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3 Min Lesezeit 116 Kommentare

Anti-Terror-Gesetz wird zum Anti-Prepaid-Gesetz

ALDI Talk gibt Belgien auf. Das neue Anti-Terror-Gesetz verpflichtet Anbieter, die Personalien seiner Prepaid-Kunden für Behörden abrufbereit zu halten. Die anonyme Nutzung von Handynummern ist dann illegal. Behörden müssen in der Lage sein, eine Rufnummer einer Person zuzuordnen.

Die Implikationen des neuen Gesetzes, das heute in Blegien und später auch bei uns in Kraft tritt, haben die Kollegen bei Netzpolitik.org schon umfangreich erörtert. Zusammenfassend heißt es,

  • dass Ihr Prepaid-Karten ab Juli nur noch unter Vorlage Eures Ausweises kaufen dürft,
  • dass Behörden jede Handynummer einer Person zuordnen können wollen,
  • dass sie dies auch ohne Terrorverdacht nach Belieben tun,
  • dass damit auch Eure Bewegungsprofile für Behörden lückenlos sichtbar werden.

Unabhängig von der massiven Beschneidung unserer Privatsphäre durch den Gesetzgeber bedeutet die neue Regelung einen Mehraufwand für Mobilfunk-Provider, die ihre Datenbanken für den Kampf gegen den Terrorismus mit unseren persönlichen Daten füllen müssen. Das gilt für Neu- und Bestandskunden gleichermaßen.

Aldi Belgien wirft in diesem Zusammenhang die Flinte ins Korn und schafft Aldi Talk bis zum 6. Juni 2017 ab. Im Statemet auf der Website formuliert Aldi es höflich mit den Worten: "Bedauerlicherweise können wir [die] verpflichtende Registrierung in unseren ALDI-Flilialen nicht anbieten." Mit anderen Worten, Aldi-Kassierer können nicht zwanzig Minuten warten, bis Hugo (89) aus Malmedy den Registrierungsbogen ausgefüllt hat, während das Kind im Einkaufswagen dahinter schon die vierte Tafel Moser-Roth-Schokolade in sein Oberteil einreibt.

Offenbar ist der Verwaltungs-Mehraufwand für den Discounter unterm Strich tatsächlich so groß, dass sich das Mobilfunk-Geschäft für ihn nicht mehr lohnt. Dabei sind gerade die Auflade-Karten ein denkbar gutes Mittel, um Kunden regelmäßig in die Filiale zu treiben. Denn viele gehen dann mit mehr als nur der Karte aus dem Laden wieder heraus.

AndroidPIT smartphone tariffs
Sagt Winkewinke zur schnellen Prepaid-Karte. / © AndroidPIT

Anonyme SIM-Karten sind in Deutschland ab Juli illegal

Bisher war es recht einfach, an eine Handynummer zu kommen. Bei Aldi und anderen Discountern hingen die Starter-Kits massenhaft an der Kassen. Eine Online-Aktivierung der Karte erfolgte zwar unter Angabe von Namen und Anschrift, doch konntet Ihr die Daten einfach aus dem Telefonbuch nehmen oder Euch ausdenken. So konnten weder das Mobilfunkunternehmen noch eine Behörde Eurem Namen ein Bewegungsprofil zuordnen und Euch verfolgen oder Eure Schritte zurückverfolgen. Das bloße Recht auf diese Anonymität ist ab dem 1. Juli 2017 auch in Deutschland Vergangenheit. Wer kein Bewegungsprofil von sich haben möchte, muss sein Handy zuhause lassen oder vom Netz nehmen.

Die neue Regelung greift rückwirkend. Das heißt, dass Kunden aller Bestandsverträge, deren Tarif nach dem 22. Juni 2004 aktiviert wurde, ihren Ausweis nachträglich vorlegen müssen. Es ist also eine Frage der Zeit, wie viele deutsche Prepaid-Anbieter noch in Anbetracht des anstehenden Verwaltungs-Albtraums aufgeben und ihren Teilnehmern einfach kündigen oder sie, wie ALDI in Belgien es mit BASE tut, an einen Partner vermitteln.

Post-Paid wird attraktiver

Da inzwischen etliche Post-Paid-Tarife mit fairen Konditionen aufwarten und ebenfalls monatlich kündbar sind, stellt sich für Prepaid-Kunden die Frage, ob sich nicht der Wechsel lohnt. Wenn Prepaid weder preiswerter, noch einfacher einzurichten, noch anonym verwendbar ist, hat das ganze Konzept fast schon ausgedient. Oder was meint Ihr?

Quelle: Netzpolitik

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Top-Kommentare der Community

  • Eric Ferrari-Herrmann
    • Staff
    11.04.2017

    Das ist ne komische Einstellung zu Freiheit...

  • Eric Ferrari-Herrmann
    • Staff
    11.04.2017

    Na ja, das Bewegungsprofil deines Festnetzanschlusses ist nicht so interessant.

  • Chris 11.04.2017

    Wie geil. Man kann den Leuten echt alles verkaufen. Man muss nur Terrorismus schreiben und schon geht das alles klar^^

  • Tenten 11.04.2017

    "und es ist jedes mittel recht diesen (den terroristen) die Anonymität so weit wie möglich zu nehmen."

    Selten einen so unreflektierten Blödsinn gelesen. Natürlich, einigen hundert Millionen Bürgern ihre Rechte einschränken oder gleich ganz nehmen, nur um ein paar hundert Kriminelle in Zaum zu halten. Am besten schafft man auch gleich noch das Internet und Reisen ab.

116 Kommentare

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  • Ob das wirklich den Terror bekämpfen kann ist fraglich. Ein "richtiger Terrorist", welcher nicht aus DE oder der EU kommt, nutzt gefälschte Papiere. Und von den Mitarbeitern der TK-Unternehmen kann wohl keiner die Echtheit erkennen. Bei den guten Fälschungen heutzutage haben sogar Polizisten Probleme. Zudem dürfte durch solche Gesetze der Identitätsdiebstahl steigen, dann könnte vielleicht ein Unschuldiger zum Terrorist werden (ist aber schon jetzt möglich).

    Aber hier scheint es viele zu geben die Freiheit verwechseln mit "Ich will machen können was ich will". So schlimm wie es immer dargestellt wird ist es nicht. Wenn man z.B. heute (als gesunder Mensch) auf ein Behinderten-WC geht heisst das nicht das morgen die Polizei vor der Tür steht und einen verhaftet weil man das WC nicht hätte benutzen dürfen. :zwinker:

    Bei Vodafone und Telekom bekommt man schon seit Jahren keine Prepaid-Karte ohne Vorlage des Personalausweises.

    trixi


    • Ich kann nicht mal sagen, ob es von der Telekom jemals ohne Vorlage des Ausweises eine Prepaid Karte gab. Ich habe bereits seitdem es die Dinger gibt eine von da (1996?) und etliche für die Kinder in meinem Umfeld gekauft und verschenkt, da man sie erst ab 16 erhielt.


  • »Wenn Prepaid weder preiswerter, noch einfacher einzurichten, noch anonym verwendbar ist, hat das ganze Konzept fast schon ausgedient. Oder was meint Ihr?«

    Ich bin vor Kurzem erst gewechselt.
    War Jahre lang bei blau.de und immer zufrieden, da ich nur Internet auf dem Smartphone brauchte.
    3GB für 14,90€ fand ich vergleichsweise fair.
    Aber nachdem dort, ohne den Kunden zu informieren, plötzlich alles umgestellt wurde
    und man mehr Geld für weniger Leistung verlangte, hab ich mich nach was anderem umgesehen.
    14,99€ sind zwar nur 9 Cent mehr, dafür bekommt man aber auch nur noch 2,5GB statt 3.

    Bin nun zu smartmobil gewechselt, ist zwar immer noch im Netz von Telefonica,
    aber für 19,99€ im Monat hab ich nun 6GB Datenvolumen + Telefon- und SMS Flat.
    Und ich kann es monatlich kündigen, wenn ich will.

    Hätte zwar gern meine alte Rufnummer mitgenommen, aber da stellt sich blau.de sehr quer
    und 'nen echten Kundensupport gibt's dort auch nicht mehr.


  • Ich hab nicht mal gewusst, dass das bisher ging, hatte noch nie einen prepaid Tarif. Hätte mir das mal jemand eher gesagt... und ich hab mich nie irgendwo über meine Telefonnummer registriert, weil diese personenbezogenen ist 😐


  • Wer sich in die digitale Welt begibt, ist bereits ein "gläserner" Mensch. In Zeiten, wo der Terrorismus nahezu tagtäglich um sich greift, da ist doch klar, dass Vater Staat Input haben möchte.


  • Nach dem 22.Juni 2004 aktiviert , müssen Ausweiß nachträglich vorlegen. Was ist bei mir , habe meine X-Tra Karte seit 30.August 1998 und immer noch die selbe Nummer aber mitlerweile schon den 4.Personalausweis von Umzügen ganz zu schweigen? ( Sim Card -wechsel wegen neuer Technik im T-Punkt gemacht)


    • Sophia Neun
      • Admin
      • Staff
      18.04.2017 Link zum Kommentar

      Bei der Telekom müssen schon immer Ausweise vorgelegt werden, um eine Prepaid-Karte zu erhalten. Daher betrifft dies Kunden einer Xtra-Card nicht.


      •   24
        Gelöschter Account 25.04.2017 Link zum Kommentar

        Bei einer Online Bestellung nicht. Daten muss man zwar angeben damit man sie per Post bekommt aber die Aktivierung und alles weitere klappt so ohne Identitätscheck.


  • Wie kann man einerseits nur auf seine ach so wertvolle Privatsphäre pochen und andererseits alle Welt per Facebook wissen lassen, wo man sich jetzt schon wieder seinen Kaffee schmecken lässt?
    Es ist offensichtlich, dass manche Menschen mit der bei uns vorhandenen Freiheit nichts besseres anzufangen wissen, als Mist zu bauen. Um das einzudämmen hat der Staat gar keine andere Möglichkeit, als wenigstens nach dem Perso zu fragen...ob sich da nicht mancher Angestellte von einem gestohlenen Perso irreführen lässt, oder irgendjemand einen Kumpel in sonem Handy-Laden hat, der hintenrum was drehen kann...die Zeit wirds zeigen.


    • Du unterstellst hier mal ganz pauschal jeder wäre auf Facebook angemeldet um dort sein tägliches Geschäft zu veröffentlichen.


      • Du enkommst Facebook nicht und seinem Geschäftsmodell, sobald du es nutzt.


      • Er hat ja nicht geschrieben das jeder in Facebook angemeldet ist und der Welt seine privaten Dinge mitteilt. Es sind aber trotzdem genug die das so machen. Und bei Google ist ja zwangsläufig jeder der Android hat. Trotzdem ist meine bisherige Erfahrung so, das es im privaten Leben wichtig ist wem man was anvertraut. Die Leute um einen herum sind das Problem, nicht irgendein Internetkonzern. Und wer nichts zu verbergen hat bzw. sich nicht strafbar gemacht hat braucht auch nichts zu befürchten haben. Kontrollen gibt es auch hin und wieder ganz analog auf der Straße mal, wenn die Polizei nach einem Ausweis verlangt. Den Ausweispflicht besteht ja auch.


    • Also ich nutze Facebook schon mal nicht, bin in keinen sozialen Netzwerk angemeldet, außer hier und Android hilfe, aber da gibt man ja keine persönlichen Daten ab nur persönlichen Meinungen oder Fachwissen.


    • A. K.
      • Mod
      12.04.2017 Link zum Kommentar

      Es besteht sehr wohl ein Unterschied dazwischen, ob ich was freiwillig mit der Welt Teile oder ob jemand es erzwingt.

      Der Unterschied heißt Selbstbestimmung. Das schreibe ich, obwohl ich nicht bei Facebook o. Ä. angemeldet bin.


    • Freiheit heißt auch zu tun, was anderen missfällt/unlogisch erscheint etc.


  • Ihr malt den Teufel an die Wand, wo es keinen sieht und sorgt euch um eure Privatsphäre und Grundrechte?
    Macht die Augen auf und nehmt Google unter die Lupe mit seinen Google Play Diensten, Google Assistant, oder Samsung mit Bixby (heisst der kleine Spion so?) oder Amazon...
    Das sind die trojanischen Pferde.
    Sie kriegen viel mehr raus über die Nutzer als nur ihre Personaldaten.


    • Wirtschaft und Staat sind zwei getrennte​ Zweige. Aber bilden ein Gesamtproblem.
      Google und seine Fussfessel wird geduldet vom Staat, weil sie selbst gerne mal zugreifen auf deren Pool.
      Wirtschaft wie Staat will eigentlich alles wissen bzw erst mal protokollieren.
      Und Google ist Geschichte bei mir sobald der Sailfish von Sony in Deutschland ankommt.
      Das Ganze Android OS stinkt in der Problematik. Datenschutz und Support eine Katastrophe. Ich habe alle Ortungsdienste in Android abgeschaltet. Und da lese ich im NET-Monitor... Alternative Standortbestimmung "aktiv". Vertrauen in Google ? Nee
      Selber schuld wer es nutzt. So wie ich derzeit noch. Aber ich verschlüssel und blocke was geht. Ich spucke in die Suppe wo es geht. Und ich bedenke meinen Umgang mit Mobile. Aber ich kenne genug der Kategorie hemmungslos. Und ich verlasse Android ohne mit der Wimper zu zucken, weil es nur noch nervt wie sich alles entwickelt hat.
      Aber es geht noch schlimmer. zB der Facebook Konzern.
      Wenn ich seit 5 Jahren keine Spam Mail bekommen habe, so habe ich doch einiges richtig gemacht. Wobei der Datenpool nicht unbedingt schlimm ist. Schlimm ist was damit machen kann alles. Egal ob Citizenfour oder andere tiefgehende Berichte, niemand gibt sein Spielzeug auf. Und politisch passiert auch nichts. Die Menschheit wird sich immer tiefer reinreiten mit big Data.
      Ich habe jedes Vertrauen verloren. Es verhält sich alles gegen meine Prinzipien. Ich bekomme jedesmal die Krätze bei diesen Themen. Und es nervt ständig zu checken was halbwegs sauber und was nicht.


      • > Ich habe alle Ortungsdienste in Android abgeschaltet. Und da lese ich im NET-Monitor... Alternative Standortbestimmung "aktiv".

        Ist Dir bekannt, dass die Standortdaten der Teilnehmer zu Beginn eines Mobiltelefonates sowie bei Beginn einer mobilen Internetnutzung laut Vorratsdatenspeicherung für vier Wochen zu speichern sind? Dass das im Falle der Internetnutzung bei Smartphone vielfach "lückenlos" bedeutet, muss wohl nicht dazu gesagt werden.

        Das spielt natürlich den Konzernen in die Hände, zu begründen, warum bestimmte Dinge nicht abstellbar sind. Dass die Daten ebenfalls kommerziell von ihnen ausgewertet werden, ist halt ein zu akzeptierender Kollareralschaden (silly)


      • Hab ich nicht gewusst. Danke für die Info.
        Die sind so ausgefuchst die Techniken ...selbst wenn etwas man Verständnis hat für Technik, man staunt immer wieder.

        Sorry wenn ich einen komischen Ton derzeit habe, aber beim Thema Datenschutz und Freiheit kocht die Emotion in mir. So arg dass ich nicht mehr in der Lage bin mich ordentlich auszudrücken.
        Ich bin einfach total verärgert wie eine gute Erfindung (Internet,mobile) in eine bestimmte Ecke abgedriftet ist.
        Die destruktiven Kräfte haben ganze Arbeit geleistet.


  • An alle Terroristen: Kauft halt jetzt noch mal ordentlich Prepaid-Karten... ^^^^

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