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Big Brother is googling you: Google-Nutzern fehlt die Medienkompetenz

Die ganze Welt googelt täglich. Wie gehen wir jedoch mit dem Medium um und wie gut verstehen wir Google und seine Dienste? Eine Studie zeigt nun: Zu viele wissen zu wenig und überschätzen sich dabei auch noch selbst. Forscher fordern daher eine stärkere medienrechtliche Regulierung von Google und Co. und eine bessere Vermittlung von Medienkompetenz.

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Wir erhalten nicht nur Informationen übers Googlen - Google erhält auf demselben Wege Informationen über uns. © Google/AndroidPIT

Wie suchen Nutzer im Internet nach Informationen, und welche Rolle spielen Suchmaschinen dabei? Diese Fragen haben sich Forscher der Johannes-Gutenberg Universität Mainz gestellt und unter der Überschrift "Die Googleisierung der Informationssuche” eine repräsentative Umfrage unter 16- bis 82-Jährigen durchgeführt. Die Ergebnisse sollten uns zu denken geben.

92 Prozent aller deutschen Internetnutzer verwenden Google, und eine Mehrheit von ihnen hält sich für kompetent im Umgang mit der Suchmaschine (48 Prozent schätzen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse als gut ein, 18 Prozent gar als sehr gut). Im Zuge eines Wissenstests, der genau das überprüfen sollte, schnitten dann aber lediglich 32 Prozent als gut ab und gerade mal zwei Prozent als sehr gut. Zum einen überschätzen wir offenbar unsere Kenntnisse, zum anderen halten sich aber bereits erstaunlich viele Nutzer für nicht sonderlich kompetent. Beides ist bedenklich.

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Google kennt uns immer besser - und verdient gut daran. Das hat Gutes und Schlechtes an sich. / © AndroidPIT

Nutzer sind zu unkritisch im Umgang mit Google

Das Hauptproblem ist nach Ansicht der Forscher demnach ein “mangelndes Problembewusstsein und [ein] weitgehend unkritische[r] Umgang mit Google, insbesondere bei Nutzern unter 30 Jahren.”  So zeigt sich, dass die meisten Befragten beispielsweise nicht wussten, dass Trefferlisten auf sie persönlich zugeschnitten sind und wie sie dies deaktivieren beziehungsweise umgehen können. Dass Google das Klickverhalten der Nutzer speichert und daraus ein entsprechendes Profil erstellt, war ebensowenig bekannt. Und genau hier wird es tragisch-komisch:

Viele lehnen einerseits die Speicherung ihrer Daten explizit ab, finden andererseits aber die daraus resultierenden, auf sie zugeschnittenen Suchergebnisse begrüßenswert. Im Quasi-Monopol von Google wird zwar ein zu großes Machtpotenzial erkannt, zugleich wird aber zugestanden, dass dieses durch das "beste Angebot" gerechtfertigt sei.

Was ist zu tun?

Als Ausweg aus dieser Misere sehen die Forscher hinter der Studie eine stärkere Regulierung des Internets, insbesondere Suchmaschinen, da diese bisher nicht von den gültigen Regelungen des Medienkonzentrations- und Wettbewerbsrechts abgedeckt werden. Drei Schlagworte sollten als Leitfaden für gesetzliche Regulierungen gelten: Neutralität, Transparenz und Kompetenz. 

Das heißt konkret, Suchmaschinen dürfen keinen Einfluss auf das Ranking der Ergebnisse ausüben, jeder muss die gleiche Chance haben, prominent platziert zu werden (denn, was sich in der Studie auch gezeigt hat, Treffer jenseits der ersten zehn gelten für die meisten Nutzer als praktisch nichtexistent). Manipulation von Trefferlisten muss unmöglich werden. Daher sollten die Funktionsweisen von Suchmaschinen absolut offengelegt und für jeden verständlich gemacht werden. Und letztlich sollten sich Internetnutzer ihrer eigenen Verantwortung aber auch Möglichkeiten bewusster werden. 

Wer ist Eurer Meinung nach primär in der Verantwortung? Der Nutzer oder der Anbieter (insbesondere Google)? Und ist eine stärkere rechtliche Regulierung begrüßenswert, realistisch oder am Ende eher schädlich?

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24 Kommentare

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  • Mir ist das egal. Sollen sie doch alles über mich wissen, stört mich nicht.


  • Natürlich gibt es Alternativen zu Google, z.B.
    - Suchen mit startpage.com (sogar "enhanced by Google")
    - Keine Fotos veröffentlichen mit Picasa.
    - Mails mit web.de, GMX, t-online
    - Landkarten mit OSM-Material
    etc. etc.
    Medienkompetenz heißt auch, Risiken zu erkennen und zu vermeiden.
    Nicht nur machen, weil "alle" das machen.

    Und Medienkompetenz heißt STREUEN - nicht alles mit einem Namen, sondern wechselnde ALIAS-Namen und wechselnde Anbieter nutzen. Nicht alles konzentrieren!


  • Die Werbung ist doch gar nicht das Problem. Die akzeptiert oder ignoriert man. Das Problem ist das Puzzle, das sich jemand macht (im möchtegern-schlauen Kopf oder mit künstlicher Intelligenz), das lückenhaft, falsch, einseitig, aus dem Zusammenhang gerissen ist.

    Das Puzzle wird benutzt, um Entscheidungen über mich zu treffen, ob das Puzzle stimmt oder nicht - für die Entscheidung reicht es. Z.B. Entscheidung des Vermieters, der meine Einstellung oder meine Harley nicht mag, des Versicherers, dem meine Gesundheit oder mein Sport nicht gefällt, des Personalers, dem meine Fachfragen aus grauer Vorzeit nicht gefallen.

    Medienkompetenz ist auch, solche Puzzles zu vermeiden. Z.B. mit wechselnden Aliasnamen, mit entsprechenden Mail-Adressen, mit Rücksicht auf Daten anderer, die vielleicht mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden sind. Medienkompetenz setzt Mitdenken voraus. Nicht einfach nur mit der Herde laufen.


  • @Jen W: Danke für den Hinweis, da hat sich wohl ein Typo eingeschlichen (in der Quellenangabe unten war's ja richtig geschrieben). Ist korrigiert.


  • Die Universität heißt Gutenberg, nicht Guttenberg.


  • Irgendwas läuft hier Schief.. Nicht der Staat oder ein Unternehmen hat im web auf euch aufzupassen sondern ihr!


  • Wie man eine Suchmaschine effektiv, effizient bedient, könnte zb. Teil des Schulunterricht sein. Meine lernt das WWW auch da, mit unterschiedlichsten Inhalten. Suchergebnisse müssen vor allem... Zielführend sein. Da hilft es mir nicht, wenn aus gründen der Gleichbehandlung Angebote kommen, die im weitesten Sinne, noch mit dem such Thema Gemeinsamkeiten aufweisen können. Das einzugrenzen, auszuschließen, vor allem verdeckte Werbung,...... ist ja möglich, nur man muss halt wissen wie es geht.


  • Das haben Unternehmen auch schon vor dem web gemacht nur grober


  • @Thomas R.
    Natürlich kann man sich darüber informieren. Aber die Nutzer wissen ja nicht, dass es so etwas gibt! Wie soll man sich über etwas informieren, wenn man nicht weiß, dass es existiert.

    Google bekommt ja schon eine Menge Informationen über mich OHNE mein Zutun. Indem mein Freundeskreis Kontakte synchronisiert. Die Handynummer kann als ID gesehen werden, wodurch Google meinen Namen, Adresse, Geburtsdatum, e-Mail, meinen Bekanntenkreis ... herausbekommen kann. Und das auch wenn ich keinen Google-Dienst nutze.
    Ist das richtig? Was kann man dagegen tun?


  • Oh heiliger...
    @Georg R.: du hast dein Android Device abgeschafft weil? Nur damit du keine personalisierte Werbung bekommst? Nicht so transparent im Netz bis etc.? Darf man fragen was für ein Smartphone/Handy du nun nutzt?

    Ich verstehe oftmals die Aufregung bzgl. Datenschutz und co nicht. Manche tun grade so, als würden Sie das größte Geheimnis der Welt hüten und regen sich künstlich über Google, Apple, und gott und die Welt auf... Wenn man so denkt sollte man weder Internet, noch Smartphone... noch ein Leben haben!
    Die Welt Digitalisiert sich mehr und mehr, die Technik schreitet weiter vorran und das ist nunmal die Entwicklung. Ich kenne vielleicht 2 ältere bekannte in meinem Kreis, die absolut nichts mit Internet und co zu tun haben, und ich sehe immer wieder wie schwer die einfachsten Dinge fallen.
    Warum akzeptiert man denn nicht einfach den Wandel der Zeit?
    Sicher wäre es schön, wenn die AGB´s nicht grade so langweilig und Stur verfasst werden und so lang wie die Bibel sind...


  • @Comyu: Ich bin Österreicher und stolz darauf. Ich wollte auch nicht den Österreicher schlecht machen. Es gibt ja gerade im Bio-Tech-Bereich und anderen Bereichen viele österr. Innovationen.

    Ich meinte nur, und aufgrund diverser Tätigkeiten bei Datenschutz-Kommissionen und aktiver Bezirkspolitiker in Wien habe ich das immer wieder festgestellt, und es ist ja bekannt, dass der Österreicher sehr auf Sicherheit bedacht ist. Das habe ich gemeint.
    Ich weiß schon, dass DU und ich da eh nicht dazuzählen. Aber wie Du selbst gepostet hast ist es hier, (und im Ausland ja auch), so, dass viele Menschen einfach nicht bereit sind sich mit der Materie zu befassen, sondern gleich nach Regluierung, Beschränkung und im Endeffekt Zensur schreien, damit ihnen und ihren Kindern ja nichts passiert.

    Das kommt eben, wie ich es eigentlich meinte, aus einer gewissen Konservativität heraus, welche ich auch eher im privaten Bereich meinte. Es stimmt schon, dass wir hier in Ö in vielen IT-Bereichen etwas liberaler sind als z.B. in D.

    @Andreas Hofmann: Im Prinzip verstehe ich Dich. Dennoch muss ich sagen, dass man auch als Laie genug einfache Möglihckeiten hat sich zu informieren, und dann erfährt man auch von diesen JS-Tools und Frameworks und auch wie man sich sehr wohl mit gewissen Einstellungen dagegen schützen kann.

    Aber natürlich gibt es keinen vollständigen Schutz gegen die Datensammlerei. Man muss einfach selbst entscheiden, ob man das nutzen will oder nicht. Ich finde es auch übertrieben, dass es oft so dargestellt wird, als ob Google der einzige Suchanbieter ist und man ohne Google nicht auskommt. Ich nutze Google gerne und habe kein Problem mit dem Sammeln gewisser Daten.

    Aber es geht auch ohne Google aktiv nutzen zu müssen.Es ist der größte aber ich habe einmal beruflich für eine STudie eine Woche lang parallel Google und Alternativen wie Bing und andere genutzt. Man kann ohne Probleme ohne Google auskommen und dennoch alles finden was man sucht.
    Auch wenn man für den Play-Store einen Gmail-Account benötigt so heißt das ja nicht, dass man diesen auch aktiv nutzen muss. Ich kenne genug, welche Gmail nur für Google Play haben aber nicht als Mail-Client nutzen.

    Ich finde, dass der Hauptgrund darin liegt, dass viele die IT (EDV wie es früher bei uns so schön hieß) immer noch als "so nebenbei" oder "Hobby" betrachten und IT-Fachleute immer noch oft als "Freaks" angesehen werden und nicht aktzeptieren, dass die IT längst ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens aber vor allem der heutigen Zeit geworden ist.

    Daher "muss man sich ja nicht damit beschäftigen", und wenn man dann über Sicherheitsbedenken liest, dann wird das gleich als Teifelszeug etc. verschrien.

    Auch wenn der Vergleich jetzt etwas seltsam anmutet, aber bei vielen Dingen wie z.B: dem Automobil vor 100 Jahren war es ja genau so.


  • Bevor man wusste, das Rauchen Krebs verursacht, hat das auch keinen interessiert ;-)


  • Das hat doch vor dem ganzen Datenskandalen auch keinen interessiert


  • Ich bin gegen eine staatliche Regulierung, aber ich würde mir statt der üblichen AGB's eine FÜR JEDEN verständliche Kurzform wünschen und wo auch die wirksamsten Mittel beschrieben sind um seine Privatsphäre zu schützen. So in etwa wie die Beipackzettel zu den Medikamenten. So was müsste jeder neue Nutzer von Gogle einmal lesen und bestätigen, dass er das auch verstanden hat.


  • wer sich mit den hunden schlafen legt, braucht sich nicht wundern, wenn er mit flöhen wieder aufwacht!

    die leute die kein handbuch lesen, jede AGB blind abklicken und alles für bare münze nehmen, wenn sie offensichtlich angelogen werden, sind doch garde mal selbst schuld.

    "google = evil"

    deswegen hab ich mein android device abgeschafft, sufe über tor/onion und suche fast nur noch mit startpage. einzig zur bildersuche, benutze ich google.

    die trägheit der masse, kotz mich an. aber was will man tun, ausser drüber lachen!


  • Ich habe ein recht auf Privatsphäre, welches von Google und Co nicht respektiert wird.
    DAS IST NICHT OK!
    Viele Internetseiten benutzen zum Beispiel Javascript Frameworks von Google. Daten können also schon gesammelt werden ohne die Suchmaschine zu nutzen. Woher soll ein normaler Verbraucher so etwas wissen? Und wenn die Daten erst mal erfasst sind, hat man keinen Einfluss mehr darauf. Das ist höchst bedenklich. Ich kann die bisherigen Kommentare nicht verstehen.


  • EDIT: Okay die erste Hälfte des komis war iwie schwachsinnig


  • Ich finde jetzt etwas unfair wie du österreich dastellst da wir im it bereich zwar nicht besser als die deutschen sind aber mehr freiraum haben, gema hura.. Du hast aber recht wenn man von regulierung redet kommt man sowieso wieder auf ja und die kinder gehörn reguliert später pornos auch versaut die jugend dan noch file hoster wegen gefährlichen raubkopien und regulierten pornos und schon sind wir bei der zensur..


  • Kann mich nur anschließen. Ich bin immer schon, gerade als gelernter Österreicher, gegen zu viele Regeln. Bei solchen Themen ist es dem Nutzer eine gewisse Eigenverantwortung absolut zuzumuten.
    Denn es kostet meist nichts sich das notwendige Wissen zu holen. Wenn man sich ein Gerät oder andere Gegenstände kauft, dann sieht man auch zunächst in das Handbuch bevor man einfach darauf losprobiert ohne zu wissen was passieren kann.

    Wenn dann manche argumentieren keine Zeit zu haben, um sich damit auseinnaderzusetzen dann zeugt das nur von der Naivität und Dummheit des Einzelnen. Denn auch wenn ich keine Schulung machen möchte, so kann man sich heute online oder sonst wo günstig bis kostenlos über Funktionsweisen von Suchmaschinen etc. informieren.

    Aber leider ist es, vor allem bei uns in Österreich so, dass der Durchschinttsbürger sich vom Gesetzgeber bzw. den Authoritäten wünscht, dass man alles regelt, so dass man selbst sich um nichts mehr sorgen muss.
    Daher hat man dann auch so eine Regierung und ist in manchen modernen Techniken den anderen Ländern um Jahre hinterher.

    Aber ich denke, dass diese gewisse "Faulheit" sich Infos zu IT-Themen zu holen auch andere Länder betrifft.

    Es ist generell so, wie ich glaube, dass die Menschen einfach ihre Kenntnisse und Fähigkeiten überschätzen, wie es auch im Artikel beschrieben wurde. Man googlet einfach so nebenbei und denkt gar nicht daran, dass das bekanntgeben diverser Daten ein wichtiger und folgenschwerer Schritt sein kann.


  • Schlussendlich ist der Nutzer für sich selbst verantwortlich. Andere Suchmaschinen machen es doch auch nicht anders. Mir ist es aber nicht recht, wenn sie meinen Namen zu Werbezwecken verwenden ohne meine Zustimmung.

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