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Kommentar 3 Min Lesezeit 6 Kommentare

Blockchain sei Dank: Musicoin entfesselt Künstler von der Musikindustrie

Wenn es (k)ein Problem gibt, kann Blockchain ja helfen. So scheint heutzutage der Hypetrain unterwegs und logisch ist deswegen, dass auch Musik-Streaming-Dienste mit der Blockchain interruptet werden sollen, wenn Ihr mir mein holpriges Denglisch verzeiht. Volareo hat nun einen Lautsprecher präsentiert, der Musik-Streaming und Blockchain zusammen bringt. Dabei setzt er auf die Kryptowährung Musicoin. Alle Klarheiten beseitigt? Wir haben uns einmal in das System eingefuchst.

Eines ist klar: So richtig toll sind die Konditionen für Musiker nicht, wenn auf Streaming-Diensten ihre Musik abgespielt wird. Jeder abgespielte Stream bringt einen Bruchteil eines Cents ein, gerne zwacken sich Labels, Rechteinhaber, Manager oder Plattformbetreiber außerdem ein wenig ab.

Da wirkt das Versprechen von Musicoin wie eine Revolution: Jeder abgespielte Stream bringt den Künstlern 10 US-Cent ein. Garantiert keine Mittelsmänner. Noch besser: Den User kostet das alles gar nichts. Keine Werbung? Ehrensache. Und wer seine Lieblingskünstler weitergehend unterstützen möchte, klatscht, und spendiert den Künstlern damit zusätzliche Einnahmen.

Ein smarter Lautsprecher kommt da gerade recht: Der Volareo sieht aus wie eine Bluetooth-Box und ist auch eine. Volareo spielt aber eben auch Musik aus dem Fundus von Musicoin ab. Dessen Weboberfläche ist recht simpel gehalten und macht vor allem das Auffinden von Musik schwer. Volareo soll nun via Sprachkommandos Zugriff auf das Musikarchiv geben.

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Volareo: Smart Speaker mit Blockchain an Bord / © Volareo

Was macht Musicoin so besonders?

Musicoin funktioniert wie handelsübliche Kryptowährungen: Die Daten werden dezentral in mehreren Instanzen gespeichert und mittels kryptographischer Berechnungen so aneinander gekettet, dass eine Fälschung unmöglich ist. Der Prozess der Verkettung stellt die Wertschöpfung innerhalb eines Blockchain-Systems dar und wird auch Mining genannt. Miner stellen dafür leistungsstarke Computer-Systeme zur Verfügung, denn jede erfolgreiche Mining-Operation erstellt neue Einheiten - in diesem Fall also Musicoins. Interessant ist, wie Musicoin mit den neu erstellten Musicoins umgeht. Ein Teil von diesen wandert nämlich in einen Pool, aus dem heraus die Musiker für jeden Stream bezahlt werden.

Im Fall von Musicoin erhält ein Musiker für einen Stream also keine Cent-Überweisung, sondern vielmehr eine bestimmte Menge Musicoin, die über den Umweg von Bitcoin in reales Geld getauscht werden kann. Kurz gesagt: Für Musicoin gilt, was für Bitcoin & Co. billig ist. Es ist ein hochriskantes Investment, bei dem es keine Garantien gibt.

Applaus, Applaus

Diese Ausführungen bringen uns nun zurück zum Smart Speaker Volareo. Käufer erhalten nämlich 500 Musicoins, die mittels Applaus an Künstler verteilt werden können. Wir dürfen uns das Ganze als Trinkgeld vorstellen. Künstler wiederum sollen durch dieses System angeregt werden, exklusive Tracks zu veröffentlichen und Musik nach dem Geschmack der User zu produzieren - was mir irgendwie bekannt vorkommt.

Die Idee von Musicoin klingt gut und vielleicht hat das System sogar tatsächlich Chancen. Klar ist, dass Musicoin die Art und Weise der Interaktion mit Fans verändert. Fans sollen Promoter werden.Innerhalb des Systems können Fans Coins erhalten (auch mittels Mining) und somit die finanzielle Grundlage von Musikern gehörig auf den Kopf stellen.

Noch steht aber ein Beweis aus: Aktuell gibt es keine bekannteren Künstler auf der Plattform. Mehr Prominenz tut dem Wechselkurs üblicherweise gut und so könnten die Auszahlungen sogar an Wert gewinnen. Was aber, wenn niemand an die Musicoins glaubt und diese nicht mehr zu Geld zu machen sind?

Erstaunlicherweise hat die Musikindustrie das Zeitalter der Peer-to-Peer-Tauschbörsen überstanden. Raubkopiererei galt gemeinhin als Sargnagel dieser so verdienten (?) Industrie. Heute sind die großen Labels weiter am Drücker und liefern den wichtigsten Teil des Musikarchivs von Spotify & Co.. So schön das Versprechen von Musicoin auch klingt: Blockchain alleine wird das Problem von Nachwuchskünstlern nicht lösen können.

Glaubt Ihr, dass Plattformen wie Musicoin der betagten Musikindustrie den entscheidenden Stoß geben können?

Quelle: Volareo, Musicoin

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  • Das Prinzip der Bitcoins ist der Gipfel der kapitalistischen Dekadenz- ebenso könnte man Schuldscheine verteilen, die einen Anspruch auf eine Woche Fernwärme in Hamburg durch eine Nuklear-Explosion in China begründen! Sehr waghalsiges Investment in divuse "System-Alternativen" mit ökologischem Selbstmord-Charakter!
    Wer meint, dass Bitcoins und Co. eine nachhaltige und befreiende Alternativ-Ökonomie darstellt und die Ökobilanz des Minings ausblendet, kann sich ebenso einen Sprengstoffgürtel umschnallen und an 72 Jungfrauen glauben!!!!!


  • Nix für mich halte mich bei der pseudo Kohle raus.


  • Die Blockchain ist ja gerade DAS neue Wundermittel für so gut wie alles. Was auch daran liegt, daß viele eigentlich gar nicht recht verstehen, was da eigentlich genau passiert. Jeder hat nur irgendwo aufgeschnappt, dass man mit Kryptowährung ohne große Mühe reich werden kann und das wird blind geglaubt. Erinnert mich sehr an den Hype um die Telekomaktie damals. Reich wurden da die wenigsten. Und auch hier werden die Künstler nicht die sein, die viel verdienen. 10 Cent pro Stream ist vollkommen unrealistisch, wo soll dieses Geld denn herkommen?

    J. G.


  • Also ich bin vielleicht zu alt für den Sch**ss.....

    Ich gehöre ja noch zu der Generation die mit der D-Mark in der Tasche zur Schule gelaufen ist und wir gelten da ohnehin als schwierig. Die Blockchain Technologie ist eine Seite, Kryptowährungen stehe ich zurückhaltend gegenüber, denn auch wenn immer wieder auf Vorteile und Möglichkeiten hingewiesen wird, ist Krypto für mich eine Wundertüte bei welcher doch keiner mit Gewissheit sagen kann was rauskommt.

    Die die damit Ihr Geld verdienen heben es in den Himmel, die die es kritisieren kommen mit Argumenten die bei genauer Betrachtung ebenso stimmig sind. Im Prinzip wollen uns fremde Menschen das wir Ihnen unser Geld anvertrauen ( Euro wechsel in Kryptowährungen ) und geben uns keine Garantien wie sie es zu schützen gedenken oder ob bei einem Verlust jemand erklären kann wieso es weg ist.

    Ob diese Zocks für Künstler wirklich die Lösung aller Probleme darstellen , lasse ich mal dahin gestellt.

    Mir kommen die ganzen Systeme wie ein Einarmiger Bandit vor, in welchen ich mein ganzes Geld werfe und nur den Jackpot ziehen muß um es wieder zu bekommen.

    J. G.


    • Mir kommt es wie diese Schneeballsysteme vor, bei denen einer fünf weitere Zahlende werben muss, damit der eine Geld bekommt. Irgendwie alles sehr undurchsichtig, wo denn nun eigentlich dieses Geld herkommt.

      J. G.


      • Mich beschäftigt immer das reales Geld in Geld konvertiert wird, das eigentlich gar kein Geld ist.
        Das ganze wird dann verwaltet und verteidigt durch selbsternannte Experten und wirklich keiner kann es Dir wirklich so erklären das es für andere als den Anbieter einen wirklichen nutzen zeigt.

        Ich weiß nicht ob ein Schneeballsystem es wirklich trifft, es ist für mich eher eine Blase die ohne wirklichen Gegenwert hochgehypt wird und irgendwann platzt.

        Wer sich wie ich mit Aktien beschäftigt ( privat ) kennt ja diese Penny-Stocks die heute 20 Cent wert sind, übermorgen 20 Euro und über-übermorgen 0,01 Cent und so dümpeln die dann durch die Welt bis sie irgendwann ausgelistet werden. Da kommen auch immer tausende Anleger und investieren Haus & Hof ( wenn sie dumm sind ) und hoffen auf den Reichtum über Nacht. Das geht selten und nur für ganz wenige gut.

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