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Evoland für Android im Test: Diablo, Final Fantasy und Zelda lassen grüßen

In Evoland für Android unternimmt der Spieler eine Reise durch die Anfänge der Videospielgeschichte. Das sorgt für viel Nostalgie, aber auch viel Frust. Alles Wichtige zum Action-RPG-Adventure-Mix erfahrt Ihr hier in meinem Test.

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Bei Evoland entwickelt sich einiges. / © Shiro Games

Wer wie ich schon seit über 20 Jahre Videospiele zockt, hat in dieser Zeit einige Entwicklungen miterlebt. Sowohl was die Grafik als auch das Gameplay angeht. Viele Spiele von früher sind mir noch gut in Erinnerung geblieben, vor allem die Zelda-Abenteuer oder die ersten Final-Fantasy-Ableger habe ich geliebt. Diese kindlichen Erinnerungen fördert Evoland für Android wieder zutage, das Spiel versetzte mich aber auch in ein sehr starkes Wechselbad der Gefühle. Das hat mich letztendlich zu der Erkenntnis gebracht hat: Früher war definitiv nicht alles besser! Vor allem nicht bei Videospielen.

Um das geht’s

In Evoland spielt man im wahrsten Sinne des Wortes einige Highlights und wichtige Entwicklungen der Videospielgeschichte nach. Alles beginnt in der 8-Bit-Ära, in der sich der Held Clink nur sehr eingeschenkt in einer flachen 2D-Welt bewegen kann. Per Touch-Steuerung bewegt  sich der kleine Held in dieser schwarz-weißen-Spielwelt und öffnet Schatzkisten. Die schalten neue Features frei, wie mehr Farben für die umwelt, eine neue Waffe, Sound und sogar 3D-Grafik.

Durch diese Neuerungen verändert sich nicht nur die Spielwelt, sondern auch das Gameplay beziehungsweise das Genre. Spielt sich Evoland zu Beginn noch wie The Legend of Zelda: A Link to the Past, erinnert der Titel später an Action-Rollenspiele wie Diablo 1.

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Jeder Held fängt mal klein an. / © Shiro Games

Der Held verprügelt also wie bei Blizzards Kultspiel mit seinem Schwert rote Quallen-Monster, Skelett-Krieger und auch mittelgroße Bossgegner. Ist er auf Wanderschaft, können Rollenspiel-typisch Zufallskämpfe auftreten, bei denen der Held (später gesellt sich auch eine befreundeten Zauberin dazu) in rundenbasierten Kämpfen austeilt und Schläge einsteckt. Nach erfolgreichen Auseinandersetzungen werden Erfahrungspukte verteilt, wodurch Attribute wie die Stärke der Kämpfer verbessert werden. Selbst verteilen kann man diese Punkte leider nicht.

Abseits der sehr linearen Story-Pfade kann der Spieler noch nach versteckten Truhen Ausschau halten, es gilt einfache Schalterrätsel zu lösen und bei einigen Abschnitten ist es möglich NPCs (Nicht-Spieler-Charaktere) anzusprechen.

Das macht Spaß

“Ja, so war das damals” - Das habe ich zu Beginn oft gedacht, als ich Clink durch die Welt von Evoland bewegte, denn die sieht nicht nur aus wie eine exakte Kopie beliebter 8-Bit-Abenteuer, sondern die Steuerung ist genauso wie damals. Relativ schnell geht es dann durch zwei Jahrzehnte Videospiel-Geschichte und das hat vor allem den Nostalgiker in mir sehr angesprochen. Das Spiel ist sich dieser Zeitreise übrigens jederzeit bewusst, neue Features werden daher mit flappsigen und ironischen Sprüchen kommentiert. So macht sich Evoland unter anderem über eine neue Übersichtskarte lustig.

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Da werden Erinnerungen an Final Fantasy wach / © Shiro Games

Das ist nervig

Was früher gut war, kann auch im Jahr 2015 noch gut sein, viele sehr alte Videospiele weisen jedoch einige Eigenschaften auf, die heute einfach nur noch nerven. Da Evoland sowohl die guten als auch schlechten Eigenschaften dieser Spiele abbildet, ist der Frust-Faktor mitunter sehr hoch.

Wenn beispielsweise über 20 Minuten das immer gleiche, sehr kurze Lied aus den Lautsprechern tönt, grenzt das schon fast an Folter. Klar, früher gab es einfach keinen umfangreichen Soundtrack, die Entwickler hätten hier dennoch für etwas mehr Abwechslung sorgen können. Ein paar Gegner mehr sowie Sidequests hätten auch nicht geschadet, außerdem ist das Spiel insgesamt zu leicht.

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In Evoland steckt der Teufel drin. / © Shiro Games

Lediglich zu Beginn fürchtet man noch um sein Leben, da jeder Treffer zum sofortigen Bildschirmtod führt. Nach zusätzlichen “Lebens-Herzen”, die nach knapp einer Stunde freigeschaltet werden, treibt einem eine Konfrontationen aber keine Schweißperlen mehr auf die Stirn.

Bei der sehr kurzen Spielzeit (knapp vier Stunden) habe ich mich auch oft gefragt, für wen Evoland eigentlich gedacht ist. Als kleine Geschichtsstunde ist es durchaus geeignet, wegen der vielen “Nervensägen” wie Zufallskämpfe oder der teils ungenauen Steuerung rate ich jüngeren und ungeduldigen Spielern aber davon ab. Was eine Spieler-Generation durchgemacht hat, muss eine neue nicht auch erleben. Sowas nennt man wohl Gnade der späten Geburt.

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Hat sich Clink das Schwert von Cloud Strife ausgeliehen? / © Shiro Games

Als großer Fan der Vorbilder und allgemein von Spielen im Retro-Look bin ich mit Evoland aber auch nicht warm geworden und das lag nicht an den vielen Mängeln, sondern das Spiel hat einfach keine Identität. Anstatt etwas eigenes darzustellen, fühlt es sich eher wie eine lieblose Kopie an und es weckt eher die Lust darauf, die alten Klassiker nochmal zu zocken, anstatt mehr Zeit mit Evoland zu verbringen.

Vielleicht wäre es mit einer interessanten Geschichte auch besser geworden, denn einfach nur alles so wiederzugeben wie es damals war, ist adefinitiv zu wenig. Wie es besser geht, haben zum Beispiel die Entwickler von Hotline Miami gezeigt.

Fazit

Die Idee war gut, die Umsetzung ist bescheiden! Evoland will eine liebevolle Hommage an alte Klassiker wie Zelda, Final Fantasy und Diablo sein und dem Spiel gelingt es auch vor allem die 8-Bit-Zeit sehr gut abzubilden. Das wird vor allem Nostalgiker gefallen, die sich gerne an diese Zeiten zurückerinnern, schnell wird einem aber auch bewusst, wie beschränkt diese Spiele in ihren Möglichkeiten waren und wie viele teils sehr nervige Stellen es gab. Damit könnte man als Fan der Vorbilder eigentlich noch leben, doch leider bietet der Titel so gar nichts eigenes an, weshalb sich alles bei diesem Genre-Mix wie eine lieblose Kopie anfühlt. Und wer will schon eine wenig gelungene Kopie spielen?!

Neben den Schwächen, die Evoland “importiert” hat, weißt das Spiel aber auch zahlreiche große und kleine Fehler auf. So ist die Spielzeit mit knapp vier Stunden sehr kurz - Im Play Store kostet es zurzeit immerhin 4,49 Euro - und die Geschichte ist alles andere als spannend.

Für Hardcore-Retro-Fans ist Evoland sicher einen Blick wert, wer sich nicht dazu zählt, kann auf das Spiel daher getrost verzichten.

Wertung: 5 von 10.

  • Getestet mit: Nexus 9
  • Preis: 4,49 Euro (Stand: 11. Februar 2015)
  • Spieler: 1 Spieler
  • Erforderliche Android-Version:  2.2 oder höher
  • Größe: 43M
  • Systeme: Android-Smartphones, Android-Tablets
Evoland Install on Google Play

Top-Kommentare der Community

  • Tenten 11.02.2015

    Interessant, aber etwas zu teuer. Vielleicht gibt's ja mal ein Angebot. Ich merk es mir mal vor.

    Nebenbei bemerkt finde ich diese Tests wirklich unglaublich gut, nach dem Lesen weiß ich sofort Bescheid, ob mich ein Spiel interessiert oder nicht. Diese Tiefe würde ich mir bei AP auch für Apptests wünschen.

12 Kommentare

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  •   13

    Wieso genau sind 4 Stunden für ein Android-Spiel zu wenig? Wenn man es unterwegs spielt ( z.B. auf dem Weg zur Arbeit, Schule etc.) ist man ja wohl mindestens eine Woche beschäftigt. Und für zu Hause sind Android-Spiele sicher nicht gedacht, da man dort die Konsole/den PC stehen hat.

    • Und wenn ich's mir DOCH auf der Couch gemütlich machen will, hab ich's an einem Nachmittag durch.
      Das muss heutzutage wirklich nicht mehr sein.
      Dafür sind 4,49 € einfach ein zu hoher Preis.
      Aber jeder, wie er meint.

  • Für alle die das Spiel interessiert... hier mal die Browserversion
    hatetepe://evoland.shirogames.com/classic"
    Ist halt nicht das komplette game, aber die anfänge davon. Für ne halbe Stunde Spielspaß sollte es reichen.

    P.S.: Als "Neuer" der hier seit über 5 Jahren immer wieder einmal was kommentiert, kann ich wohl keine Links posten. Toll! Also bitte selber reparieren.

  • Wirklich ein toller Artikel!

  • Back to the roots. Top Artikel nach Jahren!

  • Sehr gut geschriebener Artikel! Leider ist das Spiel noch ein bisschen zu teuer. Trotzdem großes Lob solche Artikel hat es lange nicht mehr gegeben (meiner Meinung nach)

  • Hab Evoland auf dem pc schon durch, das Spiel hat "leider" kaum einen Wieder-Spielwert.
    wäre toll gewesen wenn die Besitzer der PC Version Rabatt bekommen

  • Bei dem Kollegen Grund bemerke ich eine gewisse Qualität, bei dem wie er testet und was er daraus "zu Papier " bringt. Informativ und kein aufgebauschter Schund.

  • Na schau an! Der Neue bei Androidpot erntet gleich dickes Lob :) Solche Tests sind echt super und man merkt, dass hier jemand vom Fach dran war! Weiter so!

  • Ist ja mal eine völlig neue Qualität auf AP. Ein informativer und unterhaltsamer Artikel. Weiter so.

  • Interessant, aber etwas zu teuer. Vielleicht gibt's ja mal ein Angebot. Ich merk es mir mal vor.

    Nebenbei bemerkt finde ich diese Tests wirklich unglaublich gut, nach dem Lesen weiß ich sofort Bescheid, ob mich ein Spiel interessiert oder nicht. Diese Tiefe würde ich mir bei AP auch für Apptests wünschen.

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