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Automatische Bildbearbeitung bei Google+: Die digitale Dunkelkammer

Auf der Keynote der Google I/O wurde eine ganze Reihe neuer Features für Google+ vorgestellt. Ein Top-Thema war die Fotografie: Google+ übernimmt ab sofort die Speicherung, Bearbeitung und Auswahl Eurer Urlaubsfotos, und das vollautomatisch. Das hat mich als Hobby-Knipser neugierig gemacht. Ich wollte wissen: Kann Google+ mir die Arbeit wirklich abnehmen?

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Die Änderungen, die Google unter dem Motto “Deine Dunkelkammer ist ein Rechenzentrum” vorgestellt hat, gliedern sich in vier Bereiche: "Backup", "Highlight", "Enhance" und "Awesome". "Backup" bedeutet hier einfach mehr Speicherplatz: Google+ bietet ab sofort 15 Gigabyte für Fotos in voller Auflösung. 

Spannender sind die anderen Funktionen, die teilweise so raffiniert sind, dass kaum vorstellbar ist, dass Google hier einen guten Job machen kann: Die Auswahl der besten und schönsten Fotos aus einem ganzen Berg von Bildern und die automatische Bildbearbeitung.

Das Versprechen lautet: Einfach hochladen, den Rest erledigt Google.

Highlight, Enhance und Awesome: Alles automatisch

Die Auswahl (“Highlight”) läuft so: Unscharfe, doppelte, über- oder unterbelichtete Bilder werden aussortiert, Bilder mit bekannten Sehenswürdigkeiten, mit Gesichtern (vor allem fröhlichen) von Menschen und Familienmitgliedern und “schöne” Fotos, die allgemeinen ästhetischen Gesetzen gehorchen, werden bevorzugt. Die vollautomatische Bildbearbeitung (“Enhance”) umfasst Punkte wie Tonwertkorrektur, Hautglättung, Rauschreduzierung, Dynamikumfang oder Vignettierung. Die Funktion “Awesome” schließlich setzt aus mehreren Bildern einer Serie, zum Beispiel eine Reihe von Gruppenfotos oder ein Bewegungsablauf, ein animiertes Bild zusammen. 

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Der Vergleich zwischen vorher (links) und nachher macht deutlich: Die automatische Bildbearbeitung kann was! / © AndroidPIT

Der Test: Touri-Tour zum Alex

Um das zu testen, habe ich Tourist gespielt, bin vom Büro in der Greifswalder Straße zum Alexanderplatz gefahren und habe dabei eine ganze Menge Fotos gemacht und auch viel Ausschuss produziert. Am Ende habe ich 227 Bilder bei Google+ hochgeladen, darunter einige unscharfe, verwackelte, unter- und überbelichtete oder sonstwie misslungene Aufnahmen. Den Rest habe ich Google+ machen lassen. 

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Ein kleiner Ausschnitt meiner Fotosafari zum Alex. Nach der Selektion durch Google waren von 227 Fotos nur noch 50 übrig. / © AndroidPIT

Die Highlights-Ansicht reduzierte meinen Bilderwust erst einmal auf 50 Fotos. Mit der Auswahl konnte ich mich durchaus anfreunden, wobei ich bei einigen Bildern doch anders entschieden hätte. Einige bewusst schiefe oder aus der Hüfte geschossene Bilder sind mit dabei, andere, bei denen ich mir über den Bildaufbau Gedanken gemacht habe, fehlen. Zuverlässig funktionierte nur das Aussortieren von unscharfen und verwackelten Fotos.

Gut gefiel mir, dass Google+ eine Reihe von vier Selbstporträts im Stil eines Passbildautomaten-Abzugs anzeigt. Bei fünf oder mehr Aufnahmen in Serie bastelt die Software ein GIF aus den Bildern. Leider kann man aber keine weiteren Bilder zu einem GIF hinzufügen, wenn Google+ welche "übersehen" hat.  

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Vier Selbstproträts werden automatisch zu einer Bilderansicht wie aus dem Passbildautomaten zusammengefügt. / © AndroidPIT

Die automatische Bildbearbeitung funktioniert gut und ist zum Glück dezent: Der Kontrastumfang wird leicht erhöht, bei einigen Bildern trägt eine leichte Vignette zu mehr Dramatik bei, Die Detailzeichnung in Wolken oder Blättern wird behutsam verstärkt und die Fotos insgesamt etwas geschärft. Hochformat-Fotos werden automatisch gedreht, schiefe Linien bleiben aber bestehen, an Horizontalen und Vertikalen ausrichten kann Google+ die Fotos nicht. Auch die Rauschreduzierung bei hohen ISO-Werten und schlechten Lichtbedingungen hat mich bei meinen Testfotos (ISO 3200 in der U-Bahnstation) nicht überzeugt. 

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Unterm dichten Blätterdach sorgt Google+ für mehr Durchblick. / © AndroidPIT
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Dezent: Hier sind die Veränderungen sehr gering, nach dem Moto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. / © AndroidPIT
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Unsere schönsten Redaktionsgesichter werden mit Google+ noch etwas schöner. / © AndroidPIT

Fazit

Zugegeben, ich war sehr skeptisch, als die neuen Foto-Funktionen vorgestellt wurden, aber die Umsetzung ist insgesamt gelungen. Die automatische Bildbearbeitung erinnert mich vom Funktionsumfang und vom "Look" der fertigen Bilder her an das Ergebnis einer schnellen Stapelverarbeitung mit den grundlegenden Bearbeitungsfunktionen von Adobe Photoshop Lightroom. Ein bisschen an der Helligkeit und an den Tiefen und Lichtern gedreht, ein bisschen mehr Klarheit und etwas Vignette, schon wirkt das Foto deutlich besser.

Das Gute an Google+: Man muss sich nicht erst in eine komplexe Software einarbeiten. Für den Durchschnittsnutzer ist diese Funktion also wirklich nützlich, um schnell und komfortabel die Urlaubsfotos zu pimpen. Wunder darf man aber nicht erwarten, vor allem bei schiefen Horizonten und schrägen Linien ist Google+ machtlos. Die automatische Auswahl von Highlights hat micht nicht zufriedengestellt. Meine 227 Bilder wurden zwar auf 50 reduziert, doch in vielen Fällen hätte ich mich für andere Bilder entschieden. Am meisten Spaß hatte ich mit den automatisch erstellten Bewegungsabfolgen. Nicht nur wer gerne Grimassen zieht, wird seine Freude haben. 

Die komplette Bilderserie meiner kleinen Tour findet Ihr auf meinem Google+-Profil. Habt Ihr die neuen Funktionen auch schon ausprobiert? Was haltet Ihr davon?

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