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Kommentar 4 Min Lesezeit 9 Kommentare

Digitalpakt für Schulen: Die Spendierhosen alleine sind nicht genug

Die Bundesregierung nimmt nach Jahren der Kritik endlich Geld in die Hand und unterstützt die Länder bei der Digitalisierung und Modernisierung von Schulen. Dass dazu eigens eine Grundgesetzänderung her musste, sagt schon viel aus. Tatsächlich war der sogenannte Digitalpakt längst überfällig und ist enorm wichtig, damit unsere Wissensgesellschaft Schritt halten kann. Alle Probleme lösen wir damit aber nicht.

Die Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD hat sich mit FDP und Grünen im Bundestag auf einen Kompromiss zur geplanten Grundgesetzänderung unter anderem für die Digitalisierung von Deutschlands Schulen geeinigt. In der gemeinsamen Erklärung, die nach wochenlangen Verhandlungen nun steht, drücken die Fraktionsspitzen aus, was die neue Regelung leisten soll:

"Der Bund kann den Ländern zur Sicherstellung der Qualität und der Leistungsfähigkeit des Bildungswesens Finanzhilfen für gesamtstaatlich bedeutsame Investitionen sowie mit diesen verbundene besondere unmittelbare Kosten der Länder und Gemeinden (Gemeindeverbände) im Bereich der kommunalen Bildungsinfrastruktur gewähren. Artikel 104b Absatz 2 Satz 1 bis 5 und Absatz 3 gilt entsprechend."

Der Digitalpakt ist der Anfang

Das erste gemeinsame Projekt soll der Digitalpakt Schule sein. Damit können Milliarden vom Bund an Länder und Kommunen fließen. Insgesamt will der Bund über fünf Jahre fünf Milliarden Euro für die geplante Digitalisierung der Schulen in Deutschland zur Verfügung stellen. Die Länder sollen einen Eigenanteil von mindestens zehn Prozent leisten. Unter anderem sollen die Schulen in Deutschland Geld für Laptops, Notebooks und Tablets erhalten können. Auch die Dateninfrastruktur zur Vernetzung in Schulgebäuden und auf Schulgeländen soll gefördert werden können, zudem WLAN in den Schulen, die Entwicklung von Lernplattformen, pädagogische Kommunikationsplattformen, Schulserver, interaktive Tafeln und anderes.

SPD-Chefin Andrea Nahles freut sich schon auf Twitter:

Ich will jetzt nicht den alten Mann raushängen lassen, ich bin ja schließlich auch "erst" 40. Aber als ich in die Schule ging, war ein Over-Head-Projektor das technische Maß aller Dinge. Ich habe mit dem Kuli fest auf Matritzen schreiben und beim Hausmeister Abzüge davon machen müssen, wenn wir Papiere vervielfältigen wollten. Ja, Kopierer gab's auch, die waren aber sauteuer. Und ja, ich hatte in der Oberstufe dann auch Informatik, und die wenigen Computer waren - für Mitte der Neunziger - auch ganz ok. Wir haben damals auch ohne viel Technik unser Abitur gemacht, sind zur Uni gegangen und dann Schritt für Schritt mit der Technologie erwachsen geworden.

apple ipad school
Ein iPad macht noch keinen schlauen Schüler. / © Apple, Inc.

Die Welt dreht sich weiter

Nun ist aber klar: Die Welt dreht sich weiter. Wir leben nicht mehr zu Zeiten Adenauers, und auch nicht mehr zu Zeiten Helmut Kohls. Die Digitalisierung greift in allen Lebensbereiche ein, und die Kinder und Jugendlichen haben heute ein anderes Ausgangslevel, wenn es um diese Dinge geht.

Den Schülern Tablets, Computer oder smarte Präsentationssysteme hinzuwerfen wird aber nicht reichen. Die Lehrer müssen sie dabei an die Hand nehmen und ihnen zeigen, wie man das alles richtig verwendet - da sehe ich zumindest mögliche Schwierigkeiten bei den älteren Teilen des Kollegiums.

Viel wichtiger finde ich aber: Die Schwerpunkte in der Lehre müssen richtig gesetzt werden. Wir müssen unseren Kindern in meinen Augen natürlich beibringen, Technologie und neue Medien richtig zu nutzen, sie weiter zu entwickeln und als Handwerkszeug zu gebrauchen. Dass mehr Technologie in der Schule zwar viele positive Effekte haben kann, Schüler aber nicht automatisch klüger macht, ist ein Ergebnis vieler Studien.

Menschlichkeit als Pflichtfach

Wir sollten aber dringend auch die Fähigkeiten stärken, die mit der Technologie überhaupt nichts zu tun haben oder für die sie sogar hinderlich sein kann: Empathie, Fantasie, Kreativität, Einfühlsamkeit und auch körperliche Fitness. Es sind diese Dinge, die uns von den Maschinen unterscheiden, die ohnehin immer schlauer werden und immer schneller denken können. Aber dafür sind, liebe Eltern, nicht nur die Schulen und Lehrer gefordert, sonder auch Ihr. iPad hin oder her. Ach ja, und schön wäre es, wenn in der Finanzspritze auch noch ein bisschen Geld für bröckelnde Wände, feuchte Decken und gammelige Turnhallen übrig wäre.

Was war das modernste technische Gerät, das Ihr in der Schule benutzt habt?

Quelle: Spiegel Online

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9 Kommentare

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  • Die Klasse meines Sohnes hat seit 4 Jahren ein Smart Board und anscheinend kann kaum ein Lehrer damit umgehen und keines der Kinder hat je beigebracht bekommen, wie man auch nur eine PowerPoint Präsentation ausarbeiten.
    Wäre zu hoffen, dass wenn jetzt flächendeckend digitalisiert wird, die Lehrer geschult werden und die Geräte nicht als Staubfänger in der Ecke stehen.


  • Darf ich euch als Lehrer noch erzählen, dass das Geld nicht annähernd reicht um nicht mal 10% der Schulen abzudecken!!!

    Das Paket wurde per Not von jetzt auf gleich beschlossen ohne über die Verteilung nachzudenken und wie wann und was die Schulen wirklich damit dürfen!

    Leutzzz, wir verlieren den Anschluss; unsere Kinder haben später allen Recht, uns die Schuld dafür zu geben!

    An Technik muss nicht alles schlecht sein..


  • Ein 286'er mit MSDOS und Basic.
    Unser Rektor war technikbegeistert und hat Informatik selbst geleitet..


  • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    "Ich will jetzt nicht den alten Mann raushängen lassen, ich bin ja schließlich auch "erst" 40. Aber als ich in die Schule ging, war ein Over-Head-Projektor das technische Maß aller Dinge."
    Das ist an Schulen in Deutschland doch heute immer noch so ^^
    Ich bin 2010 aus der Schule raus (wobei danach noch Abitur kam) und bis dahin umfasste der Punkt "Technik" auch nur den weltbekannten Polylux und ein paar Windows XP-Rechner mit 4:3-Monitoren, wobei schon damalige "Smartphones" mehr Leistung hatten als diese Dinger.
    Und beim Abitur war's auch kein bisschen besser. Da waren Handys auch komplett verboten, sollten jede Stunde ausgeschalten werden und bei Prüfungen waren dann sogar Armbanduhren(!) verboten, wegen den damals aufkommenden Smartwatches...

    Auch wenn's für mich zu spät kommt, bin ich doch froh, dass sich da doch endlich mal etwas verändert. Kann echt nicht sein, dass sich ein Land wie Deutschland sich immer noch überall als technologisch ach so fortschrittlich brüstet, dann speziell in solchen Bereichen gefühlt noch im Mittelalter sitzt.


  • Die sollten lieber mit der Scheiße aufhören soetwas Wichtiges wie Lehrer nicht immer nur befristet einzustellen. Kein Wunder das die nicht wirklich motiviert sind und nur ihr Programm runterleiern. Und ich glaube die Kinder heutzutage brauchen nicht zu lernen wie man mit einem Tablet umgeht. Das wissen die meißtens schon von Zuhause aus. Das Geld wäre woanders besser aufgehoben.


    • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      "Und ich glaube die Kinder heutzutage brauchen nicht zu lernen wie man mit einem Tablet umgeht."
      Da glaubst du aber falsch. Wenn's niemand beibringt, woher sollen Kinder dann wissen, wie man mit diesem "Internet" umgehen soll? "Meine Generation" ist mit dem Internet quasi aufgewachsen und wie wenig Ahnung viele davon haben, was man bspw. posten kann und was lieber nicht, sieht man deutlich...
      So wie man einem Kind Rechtschreibung, Grammatik und Rechnen / Zählen beibringt, so muss man im 21. Jahrhundert auch das Internet und Co. dazuzählen...

      Aber ja, dafür braucht es auch erstmal kompetente Lehrer. Es bringt wenig, Schulen mit sowas auszustatten, wenn die Lehrer absolut keine Peilung davon haben. Es aber einfach zu lassen, weil's an anderen Stellen auch hakt, wäre auch falsch.


      • Steffen Herget
        • Admin
        • Staff
        vor 3 Wochen Link zum Kommentar

        Man darf aber auch nicht jegliche Verantwortung dafür, was Kinder wissen, können oder lernen sollten, an die Schulen abtreten. Die Eltern sind mindestens genauso dafür verantwortlich, ihren Kinder die Dinge zu vermitteln, die sie für wichtig halten. Ich habe zwei Jungs, die noch zu klein für die Schule sind, aber ich merke jetzt schon, wie groß die Unterschiede an dieser Stelle sind.


      • Soweit richtig! Nur gibt es auch etliche Eltern die nicht gerade mit Intelligenz gesegnet sind.
        Ich spreche leider aus Erfahrung.

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