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6 Min Lesezeit 9 Kommentare

Das Milliardenspiel der Künstlichen Intelligenz: Wer bremst, verliert

Künstliche Intelligenz ist eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhundert, und die Entwicklung geht in einem rasanten Tempo voran - für die Staaten und Regierungen der Welt oftmals zu schnell. Die aktuellen Maßnahmen der europäischen Länder zeigen, wie schwer es ist, mit der KI Schritt zu halten.

Bundeskanzlerin Angela Markel hat erkannt, dass Deutschland Geld in die Hand nehmen muss, um bei der KI-Entwicklung mithalten zu können. Zusammen mit Vizekanzler Olaf Scholz verkündete sie den Plan: 3 Milliarden Euro sollen bis 2025 für die Künstliche Intelligenz fließen, dazu sollen 100 KI-Professuren an den Universitäten geschaffen werden, um die Forschung zu stärken. Dazu erhofft sich Merkel weitere Investitionen von den Bundesländern und aus der Industrie. 3 Milliarden, das klingt erst einmal viel, ist aber im Vergleich mit den Summen, die die großen Unternehmen in die Hand nehmen, nicht unbedingt beeindruckend für ein Land mit der Wirtschaftskraft von Deutschland.

In der FAZ wird Merkel so zitiert: "Deutschland ist nicht Weltspitze, in einzelnen Bereichen vielleicht, aber längst nicht in allen.“ Made in Germany solle auch in der KI ein Markenzeichen werden. Dafür werde die Bundesregierung zusätzlich viel Geld in den Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Weiterbildung von Beschäftigten stecken. Diese Erkenntnis kommt reichlich spät.

Geld ist nicht alles

Es ist aber natürlich auch nicht alles mit Geld lösbar, und das ist gut an Frankreich zu sehen. Präsident Macron hat im Interview mit Wired bis 2022 Investitionen von 1,5 Milliarden Euro in die KI-Forschung angekündigt, das bewegt sich auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in Deutschland. Trotzdem siedeln sich immer mehr Firmen und Institute in und um die französische Hauptstadt Paris an. Facebook, Google, Samsung, IBM, Fujitsu, sie alle haben in den vergangenen Jahren Paris zu ihrer Forschungs-Hauptstadt in Europa gemacht. Microsoft hat die "School of AI" in der Metropole an der Seine eröffnet, die sich komplett diesem Thema widmet.

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Auch bei Facebook wird an der KI geforscht. / © TY Lim/Shutterstock

Das liegt nicht nur an angekündigten Investitionen der Regierung, es sind noch weitere Faktoren entscheidend. Bei Facebook etwa arbeiten viele Franzosen in führenden Positionen in der AI-Entwicklung, was einen kleinen Ausschlag für den europäischen Standort gab. Zudem sprang die französische Regierung schon früh auf den KI-Zug auf und hat sich dadurch einen gewissen Vorsprung erarbeitet.

Betrachtet man den weltweiten Markt, wird aber klar, wie gering diese Investitionen eigentlich sind. Die Experten von McKinsey erwarten bis 2025 ein Volumen von 115 Milliarden Euro - und einen Anstieg von 25 Prozent jährlich. Die chinesische Industrie will im Jahr 2030 insgesamt umgerechnet 126 Milliarden Euro durch Künstliche Intelligenz verdienen - pro Jahr.

Staaten reagieren langsam

Bei diesen Zahlen wird deutlich, wie schwer es Staaten schon jetzt haben, das Zepter in der Hand zu halten. Selbst große Unternehmen sind deutlich flexibler bei der Adaption auf neue Technologien, und sie müssen auch auf weniger Dinge Rücksicht nehmen. An der Tatsache, dass Konzerne wie Google-Mutter Alphabet sich bereits eigene Richtlinien für die KI-Forschung und -Entwicklung auferlegen, während in Deutschland noch überlegt wird, wer die geplanten 100 Professuren überhaupt besetzen soll, zeigt, wie stark die Schere hier auseinander geht.

Ganz anders sieht es in China aus, wie eine aktuelle Analyse des Handelsblattes zeigt. Weitgehend unbemerkt von der westlichen Öffentlichkeit haben chinesische Technologie-Konzerne in diesem Bereich enorm aufgeholt, sind vielfach auf Schlagdistanz an die Wettbewerber von der US-Westküste herangerückt und haben die Europäer auf Platz drei verwiesen. Noch kennt kaum jemand den Fitness-Spiegel-Entwickler iCarbonX. Andere Anbieter wie Alibaba, Baidu und Tencent sind schon bekannter. Die Schlussfolgerung ist deutlich: Sie alle stehen in einem Wettlauf miteinander und mit ihren globalen Wettbewerbern: Wer den Standard für die Künstliche Intelligenz bestimmt, der wird auch die Basis für die Wirtschaft der Zukunft kontrollieren.

In China ist Technologie-Riese Alibaba einer der Big Player im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Alibabas Chefdatenwissenschaftler Min Wanli gibt im Interview einen Ausblick darauf, wie stark die KI im Fokus steht. In diesem Gebiet sehen chinesische Firmen trotz dem noch immer bestehenden Vorsprung der USA bei der Forschung die Chance, die Führungsrolle in der Welt zu übernehmen.

China spielt nicht, China macht

Ein kleiner Seitenhieb auf Google, die sich bei Alpha Go damit rühmen, zum ersten Mal einen menschlichen Go-Spieler mit einer KI geschlagen zu haben: Min Wanli sagt: "Es gibt Firmen, die Zeit in Brettspiele investieren – wir machen Krankenwagen schneller." Tatsächlich sind in Modellversuchen in China durch geschickte, dynamische Verkehrssteuerung Krankenwagen deutlich schneller unterwegs als bisher. Bei der Entwicklung des komplett autonomen Fahrzeugs sieht Wanli allerdings Tesla der Konkurrenz noch deutlich voraus.

Auch Microsoft ist sehr aktiv im Bereich der KI und betont immer wieder gerne, was für eine Hilfe die Technologie sein soll. CEO Satya Nadella betont im Gespräch mit Wired, wie stark die Künstliche Intelligenz etwa Menschen mit Behinderung helfen kann. Inklusion ist ein wichtiges Thema für Microsoft, auch in der Gaming-Sparte mit einem speziellen Controller. Mit dem Projekt "AI for Humanitarian Action" hat sich Microsoft gleich mehrere Themen vorgenommen, die mit KI verbessert werden sollen, unter anderem die Flüchtlings- und Kinderhilfe. Allein dieses Projekt ist 40 Millionen Dollar schwer und nur ein Bruchteil der KI-Investitionen bei Microsoft.

Dass sich große Unternehmen der KI-Entwicklung in unterschiedlichen Bereichen widmen, ist eine feine Sache. Trotzdem ist es enorm wichtig, dass sich die Staaten der Welt hier nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Schließlich bringt die Künstliche Intelligenz ja nicht nur Chancen, sondern auch ziemlich viel Risiko mit. Wenn sogar ausgeprägte Technologie-Optimisten wie Elon Musk, der längst die Reise zum Mars im Blick hat, vor den Gefahren der KI warnen, ist es umso wichtiger, dass staatliche Regulierung die Grenzen festlegt.

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Elon Musk zählt zu den Mahnern gegenüber der Künstlichen Intelligenz. / © AFP

"Wir müssen sehr vorsichtig sein"

Im Gespräch mit Kara Swisher von Recode sagte Musk kürzlich: "Da die KI wahrscheinlich viel intelligenter wird als der Mensch, ist das relative Intelligenzverhältnis dem zwischen einer Person und einer Katze ähnlich, möglicherweise größer. Ich denke, wir müssen bei der Weiterentwicklung der KI sehr vorsichtig sein." Auch andere Experten stoßen in dieses Horn, sogar Stephen Hawking gab in Sachen KI bereits den Mahner. Damit sich die Entwicklung in eine einigermaßen sinnvolle und sichere Richtung bewegt, braucht es Regierungen und staatliche Institutionen, die eine Führungsrolle einnehmen und nicht nur zuschauen.

Man sollte mit Blick auf Deutschland und Europa jetzt nicht komplett schwarzmalen. Die Möglichkeiten, sich in der KI-Forschung und den damit verbundenen Industrien einzubringen - und damit auch gutes Geld zu verdienen - sind da, und sie sind auch vielfältig. Doch das Zeitfenster, um sich eine Führungsrolle in diesem Gebiet zu sichern, wird kleiner. Europa wird sich strecken müssen, um mit den USA und vor allem China mithalten zu können.

Was denkt Ihr, wohin uns die Reise mit der Künstlichen Intelligenz noch führen wird?

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9 Kommentare

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  • Ich halte den Grundtenor des Artikels für etwas zu pessimistisch. Auch ist die Erforschung und Umsetzung von neuen Technologien nicht Aufgabe der Staaten sondern vor allem der Wirtschaft, wenn man von Projekten wie der Weltraumforschung, der Teilchenforschung usw. absieht, die sich in absehbarer Zeit kaum vernünftig monetarisieren lassen. Staaten müssen Rahmenbedingungen schaffen und die Grundlagenforschung sichern. Deshalb sind die 3 Milliarden für neue Professuren genau an der richtigen Stelle eingesetzt, nämlich wo an den Grundlagen geforscht wird: in den Universitäten.
    Wenn die Bundesregierung 300 Milliarden zur Verfügung stellen würde, wer sollte die abrufen, wenn es schon Probleme macht, die 100 Professuren zu besetzen? Und würden die dann sinnvoll verwendet, wenn sie nach dem Gießkannenprinzip verteilt würden?

    In Deutschland gibt es wenige Großunternehmen, die wirklich Milliarden für neue Entwicklungen in die Hand nehmen können, und viele viele kleine und mittlere Unternehmen, die nur deutlich kleinere Entwicklungsbudges zur Verfügung haben.
    Bekannte Namen unter den Großen wären SAP, die Autoriesen Daimler, BMW und VW sowie Siemens und Bosch, die mir momentan einfallen.
    Man hört hier nicht viel von Forschung zu Themen wie KI, oder im Autobereich autonomen Fahren. Trotzdem werden diese Firmen nicht von Schlafwandlern geführt, die durch die Welt wandeln, ohne mitzubekommen, was die Zukunft bringen wird. Dafür sind diese Firmen viel zu erfolgreich. Vielmehr wir hier wirklich geschafft, statt geschwätzt und angekündigt. Ich bin überzeugt, wenn es einen Markt für autonome Autos gibt, diese sicher unterwegs sind, und die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür existieren, werden solche Autos aus Deutschland auch angeboten werden. Was hinter den Werkstoren stattfindet, kann man hier eben nur bedingt in der Zeitung lesen.
    Aber auch kleine und mittlere Hersteller halten ihre Produkte aktuell, und man kann davon ausgehen, dass Hersteller z.B. im Maschinenbau sehr wohl überprüfen, ob Technologien wie KI dazu beitragen können, ihre Produkte konkurrenzfähig zu halten.
    Und gerade kleine und mittlere Unternehmen dürften mit großspurigen Ankündigungen noch viel zurückhaltender sein, kommt es hier doch besonders darauf an, einen Vorsprung wirklich heraus zu arbeiten, statt dem Wettbewerb zu verraten, was man in Zukunft plant. So kann man davon ausgehen, dass jetzt schon weit mehr als die 3 Milliarden der Bundesregierung in KI-Forschung und Anwendungsumsetzung fließen, nur reden eben nicht viele davon.
    Die Kanzlerin hat natürlich Recht, wenn sie sagt, Deutschland sei nur in einem Teil der Technologiebereiche führend, nicht in allen. Aber kann man etwas Anderes erwarten? Können 80 Millionen überall führend sein, wenn es insgesamt 7 Milliarden gibt?
    Ich glaube kaum. Und ich halte es auch gar nicht für so entscheidend, überall führend zu sein. Kleinere Staaten in Europa, wie die Schweiz, Österreich, die Benelux-Länder oder die skandinavischen Länder haben teilweise einen höheren Wohlstandsindex als Deutschland, dürften aber in noch weniger Bereichen technologisch führend sein, und haben noch viel kleinere staatliche Forschungsbudgets.

    Trotzdem schaffen sie es, am Weltmarkt konkurrenzfähige Produkte zu verkaufen, nicht in allen Bereichen, und nicht überall technologisch führend, aber genug, um den Wohlstand zu sichern.
    Und um die Parallele zu Smartphones zu ziehen: auch hier verkaufen sich ja nicht nur die technologisch führenden High-End-Produkte, sondern auch viele viele Geräte, die preisgünstig sind, und einfach ihren Zweck erfüllen.

    Die Aussagen von Musk und Hawkings halte ich nicht für falsch, aber für etwas früh ausgesprochen. Derzeit steht ausschließlich schwache KI zur Verfügung, die kaum Anlass zu solchen Sorgen gibt. Wenn man die Artikelstrecke "KI: Dümmer als man denkt" in der aktuellen c't liesst, (Heft 24, 2018) kommt in dieser Beziehung regelrecht Ernüchterung auf.


  • Wer brauch schon KI? Dass wird in Zukunft ganz extrem in die Hose gehen, wenn sie es so weit entwickeln, dass sie es nicht mehr kontrollieren können.


  • Künstliche Intelligenz hat kein Herz und kein Gewissen. Daran wird die gesamte Menschheit scheitern.


    • Die Menschheit hat zunehmend auch weniger Herz und noch viel weniger Gewissen. Wir schaffen nur nach unserem Vorbild.


  • Im Gegensatz zu Taschenrechner oder Auto wird es in der KI eine inhärente Eigendynamik geben. Das ist eine neue Qualität die es bislang so noch nicht gab. Dort liegt meiner Ansicht nach das große Potential und gleichzeitig das größte Risiko. Wenn Menschen Schindluder damit treiben, und das werden sie weil es zu verlockend ist, potenziert sich das durch die kognitive Eigenintelligenz, das Mitlernen dieser Systeme. Die Perversion zeigt sich ja heute schon in den Entwicklungen der Autonomen Waffensysteme...

    Die Gefahr liegt nicht darin, daß KI-Systeme intelligenter/schneller sind als das menschliche Denken, die eigentliche Gefahr besteht in der fehlenden Kontrollinstanz dieser Technik. Beim Menschen nennt man das Emotionen und Bewußtsein.

    H G


  • "Da die KI wahrscheinlich viel intelligenter wird als der Mensch" - naja... das ist ein wenig wie zu sagen "Da ein Taschenrechner viel schneller rechnen kann als ein Mensch" (ist der Taschenrechner jetzt intelligenter als ich?) oder "da ein Auto viel schneller fahren kann als ein Mensch laufen" (ist das Auto viel sportlicher als ich?). Viele Maschinen können die bestimmte Aufgabe(n), für die sie gebaut werden, stärker/schneller/besser/ausdauernder erledigen als ein Mensch.

    Auch "künstliche Intelligenz" wird für eine bestimmte Aufgabe eingesetzt - die Flexibilität und das breite Aufgabengebiet, das eine "natürliche Intelligenz" abdeckt, hat sie nicht. Warnungen vor der "künstlichen Intelligenz" sind eigentlich keine Warnungen vor jener, sie ist nur ein Werkzeug - eigentlich sind es Warnungen vor dem, wofür Menschen sie einsetzen würden, bzw. vor den Menschen, die sich die Einsatzzwecke ausdenken (z.B. Einsatzzweck "Kommunikationsüberwachung": nicht die KI denkt sich aus, dass sie gern Kommunikation überwachen und möglicherweise in Folge Menschen gängeln würde, sondern Menschen wollen überwachen und gängeln - und nutzen, sofern sie über die notwendige Technologie verfügen, auch eine KI als Werkzeug. So wie sie halt immer schon die ihnen verfügbaren Werkzeuge genutzt haben, um Schindluder damit anzufangen).


  • Ich denke nicht, dass Deutschland hier noch irgend etwas bewegen kann, der Zug ist längst aus dem Bahnhof. Auch wenn man jetzt ein bißchen Geld in die Aufforstung steckt, so werden fähige Leute am Ende doch ins Ausland abwandern. Das war in der Softwarebranche so, in der Gamingindustrie, über die man typisch deutsch erst mal gelacht hat und auch in der Filmindustrie, die auch heute noch nur mit Quotenregelungen und Förderungen am Leben bleibt. Das Schiff KI haben längst andere geentert und wenn ich lese, was China in dieser Richtung alles entwickelt, dann muss ich sagen, auch zu recht. Die Mär vom Technologiestandort Deutschland hält sich hartnäckig, nicht zuletzt durch gute Lobbyarbeit und den Wunschgedanken der Politik, aber wenn man ehrlich ist, sind wir das lange schon nicht mehr. Unsere jahrzehntelange Mustervorzeigeindustrie ist längst nicht mehr so innovativ und wichtig wie einst und wird von anderen eingeholt. Somit ist der Gedanke, in Technologie und Zukunft zu investieren, zwar richtig. Die Richtung ist allerdings falsch.


  • Für die Schulen und die Kinder ist kein Geld da... 💵😔

    Aber für die Entwicklung der KI, womöglich genauso wie bei der Autoindustrie in den Dritte Welt ländern, können wir ruhig Paar Milliarden locker machen!

    "Schuster bleib bei deinen Leisten!"

    Daher empfinde ich Industrie, Dienstleistung, Agrar, Bildung als wichtigeren Bereich für Deutschland 🌐👍

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