Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

5 Min Lesezeit 13 Kommentare

Wie Akku- und Datenspar-Apps in Android überflüssig wurden

Früher las man öfters von Android-Apps, die den Smartphone-Akku, das Datenvolumen und oder den internen Speicher buchstäblich wegfraßen. Doch um dieses Ärgernis ist es weitgehend still geworden. Die Ursache liegt in Verbesserungen im Android-Systemkern, aber auch bei Restriktionen durch Google begründet. Wir liefern Euch einen Überblick und eine Rückschau auf alte Sünder und die Scharlatanerie derer, die Linderung gelobten. Vielleicht räumen wir damit endlich mit alten Mythen auf.

Wir reisen ins Jahr 2015. Es ist Juni; die aktuelle Android-Version ist 5.1.1 Lollipop. Eingesetzt wird sie von unter zehn Prozent der Android-Geräte. Das Internet ist gesäumt mit Artikeln und Foren-Beiträgen, in denen Nutzer ein gemeinsames Leid plagt: Einzelne Apps laufen auch nach dem Ausschalten des Smartphones weiter und belasten Akku oder Datenvolumen; schlimmstenfalls beides.

Anti-Virus-Entwickler (AVG) machte damals Schlagzeilen mit seiner Studie, die populäre Apps als Akku-Fresser entlarvt. Top-Einträge waren damals …

  • Facebook / Messenger
  • Instagram
  • Spotify
  • Snapchat
  • Netflix
  • Tumblr
  • Weather & Clock Widget
  • Whatsapp
  • WeChat
  • ESET Mobile Security & Antivirus

Im Jahr 2017 legte auch Avast eine solche Studie vor und kam zu ähnlichen Ergebnissen. Doch wie kam es zu derlei Ärger und wie kann es sein, dass es plötzlich so still um diese Problematik wurde?

Neue System-Richtlinien bekämpfen die Ursachen

Google hat die Ursachen des hohen Akku-Verbrauchs von im Hintergrund laufenden Apps analysiert und die Sache bei der Wurzel gepackt. Nicht nur wurde mit Android 6 Marshmallow im Jahr 2015 der Doze-Modus eingeführt (der im Jahr 2016 mit Android 7 Nougat verbessert wurde).

Auch hat Google im Jahr 2018 angekündigt – und später durchgesetzt – dass Apps im Play Store ab sofort Android 8 als API-Target haben müssen. Konkret heißt das, dass neue Richtlinien verpflichtend gelten. Diese beinhalten die Unterstützung für das neue Energie- und Datenmanagement sowie Firebase-basiertes Messaging (FCM) anstelle des veralteten Google Cloud-Messaging (GCM).

Kein Heilmittel ohne Nebenwirkungen

Was für spürbar mehr Akkulaufzeit sorgt, hat jedoch auch einen unerfreulichen Nebeneffekt: Etliche Apps mit wichtigen Hintergrunddiensten oder Benachrichtigungen können ihre Arbeit nicht mehr verrichten. Alarme treffen nicht oder zu spät ein; Musik-Streaming stoppt unverhofft. Lange Hilfeseiten wie beim Instant-Messenger Threema ranken sich um die neue Frage "Warum erhalte ich Nachrichten erst, wenn ich die App öffne?"

Denn sowohl Google selbst als auch Smartphone-Hersteller wie Samsung, Huawei, Xiaomi oder Sony haben erkannt, dass die neuen, systemseitigen Akkuspar-Methoden in vielen Fällen zu aggressiv vorgehen. Die längste Akkulaufzeit bringt nichts, wenn damit der Mehrwert eines Smartphones gegenüber einem herkömmlichen Handy aufgehoben wird.

samsung galaxy note8 battery saver de 2019 01
Samsung bietet umfangreiche, teils redundante Energiespar-Funktionen. / © AndroidPIT

Nutzer finden sich in umfangreichen, teils unübersichtlichen Menüs wieder, in denen ihre Smartphones ihnen unterschiedliche Optionen zum Energiesparen und Optimieren bieten. Teils werden wir sogar darüber benachrichtigt, wenn "eine App im Hintergrund viel Strom verbraucht." Es scheint, dass uns die Altlasten verfolgen.

App-Entwickler, die nicht Googles Cloud-Dienste nutzen wollen, stehen vor einem neuen Problem. Denn die mit Android 6 Marshmallow eingeführten Beschränkungen der Hintergrundaktivität von Apps sorgen für verzögerte Benachrichtigungen. Der Nutzer muss sich erst durch die Menüs in seinem Smartphone quälen, um das "Akkuverbrauch optimieren" für jene App zu unterbinden. Betroffen sind etliche Messenger- und Streaming-Apps.

Aus der Sicht weniger versierter Nutzer sieht es dann einfach so aus, als wäre die App kaputt. Wer also nicht bei Googles neuen Regeln mitzieht oder einfach nachgibt und deren Cloud-Dienste nutzt, wird mittelfristig Nutzer einbüßen.

Clean-Master, DU Battery Saver und Greenify im Jahre 2019

Doch ist die Furcht vor der App noch begründet, die im Hintergrund weiterläuft und den Akku heimlich leerfrisst? Während die Zeichen klar auf ein "Nein, Google hat das im Griff" hindeuten, ist der Play Store noch immer gesäumt mit vermeintlichen Optimierungs-Apps. Doch was können Clean-Master, DU Battery Saver oder Greenify noch ausrichten?

Zugegeben: Die Wirksamkeit so genannter Optimierungs-Apps war schon immer zweifelhaft. Doch immerhin beruhte ihre Daseinsberechtigung auf einem realen Problem: Apps auf Eurem Smartphone verbrauchen viele Ressourcen. Helfer-Apps von Cheetah-Mobile (Clean Master), DU Apps Studio oder Oasis Feng (Greenify) versprachen, verschwenderische Apps aufzuspüren und die von ihnen vergeudeten Ressourcen wieder für Euch verfügbar zu machen.

Was schon früher zu gut klang, um wahr zu sein, ist heute gemeinhin als Scharlatanerie entlarvt. Doch selbst das zumindest mit Root-Berechtigungen einigermaßen wirksame Greenify gilt unter anderem in der Community der XDA-Developers weitgehend als obsolet. Seine Wirkungsweise deckt sich quasi Eins-zu-Eins mit der des Android-nativen Doze-Modus.

Unter anderem in unserem Interview mit den Cheetah-Mobile-Verantwortlichen hatte sich herausgestellt, dass die Macher hinter derlei Apps lediglich Profit aus der Hoffnung sowie der Unwissenheit ihrer Nutzer schlagen.

Weniger ist mehr

Um diesem Markt mit der Hoffnung also Einhalt zu gebieten, musste Google selbst einschreiten und Android, wie oben beschrieben, im Kern verändern. Dies ging leider zu großen Teilen auf Kosten der Freiheit für App-Entwickler. Das Benachrichtigungssystem ist nun quasi zwingend an Google-Dienste gekoppelt. Nischenlösungen sorgen aufgrund der Hintergrundbeschränkungen neuerer Android-Versionen für Einschränkungen in der Nutzerfreundlichkeit; siehe Screenshots oben.

Wir Nutzer sind dieser Entwicklung ein wenig schutzlos ausgeliefert. App-Updates aus dem Play Store liefern seit November 2018 immerhin garantiert Apps, die neuere Standards erfüllen und Linderung geloben. Für die vermeintlichen Optimierungs-Apps und weitere App-Kategorien gilt mehr denn je: Finger Weg! In einem separaten Artikel haben wir Euch App-Kategorien aufgelistet, von denen Ihr ablassen solltet:

Und generell gibt es bei der App-Suche im Play Store ein paar Qualitätskritierien zu beachten. Beherzt Ihr unsere Tipps bei der Suche nach guten Apps im Play Store, bleibt Euch ebenfalls so mancher Frust erspart.

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern

Top-Kommentare der Community

  • Mr. Android vor 1 Woche

    Sehr guter Artikel Danke Apit 😇👍

    Ich finde die Akkulaufzeit hat sich nur bedingt verbessert in den letzten Jahren. Der Trend an zu kleinen Akkus besteht auch noch, immerhin hat jetzt das Note einen 4000er erhalten.

    Die längsten Akkulaufzeit hatte ich beim LG G2 auf 4.1.2 Jelly Bean und dies war lange vor Googles Arbeit an den Akkusparfunktion 🔋

13 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • Interessanter Artikel.
    MMn wird der Ladezustand in erster Linie vom Nutzer selbst verursacht, in zweiter Linie von der Akkugröße. Klingt banal, und das ist es auch.

    Wenn ich mir so die Statistiken der App "AccuBattery" anschaue, verbrauche ich am Tag etwa 2000 bis 2500 mAh, unabhängig vom Gerät.

    Die sinkenden Verbräuche pro Stunde kommen lediglich durch die immer größer werdende Kapazität der Akkus über die Jahre zustande.

    "Ersparnisse" verschwinden im Rauschen bzw. werden durch immer größerer Displays mit immer höherer Auflösug aufgezehrt. Tatsächlich ließe sich nur eine sichere Aussage treffen, wenn man das gleiche Geräte vor und nach einer Aktualisierung des Betriebssysttems analysiert, bspw. beim Verbrauch über Nacht oder bei der Nutzung einer speziellen Software.


  • "Die Wirksamkeit so genannter Optimierungs-Apps war schon immer zweifelhaft." Diesen Satz im selben Absatz wie Greenify zu nennen ist schon ein starkes Stück und eine Beleidigung für den Entwickler. Dass die Wirksamkeit von Greenify gegenüber systemeigenen Optimierungen nahezu vernachlässigbar ist, mag schon sein, aber dies auch auf die Vergangenheit zu projizieren ist schon hart.


  • IMHO:
    Instagram steht auch heute noch nach vier Jahren Nutzung und 2 Smartphones an der Spitze meiner Akkuverbrauchsstatistik mit bis zu 7% pro h/Tag! Also Bezüglich energiesparend...nix hat sich geändert. Außer vielleicht mein Nutzungsverhalten und das Alter meines Smartphones...


  • Das ist schon eine Art Quadratur des Kreises. Einerseits möchte man die xxx Möglichkeiten des Smartphones auch nutzen. Kaum hat man das Gerät dementsprechend eingerichtet, wird man daran erinnert, wie Bequemlichkeit und Verfügbarkeit aller Goodies am knappen Energievorrat fleißig knabbert.

    Und dann beginnt das Spiel mit der Reduktion. Bis man zur Einsicht kommt > pfeif drauf, lieber 1x öfter laden als Dies und Das einzuschränken.

    Jo, jo > so san die Leit gg

    Gruß vom Rudolf


    • Bastian Siewers
      • Admin
      • Staff
      vor 1 Woche Link zum Kommentar

      Also ich muss sagen, dass sich das bei mir analog der Entwicklung von Android deutlich gebessert hat. Mittlerweile achte ich da tatsächlich praktisch überhaupt nicht mehr drauf. Das war früher eindeutig mal anders.


  • Manche Apps z. B. VoIP Client haben immer noch großen Energiedurst. Nur wenn benötigt wird die App geöffnet. Die Lite Versionen gehen sparsamer mit dem Akku um


  • Also bei vielen Herstellern merkt man eigentlich nicht, dass die Probleme dort an ser Wurzel gepackt wurde. Das merkt man vor allem dann, wenn der Standby-Verbrauch viel zu hoch ist und bei bspw. 3-5% pro Stunde liegt.

    Gerade Samsung hat sich bei dem Thema über die Jahre stark verschlechtert, obwohl sie ja auch als Basis Android nutzen. Während das S7 Edge mit 3600 mAh und Android 6.0 locker bspw. 8-9h SoT geschafft hat, kommt das S9+ mit angeblich viel effizienterer Hardware oft nicht mal halb so weit...
    Und das trifft auf viele Hersteller zu. Die Hardware wird angeblich von Jahr zu Jahr effizienter, trotzdem halten die oft immer noch gleichgroßen Akkus nicht länger, ergo die Software muss mehr verbrauchen.


    • Das Problem bei Samsung ist, dass neben der Google-Suite die quasi komplett redundante App-Ausstattung von Samsung dazu installiert wird. Das könnte sich dank des Urteils der EU ändern, falls Samsung vom Recht Gebrauch macht, einen großen Teil der Google-Apps einfach nicht vorzuinstallieren.


      • Das hat damit nichts zu tun.
        Das S7 edge wurde damals deutlich krasser zugemüllt, als heute. Auf dem S7 edge befand sich damals sogar "S Pen Befehle"(!) also eine Funktion der Notes, die auf dem S7 gar nicht nutzbar war. Und trotzdem waren unter 6.0 enorm gute Laufzeiten drin. Heute ist das deutlich aufgeräumter und läuft kürzer.

        Die ganzen Apps von Samsung sind ja nicht automatisch aktiv, das muss man schon aktivieren. Nur weil bspw. Samsung Internet neben Chrome installiert ist, verbraucht sie nicht einfach so Strom ^^


  • Schön verständlich beschrieben. Den meisten Akku spart aber auch der Nutzer selber.


  • Sehr guter Artikel Danke Apit 😇👍

    Ich finde die Akkulaufzeit hat sich nur bedingt verbessert in den letzten Jahren. Der Trend an zu kleinen Akkus besteht auch noch, immerhin hat jetzt das Note einen 4000er erhalten.

    Die längsten Akkulaufzeit hatte ich beim LG G2 auf 4.1.2 Jelly Bean und dies war lange vor Googles Arbeit an den Akkusparfunktion 🔋

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern