stammkunden hatte er dann wohl auch keine. Klingt eher danach als sei das Essen mies gewesen ;)

  • Siniox 11.07.2014

    Also wenn man so viele Kunden nur durch einen google maps Eintrag bekommen würde bräuchte man ja keine weitere Werbung. Schwachsinnsbehauptung von ihm...

  • Thomas Stern 11.07.2014

    Auf der anderen Seite, spricht es nicht unbedingt für die Qualität eines Restaurants, wenn die zu 75% auf Neukunden wöchentlich ihr Geschäft aufbauen.

  • Matze Ing 11.07.2014

    Lieber Alexander W.,

    bitte bedenke doch, dass der gute Herr 74 Jahre alt ist ;)
    selbst mein Vater mit seinen im Vergleich jungen 50 Jahren ist nicht gut vertraut mit Google Maps und irgendwelchen online-Bewertungen.

60 Kommentare

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  • Google hat ein Eigeninteresse daran, Daten zu sammeln und anzubieten. So muß aber auch konsequenterweise Verantwortung übernommen werden. Die Frage ist nur, in welcher Weise. Solange eine Änderung nicht verifiziert ist, sollte der Originaleintragbestehen bleiben und die Änderung mit Warnhinweis nachgestellt werden.
    Außerdem sollten Anbieter wie Google, Wikipedia und Konsorten die Identität eines Users kennen, auch wenn ein Alias als Username benutzt wird.1 cent Registrierungsgebühr - wie schwer kann das sein? Sonst kann sich jeder mit gefälschtem Personenprofil anmelden.
    (Ich binschließlich auch nicht wirlich Cheftechniker des Raumschiffs Enterprise! Haha!)

  • Moin in die Runde,

    erstens sehe ich die Angabe von 75% Kundenverlust durch eine Angabe der falschen Öffnungszeiten als unglaubwürdig. Sollte das in der Tat wahr sein, hat der Mann ein weiteres Problem. Das Webmonitoring (da gabs ja schon einige Anteilnahme â la "armer alter Mann". Das böse Neuland Internet. Mag sein. Der Herr macht dann aber auch Old School Fehler. Wenn ich ein guter Gastgeber bin und Kontakt zu meinen Kunden unterhalte, frage ich ab und an mal ab, wie sie denn überhaupt über meinen Fresstempel gestolpert sind. Wäre das passiert, hätte er die Maps-Info früher erhalten oder zumindest früher von Maps per se erfahren. Folglich hätte dann ein Monitoring stattfinden müssen. Muss er nicht selbst lernen/erledigen weil es Agenturen dafür gibt. Dann unterstellen wir die Faktoren Geiz und/oder Desinteresse.
    Alles unter der Prämisse, dass der Kundenschwund wirklich von Maps verursacht wurde. Aber dann sorry: selbst Schuld.

  • Eine Verantwortung kann den Kunden nur treffen, wenn der Kunde es selbst angelegt oder in Auftrag gegeben hat. Wenn hingegen -was ich vermute, aber nicht sicher weiß- Google den Eintrag selbst, ggf. auf ungeprüften Zuruf, angelegt und/oder verändert hat, muss Google für Folgeschäden einstehen. Bei alledem gibt es sicher immer noch das Thema des Nachweises, was u.U. kein Selbstläufer ist.

  • Wenn ich lese wir hier einige schreiben, dass der Unternehmer die Daten selber prüfen müsste, dann kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich möchte sehen, ob ihr regelmäßig das Internet nach Daten über euer Unternehmen filter, wenn euch das Tagesgeschäft mal locker 60 Stunden die Woche und mehr kostet. Die Betonung liegt auf regelmäßig. Das man ab und zu nachschaut ist ja ok und vertretbar. Regelmäßig wird das aber niemand machen.

    Wenn jemand raushaut, dass sich selber googlen genauso Pflicht ist wie die Buchführung, dann ist zu vermuten, dass er unternehmerisches Handeln maximal von Sim City kennt.

    • Kann mich Marco S nur anschließen. Wenn ich hier den geistigen Dünnsch... mancher Schreiber so lese, dann wird mir schlecht. Das können nur solche schreiben, die keine Ahnung davon haben, was ein Kleinunternehmer an Arbeit leisten muss. Da gibt es keine Zeit, sich regelmäßig im Internet über solche Sachen zu informieren. Oder soll ich jetzt auch noch meine Nachtstunden dafür opfern.
      Ich würde mal gerne sehen, was solche Schreiber sagen würden, wenn auf einmal in ihren so hochgelobten sozialen Netzwerken wie Faceb... stehen würde, dass sie ihr Auto nicht mehr brauchen und es verschenken wollen. Plötzlich stehen 200 und mehr Leute vor der Tür und wollen es mitnehmen.
      Aber selbst schuld, sie hätten den Eintrag ja finden können und ein Dementi schreiben können.
      Sorry Leute, schaltet euer Hirn ein, bevor ihr etwas sagt oder schreibt.

  • Sieht für mich eigentlich ganz einfach aus:
    Wenn Google den Eintrag eigenständig eingestellt hat, ist Google auch für dessen Inhalt verantwortlich.
    Sollte der Restaurantbetreiber es quasi als Anzeige geschaltet haben, hat er sicher einen abgesicherten Zugang; wenn sich nun jemand mit seinen Credentials angemeldet und daran vergangen haben sollte, ist der Übeltäter wohl kaum zu ermitteln -dann bliebe der Schaden am Restaurantbetreiber hängen.

  • Trau schau wem!

    Erstens sollten die Einträge vom Inhaber selbst nur gemacht werden können oder von zuverlässigen, berechtigten Personen. Dann aber hätte Google nicht dieses Wachstum erreicht in der gleichen Zeit.

    Die andere Seite wäre, es nur registrierte Nutzer (GMail) ermöglichen Daten einzugeben, dann könnte Google besser Nachverfolgen wer den Eintrag gemacht hat, das würde bei Schadenersatzansprüchen weiterhelfen und der Verursacher könnte gesperrt werden wegen Missbrauch.

    Aber es ist traurig, dass Menschen immer noch versuchen sich Vorteile zu erschaffen auf Kosten anderer anstatt an ihrem Service zu arbeiten, dass sie solche Aktionen nicht nötig haben.

  • Warum sollte ausgerechnet der Anbieter der Kommunikations- und Präsentationsplattform Verantwortung für die Korrektheit von Usern eingestellter Inhalte haben, die über das eigene Unternehmen hinausreicht?

    Wer als User den Informationen unkritisch Beachtung schenkt, tut dies auf eigene Verantwortung, denn schon aus den Benutzerregeln der Plattform ergibt sich, das Informationen vom Anbieter nicht durchweg verifiziert werden können. Etwas anderes wäre es, wenn der Anbieter in seinen Vertragsbedingungen für die Korrektheit der von Nutzern eingestellten Inhalte einsteht oder damit wirbt - das aber ist in diesem Fall afaik nicht gegeben.

    Aber ich denke nicht, das das die Rechtsprechung heute ähnlich sieht - wenn ich mir so manche, teils weitreichende Urteile z.B. in der EU anschaue, mit der offensichtlich technisch unterbelichtete Endanwender sogar auf höchster gesetzgeberischer Ebene des Netzes an dessen Nutzungsregeln herumschrauben (z.B. Suchmaschinen die Löschung von Links auf existente wie öffentlich zugängliche Websites vorschreiben), ahne ich nur, wie derlei Verfahrensstreitigkeiten künftig ausgehen werden. Der größte Schaden dabei ist: Die bisher lediglich scheinbare Monopolisierung einiger großer Dienste wird noch weiter vorangetrieben und beschleunigt. Wer z.B. wollte heute noch - selbst wenn er es technisch löste - als Kleinunternehmen oder gemeinnützige Organisation überschaubarer Finanzgröße eine alternative Suchmaschine in Europa aufbauen, wenn ihn schon die vielen kruden neuen Gesetze mit Verantwortungen und Tätigkeiten beauftragen, die zwar schlichtweg Wolkenschieberei sind, aber enormen personellen wie finanziellen Zusatzaufwand generieren?

  • Es ist doch völig egal, ob er den Eintrag selbst vorgenommen hat oder nicht. Es ist auch egal ob er schlechtes Essen verkauft. Auch ist egal ob er durch die Klage nur Geld abziehen will.
    Fakt ist, jemand, und nicht er, hat falsche "Öffnungszeiten" hinterlegt und somit dem Unternehmen geschadet.
    Und das geht NICHT!
    Es ist aber auch viel zu einfach, nicht nur bei Google, irgendetwas einzutragen. Es muss ja nicht von mir sein. Da liegt das Problem.

  • Was der nette Herr Lokalbetreiber zu erwähnen vergessen hat, ist das sein Lokal auf Webseiten wie Tripadvisor & Co sehr sehr schlecht benotet worden ist.

  • bei google maps arbeiten jede menge Menschen in den Callcentern, die Daten vorgesetzt bekommen und die Restaurants, Hotels usw. anrufen und die Daten abgleichen etc.

    Es sind halt zu viele Daten die abgeglichen werden müssen aber das Personal fehlt.

    • Wenn das Personal fehlt, kann ich solch einen Dienst nicht anbieten, sonst handelt Google fahrlässig. In meinen Augen, müssen mit dem Geschäft die Daten erst abgeglichen werden und erst dann ins Netz gestellt werden.

  • Das ganze kann man eigentlich sehr abkürzen: "Klage gegen Google". Und das mit der Hoffnung dadurch Millionen in die Kasse zu bekommen.

    Sorry, keiner kann mir erzählen, das irgendwelche Daten in Google-Maps einen so rapiden Besucherrückgang bewirkt. Würde ja bedeuten, das ALLE dort in der Umgebung das AUSSCHLIEßLICH benutzen. Also auch keine iPhones oder Microsoft-Gerätchen haben.
    Aber sicherlich oder ?

    Ich übertreib es jetzt mal: Vermutlich hat sich der Laden zu einem "Dreckstall" mit minderwertigen Essen entwickelt, die hohe Laufkundschaft spricht dafür. In der Nähe hat halt ein neuer Laden aufgemacht, der besser ist.

    Und nicht zu vergessen: USA ist das Land der Klagen. Vermutlich würde der auch gegen das örtliche Wasserwerk klagen, wenn ihm irgendwelche Argumente einfallen würden...

  • Wenn Google für jeden Eintrag verantwortlich zu machen wäre, könnte man so einen Dienst wohl nicht betreiben.

  • Als Unternehmer gibt es auch die Möglichkeit der Medienanalyse und des Monitoring. Dafür gibt es genug kleine, kostenlose Tools oder darauf spezialisierte Unternehmen, die so etwas übernehmen.

    Als Gewerbetreibender bleibt immer etwas von Eigenverantwortlichkeit.

  •   26

    XD wie geil ist das denn XDXD

  • Was @Andi Pit sagt...

    Wer kann denn ernsthaft der Meinung sein, es läge in seiner "Eigenverantwortung" das gesamte Netz(und vielleicht auch noch sämtliche "Medien" im Allgemeinen) nach schädigenden Einträgen zu durchforsten?

    Natürlich hat Google für die Auswirkungen seines Produktes auch zu haften.

    • So? Dann gibt's halt solche Dienste nicht mehr. Ist das besser?

      Wenn ich ein Geschäft betreibe und mir plötzlich die Kunden wegbrechen, dann suche ich nach der Ursache. Er muss ja nicht das "ganze Netz" durchsuchen, sondern kurz die fünf wichtigsten Kundenbringer prüfen. Als Geschäftsmann kennst du die ganz genau, sonst müsstest du deinen Laden genau deshalb schon schließen.

      • Dein "So? Dann gibt's halt solche Dienste nicht mehr. Ist das besser?" ist ein bisschen gar kindisch.

        Der Konzern-Gigant Google muss nicht beschützt werden.
        Google zahlt Klagen von durch Googles Produkte geschädigten Unternehmern aus der Portokasse.

        Mit dem Geld, das Google an uns allen verdient hat.

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