Im Rahmen unserer Websites setzen wir Cookies ein. Informationen zu den Cookies und wie Ihr der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen bzw. deren Nutzung beenden könnt, findet Ihr in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar 4 Min Lesezeit 19 Kommentare

Amazon wird untergehen - aber das ist halb so wild

Jeff Bezos sieht sich einer ziemlichen Panik in seinem Unternehmen gegenüber, und dafür verantwortlich ist - er selbst! Der CEO von Amazon hat spekuliert, dass der E-Commerce-Riese jederzeit in Konkurs gehen könnte. Doch kommt das wirklich überraschend?

Bei einem Treffen in Seattle fragte ein Mitarbeiter Jeff Bezos nach der Zukunft von Amazon. Insbesondere wollte der Mann wissen, welche Lehren Bezos aus seinen früheren Misserfolgen und denen anderer großer Einzelhändler gezogen hatte. Überraschenderweise antwortete der CEO:

"Amazon ist nicht zu groß, um zu scheitern. Ich sage sogar voraus, dass Amazon eines Tages scheitern wird. Wir werden bankrott gehen. Wenn man sich große Unternehmen ansieht, beträgt ihre Lebensdauer in der Regel etwa 30 Jahre, nicht hundert Jahre."

Bezos möchte, dass sein Unternehmen den Niedergang so lange wie möglich hinauszögert, mit einem einzigen Ziel: sich ausschließlich auf die Kunden und nicht auf das Unternehmen zu konzentrieren. Was alle schockiert hat, ist die Tatsache, dass dieser Kommentar in einer Zeit beispiellosen Erfolgs für Amazon kommt, das nach der Einführung seines Alexa-Sprachassistenten ein kontinuierliches Wachstum im Einzelhandel, aber auch im Cloud-Speichermarkt und im Bereich Smart Home erzielt.

jeff bezos
Jeff Bezos, CEO von Amazon, hat seine Mitarbeiter schockiert. / © Getty Images

Verrückt? Nein, es ist wahr.

Wisst Ihr was? Bezos hat völlig Recht. Die meisten Leute glauben das nicht, aber das ist ein ziemlich gern gemachter Fehler. Ihr fragt Euch vielleicht: "Wie kann man sich ein Scheitern vorstellen, wenn alles so gut läuft?" Nun, genau in diesen Momenten muss man sich Sorgen machen, besonders wenn es um einen Riesen wie Amazon geht. Das Expansionstempo steigt von Jahr zu Jahr. Man denke nur daran, dass allein in den letzten acht Jahren die Zahl der Mitarbeiter um mehr als das Zwanzigfache auf über 600.000 Mitarbeiter gestiegen ist, der Aktienkurs hat sich vervierfacht.

Außerdem ist es nicht das erste Mal, dass Bezos das Thema der Größe seines Unternehmens mit seinen Mitarbeitern anspricht. Bereits im März erklärte er selbst bei einem weiteren Treffen, dass ein großes Unternehmen wie Amazon wegen seiner beträchtlichen Marktmacht und seines Einflusses streng reguliert werden müsse.

Das ist richtig: Unternehmen wie das von Bezos täten gut daran, so weit wie möglich mit Regierungsbehörden zusammenzuarbeiten und mögliche Einigungen im Bereich der Marktregulierung zu finden, um Verstöße gegen das Kartellrecht zu vermeiden.

Immer unter Beobachtung

Erst vor wenigen Tagen erklärte Präsident Trump, dass seine Regierung mögliche Kartellverstöße von Amazon prüft. In der Zwischenzeit untersuchen auch Europa und Japan einen möglichen Verstoß gegen die Datenschutzrichtlinien. Sagen wir mal: Keine ideale Situation.

amazon echo 05
Die neuen Geräte der Echo-Familie. / © AndroidPIT

Denn der Einfluss des amerikanischen Riesen hat das Unternehmen in die Lage versetzt, in den USA fast ein Monopol zu erlangen. Denkt nur daran, dass allein in diesem Jahr bis zu 48 Prozent aller Online-Verkäufe in den Vereinigten Staaten über Amazon getätigt wurden. Ganz zu schweigen von seinem exzellenten Service AWS (Amazon Web Service), dem mit Abstand führenden Anbieter von Cloud-Computing-Infrastrukturen, der rund 34 Prozent des US-Marktes erobert hat.

Bezos möchte auch betonen, dass es wichtig ist, die Geschichte von Amazon von der anderer Giganten der Tech-Branche zu unterscheiden. Amazon hat viel Positives zu erzählen, weil es das Leben seiner Kunden verbessert hat, ganz zu schweigen davon, dass sich sein Geschäftsmodell völlig von dem seiner "Kollegen" unterscheidet. Schließlich ist Facebook nicht Google, Apple nicht Amazon. Der direkte Vergleich von solch großen, gut aufgestellten Unternehmen ergibt keinen Sinn.

Du musst scheitern, um zu verstehen

Lernen entsteht oft aus Fehlern, was für das Wachstum notwendig ist. Die Gewissheit eines möglichen Scheiterns ist ein Schlüsselelement für den überwältigenden Erfolg von Amazon. Risiko und Innovation sind unzertrennlich, und im Falle eines so wichtigen Unternehmens wie Amazon würde ein Konkurs zu einer erheblichen Verschiebung des Machtverhältnisses zwischen den Unternehmen führen, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Schockwellen, die Arbeitnehmer und Verbraucher treffen. Eine Kultur des Scheiterns ist nicht nur ein Weg zum Wachstum, sie hilft auch, ein Unternehmen auf einem konstanten Niveau zu halten.

amazon business
Das Geschäftsmodell von Amazon brachte viele Jahre lang keine Gewinne. / © Nicolas Colan 

Leider hat unsere Gesellschaft meist eine ziemlich negative Sichtweise auf das Scheitern. Doch die Realität zeigt, dass man manchmal, wenn man scheitert, einen ziemlichen Schritt nach vorne macht. Misserfolg schafft Demut, weil Fehler uns daran erinnern, dass obwohl wir so viel wissen, es immer noch so viel gibt, was wir lernen können. Ich betrachte Fehler deshalb als eine echte Quelle der Weisheit.

Wahres Versagen wird erreicht, wenn man nichts lernt. Du musst immer neue Fehler machen, nie die gleichen, sonst wirst du nie lernen. Wie der weise Meister Yoda in Star Wars - The Last Jedi sagt:

"Der größte Lehrer, das Scheitern ist".

Denkt Ihr, ein Riese wie Amazon kann scheitern? Wie würdet Ihr auf solche Nachrichten reagieren? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern

Top-Kommentare der Community

  • Bernhard Feder vor 3 Wochen

    Sei kritischer, wenn du Fernsehen guckst. Gerade der ÖR recherchiert sehr unsauber. Und auch ideologisch. Für Berichte über die Behandlung von Zeitarbeiter musste die sich schon entschuldigen. Und wieso Verdi meint, dass Mitarbeiter, die im Lager arbeiten, nach Einzelhandelstarifvertrag bezahlt werden müssen, erschließt sich mir auch nicht. Müssen nicht dann auch Mitarbeiter bei DHL, DPD und Hermes, die im Lager arbeiten, nicht auch so bezahlt werden? Wofür überhaupt noch ein Tarifvertrag / Logistik? Daher vorsichtig mit der Aussage, dass Amazon seine Mitarbeiter schlecht behandelt. Ich kenne ein paar Amazon - Mitarbeiter, die jammern nicht. Allerdings haben die eine gute Ausbildung und packen nicht nur Pakete.

    Das mit dem Marktplace kann man so sehen, muss man aber nicht. Das ist eben ein Marktplatz, wo alle verkaufen können. Wie ein Wochenmarkt. Oder E-Bay. Da ist auch nicht der Marktbetreiber, sondern der Händler verantwortlich. Als Konsument muss ich vielleicht bei sehr günstigen Anbietern auch mal den Denkapparat einschalten.
    Überspitzt gesagt, nach Pornos können alle googeln, nach Merkmalen von Fälschungen oder Preise von Originalen nicht.

    Und dann von wegen Steuermoral verbessern. Erst habe ich gelacht, dann sah ich ein, du meinst es ernst. Wirtschaft - Steuer - Moral, wie man das im Einklang bringt, ist mir ein Rätsel. Amazon nutzt die Steuerschlupflöcher, die unfähige Politiker geschaffen haben.
    Glaubst du, irgendein deutsches Unternehmen hätte eine "Steuermoral"?
    Oder überhaupt irgendeine Moral? Die haben Aktionäre!

19 Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
Alle Änderungen werden gespeichert. Änderungen werden nicht gespeichert!

  • Wenn Amazon verliert, kommt Goldgräber-Stimmung auf, so gewinnen andere.


  • Bereits seit 1999 bin ich glühender Amazon-Fan. Vielfalt, Preise und Service sind imho unerreicht. Einzig die teils haarsträubende Sprache in Produktinformationen und vor allem in den Rezensionen gehen mir auf den Senkel. Eine gesunde Portion Skepsis (Fake-Bewertungen) und Eigenrecherche sind hilfreich. Wie immer und überall im Leben.

    Peter


    • Allerdings stellt sich mir die Frage, was mit ebooks und Videos passiert, wenn Amazon tatsächlich pleite geht


  • Amazon ist eine gute Plattform mit schneller Lieferzeit. Nur der Kundenservice müsste stark verbessert werden.


    • Also ich finde gerade der Kundenservice ist bei Amazon hervorragend. Das fängt schon damit an das man sich sogar von Amazon Mitarbeitern anrufen lassen kann, und wenn etwas nicht planmäßig läuft dann bemühen die sich wirklich um eine rasche Lösung. Geld bekommt man auch sofort zurück wenn Artikel nicht angekommen sind, selbst dann wenn man es eigentlich gar nicht beweisen kann, weil das Paket eine Sendung ohne Tracking war. Ist mir zuletzt mal bei Displayschutzfolien passiert.
      Was mich aber bei Amazon stört sind teilweise Versandoptionen, wo Artikel die aus Deutschland versendet werden nicht nach Österreich geliefert werden können. Gut, dafür hab ich eine Paketstation in Freilassing, gleich hinter der Grenze angegeben, aber trotzdem.


  • Amazon sollte in einem ersten Schritt seine Arbetnehmer besser behandeln. In einem zweiten Schritt den Marketplace anschauen und eventuell schließen (der ist zuviel mit Schrott und Fälschungen zugemüllt). In einem dritten Schritt das "Amazon Prime" verbessern. Und in einem vierten Schritt seine Steuermoral stark verbessern. Dann müsste Amazon auch nicht an einen bankrott denken.

    Peter


    • Sei kritischer, wenn du Fernsehen guckst. Gerade der ÖR recherchiert sehr unsauber. Und auch ideologisch. Für Berichte über die Behandlung von Zeitarbeiter musste die sich schon entschuldigen. Und wieso Verdi meint, dass Mitarbeiter, die im Lager arbeiten, nach Einzelhandelstarifvertrag bezahlt werden müssen, erschließt sich mir auch nicht. Müssen nicht dann auch Mitarbeiter bei DHL, DPD und Hermes, die im Lager arbeiten, nicht auch so bezahlt werden? Wofür überhaupt noch ein Tarifvertrag / Logistik? Daher vorsichtig mit der Aussage, dass Amazon seine Mitarbeiter schlecht behandelt. Ich kenne ein paar Amazon - Mitarbeiter, die jammern nicht. Allerdings haben die eine gute Ausbildung und packen nicht nur Pakete.

      Das mit dem Marktplace kann man so sehen, muss man aber nicht. Das ist eben ein Marktplatz, wo alle verkaufen können. Wie ein Wochenmarkt. Oder E-Bay. Da ist auch nicht der Marktbetreiber, sondern der Händler verantwortlich. Als Konsument muss ich vielleicht bei sehr günstigen Anbietern auch mal den Denkapparat einschalten.
      Überspitzt gesagt, nach Pornos können alle googeln, nach Merkmalen von Fälschungen oder Preise von Originalen nicht.

      Und dann von wegen Steuermoral verbessern. Erst habe ich gelacht, dann sah ich ein, du meinst es ernst. Wirtschaft - Steuer - Moral, wie man das im Einklang bringt, ist mir ein Rätsel. Amazon nutzt die Steuerschlupflöcher, die unfähige Politiker geschaffen haben.
      Glaubst du, irgendein deutsches Unternehmen hätte eine "Steuermoral"?
      Oder überhaupt irgendeine Moral? Die haben Aktionäre!


  • Wie sagte doch der liebe Tuco Benedicto Pacífico Juan María Ramírez in Zwei glorreiche Halunken so treffend:"Ein Hornochse geht, ein anderer kommt..." ;-)


  • Was Bezos sagt, beschreibt doch lediglich die Realität. Nichts besteht endlos, und auch hierzulande sind schon Unternehmen mit glanzvollen Namen, auch aus der Versandbranche, untergegangen.
    Irgendwann werden neue Entwicklungen nicht rechtzeitig erkannt, und ein Unternehmen verpasst den Anschluss. Oder es greift eine vermeintlich vielversprechende Entwicklung zu früh auf, die sich dann als Griff ins Klo erweisst, und Milliarden verbrennt, die dann an anderer Stelle fehlen.
    Natürlich kann man aus Scheitern lernen, und gerade in Amerika wird unternehmerisches Scheitern nicht als allzu grosser Makel gesehen, immerhin hat man es wenigstens versucht.
    Ich sehe Scheitern allerdings nicht so positiv wie der Kommentator. Scheitern ist ein Fehler oder eine Folge von Fehlern mit fatalen Folgen, und in der Regel sehr teuer.
    Besser ist, Fehler einzukalkulieren, in ihren Folgen zu begrenzen, und durch wohlüberlegte Strategien am besten zu vermeiden, wo immer möglich.
    Wer bei Rot über die Straße geht, um daraus zu lernen, dass das tödlich sein kann, hat auf jeden Fall einen zu hohen Preis für einem kleinen Lerneffekt bezahlt, der ihm am Ende auch nichts nutzt.


  • Bloß weg mit Amazon! Das einzig wirklich positive ist nur der Kundenservice!


    • Tim vor 3 Wochen Link zum Kommentar

      Also ich hatte noch nie Probleme mit Amazon direkt. Wenn es jemals Probleme gab, dann lag das am Lieferdienst...


      • Es sind ja auch die Arbeitsbedingungen, der Umgang mit kleinen Händlern, "Steuerflucht", und die generelle Übermacht von Amazon gemeint.


      • Ich wüßte nicht, dass irgendwer diese Händler zwingt, über Amazon zu verkaufen. Es steht jedem frei, seinen eigenen Shop aufzumachen. Und die Übermacht Amazons kommt auch daher, dass andere weniger bieten. Ich versuche immer, zuerst den lokalen Händler zu unterstützen und danach den alternativen Onlineshop. Aber wo lande ich meist am Ende? Bei Amazon, weil die anderen zu teuer sind, zu wenig Service bieten, keine Auswahl haben oder schlichtweg die Produkte gar nicht führen. Ich kenne übrigens zwei Leute, die bei Amazon arbeiten und die durchaus zufrieden sind mit ihrem Job.


  • Wie wäre es, wenn Amazon endlich mal Steuern in Deutschland zahlen würde?


    • Das ist aber nicht nur ein Problem von Amazon, u.a. auch "deutsche" Groß-/Unternehmen drücken sich mit allen möglichen legalen und illegalen Tricks um die Steuerzahlungen in Deutschland!👎


  • Zumindest in den nächsten 5 Jahren ist eine Pleite sehr unwahrscheinlich. Grundsätzlich kann jedes Unternehmen seine Pforten schließen. Wenn es so kommt wäre es für mich sehr traurig, da ich täglich Amazon Dienste benutze

Empfohlene Artikel

Dank ist diese Seite frei von Werbebannern