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4 Min Lesezeit 26 Kommentare

MIL-STD-810: Das hat es mit dem Militär-Standard auf sich

Immer mehr Smartphone-Hersteller geben an, dass sie ihr Gerät nach dem Standard MIL-STD-810 zertifiziert haben. Aber was hat es mit der Zertifizierung überhaupt auf sich? Das erfahrt Ihr hier!

MIL-STD-810 steht für einen militärischen Qualitätsstandard der Vereinigten Staaten von Amerika. Für die Zertifizierung nach dieser Norm wird die Beständigkeit der Geräte unter bestimmten Rahmenbedingungen, denen sie während ihres Lebenszyklus ausgesetzt sein können, geprüft. Die Norm legt entsprechende Testmethoden fest, die die Auswirkungen von bestimmten Einflüssen auf das Gerät reproduzieren, anstatt diese Umgebungen nur zu simulieren.

Die Methoden sind in der Norm wie folgt festgelegt:

  • Nachweis, dass die vertraglichen Anforderungen eingehalten wurden
  • Definition zum Ablauf der Umweltbelastungstests
  • Angaben zum Lebenszyklus des Geräts
  • Lücken und Mängel bei der Konstruktion von Geräten, deren Materialien, Herstellungsverfahren, Verpackungstechniken und Wartungsmethoden (falls erforderlich) feststellen
  • die Leistung von Geräten bewerten, wenn sie einen Zyklus mit Umweltbelastungstests ausgesetzt waren
  • Entwicklung von Analyse- und Prüfkriterien, die den Geräten und ihrem Lebenszyklus entsprechen

Die Geschichte der militärischen Norm geht auf das Jahr 1962 zurück und wurde seitdem mehrfach überarbeitet:

MIL-STD-810

Version Datum  Fokus
MIL-STD-810 14. Juni 1962

Laborprüfmethoden, die als Leitfaden für die Implementierung Umweltbeständiger Teile dienen und detaillierte Spezifikationen enthalten. Auch Infos zur Bauweise enthält der erste Standard.

MIL-STD-810A 23. Juni 1964 Unwesentliche Änderungen im Vergleich zu MIL-STD-810.
MIL-STD-810B

15. Juni 1967

Die Norm legt Verfahren zur Bestimmung der Widerstandsfähigkeit eines Gerätes gegen die Auswirkungen natürlicher und künstlicher Umgebungen fest, die für den militärischen Einsätze typisch sind.
MIL-STD-810C 3. Oktober 1975 Unwesentliche Änderungen im Vergleich zu MIL-STD-810B.
MIL-STD-810D 19. Juli 1983

Ein neuer Abschnitt über die Verarbeitung erklärt nun, wie man verschiedene Umwelteinflüsse während des gesamten Prozesses der Materialentwicklung berücksichtigen kann.

Erklärungen und Diagramme über den Prozess zur Umweltanpassung und die Geschichte des ökologischen Lebenszyklus verschiedener militärischer Hardwareklassen.

MIL-STD-810E 14. Juli 1989 Wie MIL-STD-810D, jedoch mit neuen grafischen Darstellungen.
MIL-STD-810F 1. Januar 2000

Der neue 54-seitige "Teil Eins" erklärt, wie der Prozess der umweltgerechten Anpassung während des gesamten Materialbeschaffungszyklus umgesetzt werden kann, wobei der Schwerpunkt separat auf den Rollen der verschiedenen Nutzungsszenarien liegt. Enthält eine Anleitung zum Programm Umwelttechnik. Die Leitlinien gehen über Labortests hinaus und umfassen Feldversuche in der Natur. Alternativen zum Testen von Hardware-Prototypen (z.B. Modellierung und Simulation) werden als Standard-Prüfverfahren der Umwelttechnik anerkannt.

MIL-STD-810G 31. Oktober 2008

Die gravierendste und detaillierteste Änderung der Norm, die sich auf Schock- und Vibrationstests konzentriert. Eine enorme Rolle spielt die Annäherung der Tests an die realen Bedingungen. Im MIL-STD-810G ist das Verfahren 527 für Schwingungsprüfungen implementiert worden, das 3 axiale Prüfungen durch eine ersetzt, die mehrachsige Schwingungen erzeugt, die der tatsächlichen Schwingung so nah wie möglich kommen.

Was bedeutet das in der Praxis?

Nehmen wir zum Beispiel die Zertifizierung MIL-STD-810G, die derzeit im Einsatz ist. Ein Gerät mit einer solchen Zertifizierung soll widerstandsfähig sein gegen:

  • Feuchtigkeit und Eis
  • Stürze aus mindestens 1,2 Metern Höhe
  • Vibrationen und Stöße
  • Große Höhen (Niederdruck)
  • Hohe Temperaturen (55° Celsius)
  • Niedrige Temperaturen (-20° Celsius)
  • Temperaturschocks
  • Rost, Schimmel und salzige Umgebungen
  • Wasser und Regen
  • Staub und Sand

Die Einschränkungen beim MIL-STD-810

Die Norm als solche schreibt dem Hersteller allerdings nicht vor, dass die Tests tatsächlich durchgeführt werden und dass das Gerät diese auch bestehen muss. Das wird in den jeweiligen Vertragsbestimmungen zwischen Hersteller und Abnehmer bestimmt und nicht in der Norm. Das bedeutet auch. Wirbt ein Hersteller mit der Norm, muss das betroffene Gerät nicht zwangsweise auf alle Teile der Norm geprüft worden geschweige denn die Tests bestanden haben.

Die Norm MIL-STD-810 wird in der Regel von einer allgemeineren Ingress Protection Zertifizierung, allgemein bekannt als IP, begleitet. Ein Smartphone mit MIL-STD-810- und IP67-Zertifizierung hält eine Tiefe von 1 Meter im Wasser für nur 30 Minuten aus, während ein nach MIL-STD-810- und IP68-Normen geprüftes Gerät eine Tiefe von bis zu 3 Metern kontinuierlich übersteht.

Einige der nach den Standards von MIL-STD-810 getesteten Geräte sind das LG G7 ThinQ, CAT-Smartphones und die TicWatch S2 von Mobvoi.  

Achtet Ihr beim Kauf eines Smartphones auf MIL- oder IP-Zertifizierung? Und wie wichtig ist Euch die Robustheit Eures Smartphones?

Quelle: FivestarsPC

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26 Kommentare

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  • Hersteller wie Cat, Motorola und LG machen angeblich die Tests die im Standard beschrieben sind. Ich bezweifel das bei LG im Gegensatz zu den beiden erstgenannten mal bzw. denke ich, dass z.B. der Test mit dem Sturz aus 1.2m höhe von den LG Geräten ab dem V30 nicht mehrmals ohne Schaden bestanden wird. Vor allem die Glasrückseite aber auch das Displayglas von LGs Phones machen das Sicher nicht oft mit, war beim V20 noch etwas anderes, da gab es auch ein Video dazu.
    ---
    Das V30 hält es auf jeden Fall nicht aus wie in dem Video zu sehen ist:
    https://www.youtube.com/watch?v=d1uWeCSEyI8&t=210s
    ---
    Das Cat S60 hält schon einiges aus:
    https://www.youtube.com/watch?v=cxUEKQCT4BQ
    ---
    Das Mototrola X Force mit dem unkaputtbaren Display hält auch einiges aus:
    https://www.youtube.com/watch?v=tZ6mCgOFh34
    ---
    Ein Vergleich der beiden Geräte mit Angaben zum Standard:
    http://phonesdata.com/de/compare/3459/3882/


  • Endlich eine Norm, die auch die Einflüsse berücksichtigt, denen Smartphones in deutschen Hosen- und Jackentaschen ausgesetzt sind ... 😂🤣😝


  • Alles nur Werbung mehr nicht....
    Wenn es nach echtem Militärischen Standard gebaut und entwickelt wurde dann sollte sich der Akku mindestens eine Woche oder ähnlich halten und nicht 2 Tage.


    • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Was hat das eine denn jetzt bitte mit dem anderen zu tun?
      Die Geräte werden auf Robustheit getestet und nicht wie lange der Akku hält... Mir wäre neu, dass es Militärtests gibt, die die Akkulaufzeit testen.


      • Kennst du denn überhaupt irgendwelche Militärtests? Siehste.


      • Lange Akkulaufzeit gehört mit dazu. Ein Soldat der längere Zeit draußen verbringen muss, braucht auch ein Smartphone was länger funktioniert als 1 Tag.


      • @Robin Hut
        Welche Anforderungen die MIL-STD-810G stellt, kannst du googeln. Hat bei mir keine Minute gedauert, das wirst auch du schaffen.


      • @Tenten:
        Meine Frage an Tim bezog sich auf seine Äußerung "Mir wäre neu [...]". Das zu erkennen, wäre sogar dir möglich gewesen.
        Was das damit zu tun haben soll, irgendwas zu googeln, weißt du aber vermutlich selber nicht.
        😛😝


      • @Karsten: Quatsch, muss nicht sein....bei der Bundeswehr sind doch alle abends wieder zuhause....😊😊😊


      • Ich denke, ein Soldat im Einsatz wird wohl eher über Satellit kommunizieren als mit dem Iphonchen oder Samsung. Auch wenn in Kriegsländern das Telefon-Netz erstaunlicherweise zumindest teilweise funktioniert ist das für militärische Zwecke wohl eher unsicher. Daher ist ein militärischer Standard für normale Smartphones in der Tat nur ein Werbegag.


      • Und dazu ein teurer Werbegag. Aber jeder möchte ja gern mal Militärisch unterwegs sein.🤗


  • Ist doch das gleiche wie bei den Angaben bei Pkws stimmen doch auch hinten und vorne nicht. Oder bei der Einstufung von E Geräten und deren Verbrauch. Steht da Energieklasse A++ verbraucht das Gerät ja auch nur bei einer ganz speziellen Situation sehr wenig ansonsten (im normalen Betrieb ) das zig Fache mehr . Also was lernt man daraus: Alles nur Beschiß und nicht das Papier wert auf dem es gedrückt ist.


  • "Wirbt ein Hersteller mit der Norm, muss das betroffene Gerät nicht zwangsweise auf alle Teile der Norm geprüft worden geschweige denn die Tests bestanden haben."
    Wenn dem so ist, dann hat diese Norm keinen Wert mMn. Da scheint mir die IP-zertifizierung sinnvoller.


    • Die einfache Angabe der Norm ist natürlich absolut nichtssagend - das ist richtig.

      Anders sieht es aus, wenn der Hersteller angibt, welche Tests bestanden wurden, denn die konkrete Durchführung der Tests ist ja festgelegt.
      Darüber hinaus ist die Norm, wie oben beschrieben, weit umfangreicher als die IP und beinhaltet nicht nur Tests zu Staub und Wasser. Von daher kann sie durchaus sinnvoll sein.


      • Richtig, WENN der Hersteller konkrete Angaben macht.
        Wenn das aber gar nicht nötig ist, werden es sicherlich auch einige Hersteller nicht tun.
        Das ist einfach irreführend.


      • Es gibt wie überall solche und solche Hersteller.
        RugGear bspw. wirbt nur vielsagend, Caterpillar macht dagegen konkrete Angaben.


      • Klaus Trofob hat schon recht. Im Prinzip ist es das gleiche, wie beim neuen Bauproduktengesetz. Das Produkt muss nicht mehr komplett eine Norm erfüllen wie bisher, sondern es werden Anforderungen definiert, im Baubereich an das Gebäude, hier eben an die Nutzung der Geräte. Und diese Anforderungen müssen erfüllt werden, nicht mehr die vollständige Norm. Meines Erachtens macht diese Änderung wesentlich mehr Sinn als die Vorgehensweise früher.

        Tim

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