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Zerstören Smartphones unser Verlangen nach Privatsphäre?

(Bildquelle)

Unser Redakteur Aaron hat für unseren englischsprachige AndroidPIT-Blog einen sehr interessanten Text über unseren Umgang mit digitalen Geräten und der damit verbundenen Privatsphäre geschrieben, der zum Nachdenken bewegt und ein Thema anspricht, das auch mich schon länger stark beschäftigt. Da diese Sache eigentlich für so gut wie jeden relevant ist, der im Besitz eines Smartphones ist, möchte ich Euch diesen Text nahe legen.

Um eins vorweg zu nehmen: Ich mag Social Media. Ich mag mein Galaxy Nexus S. Ebenso bin ich ein großer Freund von GPS Navigation und von Medien, die sich automatisch meinem Geschmack anpassen. Ich mag all diese kleinen digitalen Dingen, die mich erstaunen und mich laut zu mir selbst sagen lassen „Wow, das ist die Zukunft!“

Doch mit all diesen faszinierenden und 'kostenlosen' Web 2.0 Angeboten, mit einer 24-stündigen Internetverbindung und leistungsfähigen mobilen Geräten in ständiger Reichweite, stellt sich auch die Frage: Verlieren wir uns Erwartungen an die Privatsphäre? Sind wir mit und durch unsere High-Tech-Geräte soweit gekommen, dass wir eine Kultur entwickelt haben, in der der Eintausch der eigenen Privatsphäre gegen ein wenig „digitalen Krempel“ nicht nur angespornt, sondern sogar erwartet wird? Es folgen ein paar Fallbeispiele:

HTC und Sony weisen massive Sicherheitsprobleme auf

Aufmerksame Android-Enthusiasten werden wahrscheinlich mitbekommen habe, dass derzeit zwei große Themen betreffend Sicherheitsprobleme die Runde machen. Das eine betrifft HTC und den Vorwurf gegen das Unternehmen, es würde seine Kundschaft ausspionieren. Das andere betrifft Sony und deren Sicherheitslücke (mehr dazu folgt). Die große Geschichte dabei ist eigentlich gar nicht so sehr, was berichtet wurde, sondern wie wenig das Themas scheinbar wirklich ernst genommen wird.

Eine kurze Zusammenfassung:

Letzte Woche berichteten wir über eine Sicherheitslücke auf allen HTC-Sense-Geräten, die Hackern die Möglichkeit geben könnte, Zugriff auf verschiedene persönliche Infromationen aus Tracking- und Datensammlungen zu bekommen. Es dauerte nicht lange, dass HTC sich auf die Sache meldete und mitteilte, dass sie an der Sache arbeiten würden. Gestern dann kam die offizielle Stellungnahme: HTCs Zusatzprogramm HTCLoggers sammelt zwar zahlreiche Nutzerdaten, (wie GPS-Standorte, Telefonnummern, SMS in verschlüsselter Form), doch HTC würde diese Daten nicht ohne die Zustimmung der Besitzer nutzen. Der Logger sei aus rein Support-technischen Gründen aufgespielt und erst wenn ein Nutzer einen Fehler melden will, werden die gesammelte Daten an HTC geschickt (opt-in).

Doch das Problem ist, dass bösartige Apps andere Anbieter auch auf diese Log-Dateien zugreifen könnten. Behoben werden soll das Problem durch ein kommendes Sicherheitsupdate. HTC teilt ferner mit, dass das Unternehmen „engagiert sei, die Privatsphäre zu schützen und dies bedeutet eine Verpflichtung zu klaren opt-in/opt-out Regelungen als Standard für das Sammeln jeglicher Informationen, die wir brauchen um Nutzern besser dienlich zu sein.“ Das klingt ein wenig nach 1984: „Wir überwachen Dich für Deine eigene Sicherheit“. Ein klares opt-in/opt-out wäre hier nämlich, das man sich entscheiden, kann, ob der Logger überhaupt die Möglichkeit hat, die Daten überhauot aufzuzeichnen oder eben nicht. Und vor allem welche Daten. Wofür braucht ein Unternehmen, wenn auch verschlüsselt, meine SMS?

Man könnte nun damit argumentieren, dass die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs durch eine andere App auf solche Daten eher gering ist. Damit wären wir dann direkt bei Fall 2, der mit ebenfalls mit Sony und einem tatsächlichen Angriff durch Hacker zu tun hat. Denn vor kurzem ist der japanische Elektronikkonzern wieder einmal Ziel eines Hackangriffs geworden. Dabei wurden 93.000 Benutzerkonten kompromittiert. Im Artikel auf spiegel.de liest man einen Teil der Stellungnahme von Sonys Sicherheitschef Philipp Philipp Reitinger wie einen schlechten Witz: „die 93.000 betroffenen Nutzerkonten würden nur 0,1 Prozent der Gesamtkunden der Sony-Netzwerke darstellen“. Aha, damit ist das also in Ordnung, ja? Ach ja, und die Kunden dürfen sich außerdem auch noch weiter freuen, denn die Angreifer haben keine Kreditkarten-Daten erlangt. Na prima.

Am interessantesten an diesen beiden Beispielen ist aber, wie wenig die Sache die meisten Leute scheinbar interessiert. Die generelle Reaktion scheint zu sein „ach naja, solche Dinge passieren halt“. Es stimmt, solche Dinge passieren tatsächlich, vielleicht zum Teil deshalb, weil digitale Sicherheit für viele ein sehr abstraktes Konzept ist. Wenn nun aber jemand sich durch den persönlichen Hausmüll wühlt, um dort alte Kontoauszüge oder sonst was zu finden, würden viele wahrscheinlich doch ganz anders reagieren. Vor allem dann, wenn vorher ein Unternehmen eine Röhre in den Mülleimer bauen würde, die diese Informationen direkt an jemanden weiterleiten kann, der an Identitätsdiebstahl interessiert ist.

Regierungsgeschützte Spionage?

Vielleicht denkt jetzt der ein oder andere Leser: "Oh nein, Verschwörungstheorie". Doch auch hier gibt es ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel, dass hochrangige Personen aus der Politik auch gerne mal offensichtlich wegschauen und dafür sorgen, dass ein solches Eindringen in die Privatsphäre (was in meinem Handy passiert geht niemanden was an) gebilligt (oder sogar gewollt) wird. So berichtet die Electronic Frontier Foundation (ein amerikanischer gemeinnütziger Verein, der sich mit digitalem Schutz beschäftigt) dass der kalifornische Gouverneur Jerry Brown einem Gesetzentwurf widersprochen hat, der dafür gesorgt hätte, dass die ansässige Polzei eine Art Durchsuchungsbefehl für das Handy bräuchte, um sich „darin umzuschauen“. Durch seine Entscheidung, die durch den Druck von Strafverfolgungsbehörden „beeinflusst“ wurde, verschwindet ein Teil der Privatsphäre (zumindest gilt das für Kalifornier), denn nun kann die Polizei bei Verdacht einfach ein Telefon beschlagnahmen und dieses durchsuchen. Und auch hier ist es wieder interessant zu sehen, dass dies kaum jemanden wirklich zu interessieren scheint. Auch wenn es für manchen vielleicht nur ein kleiner Schritt weg von der Privatsphäre ist, ist es doch immerhin überhaupt einer.

Ein neues Bild der Privatsphäre

Noch vor ein paar Jahren war das Thema Lauschangriff groß, Ende der 90er gab es einen großen Wirbel um das Thema und die Menschen gingen auf die Straße, weil sie ihre Privatsphäre schützen wollten. Heute haben wir Facebook und die wenigsten Menschen scheinen sich noch darum zu scheren, ob nun Daten von irgendwem irgendwann für irgendwas irgendwie aufgezeichnet werden. 

Lange, lange Rede, kurzer Sinn: Es sieht wirklich so aus, als verändere sich unser grundlegendes Verständnis von Privatsphäre. Zu einem Zeitpunkt war es mal Teil der menschlichen Würde, seine Privatsphäre zu schützen, heute scheint es oft, als sei die Privatsphäre nur noch Futter für YouTube-, Twitter- und Facebook-Ruhm: wie schon am Anfang gesagt: ich mag mein Smartphone, sehr sogar, aber manchmal muss ich mich fragen, ob die Dinge, die ich besitze , letztendlich mich besitzen (Zitat aus Fightclub).

Relevante Artikel: 

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Quellen: Spiegel.de, BGR, EFF

Quelle: AndroidPIT

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13 Kommentare

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  • Ich bin grade schon zufrieden das ich nur eine xbox 360 und ein samsung smartphone habe :)

    Ich finde das auch ein bisschen leichtsinnig zb auf dem smartphone zb internet banking zu machen schon allein der gedanke das leute auf der strasse rum laufen mit ihren tanzettel in der hand, schreckt mich schon ziemlich ab obwohl die herren vom support mir versichert haben das es genau so sicher ist wie das internet am pc

    Aber am pc hab ich firewall,antivirenscanner aber was hab ich in meinem smartphone?
    Nur virenscanner von firmen die ich gar nicht kenne und am ende mehr spionieren als nützen...

    Bei Facebook poste ich deshalb nur dinge die mich später nicht belasten..

  • Ich stimme Danhgel voll zu:
    Dieser Beitrag ist super geschrieben!

    Natürlich hört es sich immer gut an, dass "man?"/die Menschheit "offener" werden soll - nur frage ich mich da: Offen für was?
    Offen sein für Andere, für die Zukunft, die ich aber - und wenn es auch nur minimal möglich ist - mitgestalten möchte?! Und dazu gehört für mich zumindest nunmal keine regelrechte Entblößung des eigenen Privatlebens.
    Das wiederum heißt, dass ich selbst darüber entscheiden möchte, ob und wenn ja, wieviel ich von mir selbst der Öffentlichkeit preisgeben möchte. Und das HGnternet, besonders mit dem Handy wegen der 24std-Onlinewahrscheinlichkeit, ist eben "die Öffentlichkeit" und zwar eine sehr große. Das wird halt leider oft vergessen. Es ist eben nicht nur ein tolles techn. Spielzeug, mit dem man sogar telefonieren kann, sondern birgt auch Gefahren, die manchmal auch unübersehbare Folgen haben kann.
    Insbesondere denke ich dabei an unsere Kid's, die sich ja auch mal bewerben müssen, möglichst ohne die Befürchtung, dass der künftige Arbeitgeber irgendwelche in Feierlaune (und weil man ja "nichts zu verbergen hat") ins Internet gestellte Bilder finden könnte und dadurch nicht nur falsche Schlüsse sondern auch entspr. Konsequenzen zieht.

    Ich weiß, habe viel geschrieben, aber das Thema liegt mir am Herzen.
    Auch zu bedenken ist, dass man ja mit solch "offenen" Beiträgen im Internet (z. B. Facebook, Twitter...) auch sehr oft die Privatsphäre Anderer (Familie, Freunde, Bekannte) preisgibt, welche sich nicht mal dagegen wehren können. weil sie es meist nicht wissen.

    Es wäre schon gut, wenn darüber mehr nachgedacht. würde - nicht zuletzt auch über eine Art Vorbildfunktion gegenüber unseren Kid's.

    Den Beitrag finde ich super - leider wird das Thema zu selten thematisiert. VIELEN DANK DAFÜR!!

  • Richtig gut geschrieben.das lesen hat Spaß gemacht und zum denken angeregt. Danke

    G

  • Facebook ist eine Plattform für Exhibitionisten, Marketing-Leute und Selbstdarsteller. Nein Danke, ohne mich.

  • Der letzte Satz im Artikel triffts ganz gut und sollte zum Nachdenken anregen...

  • Hallo Michael,
    also, ich sehe die Sache doch etwas anders als Du. denn ein PC ist nun mal an einen Standort gebunden, ein Smartphone hat man immer dabei. Durch die ständige Möglichkeit der GPS-Ortung etc. und solche Sachen wie Logger werden Daten aufgezeichnet, die es bei einem PC einfach nicht gibt.

  •   16

    1. Was ich angebe in meinen Profilen und Posts liegt bei mir, niemand anders ist dafür verantwortlich. Nur das können andere überhaupt sehen.

    2. Denk mal 20 Jahre zurück und man hätte dort irgendwo in der Stadt öffentlich ein Bild von jemandem der gerade etwas komisch aussieht hingehongen. Alle hätten gelacht und keiner wär auf die Idee gekommen sein komischstes Bild daneben zu hängen.
    Dadurch das aber in den social sites sowas jeder macht ist es nicht mehr interessant und besonders, ergo auch nicht mehr schlimm. Die Gesellschaft gibt die Privatsphäre nicht auf, sie wird offener. Wie wir wissen sind offene Systeme sehr erfolgreich (open source --> Linux --> Android...) vielleicht ist die Menschheit dafür ja wirklich langsam bereit.

  • um nur den anschluss nicht zu verlieren kann man sich ja ein fakeprofil bei facebook oder sonstwo anlegen, zwingt einen ja keiner wahre angaben zu machen.

  • Andererseits ist es fast auch schon wieder eine Art "Gruppenzwang" bei sowas mitzumachen, da die eigenen Freunde das ja auch machen und man nicht den Anschluss verlieren will! Zumindest ging/geht es mir so bei Facebook und Co.! :-/

  •   9

    Die, die am lautesten schreien:"Hilfe hilfe meine Privatsphäre!", sind auch die, die jeden Mist bei Facebook & Co. posten. Wenn man nicht will, dass jeder alles über einen weiß, sollte man halt nicht alles von sich preisgeben.
    Und das trifft bei 80% Der z.B. Facebooknutzer zu.

    Also: Selber Schuld :-P

  • Was hat die Überschrift mit dem Text zu tun ?
    Ich dachte es gäbe einen dieser unsinnigen Untersuchungen das jemand der ein smartphone hat kontaktarm wird und automatisch viel von sich im Netz verrät. Stattdessen geht es darum das durch Lücken oder Spionage privates nach außen gelangen könnte.
    Dann kann man die Überschift aber auch in
    "Zerstört die digitale Welt unsere Privatsphäre?"
    ändern.
    1. Haben die angesprochenen Punkte ebenso Bedeutung im Umfeld PC.
    2. Hat das nichts mit Verlangen zu tun, sondern damit ob es überhaupt möglich ist seine Privatsphäre zu halten.

  • Hallo,

    da ich sehr aktiv in vielen Handy Foren bin, kenne ich jetzt viel mehr Leute als vorher.

    Viele habe ich auch persönlich kennengelernt und noch heute guten Kontakt.

    So gesehen ist es für mich von Vorteil, weil ich meine Kontakte so gut pflegen kann.

    Wegen der Überwachung usw. mache ich mir keine Sorgen, da ich nichts zu verbergen habe.

    Daher genieße ich den technischen Vortschritt in vollen Zügen :-)

    MfG

    starbase64

  • ich glaube eher, sie lassen uns vergessen, dass wir überhaupt eine haben....

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Alles klar!