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Bei Amazon entscheidet die KI, wer die Kündigung bekommt
Apps Kommentar AI 3 Min Lesezeit 62 Kommentare

Bei Amazon entscheidet die KI, wer die Kündigung bekommt

Amazon setzt automatisierte, KI-getriebene Prozesse ein, um die Arbeit seiner Mitarbeiter zu kontrollieren, auszuwerten und gegebenenfalls auch Konsequenzen einzuleiten. Ein Bericht aus dem Unternehmen zeigt, dass sogar Abmahnungen und Kündigungen teilweise automatisiert verschickt werden.

Die Grundlage des Berichts des US-Magazins The Verge ist ein Schreiben von Amazon-Anwälten das dem Magazin vorliegt. Darin wird berichtet, dass insbesondere in den Logistikzentren von Amazon in den USA die Produktivität der Arbeiter von einem System mitgeschrieben und ausgewertet wird. Erfüllen die Versandmitarbeiter ihre Quoten nicht, schreibt das System nicht etwa nur eine Warnung an den Vorgesetzten oder eine Nachricht an den Mitarbeiter, sondern im Ernstfall sogar direkt die Abmahnung und Kündigung.

Eine der Kenngrößen dabei ist die so genannte "Time off Task", die besagt, wie viel Zeit zwischen zwei gescannten Arbeitsgängen eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin vergeht. Ist diese Zeit, abgekürzt TOT, zu oft zu lang, gibt es Probleme. Das führt dazu, dass Mitarbeiter keine Pausen einlegen und sogar den Toilettengang unterdrücken, um das System bei Laune zu halten.

Zwar kann der Vorgesetzte der betroffenen Mitarbeiter sein Veto einlegen und die von der KI ausgesprochenen Kündigungen so verhindern. Aber seien wir ehrlich: Wie oft wird so ein Widerspruch, der aktiv ausgesprochen muss, wirklich kommen, vor allem dann, wenn es sich um eine Position mit geringen Voraussetzungen in die Qualifikation handelt, die man relativ unkompliziert neu besetzen kann?

Die Zahlen aus dem Dokument sprechen von 300 Entlassungen auf Grund von Ineffizienz in einem Jahr in dem US-Logistikzentrum, das der Bericht beschreibt - das sind stolze 10 Prozent der Belegschaft. Ob es anderswo genauso aussieht, ist unterdessen nicht bekannt.

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Amazon ist in kurzer Zeit ein riesiger Konzern geworden. / © Ioan Panaite/Shutterstock

Treibt es nicht zu weit!

Praktiken wie die nun aufgedeckte von Amazon (apropos: Lohnt sich eigentlich Amazon Prime?) können einen gefährlichen Weg bedeuten - und zwar für die Gesellschaft als Ganzes. Die Schere zwischen den Gehältern ist in vielen Ländern, auch in den USA, ohnehin bereits viel zu weit auseinander. Das führt dazu, dass sich die Bindung zwischen Arbeitnehmer und und Unternehmen mehr und mehr lockert - das soziale Gefüge "Arbeitsplatz" bröselt immer mehr. Vor allem Menschen, die wenig Geld verdienen, sind jedoch auf eine gewisse Sicherheit angewiesen.

Wenn ein Computer mir nichts, dir nichts die Kündigung verschicken kann, ist das fatal. "Was wir immer wieder von den Arbeitern hören ist, dass sie behandelt werden wir Roboter, was angesichts der Überwachung und Kontrolle durch automatische Systeme auch nachvollziehbar ist", sagt Amazon-Kritikerin Stacy Mitchell vom Institute for Local Self-Reliance

Dass moderne Technologie zur Optimierung im Unternehmensumfeld eingesetzt wird, ist gut und richtig, und natürlich wirft auch die Amazon-KI niemanden raus, nur weil einmal ein Paket zu langsam verpackt wurde. Für mich ist der Knackpunkt die Tatsache, dass der menschliche Vorgesetzte von sich aus einschreiten muss, um eine Kündigung zu verhindern - es müsste genau andersrum sein.

Findet Ihr es in Ordnung, wenn Mitarbeiter von einem Algorithmus gefeuert werden können?

Via: Winfuture Quelle: The Verge

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Top-Kommentare der Community

  • Tenten vor 3 Wochen

    Ja, was soll man sagen? Wir bestellen das Hundefutter im Internet, weil es uns zum Selbstkaufen zu schwer ist. Wir bestellen Kleidung in zwei Größen und vier Farben und fürs neue Handy bestellen wir auch gleich mal drei oder vier Geräte, der Rest, der nicht taugt, wird einfach zurückgeschickt. Die neue Bluray gäbe es bei Müller um die Ecke, aber wir bestellen lieber bei Amazon, da ist sie einen Euro billiger. Auch das Klopapier ist bei Amazon günstiger und man muss nicht dran denken und es rumschleppen. Wir lieben den Kapitalismus und unterstützen ihn, wo immer es geht, solange wir es damit bequem und billig haben. Das hat natürlich Schattenseiten, wo einer was abstaubt gibt's immer auch einen Verlierer. Aber das wollen wir natürlich nicht hören, müssten wir uns ja eingestehen, dass wir es selbst sind, die diese Zustände schaffen und nicht irgendwelche "anderen". Und kommt so ein Fall mal wieder in die Presse, dann sind wir alle - oh, Überraschung - natürlich total betroffen!! Wie kann denn das nur sein!

  • Sebastian B. vor 3 Wochen

    Und wieder einmal wird von ki geredet wo einfach nur ein bisschen Daten für eine Statistik gesammelt werden. Geht der ki Blödsinn eigentlich nächstes Jahr weiter? Oder hat man schon ein neues bullshithingowort für 2020?

  • El Loco vor 3 Wochen

    Stückzahllisten und ähnliches gab es schon früher... auf Papier, es gibt Lochkarten, Meister die durch die Hallen laufen usw. Alles das hat früher auch schon Druck ausgeübt und war auch nicht besser als heute. Heute geht es nur schneller.
    Davor waren es Steuern und Abgaben an den Landvogt...

    Die "Arbeitsversklavung" gibt, gab, es immer schon, heute nur was flotter.

    Wir haben genug für alle und genug technische Unterstützung, dass sich kein Mensch sich mehr totschuften muss.
    Nicht Amazon ist allein "das Böse", wir brauchen ein komplettes Umdenken in der Welt, wird aber nicht passieren.
    Aber es ist natürlich einfacher hier, mal wieder Amazon & Co anzuprangern als seinem Mitarbeiter 5 Minuten später einfach mal entspannt den Rest des Tages frei zu geben, damit er morgen besser gelaunt zur Arbeit kommt.
    Jeder Bauer weiß, ne entspannte Kuh gibt mehr Milch, das weiß er schon seit Hunderten Jahren, ändert sich was? Nö...

  • Hannes B. vor 3 Wochen

    Dass eine gewisse Einschätzung der Arbeitsleistung ist sicher nicht verwerflich, wenn man an einem Montageband arbeitet muss man auch im Takt bleiben. Wer alle 10 Minuten rauchen muss, sollte sich im Klaren sein, dass das auf Dauer nicht funktioniert. Wird das aber dahingehend übertrieben, dass die Mitarbeiter mit Windeln zur Arbeit kommen, um nicht zur Toilette gehen zu müssen, ist das echt nicht tragbar. (Praxis z.B. in Asien bei Zulieferern unserer "Markenfirmen") Wenn eine KI dann gleich die Kündigung aussprechen darf ist das nichts anderes als absurd. Aber was ist über dem Teich nicht absurd, das ist nur ein Beispiel.

  • Michael P vor 3 Wochen

    Ja, lasst uns mal wieder mit dem Begriff "KI" um uns werfen, denn da läuft uns doch gleich ein wohliger Schauer angesichts der Maschinen-Oberherren den Rücken runter.

    Im Original-Artikel auf The Verge steht auch nirgends irgendwas von "AI" oder dergleichen. Wozu auch. Zur Erfassung von Kennzahlen und deren statistischer Auswertung incl. Generierung von Events (Abmahnungsvorschlag, Kündigungsvorschlag) auf Basis hierbei bestimmter Werte ist keinerlei Machine Learning oder dergleichen erforderlich.

    Macht aber nix, Hauptsache heute mal wieder "KI" geschrieben...

62 Kommentare

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  • Wovon reden wir denn hier? Zunächst doch mal nur über völlig objektive Beurteilung der Arbeitsleistung. Ob das gut oder schlecht ist, hängt doch davon an, ob an die Mitarbeiter unrealistische Anforderungen gestellt werden, ob es eine Quote gibt (z.B mindestens 10 pro Monat müssen gehen) oder ob die Tätigkeiten überhaupt vergleichbar sind. Das Alles erfahren wir aber nicht. Ich persönlich würde mir am Arbeitsplatz oder früher in der Schule oft wünschen, dass objektiv und nicht nach Nasenfaktor beurteilt würde. Wer mal niedrig qualifizierte Kräfte in den USA beim Arbeiten beobachtet hat, kann sich vorstellen wo das Problem liegt...


    • Qualifizierte Kräfte wollen manche Arbeitgeber nicht, da diese viel mehr kosten als Billiglöhner (sieht man ja in der Baubranche, auch in DE). Manche Arbeitgeber wollen Sklaven, und keine Arbeitnehmer die sich mit dem Unternehmen identivizieren.


  • Ich persönlich finde, dass geht eindeutig zu weit. Eigentlich sollte jeder vernünftige Mensch aus meiner Sicht einen großen Bogen um Amazon machen, die ja nicht nur für günstige Preise, sondern auch für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen bekannt sind (teilweise auch in Deutschland) . Zumindest habe ich das so in Erinnerung.


    • Na klar...
      Die Anderen sind ja so viel besser als das böseböse Amazon, gelle?
      Träum weiter!


      • Hihi, andere Unternehmen sind nicht besser, aber da es hier um Amazon geht, habe ich ausnahmsweise mal nicht auf anderen Unternehmen rum gehackt. Mach doch mal ne Auflistung, welche Unternehmen noch so "böse böse" sind ...


  • Und wieder einmal wird von ki geredet wo einfach nur ein bisschen Daten für eine Statistik gesammelt werden. Geht der ki Blödsinn eigentlich nächstes Jahr weiter? Oder hat man schon ein neues bullshithingowort für 2020?


  • Stückzahllisten und ähnliches gab es schon früher... auf Papier, es gibt Lochkarten, Meister die durch die Hallen laufen usw. Alles das hat früher auch schon Druck ausgeübt und war auch nicht besser als heute. Heute geht es nur schneller.
    Davor waren es Steuern und Abgaben an den Landvogt...

    Die "Arbeitsversklavung" gibt, gab, es immer schon, heute nur was flotter.

    Wir haben genug für alle und genug technische Unterstützung, dass sich kein Mensch sich mehr totschuften muss.
    Nicht Amazon ist allein "das Böse", wir brauchen ein komplettes Umdenken in der Welt, wird aber nicht passieren.
    Aber es ist natürlich einfacher hier, mal wieder Amazon & Co anzuprangern als seinem Mitarbeiter 5 Minuten später einfach mal entspannt den Rest des Tages frei zu geben, damit er morgen besser gelaunt zur Arbeit kommt.
    Jeder Bauer weiß, ne entspannte Kuh gibt mehr Milch, das weiß er schon seit Hunderten Jahren, ändert sich was? Nö...


    • Es gibt aber auch keinen Grund Amazon für diese Praktiken zu verteidigen und alles zu relativieren. Frage - warum tust du es dann ?


  • Sehr miese Art. Das gleicht schon an Sklaventreiberei... 🙄

    KI bewertet die Leistung einzelner Mitarbeiter..... Ein Mitarbeiter der trotz Schnupfen und Erkältung a
    noch zur Arbeit kommt, wird dann auch gekündigt nur weil er 85 % Leistungen bringt statt 💯 %? Dann würde ich mich lieber krank melden.
    Soll mir dann noch mal einer mit dem Spruch kommen : "Jeder Mitarbeiter ist unbezahlbar, der Leistung bringt."....
    Eher heißt es:
    "Nichts geht über das Wohl der Firma. Das Wohl vieler, wiegt mehr als das eines einzelnen Mitarbeiter."

    Wird die KI auch den Chef und die oberste Chefetage überwachen und deren Leistungen?... eher nicht.

    Wie einige hier bereits erwähnt haben, ist es ziemlich einfach jemanden zu kündigen,wenn man dem Chef nicht gefällt. Ausreden für eine ordentliche Kündigung findet die Firma immer und billige Arbeitskraft als Ersatz auch. Was interessiert der Firma, das wohl eines einzelnen Mitarbeiter? 🙄.... Überhaupt nicht. Bist du krank, dann fragt der Chef höchstens nach warum und wie lange, nur um dem Mitarbeiter zu kontrollieren und nicht aus Mitgefühl. Selbst wer ewig in einer Firma war, so sagen wir mal 30 Jahre, bekommt bei Eintritt in die Rente einen billigen Blumenstrauß eventuell und ein wertlose Kopie, einer vom Chef signierten Urkunde mit langweiliger Danksagung und das wars. Die Urkunde ist ein Standardschreiben was irgendwann mal angefertigt wurde, Die Sekretärin kopiert dies, setzt den Namen des zukünftigen Rentner ein und Datum und nicht mal der Chef selber überreicht dies, sondern eher die Sekretärin selber nur mit feuchten Händedruck. Das Wohl eines einzelnen Mitarbeiter zählt meist nur unter Arbeitskollegen oder in sehr kleinen Betrieben, aber nie in großen Firmen.
    Die Erfahrung durfte ich auch schon machen. Selbst in Zeitarbeitsfirmen. Heutzutage geht es nur leider noch um das blanke Überleben und Profitgier.


  • Das geht solange gut, solange die Arbeiten leicht vergleichbar sind. Wenn einer schwierige Aufgaben hat, wird er weniger erledigen als bei einfachen Angelegenheiten.

    Das ist selbst bei Paketen so...


  • Dass eine gewisse Einschätzung der Arbeitsleistung ist sicher nicht verwerflich, wenn man an einem Montageband arbeitet muss man auch im Takt bleiben. Wer alle 10 Minuten rauchen muss, sollte sich im Klaren sein, dass das auf Dauer nicht funktioniert. Wird das aber dahingehend übertrieben, dass die Mitarbeiter mit Windeln zur Arbeit kommen, um nicht zur Toilette gehen zu müssen, ist das echt nicht tragbar. (Praxis z.B. in Asien bei Zulieferern unserer "Markenfirmen") Wenn eine KI dann gleich die Kündigung aussprechen darf ist das nichts anderes als absurd. Aber was ist über dem Teich nicht absurd, das ist nur ein Beispiel.


  • Ja, lasst uns mal wieder mit dem Begriff "KI" um uns werfen, denn da läuft uns doch gleich ein wohliger Schauer angesichts der Maschinen-Oberherren den Rücken runter.

    Im Original-Artikel auf The Verge steht auch nirgends irgendwas von "AI" oder dergleichen. Wozu auch. Zur Erfassung von Kennzahlen und deren statistischer Auswertung incl. Generierung von Events (Abmahnungsvorschlag, Kündigungsvorschlag) auf Basis hierbei bestimmter Werte ist keinerlei Machine Learning oder dergleichen erforderlich.

    Macht aber nix, Hauptsache heute mal wieder "KI" geschrieben...


  • Uta vor 3 Wochen Link zum Kommentar

    Beim Lesen bekam ich eine Gänsehaut. Wenn dieser Prozess auf andere Unternehmen überschwappt, so landen wir bald in einer der vielen schon auf Film festgehaltenen, dunklen Zukunftsvisionen.


    • Ganz ehrlich? So düster finde ich eine Zukunft, nach der man nach Leistung beurteilt wird nicht. Viele Beamte wären ihren Job schnell los, würde man die persönliche Leistung tatsächlich bewerten. Auch in unserer Firma gibt es genug Leute, die die Arbeit von anderen mitmachen müssen, weil die sich geschickter drücken können.


      • billigstes Beamtenbashing, um solche unmenschlichen Praktiken auch noch zu verteidigen. Und Menschen sind nun mal unterschiedlich, falls du das immer noch nicht begriffen hast. Einige leisten mehr, andere weniger...so what, was ist dein Problem ? Bist du jetzt von Neid zerfressen, weil irgendjemand mal 10 Minuten weniger gearbeitet hat als du und trotzdem das gleiche Gehalt bekommen hat ? Neoliberales rumgeschwalle, mehr ist das nicht. Alleine schon der letzte Satz "....gibt genug Leute, die die Arbeit von anderen mitmachen müssen, weil die sich geschickter drücken können" strotzt nur so von Klischees. Nun mal Butter bei die Fische - was genau müssen denn "Fleißigen" so an Arbeiten mitmachen, was die "Faulen" nicht machen ?
        Vielleicht sind die "Faulen" auch nur einfach intelligenter, organisieren ihre Arbeit besser, oder überlassen die stupiden Tätigkeiten den Dummen ? Und was genau treibt einen Arbeitnehmer, der du ja auch bist, dazu an solche Praktiken wie bei Amazon auch noch gutzuheißen ? Wie heißt es so schön.... die dümmsten Kälber suchen sich ihren Schlachter immer selbst.

        Im übrigen frage ich mich, da du ja einer größten Vielschreiber hier bei APIT bist, ob du deine zahlosen Kommentare alle immer nur in deiner Freizeit schreibst. Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dafür ist es einfach zuviel was du hier postet - also wer macht denn dann deine Arbeit, während du hier einen Kommentar nach dem anderen fabrizierst ? Sollte man mal dein Chef drüber informieren, was der davon hält.... mal sehn ob du dann immer noch so locker flockig über das Leistungsprinzip schwadronierst.

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