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5 Min Lesezeit 18 Kommentare

Adblock in Chrome: Werbung aus, Tracking ein

„Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind“, schrieb Terry Pratchett in Strata. Jetzt wird es oft in neuen Kontexten zitiert; unter anderem in Verbindung mit dem Quartett aus Google, Apple, Facebook und Amazon, das alles über jeden weiß. Ihre Geschäftsmodelle mögen unterschiedlich sein, doch vor allem Google hat eine Kultur des Trackings vorangetrieben, die herkömmliche Werbemechanismen alt aussehen lässt. Und mit dem jüngsten Schachzug, im Chrome-Browser künftig aufdringliche Werbung auf Websites zu blockieren, macht der Konzern bloß gute Miene zum bösen Spiel. Mozillas Firefox-Chef Nick Nguyen gibt Einblicke.

Eigentlich sollte es eine Freudenbotschaft sein: Googles Chrome-Browser entfernt am 15. Februar Werbung auf Websites, die aufdringliche Werbeeinblendungen nicht vor der Deadline entfernt haben. Das sind vor allem solche, die sich vor den eigentlichen Inhalt schieben oder automatisch Medien wie Videos abspielen. Google schaltet also den nativen Ad-Blocker seines Browsers ein. In einem Video erklärt Google, was Website-Betreiber tun müssen, damit ihre Chrome-nutzenden Besucher ihnen wieder Einnahmen durch Werbebanner bescheren:

Die langfristige Hoffnung von Google und der restlichen Coalition for Better Ads ist, dass Nutzer wieder weniger Ad-Blocker installieren, wenn Werbung der Nutzung einer Website nicht im Wege steht. Der Gedanke an sich ist einleuchtend, jedoch reicht er nicht weit genug. Denn nur weil wir Werbung nicht mehr sehen können, heißt es nicht, dass Werbetreibende nicht trotzdem Geld mit unserem Website-Besuch verdienen werden.

Nick Nguyen, Firefox-Produktchef bei Mozilla, zieht dazu eine Analogie aus der realen Welt heran:

Der Besitzer dieses eines Schuhgeschäfts hat keine Ahnung, wer Sie sind oder wo Sie wohnen und weiß auch sonst nichts weiter über Sie. Und allem voran - würde das Schuhgeschäft einen Mitarbeiter abstellen, um Ihnen nachzuspionieren, wäre das nicht nur völlig impraktikabel - es würde von potenziellen Kunden auch nicht besonders positiv aufgenommen werden.

Worauf will Nguyen hinaus? Nun, was im realen Leben nicht zumutbar wäre, ist im Internet recht einfach möglich: Euch auf Schritt und Tritt weiter verfolgen. Und das geschieht völlig unabhängig davon, wie viel und welche sichtbare Werbung auf einer Website erscheint. Das wird dann unter anderem in Form wieder und wieder erscheinender Werbeangebote über mehrere Seiten hinweg sichtbar (nennt sich im Fachjargon "Retargeting") und wirkt doch recht aufdringlich.

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Vibrierende Pup-ups hat Chrome bereits entfernt. Die Beispiele kommen aus dem Forum. / © ANDROIDPIT

Der nächste Schritt ist dann "Cookie-Synchronisierung", dank der ein Profil von Euch zusammengetragen wird. So können Websites Eure Gewohnheiten und Vorlieben vorhersagen. Dieses Tracking wird jedoch über kurz oder lang Euer Surf-Erlebnis beeinträchtigen und es erschweren, neue Dinge im Web zu entdecken. “Filter Bubbles” und polarisierende Medien, wie man sie jetzt schon in Facebook erlebt, werden so zur Norm. Nguyen befürchtet:

"Wenn alle Inhalte, für die Sie Empfehlungen erhalten, gedanklich gleich ausgerichtet sind, wie können Sie dann noch Dinge entdecken, die über Ihre politische Meinung hinausgehen?"

Werbebanner sind gar nicht das Problem, sondern das Tracking

Zugegeben, als Internet-User will ich Websites vor allem einfach nur benutzen und Inhalte einfach nur konsumieren können. Werbung sollte mich nicht systematisch davon abhalten. Es gibt aber eine Akzeptanzschwelle und die soll durch die Better Ads Standards nicht mehr überschritten werden. Ob die Zahl der Ad-Block-Nutzer dann wie erhofft zurückgeht, ist jedoch zu bezweifeln.

Entsprechende Zahlen einer YouGov-Umfrage stimmen wenig optimistisch:

"Jeder fünfte Befragte gab an, für Online-Shops und journalistische Inhalte den Adblocker auszuschalten. Auch für Videos (15 Prozent), Online-Spiele (13 Prozent) und Blogs (10 Prozent) würden einige der Befragten den Adblocker deaktivieren. Jedoch gab auch ein Drittel der Deutschen an, für keine der beschriebenen Inhalte über eine Deaktivierung nachzudenken."

Jedoch könnte tatsächlich die Quote derer, die in Chrome überhaupt erst einen Adblocker einrichten, demnächst deutlich sinken. Denn die von YouGov identifizierten Installationsgründe decken sich weitgehend mit den Praktiken, die auch die Coalition for Better Ads für unlauter hält:

"69 Prozent der Befragten gaben an, dass sie besonders aufdringliche Werbung im Netz störe. Auch besonders häufig fühlen sich die Deutschen von Pop-Ups (64 Prozent), plötzlichen Weiterleitungen (63 Prozent) und langsamem Seitenaufbau (60 Prozent) gestört. Den Nutzern ein Dorn im Auge sind außerdem automatisch abgespielte Videos mit Ton (57 Prozent)."

Doch auch die Zahl der Nutzer, die etwas gegen Tracking unternehmen, stieg zwischen Juni 2016 und April 2017 von 35 auf 41 Prozent. Interessanterweise wird "Tracking" bei der Coalition for Better Ads mit keinem Wort erwähnt. Blickt man auf die Liste der Mitglieder, findet man die Gründe:

Facebook und Google haben Tracking quasi als Kern ihres Geschäftsmodells implementiert und brauchen eine möglichst niedrige Adblock-Quote bei ihren Nutzern. Je weniger sichtbar die Werbung ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Mechaniken der Datensammler zuverlässig funktionieren.

Mozilla nimmt an der Coalition nicht teil und beharrt auf der Tracking-kritischen Position. Auch Apple blockiert Tracking im Safari, lässt es jedoch auf Websites zu, die Ihr täglich besucht:

"The feature does not block ads or interfere with legitimate tracking on the sites that people actually click on and visit."

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Apple hat mit "Better Ads" nichts am Hut und hat eine gemischte Haltung gegenüber Tracking. / © AndroidPIT

Werbung blockieren, wenn schon denn schon

Es ist an der Zeit für eine neue Form der Blockade. Wollt Ihr ein Surf-Erlebnis "wie früher", also ohne Filterblase, Stalker-Werbung und dergleichen, ist dies mit Aufwand verbunden. Der Wechsel zu einem Datenschutz-optimierten Browser wie etwa Firefox Klar wäre ein guter erster Schritt. Ghostery bot sich eine Weile als Alternative an, hat jedoch seine Android-App schon ewig nicht mehr angefasst. Samsung kooperiert diesbezüglich mit Disconnect und bietet einen Tracker-Schutz im eigenen Browser an. Und der Chrome-Browser selbst hat ein "Do Not Track"-Feature, das man jederzeit einschalten kann. Das wäre doch schon ein guter erster Schritt.

Was tut Ihr zum Tracking-Schutz? Oder ist Euch der Ärger eigentlich egal?

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Top-Kommentare der Community

  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Monaten

    "Wollt Ihr ein Surf-Erlebnis "wie früher", also ohne Filterblase, Stalker-Werbung und dergleichen, ist dies mit Aufwand verbunden."

    Nein. Da muss ich leider widersprechen. Einfach Firefox und das Add-On uBlock origin installieren (beste Methode für Ad-Blocking). Dann nach Mike Kuketz konfigurieren (einfach anklicken...kann jeder):

    https://www.kuketz-blog.de/ublock-origin-schutz-gegen-tracker-und-werbung/

    Fertig.

    Das selbe dann noch an PC oder Laptop. Und je mehr Werbung man manuell filtert, desto schneller der Seitenaufbau. Ach ja: man kann die Filter vom PC exportieren, zum Smartphone spielen und dort mittels uBlock origin wieder importieren. Am PC funktioniert das auch mit Chrome und Opera. Als Beispiel muss ich leider AndroidPit anführen, aber das habe ich komplett werbefrei.

    "Auch Apple blockiert Tracking im Safari, lässt es jedoch auf Websites zu, die Ihr täglich besucht"

    Für die iPhone-Benutzer gibt's für Safari AdGuard Pro und 1Block. Beid e in Kombination bringen beste Ergebnisse.

    Wer wissen möchte, was bei einem "normalen" Seitenbesuch im Hintergrund alles geladen wird, sollte diese Seite einmal mit Webbkoll aufrufen:

    https://webbkoll.dataskydd.net/en/

    @Eric: Du solltest Dir Seiten wie https://www.kuketz-blog.de , https://mobilsicher.de , https://netzpolitik.org , https://datenschutzhelden.org oder https://digitalcourage.de zur Pflichtlektüre machen, wenn Du über solche Themen schreibst. Da geht's mit der Recherche viel besser...

18 Kommentare

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  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Um im heimischen Netzwerk mit allen Geräten sicher unterwegs im www zu sein, kann man sich ein "schwarzes Loch" für Werbung und Tracker installieren:

    https://www.kuketz-blog.de/pi-hole-schwarzes-loch-fuer-werbung-raspberry-pi-teil1/


  • Ich hab nichts gegen Werbung. Über Werbung finanzieren sich viele der Seiten, die ich gerne mag.
    Ich will lediglich nervende, beinahe belästigende Werbung verhindern und möglichst wenig getränkt werden. Hat jemand eine Browser Empfehlung für mich? Also fürs Android phone.


    • Aries vor 4 Monaten Link zum Kommentar

      Wie im Artikel steht, die Einblendungen sind nicht das Problem. Das Tracking ist das Problem. Das erfolgt Website- und App-übergreifend und auch ohne Einblendung. So, als wenn ständig Leute hinter dir herlaufen und sich notieren, was du machst.


    • Hallo, Anna-Christin,

      nach meinen Erfahrungen haben die Entwickler von Firefox Klar momentan die beste Lösung gefunden.
      Die "beste" Lösung ist hierbei ein gut funktionierender Mittelweg. Bitte einfach ausprobieren.
      Läuft bei mir unter Android 6 ganz prima.
      Will man mehr ausfiltern, läßt man sich auf eine endlose Tüftelei ein.
      Der Aufwand ist enorm und das Ergebnis oft ärgerlich: neben der Werbung fehlen dann oft Teile der eigentlichen Seite oder die ganze Seite wird nicht geladen, manchmal stürzt der Browser ab.
      Ich gehe an dieser Stelle absichtlich nicht weiter in's Detail (Ursachen, technische Strategien, Marketing, usw.).
      Ansonsten hat die Firma Yandex in ihren Browser einen Schalter eingebaut, der einen Filter aktiviert, der angeblich "schockierende Werbung" (was immer das sein mag) blockiert.
      "Normale" (also bezahlte) Werbung wird aber massenweise durchgelassen.
      Das nur als kleines Beispiel.
      Ich müßte einen langen Artikel schreiben, um jedes Für und Wider zu schildern.
      Vielleicht war etwas Hilfreiches für Dich dabei.
      Gruß
      Olli

      Nachtrag zu Ehren von Yandex:

      es gibt in den Einstellungen die Möglichkeit, externe Apps (Adblocker usw.) in eine Liste einzutragen und so in den Browser einzubinden. Ist noch im Beta-Stadium.


  • Endlich will Google etwas Gutes machen. Ich hoffe, dass es endlich hilft. Pop-Ups-Werbung ist die größte Scheiße, die man sehen kann. Besonders, wenn man anklickt und dann kriegt man 3 oder 4 neue Fenster!


  • Aries vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    Ich schreibe hier ja schon länger, dass ich keine Werbe- und Social-Media-Module in Apps akzeptiere, denn "es wird keine Werbung angezeigt" bedeutet nicht, "ich werde nicht getrackt". Wohlwissend, dass aber selbst dann noch Apps tracken können, verzichte ich auf Apps der Big Player Google, Facebook, Microsoft, Apple, Amazon und Yahoo. Aber selbst dann bleibt ein Restrisiko alleine durch das Betriebssystem.

    Mozilla soll nicht so scheinheilig tun! Es ist noch keine vier Wochen her, dass sie in Firefox für Android Admob (also Google Werbemodul) integriert haben. Tschüß Firefox!

    Do not Track ist der größte Scheiß auf Erden! Die Option blockiert nichts. Das ist nur eine Bitte an die Website, aber kaum eine Website hält sich daran.


  • Ich nutze auch uBlock Origin am PC. Auf meinen Androiden nutze ich seit einiger Zeit nun DNS66. Filtert nicht alles, aber es passt schon.
    Zur Not habe ich auch noch AdGuard.
    Mich stört neben der Werbung auch das ganze Thema Tracking!
    Bei AdGuard kann man sehr gut den Protokoll beim Laden der Seiten laufen lassen und bekommt so einen Einblick, was da alles so abgeht! Es ist schon krass, was alles in welchen Ausprägungen geloggt wird. Vom reinen Klickverhalten, bis zu ganzen Aufzeichnungen der Maus und der Eingaben die man so tätigt. Dies ist übrigens eine ganz heiße Kiste. Denn selbst wenn man die Adressaten ausfüllt, dann aber zB doch nicht bestellt, so werden trotzdem die Daten gespeichert. In Anbetracht der bald verbindlich geltenden Europäischen Datenschutzgrhndverordnung bedenklich!
    Auch krass, diese tollen Fenster oder Einblendungen zum Thema Cookies.
    Und wenn ich das nicht akzeptiere? Dann habe ich permanent diese Einblendungen.
    Aber auch dies wird sich mit der Europäischen Datenschutzgrundverordnung ändern!
    Dann muss es noch weitere Optionen zu Cookies geben.
    Ich glaube, an der DSGVO werden viele Rechtsanwälte sich eine goldene Nase verdienen und es wird, teilweise absolut zu Recht, viele Abmahnungen geben.


  • C. F.
    • Blogger
    vor 4 Monaten Link zum Kommentar

    "Wollt Ihr ein Surf-Erlebnis "wie früher", also ohne Filterblase, Stalker-Werbung und dergleichen, ist dies mit Aufwand verbunden."

    Nein. Da muss ich leider widersprechen. Einfach Firefox und das Add-On uBlock origin installieren (beste Methode für Ad-Blocking). Dann nach Mike Kuketz konfigurieren (einfach anklicken...kann jeder):

    https://www.kuketz-blog.de/ublock-origin-schutz-gegen-tracker-und-werbung/

    Fertig.

    Das selbe dann noch an PC oder Laptop. Und je mehr Werbung man manuell filtert, desto schneller der Seitenaufbau. Ach ja: man kann die Filter vom PC exportieren, zum Smartphone spielen und dort mittels uBlock origin wieder importieren. Am PC funktioniert das auch mit Chrome und Opera. Als Beispiel muss ich leider AndroidPit anführen, aber das habe ich komplett werbefrei.

    "Auch Apple blockiert Tracking im Safari, lässt es jedoch auf Websites zu, die Ihr täglich besucht"

    Für die iPhone-Benutzer gibt's für Safari AdGuard Pro und 1Block. Beid e in Kombination bringen beste Ergebnisse.

    Wer wissen möchte, was bei einem "normalen" Seitenbesuch im Hintergrund alles geladen wird, sollte diese Seite einmal mit Webbkoll aufrufen:

    https://webbkoll.dataskydd.net/en/

    @Eric: Du solltest Dir Seiten wie https://www.kuketz-blog.de , https://mobilsicher.de , https://netzpolitik.org , https://datenschutzhelden.org oder https://digitalcourage.de zur Pflichtlektüre machen, wenn Du über solche Themen schreibst. Da geht's mit der Recherche viel besser...

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