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Kommentar 4 Min Lesezeit 13 Kommentare

AV1: Ein würdiger Nachfolger für alte Videoformate

Es ist kaum vorstellbar, dass die wichtigsten Medienformate, die wir verwenden mittlerweile 15 oder 30 Jahre alt sind. Gegen JPG und h264 ist kein Kraut gewachsen. Neben HEVC und HEIF buhlt auch das Format AV1 um die Nachfolge der alten Codecs. Und hat einige Argumente auf seiner Seite.

Mit High Efficiency Video Coding (HEVC) gibt es seit einigen Jahren ein Format, das im Videobereich für Furore sorgt. Apple verwendet es sogar für Bilder. Platzsparend ist HEVC gegenüber dem Vorgänger h264. Aber HEVC hat ein Problem: Es werden Lizenzgebühren fällig. Und zwar nicht nur an eine Patentgemeinschaft, sondern gleich an mehrere Patentinhaber. Branchenstandard ist eigentlich, dass sich die Patenthalter zu einem Patentpool zusammenschließen, sodass es möglich ist, einen Industriestandard zu implementieren, ohne mehrere Lizenzen zu kaufen. Das hat bei HEVC nicht geklappt.

Solche Patentstreitigkeiten sind natürlich problematisch und so verbreitet sich der Codec nur schleppend. Doch es gibt Hoffnung und diese nennt sich AOMedia Video 1 (AV1).

AV1 wird von der Alliance for Open Media entwickelt und zeichnet sich dadurch aus, dass keine Patente Dritter verletzt werden. Dabei sichern die Mitgliedsunternehmen von AOMedia die kostenfreie Nutzung etwaiger Patente zu.

Was kann AV1?

AV1 ist konzipiert als ein Video-Codec, der hochauflösende Inhalte (4K zum Beispiel) effizient komprimieren kann. Dabei schafft er es mittlerweile, HEVC hinter sich zu lassen. Ein weiteres Merkmal ist, dass sich AV1 auch für Echtzeitübertragungen eignen soll. Damit könnten qualitativ hochwertigere Video-Chat-Applikationen entstehen. Experimentell wird auch daran gearbeitet, Bilder mit AV1 zu komprimieren.

Mit im Boot von AV1 sitzen unter anderem Netflix, Google, Apple, Amazon und viele weitere mehr. YouTube und Netflix wollen AV1 möglichst schnell einsetzen. Für die Videostreamer ist AV1 auch enorm attraktiv: Es fallen keine Lizenzkosten an und AV1-codierte Videos benötigen weniger Bandbreite.

Inzwischen hat AOMedia das Bitstream-Format von AV1 fertig gestellt. Von hier an dürfte es noch knapp zwei Jahre dauern, bis das Format in Hardware dekodiert werden kann. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um AV1 ressourcenschonend abzuspielen. Software-Decoder sind schon im Einsatz, zum Beispiel unterstützt der Browser Firefox AV1 bereits. Gerade die Encoder müssen aber noch optimiert werden.

Noch ist der Einsatz von AV1 Zukunftsmusik - zumindest in unserem Smartphone-Alltag. Die Lizenzprobleme von HEVC dürften jedoch dafür sorgen, dass der kostenfreie Codec AV1 schnell in Android integriert wird. Das liegt auch nahe, immerhin gehört Google zu den fleißigsten Entwicklern des Codec.

Warum wir von AV1 profitieren werden

HEVC hat mit AV1 einen starken Konkurrenten bekommen. Der Codec wird auch dringend benötigt: Smartphone-Videos setzen noch immer auf das in die Jahre kommende h264-Format, das längst von besseren Alternativen abgelöst ist - technisch zumindest. In Apps wie Netflix oder YouTube können die Anbieter schnell auf den neuen Codec wechseln. Wir profitieren dann von besserer Qualität bei weniger verwendeter Bandbreite. Einzig der Akku leidet unter der aktuell nötigen Software-Dekodierung.

Noch schlimmer steht es aber um Bilder: JPG hat massive Qualitätsprobleme und ist mittlerweile zu einem echten Ärgernis geworden, gerade wenn die Bilder hochauflösend geschossen sind. Bessere Qualität bei weniger Speicherplatzbedarf? Das klingt allerdings nach einer vernünftigen Idee. Hier hat AV1 aber noch keine kurzfristige Lösung parat. Immerhin gibt es erste Versuche in diese Richtung.

Apple hat mit dem Bildformat HEIF gezeigt, dass die Zeit reif ist für einen schnellen Formatwechsel. Schließlich ist JPEG mittlerweile eine Hürde für qualitativ hochwertige Bilder. Interesse an einem besseren Bildformat haben eigentlich alle Anbieter, auch wir User sollten dies fordern.

AV1 könnte also eine Schlüsselrolle in den Medienformaten der Zukunft spielen, vor allem auf Android: Google unterstützt AV1 und die Vorteile gegenüber HEVC & Co. sind sofort ersichtlich. Spätestens 2020 wird das Format in Smartphone-Hardware allgegenwärtig sein.

Seid Ihr bereit für ein neues Bild- und Videoformat oder reichen die aktuellen Möglichkeiten aus?

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13 Kommentare

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  •   23
    Gelöschter Account vor 2 Monaten Link zum Kommentar

    Was ist mit h265? Ich kenn mich da nicht so aus, aber ich dachte das wäre der erheblich bessere Nachfolger von h264.


    • H.265 ist einer der erheblich besseren Nachfoger von H.264. AV1 und VP9 sind andere. H.265 wird auch schon bei DVB-T2 verwendet und ist in UHD-Fernsehern und Receivern mittels Hardwaredekoder verbaut. Zudem ist das Verfahren für UHD-Bluerays vorgesehen.
      Wenn die Lizensierung teuer und umständlich ist können sich aber weitere Verfahren parallel dazu durchaus etablieren. So können gegenwärtige UHD-Geräte neben H.265 natürlich auch noch H.264 dekodieren, und im Prinzip spricht wenig dagegen, in zukünftigen Geräten auch noch einen AV1 Dekoder zu verbauen. Die dafür benötigte Chipfläche ist vergleichsweise klein.


  • Apple benutzt schon das HEIF Bildformat,Apple hat es auch schon hinbekommen ,das der Player beim Video gucken weiterläuft ,trotz geöffneter anderer Anwendungen ,das soll ja erst mit dem frischen und neuen Android P implantiert werden in Googles OS .

    Irgendwie hat man das Gefühl ,Google hinkt hinterher in Sachen Features.😳


    • C. F.
      • Blogger
      vor 2 Monaten Link zum Kommentar

      Und dank HEIF, dessen Bilder im Vergleich zu JPEG 50% weniger Speicher belegen, reichen Speicher wie z.B. 64GB locker aus, um einige tausend Bilder darauf zu speichern (welche man sich eh nicht mehr alle anschaut...).

      UbIx


      • Tim vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        1. Wem wie viel Speicher reicht, kannst du nicht wissen und hast du nicht festzulegen. 50% weniger Speicherbedarf würde bedeuten, dass mir mit JPEG und Co. 128GB ausreichen müssten, was de facto nicht der Fall ist. Bei dir vielleicht, aber nicht bei jedem.
        2. Mal wieder eine völlig bescheuerte Denkweise. Nur weil ich vielleicht einen Großteil meiner Bilder auf dem Handy habe, heißt das nicht, dass ich sie durchgehend alle anschaue. Genauso beim Thema Musik. Nur weil ich meine Musiksammlung immer dabei haben will, heißt das nicht, dass ich dauerhaft meine gesamte Musik durchhöre.
        Genauso wie meinen bei einem Smartphone mit Wechselakku nicht dauerhaft den Akku rausnimmt und wieder einsetzt...
        Ich für meinen Teil schaue hin und wieder mal alte Bilder durch oder will aufgrund eines entstandenen Gerprächs jemandem etwas zeigen und bin dann froh, das jeweilige Bild, auch wenn es schon einige Jahre alt ist, noch drauf zu haben und nicht erst in der Cloud danach suchen muss oder es gar vom PC aufs Handy ziehen müsste (was unterwegs eher schwierig ist).


      • In der Cloud kannst du genau wie auf dem Phone Ordner erstellen brauchst nicht lange nach Bildern suchen also spricht deine Denkweise auch nicht gerade von Intelligenz.

        C. F.


      • wieso soll ich die hochladen??? es ist privat...und privat bedeutet nicht hochgeladen....


      • Ob es soviel intelligenter ist, Bilder oder andere Dateien unter Verbrauch seines kostbaren Datenvolumens über ein mit Latenzen verbundenes Netzwerk zu speichern und erneut zu laden, das in manchen Situationen zudem gar nicht verfügbar ist, wage ich zu bezweifeln. Zudem bekommt man größere Mengen Cloudspeicher, z.B. 100 GB, auch nur gegen monatliche Gebühr, während eine 128 GB SD-Karte nur einmalig 35 € kostet, und dann quasi unbegrenzt genutzt werden kann. Das Konzept eines "Cloud-First" -Smartphones wurde jedenfalls nicht fortgeführt, und die Gründe dafür dürften die Genannten sein, obwohl 100 GB Cloudspeicher sogar schon im Kaufpreis enthalten waren.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        War wohl ein bisschen zu spät für Dich heute Nacht, oder Tim? Lies nochmals genau durch, was ich geschrieben habe, bevor Du wieder mal so bescheuerte personalisierte Kommentare vom Stapel läßt. Und wo bitte rede ich von einer Cloud? Das nächste mal bitte erst (nüchtern?) denken, dann schreiben.

        Aber nochmals für Dich erklärt: ich habe ganz allgemein ausgesagt, dass bei dieser Einsparung von 50% der Speicherplatz von z.B. 64 GB locker für einige tausend Bilder ausreicht. Wenn Du jeden Müll auf dem Smartphone gespeichert haben musst, reichen Dir irgendwann mal 256GB auch nicht mehr aus. Da kommst Du bei gespeicherten Bildern schon in die Millionen. Und ob Du die wirklich irgendwann mal alle nochmals anschauen willst?

        UbIx


      • Tim vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        @Jörg W.
        Das von mir genannte war nur ein Beispiel. So viel zum Thema Intelligenz.
        Natürlich kann man in einer Cloud Ordner usw. erstellen nur braucht man dann auch eine gute Internetverbindung, sonst dauert eine Suche gefühlt Stunden.

        @C.F.
        Ich glaube du solltest lieber erst Mal (nüchtern?) an die Sache Ran gehen.
        ich bin im wesentlichen auf deine 64GB-Angabe eingegangen und dass du sowas nicht zu verallgemeinern hast.
        Und was "Müll" ist, hast du ebenfalls nicht zu bestimmen. Dein Geschafel empfinde ich durch die Bank weg auch als Müll.
        Und was ich wann ansehen will, ist ebenfalls meine Sache. Kapier's endlich, dass jeder Mensch ein anderes Nutzungsverhalten hat und nicht jeder sein Smartphone so nutzt, wie du deins.


      • C. F.
        • Blogger
        vor 2 Monaten Link zum Kommentar

        @Tim
        Ich glaube, Du hast ganz gewaltig ein Rad ab. Denn ich kann verallgemeinern, was ich will. Und wenn Du Artikel nur zur Hälfte liest - ich hatte geschrieben "z.B. 64GB", ist klar, dass von Dir nur Schrott kommt. Wenn Dein Nutzerverhalten anders ist, dann schreibe das auch so, ohne Dich persönlich angegangen zu fühlen. Wenn Du das nicht kannst, schreibe lieber nichts. Ist besser so.

        UbIx


      • "Kostbares Datenvolumen"... Einfach einen entsprechend ausreichenden Tarif buchen, dann ist das auch nicht mehr so kostbar.
        Wozu brauche ich so ein Ding, wenn ich ständig sparen muss? Die paar MB die nötig sind, um ein paar Bilder zu suchen und zu laden, die sollte jeder übrig haben.
        Vor allem angesichts der Preise, die sie für ihre Phones bezahlen. Ich finde es immer armseelig, wenn mir jemand sein 1000 Euro Gerät anpreist, aber beim nächsten YouTube Video sagt: Mach Du mal, mein Volumen ist schon knapp.
        In diese Situation kam ich bisher nicht einmal, seit ich 2010 mein erstes Smartphone kaufte.
        Seitdem höre ich mir das Gejammer, über das ach so kostbare Volumen an.


  • Spätestens 2020 wird das Format in Smartphone-Hardware allgegenwärtig sein.

    Das kling gar nicht so positiv. Im Jahr 2020 könnte alles passieren. Vielleicht kommt noch jemand in das Geschäft. Apple benutzt schon HEIF.