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App-Entwickler im Interview: Oliver Rennies spricht über “Lieferungen"

Diese Woche lassen wir in unserem Entwickler-Interview Oliver Rennies über seine App Lieferungen zu Wort kommen. Der 24-Jährige hat mit seiner Anwendung vor allem den Nerv von Vielbestellern getroffen und bietet ein Tool an, mit dem Ihr Zugriff auf die Sendungsverfolgung von vielen verschiedenen Paketzustellern habt. Wie er die App entwickelt hat und welche Probleme es dabei immer wieder gibt, verrät er uns heute im Interview.

Akkupower von morgens bis abends ist für Heavy User leider immer noch keine Selbstverständlichkeit.
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© AndroidPIT / Oliver Rennies

Hallo Oliver, wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, die App "Lieferungen" zu entwickeln? Wo hat alles angefangen?

Ich habe schon immer gerne programmiert. Angefangen hat das als ich etwa 15 Jahre alt war und als einziger „Entwickler“ beim Betrieb eines privaten WoW-Servers geholfen habe. Danach habe ich immer mal wieder kleinere private Projekte umgesetzt, meistens blieb aber durch Schule und danach Zivildienst kaum Zeit. Aus diesem Grund habe ich nach dem Zivi ein einjähriges Praktikum in einem größeren IT-Unternehmen absolviert, wo ich endlich mehr Einblicke in den Alltag eines richtigen Entwicklerteams bekommen konnte.

Direkt im Anschluss habe ich dann mein Informatikstudium begonnen, an dem ich aktuell zu beißen habe. Nebenbei habe ich noch eine Webseite und einen recht umfangreichen Online-Shop für die Firma eines Nachbarn aufgebaut und pflege diese auch weiterhin.

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"Lieferungen" - alle Sendungen auf einen Blick. / © Oliver Rennies

Die grundsätzliche Idee zu „Lieferungen“ ist nicht neu. Ich hatte viele Jahre ein iPhone 3GS, auf dem man die sehr professionelle und umfangreiche App Delivery Status touch nutzen kann. Als ich dann auf das Galaxy S3 umgestiegen bin, fehlte mir ein vernünftiger Ersatz, da die meisten Alternativen noch auf Android 2.x-Niveau sind, nicht mehr gepflegt werden oder viel zu umständlich in der Bedienung sind. Also habe ich mit dem Ziel einer einigermaßen akzeptablen Lösung für mich selbst einfach „drauf los programmiert“. Das war im Herbst 2012.

Hast Du für die Entwicklung und Umsetzung der App Unterstützung gehabt oder hast Du alles ganz allein gestemmt?

Leider hatte und habe ich keine Hilfe bei der eigentlichen Entwicklung der App. Nichtsdestotrotz bin ich sehr dankbar für die Hilfe von vielen Nutzern, die bei der Behebung von Fehlern und mit neuen Ideen tatkräftig mitgeholfen haben. Vor allem was das Design der App angeht, habe ich so meine Probleme – als purem Entwickler fehlt es einem einfach an guten Ideen, um eine massentaugliche und intuitiv zu bedienende Oberfläche zu gestalten.

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Eine kleine App-Evolution: Version 0.5, Version 1.1 und Version 3.9.1. (v.l.n.r.)  / © Oliver Rennies

Weiterhin gibt es bereits Übersetzungen in Italienisch, Rumänisch, Schwedisch und sogar Arabisch. Diese wurden komplett von engagierten Nutzern der App über die Webseite http://localize.orrs.de eingereicht.

Glücklicherweise hilft mir aktuell ein Web-Entwickler aus den USA bei der Entwicklung der Synchronisationswebseite, die derzeit noch in einer geschlossenen Beta-Phase ist. Darüber kann man als Besitzer der Pro-Version seine synchronisierten Lieferungen im Browser bearbeiten, löschen oder neue hinzufügen, die dann automatisch in die App übertragen werden.

Finanziell gesehen ist die App mittlerweile ein netter Nebenverdienst. Um mein Studium und den Lebensunterhalt zu finanzieren reicht es aber absolut nicht aus - das übernehmen noch meine Eltern.

Gab es bei der App-Entwicklung auch Probleme?

Im Laufe der Entwicklung kam es immer wieder zu Problemen. Das schlimmste ist aber definitiv die fehlende Zeit. Es kommen leider neben der Entwicklung viele Aufgaben auf einen zu, deren Zeitaufwand kostbare Arbeitszeit verschlingt. Am nervigsten ist wohl die Bürokratie, die anfällt, sobald man etwas verdient. Neben der Gründung eines Unternehmens muss man auf viele Dinge achten. Beispielsweise darf man als Student bei meiner Versicherung maximal 400 Euro pro Monat nebenher verdienen. Mir graut jetzt schon vor meiner ersten Steuererklärung im nächsten Jahr! ;)

Auch der Kundensupport ist alleine kaum machbar. Momentan bin ich stark durch anstehende Klausuren belastet und so bleiben einige vor allem komplexere Anfragen liegen. Jetzt wo ich selbst in dieser Situation bin, kann ich erstmals verstehen, warum bei vielen (kleineren) App-Entwicklern auf Support-Anfragen gar nicht reagiert wird.

Ein anderes Hindernis sind die Richtlinien der einzelnen App Stores. So darf man bei Google Play keine Apps vertreiben, die innerhalb der App Zahlungsmöglichkeiten neben dem Google Play In-App-Kauf anbieten. Auch Samsung Apps hat sich mittlerweile zu einer ähnlichen Handhabung entschlossen, wodurch dort keine weiteren Updates meiner App akzeptiert werden.

Welche Hard- und Software hast Du für die App-Entwicklung für Android verwendet?

Für die Entwicklung benutze ich ein „einfaches“ Ultrabook mit Windows 8. Für die Tests verwende ich größtenteils mein Galaxy S3, ein LG P350 und bei Gelegenheit stibitze ich mir auch mal das Galaxy S2 meiner Freundin. Zusätzlich kommt auch der Android-Simulator zum Einsatz, der dank der Intel-Hardwarebeschleunigung sogar noch performanter ist als das S3. Als Entwicklungsumgebung bin ich mittlerweile von Eclipse auf die Beta-Version von Android Studio umgestiegen und fühle mich damit jetzt auch deutlich wohler.

emulatoren screenshot
So sieht "Lieferungen" im Android Studio inklusive Emulatoren aus. / © Oliver Rennies

Planst Du noch weitere Apps und Projekte für Android?

Aktuell habe ich keine Pläne für weitere Apps - und das ist auch gut so, damit mein Studium nicht darunter leidet! Außerdem gibt es noch mehr als genug Aufgaben für „Lieferungen“ und es kommen täglich neue dazu.

Hast Du Tipps für andere Entwickler, die Du aus Deiner eigenen Erfahrung geben kannst?

Es gibt einige grundlegende Dinge, die man schon ganz am Anfang der Entwicklung beachten sollte, selbst wenn es erst einmal nur um ein kleines Projekt geht.

1. Versionskontrolle

Bei der Entwicklung passieren Fehler. Auch wenn man alleine arbeitet, empfinde ich es als extrem wichtig, auch nach Monaten noch nachvollziehen zu können, warum man eine bestimmte Änderung gemacht hat. Auch bei unerklärlichen Fehlern nach einem Update hilft es sehr, zum vorherigen Stand zurückgehen zu können.

2. Tablet-Optimierung

Vor der Entwicklung einer App sollte man sich unbedingt Gedanken über die Tablet-Version machen. Sobald das Grundgerüst auf einem wenig durchdachten Fundament steht oder man zwar eine gute Vorlage nutzt, das Grundprinzip aber nicht richtig verstanden hat, sind nachträgliche Änderungen sehr umständlich. Da ich dies am Anfang noch nicht wusste, habe ich rückblickend einige Fehlentscheidungen getroffen. Um diese wieder grade zu biegen, wäre ein komplettes Refactoring der App nötig.

tablet optimiert lieferungen
"Lieferungen" in der Tablet-Version. / © Oliver Rennies

3. Crashberichte

Sobald die App an einen größeren Anwenderkreis verteilt wird, darf eine vernünftige Lösung zum Sammeln von Fehlerberichten nicht fehlen. Durch die extreme Vielfalt an Android-Geräten kommt es unweigerlich zu Bugs, die man teils unmöglich vorhersehen kann. Wer seine App über Google Play vertreibt, bekommt zwar den einen oder anderen Fehlerbericht, wirklich nützlich sind diese mangels umfassender Informationen aber nicht. Glücklicherweise bin ich sehr früh auf das Fehleranalysetool Crashlytics gestoßen und bin mir sicher: Ohne dieses wären viele Abstürze nicht zu beheben gewesen.

4. Kundenwünsche

Oft haben Kunden sehr sinnvolle Anregungen, auf die man selbst nicht kommen würde. Es ergibt also Sinn, auf diese einzugehen und sie gegebenenfalls umzusetzen. Einige sinnvolle Funktionen aus „Lieferungen“ entstanden so. Darüber freuen sich auch die Kunden, was wiederum zu positiven Bewertungen und Weiterempfehlungen führt.

5. Geduld und Leidenschaft ;)

Eine Frage zum Schluss: Welche Smartphones und Tablets benutzt Du privat und auf welche Apps würdest Du nicht verzichten wollen?

Wie bereits erwähnt, ist das Galaxy S3 (32 GB, ohne LTE) mein täglicher Begleiter. Zum Test der Tablet-Version habe ich mir vor ein paar Tagen ein Galaxy Note 8.0 gekauft. Apps, die ich täglich nutze, sind gReader Pro (mit Feedly), DroidStats, WeatherPro und Trillian, bei dem ich sehnsüchtig auf das versprochene Update warte.

Vielen Dank für das Interview, Oliver!

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9 Kommentare

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  • @Andy N. vielen Dank für das Feedback! Selbstverständlich habe ich die Kommentare dieses Artikels abonniert und die Autorin hat mich netterweise auch nochmal bei Google+ darauf hingewiesen. =)

    Mit "Einstellungen unter Menü" meinst Du, dass der Button mit dem man in die Einstellungen gelangt über die Menütaste angesteuert wird? Falls ja: das steht so in den Android Designrichtlinien für Einstellungen. Was genau sollte sich verändern, damit es kein Stilbruch mehr ist?

    Zum Thema mehr Anbieter:
    Sobald jemandem ein Anbieter fehlt, kann er sich gerne bei mir melden und ich gebe stets mein Bestes, diesen dann so schnell wie möglich hinzuzufügen. Ohne eine funktionierende Trackingnummer ist dies aber leider nicht möglich - ich bin also auf die Nutzer angewiesen.
    Seit diesem Artikel sind sechs Anbieter dazugekommen und im nächsten Update kommen noch einmal mindestens drei weitere! =)

    Was die automatische Erkennung von Trackingnummern angeht, würde es mich freuen, wenn Du Dich per E-Mail bei mir melden könntest (lieferungen@orrs.de).


  • Ich weiß nicht, ob Du das nach einem Monat noch ließt, aber egal:
    Insgesamt ist die App nicht schlecht und einer der Apps, die einfacher zu bedienen ist. Es gibt zwar noch Stilbrüche (zB Einstellungen unter Menü), aber ist schon recht gut.

    VErgelicht man sie aber mit anderen Apps, so hinkt die in einigen Funktionen hinterher (dafür ist die Bedienung besser). So bieten andere Apps mehr Anbieter an.
    Aber vor allem fehlt die Funktion, dass anhand der Nummer der Anbieter herausgesucht wird, bzw. wenn der Anbieter nicht eindeutig ist, dass die möglichen Anbieter gefiltert werden.
    Gibt man zB eine Nummer R...HK ein, so wissen andere Apps, dass es sich um HK Post handelt. Das ist eine wirklich nützliche Funktion, die dieser App fehlt.


  • Interessanter Einblick in dein Entwicklerleben. Besonders crashlytics werde ich mir mal näher anschauen.


  • @Data: Du hast vollkommen recht. Da habe ich mich versehen - ich war natürlich 15/16 Jahre alt damals. Sorry!


  • Also wenn er jetzt 24 ist und mit 12 angefangen haben will als Programmierer für einen privaten WoW Server, dann kann das nicht hinhauen. Denn 2001 gab es WoW bestenfalls als Idee im Kopf der Blizzard Entwickler.


  • Nach dem die App "Pakete" nicht mehr gewartet wird (u.a. geht Paketverfolgung von Hermes nicht mehr) hab ich Lieferungen gefunden und gut gefunden. Pro hab ich dann auch gleich gekauft.


  • @Clemens C.: Beim Android SDK ist ein Emulator dabei, mit dem sich das Betriebssystem unter Windows/Linux/... virtualisieren lässt. Das sieht man auch auf dem vorletzten Bild noch einmal - da läuft auf meinem Windows PC gleichzeitig ein Tablet und ein Handy mit Android 4.2.2.
    Emulator wäre hier wohl das bessere Wort gewesen. =)


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    @Clemens C.:

    Mit dem Android-Simulator (besser bekannt als Android-Emulator), kannst Du Android-Apps am PC testen.


    Viele Grüße!


  • "Android-Simulator" Was ist das?

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