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Aufreger der Woche: Geiz ist geil - Dekadenz ist dämlich

Manchmal kommen wir bei AndroidPIT an einen Punkt, wo wir uns richtig aufregen. Dann brechen alle Dämme, dann muss alles raus. Der Frust unserer Redakteure bekommt mit dem Aufreger der Woche eine Plattform. Subjektiv, einseitig und ohne Blatt vor dem Mund. Heute ist Stephan dran, und er hat mächtig Wut im Bauch.

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aufreger der woche
© ollyy/ Shutterstock/AndroidPIT

Ein Elektrofachmarkt als Stimme des Volkes?

“Geiz ist geil” - ein Spruch, der gefühlt eine Generation geprägt hat. Jeder kennt ihn und Millionen leben nach ihm. Der Gedanke ist nicht neu. Die klassische, von Tonträgern abhängige Musikindustrie ging schon vorher zugrunde, und daran ist nicht Saturns flotter Werbespruch Schuld, sondern das Internet mit seinen technischen Möglichkeiten der Downloads, die zeitweise zum Grund-Repertoire eines jeden 8-Jährigen gehörten.

Aber hat dieses Gedankengut im App-Zeitalter wirklich noch etwas zu suchen? Aus “Geiz ist geil” wird hier eher “Dekadenz ist dämlich”. Die App als immaterielles Gut einer Generation, die es gewohnt ist, alles sofort und zumeist kostenlos online zu finden, hat es manchmal schwer, muss sie doch gegen die merkwürdige Vorstellung vieler Nutzer ankämpfen, ein Grundrecht auf kostenlose Software zu haben. Jene Menschen sollten sich vielleicht mal eine Tageszeitung zu Gemüte führen und sich anschauen, was für Grundrechte andernorts gefordert werden. Wasser, Redefreiheit, Wahlbeteiligung, kostenlose Apps - was passt hier nicht?

Beispiele gefällig?

Manifestation dessen ist eine Masse an absurden entrüsteten Kommentaren im Play Store als WhatsApp kostenpflichtig wurde: “89 Cent im Jahr - das ist doch Wucher/Abzocke/eine Frechheit!”. In der jüngsten Debatte um WhatsApp-Alternativen wurde teils sogar der Euro, den man mit kostenlosen Messengers jährlich sparen kann, zum Argument erhoben. Ich höre ständig von kleinen, cleveren Apps, die Aspekte des täglichen Lebens spürbar vereinfachen, jahrelang verwendet werden können und, sagen wir, 3,59 Euro kosten. “Das ist aber ganz schön happig”, die weit verbreitete Reaktion. 

Oder wie wäre es mit aufwändig und liebevoll hergestellten Kultspielen, die früher 30 oder 50 Euro gekostet hätten? Ich denke da zum Beispiel an Leisure Suit Larry, gerade neu aufgelegt, von Grund auf überarbeitet, neue Grafik, neue Sprachausgabe - für 10 Euro im Play Store erhätlich. Wer wissen möchte, wie die Reaktion selbst technikaffiner Leser dazu war, muss nur hier nachschauen. Von den Rund 15 Kommentaren, die auf den Preis eingehen (immerhin ein Drittel aller), regen sich ganze 11 über ihn auf. 

Leisure Suit Larry 8
Dies ist kein Flappy Bird, das sich an einem Wochenende programmieren lässt, sondern ein vollwertiges Videospiel mit Intelligenz, Charme und viel Arbeit. / © Replay Games/AndroidPIT

Selbstverständlich spart jeder gerne Geld. Aber bloß, weil man eine App, anders als beispielsweise eine CD, nicht anfassen kann, bedeutet das nicht, dass sie vom Himmel gefallen ist. Hinter ihr steckt die Arbeit echter Menschen, die echte Nahrung zu sich nehmen und echte Miete zahlen müssen. Sich darüber aufzuregen, dass sie für ihre Arbeit entlohnt werden wollen, ist nicht nur absurd, sondern blanker Hohn.

800-Euro-Handys voller Gratis-Apps

Kostenpflichtige Apps zu scheuen ist eine Sache, das tue ich mitunter selber. Sich aber grundsätzlich über Preise zu echauffieren, ist dekadent, vor allem, wenn diese dazu auch noch weit unter dem liegen, was noch vor gar nicht so langer Zeit die entsprechende Computer-Software gekostet hätte. Und das dann von Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken 800 Euro für ihr iPhone oder 600 für ihr Galaxy S4 löhnen. Klar, die kann man anfassen. Aber ohne Apps machen auch die im Jahr 2014 keinen Spaß.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin geizig und finde mich auch ziemlich geil. Dieses Gefühl hat allerdings nicht das Geringste mit meinem Geiz zu tun und befällt mich nicht, während ich im Play Store stöbere. Da fühle ich mich eher schäbig. Aber immerhin halte ich die Klappe.

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110 Kommentare

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  • Tom 25.03.2014 Link zum Kommentar

    Ehrlich gesagt finde ich (persönlich) eher kostenlose Apps seltsam. Denn die Frage, die sich da immer aufdrängt ist: Womit verdient der Entwickler sein Geld? Klar -> mit meinen persönlichen Daten.
    Ich bevorzuge, wenn es irgendwie geht, immer eine Bezahl-App. Gleiches gilt für F2P - für mich keine Option. Ich zahle gerne für ein gutes Spiel, aber nicht mit meinen persönlichen Daten.

  • ich kann auch nicht ganz nachvollziehen warum viele leute alles kostenlos haben wollen. ich bezahle gerne für gute apps, wenn ich sie denn brauche ;)

    allerdings habe auch ich meine probleme mit den geschenkkarten von google. was nämlich immer wieder gerne vergessen wird ist dass das prepaid system (die karten sind ja nichts anderes ) einen großen nachteil hat... die kleinste zu kaufende summe sind glaube ich 15 euro d.h. selbst wenn man NUR für whats app die 1-5 euro brauch (je nach abo dauer und aufgerundet) muss man eben 15 euro ausgeben und die sind dann weg!Stephan hat es zwar recht passent gesagt ( wir leben nicht in einem afrikanischen dorf ) aber 15 euro sind für einige leute, inkl mir, ne menge geld! für einen single ist das quasie ein kleiner wocheneinkauf...

    und genau darin seheh ich das problem, bei amazon und appel geht das ganz gut man bezahlt den betrag den die app kostet, ja okay das macht man bei google auch aber sobald man eine geschenkkarte nutzt ist reel mehr geld weg als die app kostet.

    für viele app entwickler ist das wiederrum ein vorteil denn jetzt da das geld eh weg ist kann ich dieses virtuele guthaben ja auch gleich für ein paar donuts bei simpsons ausgeben oder für irgendeine x beliebige andere app die man vielleicht garnicht bräuchte aber hey jetzt wo die 15 euro weg sind kann man ruhig ein wenig dekadent werden lol.


    kleiner edit zu den preisen von spielen: ich persönlich finde 3-6 euro für ein handyspiel legitim aber was insbesondere squareenix da abzieht ist reinster wucher 15 euro für teilweise 20 jahre alte spiele ist lächerlich zu mal manche umsetzungen einfach nur stümperhaft sind... ein beispiel ist chrono trigger (habs im angebot für 5euro gekauft) die steuerung und anpassung an touch ist unter aller sau FF3 rettet nur die tatsache das es sich um ein nintendo DS port handelt welches ja schon die touch eingabe fördert. bei dem larry spiel das von Stephan als bsp genutzt wird gilt das gleiche, ja na klar wurde es überarbeitet aber es ändert nichts an der tatsache das es das spiel schon gab der gesamte entwicklungsprozess wurde um 50% geschrumpft weil weder die story noch die scripte erarbeitet wurden, sie waren schon da und wurden nur in ein hübscheres kleid gezwängt! wer es als beispiel aufführt das das spiel doch irgendwann mal 50 mark gekostet hat müsste nach der logik für ein pong ableger auch den vollen umgerechneten preis zahlen ein wing kommander hat auch mal 120 DM gekostet und trotzdem ist eine optische aufpolirte version heute keine 10euro wert

  • Ich verstehe auch nicht was viele haben.Wenn ne App 1-2 € kostet und sie mich auch nur 2-3 h beschäftigt, ist das Geld doch nicht sinnlos.
    Will sagen man hat doch schon öfters mehr Geld in langweiligere Beschäftigungen investiert, als in Apps.
    800 € Handys nur mit Free-Apps, oder gar fast gar keine Apps, solche Leute nehm ich schon länger nicht mehr für voll, zumnindest was Technik angeht

  • mmn sind Preise über 6€ zu viel auf dem Handy ausser es ist was wirklich gutes :)

  • "Und das dann von Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken 800 Euro für ihr iPhone oder 600 für ihr Galaxy S4 löhnen."

    Und genau das ist ein wichtiger Grund.

    In meiner jahrzehntelangen Tätigkeit im IT-Endkundenbereich habe ich von den "vermögenden" Firmen und Endkunden sehr selten mal Trinkgeld bekommen. Selbst dem Begleichen der Rechnung muss ich meistens hinterhermahnen. Da steht aber gern mal der Cayenne vor der Tür und im Büro hängen Bilder vom Privatflugzeug und den Urlauben in Dubai. Nur die Hardware (wenn kein Apfel drauf ist) wird gern schon vorher im Media-Markt besorgt.

    "Was denken Sie denn, wodurch wir so vermögend geworden sind?" - kommt als lachende Begründung (nach der dritten telef. Mahnung mit bösem Verweis auf die Bilder). Durch extremen Geiz!

    Die sog. Mittelschicht (inkl. Firmen) stirbt aber leider immer mehr aus.
    Da wird/wurde Leistung als solche meistens auch bezahlt und gewürdigt.

  • Sehr schöner Artikel, der es genau auf den Punkt bringt! Wenn eine App es wert ist, dafür Geld auszugeben und somit die Weiterentwicklung und den Programmierer zu bezahlen, dann tue ich das gerne, wobei ich allerdings immer erstmal die kostenlose Variante installiere, um zu sehen, ob sich der Kauf lohnt und die App überhaupt für meine Belange passt.

    Aus Sicht eines Softwareentwicklers kann ich die Geiz-Ist-Geil-Mentalität unserer Gesellschaft in der Hinsicht nur mit einem Kopfschütteln bedenken! Die meisten User wissen gar nicht, was es für einen Aufwand ist, Programme zu schreiben, diese zu Debuggen und am Laufen zu halten, ganz zu schweigen von eventuellen vorher getätigten Investitionen des Entwicklers, um überhaupt erst mal soweit zu sein, die Programmierung anzugehen, und nicht zuletzt die Nerven, die man manchmal dabei verliert ;-)

    Hierbei möchte ich aber dennoch unterscheiden: Schreibe ich Programme, um damit meinen Lebensunterhalt zu finanzieren, oder aus Spaß, die ich dann kostenlos zur Verfügung stelle... Wie man es aber dreht und wendet, ist es dann nicht recht.

    Wird bei Bezahl-Apps drauf los gedroschen, dass man sich erdreistet, 99 Cent zu Verlangen, weil man Zeit und Arbeitskraft investiert hat, steht demgegenüber bei kostenlosen Apps oftmals die "Gibt man den kleinen Finger, wollen sie gleich die ganze Hand" Mentalität von vielen (so werden manchmal sehr gute Apps dennoch schlecht bewertet mit einem oder zwei Sternen und einem dreist-fordernden Kommentar, bloß weil vielleicht die eine oder andere Funktion darin nicht wie gewünscht oder umständlich umgesetzt ist).

    Dass manche dann auch mal keinen Bock mehr auf den ganzen Softwareentwicklungsmist haben ist da durchaus - zumindest für mich - nachvollziehbar.

    Das war jetzt mein Aufreger der Woche :-)

  • Cooler Artikel, aber dann bringt doch endlich mal ne Donate-App ohne diese verkackte Werbung raus!

  • Alles quatsch... FlapyBird ist kostenlos und der Entwickler verdient tausende von Euros am Tag. Was hätte er verdient wenn es kosten würde?

  • Alles quatsch... FlapyBird ist kostenlos und der Entwickler verdient tausende von Euros am Tag. Was hätte er verdient wenn es kosten würde?

  • Der Artikel ist klasse, musste wirklich mal gesagt werden!

  • Das ist doch ganz logisch,
    ich nutze ein Office-Paket für mehrere hundert Euro auf dem PC
    aber für eine App mit der ich am Handy weiterarbeite will ich nix zahlen.
    "Kopfkratz"

  •   37

    Na dann frage ich mich weshalb so viele Entwickler Apps kostenlos anbieten. Musiker oder Filmemacher machen das ja auch nicht. Wo es etwas umsonst gibt greift man gerne zu, ist ja auch legitim. Nun hat man den Geiz als Entwickler gefüttert und wundert sich, dass die Wegnahme des Futters zum beißen animiert. Ich finde einen Konkurs von Saturn und dem Gegenstück zu den Entwicklern ok. Schließlich haben die ihre Geister gerufen.

  • Sehr guter Artikel! Das passt genau.
    Für eine gute App lohnt es sich allemal zu zahlen.

  • Toller Artikel !

  • Ja und Threema kostet ganze 1,60... Fast ein ganzes Monatsgehalt... Und wie soll ich das bezahlen?! Kreditkarte hab ich nicht und wenn ich mir eine 15€ Prepaidkarte hole was soll ich dann mit dem restlichen "Vermögen" anstellen, da ich mich ja sonst lieber von Werbung am Rand zumüllen lasse?! Aber für whatsapp zahl ich gerne, da das mit PayPal geht und die somit gleich noch kostenlos meine Adresse mit erfahren! Ist das nicht toll?

    Ich persönlich hab inzwischen bestimmt schon 40 Euro im Store umgesetzt und diese Äußerungen geht mich echt sowas von gegen den Strich! Da ich trotzdem manchmal geizig bin, warte ich manchmal bis eine App im Angebot ist, außerdem gibt es ja auch noch Amazon wo es manchmal gute Bezahlapps kostenlos gibt. Aber deshalb generell gegen Bezahlung von Centbeträgen im Zuge von Bequemlichkeit oder Angst vor der "Inflation" seines Restguthaben zu sein ist definitiv zum Aufregen!

  • "Kostenpflichtige Apps zu scheuen ist eine Sache, das tue ich selber."

    "Aber immerhin halte ich die Klappe."

    Man kann natürlich sehr bequem dieses.. öhm... "Abo-In App Purchase-Werbung an jeder Ecke-Datenmissbrauchs und Handels-Freemium- Appverhackstückelungs-Schlag mich tot-System" relativ "unangeprangert" weiter unterstützen, indem man selbst nichts kauft...und darauf achtet, sich nicht beim jammern über die Preise kostenpflichtiger Apps erwischen zu lassen. ;)

    #Schachtelsätzeofdeath

    • @Sebastes Marinus: Da über- bzw. unterschätzt du mich ;) Ich muss nicht drauf achten, beim Jammern nicht erwischt zu werden, weil ich keinerlei Anlass zum Jammern sehe. Jeder setzt seine Prioritäten. Wenn ich eine App finde, die mir so wichtig ist, dass ich dafür Geld zahlen will, werde ich das auch sofort tun. Bisher bin ich aber noch über keine gestolpert. Mal abgesehen von coolen Spielen. Leider spiele ich fast nie am Handy. Ich halte die Klappe und jammere nicht über kostenpflichtige Apps, weil ich absolut nichts gegen kostenpflichtige Apps habe. So einfach ist es.

      Und was dass stillschweigende "Unterstützen des Systems" angeht - halt dich fest: Ich hab gar kein Problem mit dem System :) Ich habe weder etwas gegen Abos, noch in-App-Käufe, noch Werbung, noch Freemiums, weil ich mich persönlich für mündig und medienkompetent genug halte, damit umgehen zu können. Datenmissbrauch und ähnliche Dinge sind selbstverständlich Probleme, die haben aber nicht wirklich mit den Preisen von Apps zu tun.

      • Also.. ich persönlich habe schon ein Problem mit dem System.
        Ich würde nämlich gern ein gutes Stückchen Software zu einem einmaligen, angemessenen Preis erstehen.
        Stattdessen krieg ich fast nur mit Werbung verseuchte, verhackstückelte Fetzen davon.. durch unverschämt überteuerte IAPs "reparierbar".
        Medien-mündig oder nicht, es leidet schlicht die Qualität der Anwendungen unter'm System.
        Und der Datenhandel hat sehr wohl mit den Preisen von Apps zu tun.

        Wenn's nach mir ginge, gäbe es nur noch kostenpflichtige Apps.. mit dazugehöriger Demoversion. Und verschärfte(oder überhaupt mal IRGENDWELCHE) Datenschutzgesetze.

  • Toller Artikel und zu 100% wahr.
    Viele gucken mich verwundert an, wenn ich sage das ich für Apps bezahle. Da tun mit dir Entwickler echt leid.

  •   38

    Die App entwickler sind gierig, da muss man geizig sein. In vielen Apps Werbung. Wie ich dass hasse wenn ich die berühre. Dazu kommt das man für Spiele, die man gerne spielt am ende durch die IN-App käufe auf den selben Geldbetrag kommt, wie bei einem Pc spiel- dass keine Werbung hat.
    Also um was wird sich aufgeregt? Um die 89Cent wegen WhatsApp? Das sind Jugendliche die kein Geld verdienen.
    Also müder Artikel ohne Emotionen.

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