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Kommentar 4 Min Lesezeit 59 Kommentare

Viel Licht, viel Schatten bei OnePlus? Die ganze Branche hat Probleme!

OnePlus hat zuletzt einige Zeit in den Schlagzeilen verbracht, und nicht unbedingt in den guten. Die Schlagzahl hat sich in den vergangenen Tagen erhöht. Entwendete Kreditkartendaten nagen schon an dem Vertrauen, das ich einem Hersteller entgegen bringe. Die Kritik der Journalisten und Branchenkenner wächst. Beim genauen Hinsehen zeigt sich aber: Nicht jeder Skandal ist tatsächlich einer. Und: Auch andere Smartphone-Hersteller machen Fehler, lernen aber zu wenig aus ihnen. Die Branche muss sich ändern.

OnePlus-Smartphones zählen ohne Zweifel zu den Besten: Stock-nahes, leicht modifizierbares Android, stärkste Hardware und klassenbestes Schnellladen bescheren den Geräten einen guten Ruf. Und spätestens beim Preisvergleich mit der Konkurrenz werden jährlich mehr Kunden von OnePlus überzeugt.

Auch ich nutze die Geräte gerne und habe lange Tests mit ihnen gemacht. Doch die Nachrichten der letzten Wochen gaben meinem Bild von OnePlus einen herben Dämpfer.

Wie OnePlus in die Kritik geraten ist

Meine aktuelle Enttäuschung über OnePlus liegt nicht an den Produkten. Es liegt vielmehr daran, dass der Hersteller nun mehrmals hintereinander Beispiele mangelhafter Kommunikation geliefert hat. Das fing für mich an beim zunächst versprochenen und dann nicht gelieferten Nougat-Updates fürs OnePlus 2. Später gab es den kopfüber eingebauten Bildschirm beim OnePlus 5, der in einigen Fällen zum so genannten Jelly Scrolling, also nervigen Darstellungsfehlern geführt hat. OnePlus hatte danach in bester Apple-Manier behauptet, dass es sich hierbei nicht um ein Problem handelt; die Diskussion wurde damit einseitig beendet.

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OnePlus war ehrlich und gab Cheating bei Benchmarks zu; nur nannte es dies eben "Optimierung". Nicht so schlau. / © AndroidPIT

Dann folgte das Tricksen bei den Benchmarks, das OnePlus offen zugegeben und dreist als Optimierung verkauft hat. Und Optimieren sei schließlich kein Betrug. Inzwischen wurden derlei Optimierungen aus der Firmware entfernt, aber das mussten die Kollegen bei den XDA-Developers erst mühselig herausfinden, nachmessen und erfragen.

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Die Geräte an sich sind nicht schuld daran, dass OnePlus negative Presse hat. / © AndroidPIT

Langes Schweigen hinterlässt die Presse hypersensibel ...

Eine der jüngeren Meldungen über Datentransfers aus com.oneplus.clipboard zeigt, wie aufgestachelt die Presse mittlerweile gegen OnePlus ist. Sendet OnePlus in der Beta tatsächlich all die Inhalte der Zwischenablage an Server in China? Die Analyse der Zwischenablage erwies sich beim näheren Hinsehen dann doch als "halb so schlimm", wie Notebookcheck titelt.

Jüngst wurden Vorfälle bekannt, die darauf deuten, dass OnePlus-Kunden Opfer von Kreditkartenbetrug wurden. Nach der Bezahlung auf OnePlus.net – dem einzigen offiziellen Vertriebskanal für die Smartphones – seien einigen Usern weitere Abbuchungen aufgefallen. Erst spät reagierte OnePlus auf die Berichte mit einem Statement und einer Untersuchung. Zu spät. Darunter leidet das Image von OnePlus in meinen Augen. Vor allem aber fällt störend auf, dass der Hersteller oft nicht in angemessenem Tempo und Umfang auf die Kritik reagiert.

... aber das ist symptomatisch für die ganze Branche

News wie die um den berichteten Kreditkartenbetrug verbreiten sich schnell im Netz und schnell werden die dahinter liegenden Annahmen als Fakten oder Beweise wahrgenommen. Hat der Shitstorm erst einmal begonnen, wird es für PR-Abteilungen aber auch für Journalisten schwer, die aufgeheizte Debatte zu versachlichen. 

Aber die Presse hat nicht nur OnePlus auf dem Kieker. Samsung soll Minderjährige beschäftigen. Apple soll die Lebensdauer seiner iPhones künstlich begrenzen. Das Note 7 wurde zweimal hintereinander mit gefährlich defektem Akku auf den Markt gebracht. In vielen Prozessoren von Intel, AMD und anderen stecken problematische Sicherheitslücken. Die Statements der Hersteller dazu sind oft nichtssagend oder ausweichend. Es gibt viele Gründe, warum die Berichterstatter empfindlich geworden sind.

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Intels erste Antworten auf Meltdown und Spectre sind - gelinde gesagt - ausweichend. / © Screenshot: AndroidPIT

Ist die Vertrauenskrise erst einmal groß genug, müssen Hersteller umso eifriger demonstrieren, dass Kritiker Unrecht haben. Dann sind Gegenbeweise gefragt, die falsche Meldungen entkräften können. Der Image-Schaden kann oft erst wieder repariert werden, indem nach der Entkräftung weiter gegengesteuert wird.

Was kann OnePlus besser machen?

Als Community-orientiertes Unternehmen hat OnePlus hervorragende Mittel, um gegenzusteuern. Durch den Direktvertrieb ist der Anteil loyaler Kunden vermutlich erheblich höher als bei Konkurrenten, deren Produkte zwischen vielen anderen im Schaufenster liegen.

Diese Kunden wollen das Warum hinter Entscheidungen begreifen, die ihr Investment betreffen. OnePlus-Kunden gehen gezielt auf OnePlus beim Kauf zu und genau das kann OnePlus erwidern wie kein anderer, wenn es um die Kommunikation geht; und sei es bloß per Newsletter oder mit einem Post im Community-Forum, der auf Pressemeldungen eingeht.


Der Artikel wurde nach der Veröffentlichung redaktionell überarbeitet. Die Überschrift und die Einleitung waren auf OnePlus zugespitzt, obwohl im Artikel ein Gesamtproblem der Branche zur Diskussion stehen sollte.

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Top-Kommentare der Community

  • Sophia Neun
    • Admin
    • Staff
    vor 4 Monaten

    Wir hassen OnePlus? Vor kurzem hat uns noch jemand OnePlusPIT genannt.
    Und es wird nie über die Fehltritte der anderen Hersteller geschrieben? Im Artikel hier sind sogar welche verlinkt. ;)

  • J. G. vor 4 Monaten

    Anregung (um mal die Großmeister der leeren Versprechungen, Worthülsen und Kommunikationskrüppelei zu thematisieren): berichtet mal über die Entwicklung von BlackBerry und deren Statements zu Upgrades und dergleichen seit dem Priv.... DORT wird man richtig fündig! Aber das ist ein anderes Thema....
    Worüber regen wir uns auf? Wie schon an anderer Stelle geschrieben, scheinen sich viele User nur zu gern persönlich beleidigt zu füllen, wenn man "ihre" Marke in Misskredit bringt. Wenn Kommentare/Berichte hier mit "Deine Mudda" beginnen oder enden würden, könnte ich ja verstehen, dass sich der ein oder andere verteidigend vor sein Elternteil stellt, aber wir unterhalten uns hier über ein Te-le-fon! Würde hier jemand mit Inbrunst sein Waffeleisen oder seinen elektrischen Dosenöffner verteidigen?!?
    Also- einigen wir uns darauf, dass es NUR kleine elektrische Spielzeuge sind, die für uns -zugegebenermaßen- auch einen ideellen Wert besitzen...
    Das dominierende Wirtschaftssystem und seine Milchkühe (WIR!) tun das, was wir sollen- konsumieren! Wenn man mehr verkauft, indem man einen Service bietet und der Mehrverkauf bringt -trotz Kosten des "Service"- einen Zusatzgewinn, dann wird man den Service am Leben halten. Übersteigen jedoch die Kosten der "Dienstleistungen am Kunden" ggf. die Mehreinnahmen, wird man am Service einsparen. Und wenn man 1000 Geräte mit zwei Verkäufern verticken und 999 mit nur einem, wird man die Personalkosten sehen und mindestens einen Verkäufer entlassen.
    So sieht es in ALLEN Dienstleistungen am Kunden aus- und wir kaufen trotzdem! Natürlich darf ein Unternehmen auch keine technischen Schwachheiten zugeben, weil sich am Akteinmarkt sofort Bewegung einstellt! Und als AG wären mir 10.000 enttäuschte Kunden (und Nicht-Käufer) lieber als eine ehrliche Presse-Abteilung, die einen Kurseinbruch in Millionen-Dollar Höhe provoziert! Der Kunde ist ohne Frage das Produkt und der Aktienkurs genießt Eindeutung Vorrang!
    Natürlich ist die "Schnäppchen-Kultur" und Wegwerf-Mentalität des Konsumenten ebenso maßgeblich: immer muss das Neue, Schickere her und das in immer kürzenen Intervallen. Und es muss billig sein. Und genau DAS für z.B. auch zu den Gammelfleisch-Skandalen in der Lebensmittelindustrie die Ursache- immer mehr Fleisch zu immer günstigeren Preisen.
    Die Gegentendenz ist der Prestigewert eines Produktes. Ein iSheep gibt gerne 1400,- Euro für ein iPhone X aus, wenn es seinem kränkelnden Selbstwertgefühl dient. Und so sind wir die idealen Kunden: wir geben irre Summen aus, um unserem Ego einen Push zu geben und nach Außen einen Wert darzustellen, den es offenkundig nicht wirklich hat und wir konsumieren, obwohl wir von einzelnen Unternehmen mit absoluter Geringschätzung behandelt werden.... Wäre ich Unternehmer, würde ich die "Schmerzfreiheit" belächeln...

59 Kommentare

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  • Habt ihr den Artikel umbenannt?


  • Also es gibt wirklich nur noch einen Hersteller der Support, Updatepolitik und Vertrauenswürdigkeit gegenüber seinen Kunden zeigt und dieser heißt : ............ !

    Ihr könnt nichts sehen ? Wahrscheinlich weil es einfach nichts zu sehen gibt. Es gibt einfach keinen Hersteller mit weißer Weste und das Verhältnis wird in meinem Augen von Jahr zu Jahr eher schlechter. Das tolle Gerät vom tollen Hersteller, womöglich zum tollen Preis gibt es hält nunmal nicht und die Kröten die der Kunde zu schlucken hat, werden immer dicker.


  • Hans vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Mich hat deren Service vergrault.
    Handy mit WLan-Defekt wiederholt hingeschickt. Handy kam "getestet" und für mich unrepariert retour, da die Fehler wieder passierten. Wurde nicht mal geöffnet.
    Bis dato wurde mein Account bei denen trotz Urgenz NICHT gelöscht.

    7 Mitarbeiter haben mir dann bis zum endgültigen Ende der Kommunikation (meinerseits) zugeredet und ich hätte mir dann noch Zubehör aussuchen können.

    Zubehör für ein defektes Gerät?


  • kein SD Karten Slot ,wie Xiaomi und das mate 10 pro...werde ich mir nie holen und von daher ist das ehh irrelevant.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Nachdem was man bisher alles ans Tageslicht gebracht hat, würde ich denen so viel trauen, wie weit ich einen Elefanten werfen kann. Na ja, das ist nicht besonders weit...


  • Ich verstehe nicht ganz, was dieser Artikel soll... In der Headline wird verkündet, dass OnePlus sein Vertrauen verspielt hat, im Artikel selbst wird aber aufgezeigt, dass es hier eigentlich um Fakenews, Shitstorms und hypersensible Presse geht. Und OnePlus' Kommunikationsstrategie, die "gelegentlich zu wünschen übrig lässt". Da sollte man doch wohl eher hinter seiner Marke stehen, anstatt jeden Pups in der Presse mitzumachen, oder?


  • NEIN


  • Thomas vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    ist doch alles halb so wild,es handelt sich hier doch um android und die one+ superphones,da kann das doch alles mal passieren,schliesslich ist doch apple noch viel böser und schlimmer


  • Wem soll man überhaupt noch trauen? Alle wollen nur etwas verkaufen und dabei so viel wie möglich Gewinn machen. Auch die Fachzeitschriften u. Foren springen auf jeden Hype auf bevor der Zug überhaupt los gefahren ist (eg. bevor das Produkt auf dem Markt getestet werden konnte.) Aktuelles Beispiel Galaxy S9 oder auch iPhone X was ja doch nicht so der Renner zu seien scheint. Da wird kaum mehr passieren als beim S8. Gehyped wird es aber trotzdem u. nach Release vergehen keine 2 Monate da zerreist sich jeder das Maul über das S10 mit reichlich Spekulationen wie es aussehen könnte und was es angeblich können soll-te. Über das S9 spricht man dann nur noch wenn der Akku wieder abfackelt oder das FW-Update auf sich warten lässt.
    Brot u. Spiele fürs Leser-Volk. Danach das Tal der langen Gesichter u. leeren Geldbörsen.


    • Sebo vor 4 Monaten Link zum Kommentar

      Ist wirklich so, es kommt einem echt so vor dass vor dem Erscheinen eines Gerätes viel mehr, öfters und intensiver berichtet wird als danach.
      Ist das Gerät dann offiziell angekündigt und im Handel beschränkt sich die Berichtserstattung dann recht schnell auf Kleinigkeiten oder Fehler, wenn vorhanden.
      ruckzuck wird dann monatelang über evtl Nachfolger geschrieben, gefüllt 1000 Berichte über "soll, könnte, müsste"...
      Insgesamt wird mehr spekuliert als dann doch über harte Fakten geschrieben.
      Davon lebt auch der Markt,aber mich interessiert zb nicht direkt nach Release des S9 was das S10 in einem Jahr dann alles besser machen soll und könnte...
      Ich für meinen Teil finde das einfach unnötig. Zumal sich dann auch wieder sehr viel davon am Ende dann doch als falsch erweist und es doch anders kommt.


  • Der Kommentar als Ganzes hat mir persönlich gut gefallen.
    Es stimmt ja, OnePlus hat sich - Wie so viele andere Smartphonehersteller - nicht gerade immer mit Ruhm bekleckert.
    Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich wünsche mir von ALLEN Herstellern mehr Transparenz, mehr Kommunikation und kann diese, teils nicht mal mehr gut konstruierten, Lügen nicht mehr hören.
    Eine schwierige Situation.
    Eigentlich war mein Plan als nächstes ein Oneplus zu testen, aber ich warte mal lieber ab, was bis zum Sommer hin passiert.

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