Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können. OK
6 Min Lesezeit 9 mal geteilt 3 Kommentare

App-Entwickler im Interview: Ecotastic will die Welt grüner machen

Diesmal erzählen uns Fabian, Anna und Ralf von ihrem jungen Start-up-Unternehmen und der Idee zu ihrer App ecotastic, die bei den Nutzern für ein stärkeres Bewusstsein im Umgang mit der Umwelt sorgen soll. Wie sie selbst zum oft diskutierten Widerspruch von Technik und Umweltbewusstsein stehen, lest Ihr hier in unserem Interview.

team foto ecotastic
Das ecotastic-Team. / © Matthias Jacob

Ihr seid ein kleines Team mit einer großen Idee, könnt Ihr uns erzählen aus welchen Bereichen Ihr kommt und wie Ihr Euch zusammen gefunden habt?

Zu unserem dreiköpfigen Gründerteam gehören Anna Yukiko Bickenbach, Fabian Lindenberg und ich, Ralf Gehrer. Anna studierte Integrated Natural Resource Management an der Humboldt Universität in Berlin und ist damit unsere Expertin im Bereich Nachhaltigkeit. Fabian und ich studierten gemeinsam IT-Systems Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und bringen damit das technische Handwerkszeug mit, "ecotastic" Realität werden zu lassen. Zu dritt absolvierten wir eine Zusatzausbildung im Design Thinking an der HPI School of Design Thinking, während der wir das nutzerzentrierte Arbeiten verinnerlichen konnten und als Team zusammengefunden haben. Seitdem arbeiten wir gemeinsam an ecotastic, dem Belohnungssystem für umweltgerechtes Verhalten.

Was war die ausschlaggebende Idee oder der Impuls für die Entwicklung Eurer App?

Die ursprüngliche Idee kam während unseres Auslandsstudiums in Kalifornien. Fabian und ich beobachteten, dass Kommilitonen, die zu viert in einer WG wohnten, trotzdem mit vier unterschiedlichen Fahrzeugen zum Universitätscampus fuhren. Wir stellten uns die Frage, wie wir einen Anreiz schaffen können, dass Studenten stattdessen eine Fahrgemeinschaft bilden oder den Shuttle-Bus der Uni nutzen. Schnell fielen uns auch an unserem eigenen Verhalten allerlei Verbesserungsmöglichkeiten auf. Denn seien wir ehrlich: In Deutschland denken die allermeisten Menschen zwar umweltbewusst, aber oft scheitert die Umsetzung dann im Alltag – sei es aus Gewohnheit, Bequemlichkeiten, Kostengründen und so weiter. Das möchten wir mit "ecotastic" ändern.

app evolution ecotastic
Die meisten App-Ideen entstehen erst einmal auf dem Papier. / © ecotastic

Wer übernimmt im Team welche Aufgaben?

Anna ist hauptverantwortlich für Marketing und Vertrieb und ist außerdem zuständig für alle Belange rund um Nachhaltigkeit. Fabian übernimmt den Großteil der organisatorischen Aufgaben der Unternehmensführung und unterstützt die Backend-Entwicklung. Mein Verantwortungsbereich ist die Softwareentwicklung, derzeit vor allem die Entwicklung der ecotastic-App für Android.

Könnt Ihr in wenigen Worten das Prinzip von "ecotastic" erklären?

"ecotastic" ist ein Belohnungssystem, das Privatpersonen einen Anreiz gibt, im Alltag umweltgerecht zu handeln. Nutzer unserer App schießen Fotos von ihren umweltgerechten Aktionen und übermitteln diese mitsamt einer kurzen Beschreibung an die Nutzer-Community von "ecotastic". Die übrigen Nutzer stimmen dann ab, ob das gezeigte Foto eine nachhaltige Handlung darstellt oder nicht. Für jedes akzeptierte Foto erhält ein Nutzer 10 Punkte, für jede Bewertung, die er oder sie abgibt einen Punkt. Im „Newsfeed” werden alle akzeptierten Aktionen angezeigt, so dass jeder Nutzer dort neue Ideen sammeln kann, wie er sein eigenes Verhalten noch weiter verbessern könnte.

screenshots ecotastic
Foto aufnehmen - abstimmen lassen - Gutschein einlösen. / © ecotastic

Verschiedene Ranglisten versetzen die Anwender in einen Wettbewerb. Innerhalb der App werden auch die Gutscheine nachhaltiger Partnerunternehmen beworben, die gegen gesammelte Punkte eingetauscht werden können. Für unsere Nutzer bietet "ecotastic" Spielspaß dank Gamifizierung, individuelle Belohnungen von unseren Partnern und letztlich das gute Gefühl, mehr für die Umwelt zu tun. Seit nun drei Monaten ist die ecotastic-App im Google Play Store verfügbar.

Woher bekommt Ihr die Partner für Eure Gutscheine? Wie stellt Ihr das an?

Bei unseren Partnerunternehmen ist uns wichtig, dass diese auch ein nachhaltiges Ziel verfolgen. So gehören beispielsweise schon Anbieter nachhaltiger Mode, wie vegane Schuhe und Sportbekleidung, oder Partner aus dem Bereich Ko-Konsum, also beipsielsweise Carsharing, zu unserem Portfolio. Bei der Auswahl und Akquisearbeit hiflt uns inzwischen unsere Community. Ecotastic-Nutzer senden uns Vorschläge für Partnerunternehmen über unsere Webseite und wir versuchen im Anschluss daran diese Partner für "ecotastic" zu gewinnen. Außerdem nehmen immer häufiger interessierte Unternehmen Kontakt mit uns auf, worüber wir uns sehr freuen.

Plant Ihr noch weitere Features für die App bzw. wie wollt Ihr Euch weiter entwickeln? Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Die ecotastic-App steckt derzeit noch in den Kinderschuhen und wird stetig weiter ausgebaut. Ein wichtiger Baustein ist die Gamifizierung. Wir wollen den Wettstreitgedanken über Ranglisten hinaus weiter ausbauen. Parallel dazu sind wir dabei externe, nachhaltige Dienste wie zum Beispiel einen Energieverbrauchsmonitor zu integrieren und somit eine automatische Erfassung umweltgerechter Aktionen zu ermöglichen.

Über Smartphone-Nutzung und Umweltschutz gibt es immer wieder Diskussionen. Wir nutzen Geräte, deren Herstellung erstens nicht einwandfrei ist und für die zweitens Seltene Erden verschwendet werden. Wie seht Ihr diesen Widerspruch? Lässt sich durch eine App wie "ecotastic" so etwas "wieder gut machen"?

Natürlich wäre es im Sinne des Umweltschutzes besser, kein Smartphone zu besitzen. Doch Fakt ist, dass die meisten Menschen nicht mehr darauf verzichten wollen. Deshalb haben wir uns bewusst für eine “Smartphone-Lösung” und beispielsweise gegen die Verwendung eigener Hardware entschieden. Dadurch nutzen wir wenigstens Ressourcen, welche ohnehin bei den Nutzern vorhanden sind. Darüber hinaus gibt es jetzt ja auch das Fairphone, das unter fairen Arbeitsbedingungen und umweltschonend produziert werden soll.

Welche Hard- und Software wurde für die App-Entwicklung verwendet?

Wir entwickeln unter Linux mit Eclipse und dem Android SDK. Anfangs haben wir noch mit dem Android Emulator gearbeitet. Dieser ist aber schlicht zu langsam, um produktiv arbeiten zu können. Zudem unterscheidet sich teilweise das Verhalten der App auf dem Emulator vom Verhalten auf dem Gerät. Daher testen wir in der Regel mit einem HTC Desire S mit Android 2.3 und einem HTC One S mit Android 4.2. Bevor wir jedoch eine neue Version über Google Play herausgeben, testen wir die Version noch mit den verschiedensten Geräten von Familie und Freunden.

Pidoco Editor
"ecotastic" in der Entwicklungsumgebung. / © ecotastic

Gibt es eine kleine Anekdote zur Entwicklung der App, ist vielleicht ein skurriler Fehler aufgetreten oder eine witzige Nutzer-Anfrage?

Unsere Nutzer haben die Möglichkeit beim Bewerten nachhaltiger Aktionen Kommentare einzugeben. Da bislang die Funktionalität fehlt auf Kommentare zu antworten, lässt sich die Community einige Workarounds einfallen. So antworten sie auf Kommentare durch eine neue Aktione mit einer erläuternden, ausführlichen Beschreibung oder bitten die anderen Nutzer die spezielle Diskussion auf der Facebook-Seite von "ecotastic" weiterzuführen. Für uns Gründer ist das ein wichtiges Feedback und wir versuchen trotz unserer begrenzten Kapazitäten Nutzerwünsche auch schnellstmöglich in der App umzusetzen.

Kennt Ihr weitere Apps in diesem Format, die die Umweltschutz-Idee auch ganz gut umsetzen?

Wir sind große Fans von WeGreen, einer Nachhaltigkeitsampel für Produkte, sowie Rank-a-Brand. Beide Dienste bieten eine hervorragenden Anlaufstelle, um mehr über die Corporate Social Responsiblity von Firmen, Marken und Produkte zu erfahren, auch wenn sie bisher noch keine Android-App zur Verfügung stellen. Weitere Unternehmen im Bunde sind GetNeutral und Barcoo, welche auch bereits eine Android-App anbieten.

Welche Smartphones oder Tablets nutzt Ihr? Oder habt Ihr Euch privat vielleicht sogar gegen die Nutzung solcher Geräte entschieden?

Anna und Fabian haben jeweils ein HTC One S. Ich gebe mich derzeit mit einem HTC Desire S und einer alten Android-Version zufrieden. Ich verzichte auf das Update des Betriebssystems, um auch ein Testgerät mit älterer Android Version zu haben.

Vielen Dank für das Interview!

9 mal geteilt

3 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein besseres Nutzungserlebnis bieten zu können. Mehr dazu

Alles klar!