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[AndroidPIT Exklusiv] Vermarktung von Android Apps - [Teil 3]

 

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Die Qualität im Android Market wächst! War vor einem Jahr noch von Professionalität bei den Android Apps nicht selten wenig zu sehen - und diese Tatsache wurde von den Besitzern von Android Smartphones auch ohne große Gegenwehr hingenommen - ist es heute kaum mehr denkbar, dass ein Hobbyprojekt mit wenig Zeitaufwand in der Entwicklung erfolgreich werden kann. Dies verblüfft auch nicht, da sich mittlerweile über 300.000 Android Apps im offiziellen Market tummeln.

Die Marketing-Herausforderungen an die Entwickler von Android Apps wachsen damit rapide - zumindest dann, wenn diese nach fertiger Entwicklung auch wollen, dass ihre kleinen Programme auf den Smartphones genutzt werden.

In unserer Reihe "Android App Entwicklung - von der Idee bis hin zur Vermarktung" möchte ich Euch heute den dritten und letzten Teil vorstellen. Dabei beschäftige ich mich mit der Frage wie Android-Entwickler ihre Apps bestmöglich "an den Mann" bekommen können. Wen es übrigens interessiert: in Teil 1 beschäftige ich mich mit der Ideenfindung, in Teil 2 mit wesentlichen Erfolgskriterien bei der Umsetzung.

Bevor man sich ans Marketing macht: Welches Geschäftsmodell habe ich eigentlich?

Bei der Vermarktung gibt es aus meiner Sicht einen ganz wesentlichen Aspekt, den es zu lösen gilt, BEVOR man auch nur eine Zeile Code schreibt. Nämlich: Welches Geschäftsmodell soll verfolgt werden? Sehr oft wird eben diese Frage komplett beiseite geschoben und komplett nach hinten gestellt. Dabei hängt eigentlich alles genau davon ab:

  • Wie ist meine App aufgebaut?
  • Wer verwendet meine App später?
  • Verkaufe ich nur einmal oder habe ich ein Geschäftsmodell bei dem ich ständig Geld verdiene?
  • Zu welchem Preis muss/kann ich mein Produkt anbieten?

Die Frage ist natürlich, wie man ein Geschäftsmodell erarbeiten kann. Mit dieser Frage beschäftigen sich immer mehr Wirtschaftswissenschaftler. Für alle, die es interessiert, würde ich gerne ein Buch ans Herz legen. "Business Model Generation" stammt vom Schweizer Alex Osterwalder. Ich konnte Alex schon einmal live hören. Jeder, der dazu bereits einmal die Gelegenheit hatte, wird mir wahrscheinlich beipflichten und sagen, dass seine Thesen etwas in ihm bewirkt haben. Er hat auch ein wirklich grandioses Buch geschrieben, das ich Interessierten empfehlen kann.

Einen groben Überblick über sein Buch gibt diese Präsentation zum Durchklicken...



 

Keine Erfahrungen / Keine Lust selber Research zu betreiben? Es gibt da einen guten Fundus...

Ich will ja gar nicht zum Diebstahl animieren. Aber, hey - es liegt einfach auf der Hand, so dass ich es einfach nicht auslassen kann. Apple gibt seinen App-Entwicklern viele Werkzeuge an die Hand, die gerade in Sachen User Interface die Sache bedeutend leichter machen als es bei Android der Fall ist. Das Selbe kann man aber auch zum Thema "Geschäftsmodell(e)" und Marketing sagen! iPhone-Apps sind bereits sehr viel länger [und erfolgreicher] auf dem Markt als Android-Apps. Ich empfehle jedem Entwickler sich genau ähnliche Apps, wie die eigene Android App im Apple App Store anzusehen und einen ordentlichen Benchmark-Prozess zu unterziehen.

Benchmarking - Von den Besten lernen

Beim Benchmarking geht man nicht gezwungenermaßen von der Konkurrenz aus. Vielmehr will man von den Besten lernen. So könnte es zum Beispiel sein, dass das Servicekonzept einer Tankstelle durchaus auf ein eigenes Produkt übertragbar sein könnte, selbst wenn die Branchen erstmal nichts miteinander zu tun haben. Natürlich ist es aber erstmal sinnvoll einen Benchmark-Prozess innerhalb des App-Marktes aufzusetzen und dort zu forschen. Fragen, die man sich hier stellen könnte:

  • Wie kommt der App Entwickler an seine Kunden? Nur über die Positionierung im App Store? Oder hat er noch bessere Ideen?
  • Wie ist sein Geschäftsmodell? Gibt es Besonderheiten und Dinge, an die ich selber vielleicht nicht gedacht habe?
  • Gibt es Kooperationspartner, mit denen ich eventuell mein Produkt nach vorne bringen könnte?
  • Usw.

Tipp:

Gerade, wenn man mit einer Idee gerade ganz neu begonnen hat, ist man extrem euphorisch. Man neigt dazu weniger kritisch auf die eigenen Ideen zu blicken. Dies ist aber gerade in der frühen Phase besonders fatal es nicht zu tun! Man entwickelt sonst sein Produkt eventuell in die komplett falsche Richtung! Kennt Ihr jemanden, dem Ihr a) vertrauen könnt [und Eure Idee nicht weiter erzählt] und b) der oder die sich auch wirklich kritisch mit allen Vor- und Nachteilen Eures Produkts auseinander setzt. Eure Mutter könnte an dieser Stelle einfach der falsche Ratgeber sein. Mütter wollen ihren Kindern einfach nie weh tun - und verzichten von daher auch gerne mal darauf zu sagen wenn etwas "scheiße" ist.

Findet den ARPU Eurer Kunden - und Ihr könnt (fast) beliebig wachsen

Sobald das Geschäftsmodell und Euer Produkt steht, müsst Ihr Erfahrungen sammeln. Dabei sollte es so schnell als möglich darum gehen eine Zahl herauszufinden, die dabei so valide wie auch nur immer möglich sein sollte: den ARPU! ARPU steht für "Average Revenue Per User". Sprich: der durchschnittliche Umsatz pro Kunde. Noch besser ist es, wenn Ihr den Deckungsbeitrag pro Kunde möglichst genau herausfindet. Mit dieser Zahl könnt Ihr dann skalieren und Eure Kundenzahlen mehr oder weniger beliebig hochfahren.

Der ARPU kann errechnet werden, wenn Ihr die Umsätze oder Deckungsbeiträge eines Monats durch die Zahl der _aktiven_ Kunden teilt. Es ist wichtig, dass Ihr herausfindet wieviel Prozent Eurer Kunden wirklich aktiv sind. Hier müsst Ihr Mechanismen entwickeln dies herauszufinden, wenn Ihr ernsthaft daran interessiert seid ordentliches Marketing zu betreiben. Außerdem müsst Ihr ebenfalls herausfinden wie lange ein durchschnittlicher Kunde bei Euch aktiv ist bevor er Euren Service nicht mehr nutzt. Man spricht hier von der "Customer Lifetime". Sobald Ihr wisst, was Euch a) ein Kunde pro Monat einbringt und b) wie lange ein Kunde bei Euch bleibt, braucht Ihr nur noch c) beide Zahlen zu multiplizieren - und schon wisst Ihr was ein Kunde maximal im Marketing kosten darf!

Beispiel:

  • Die "Customer Lifetime" eines Kunden beträgt bei Euch 12 Monate
  • Der ARPU pro Monat liegt bei 0,50 Euro ==> Ein Kunde gibt bei Euch 6 Euro aus
  • Ihr kauft Bannerwerbung ein
  • Ihr vermutet: pro 1.000 Einblendungen klicken 100 Leute auf den Banner, wovon dann wiederum 20 Personen als aktive Kunden bleiben
  • Pro 1.000 Einblendungen verdient Ihr also 10 Euro im Monat bzw. 120 Euro über die gesamte Zeit, in denen die neugeworbenen Kunden dann bleiben
  • Je nachdem was Ihr verdienen wollt/müsst, darf die Bannerwerbung auch nicht mehr kosten als Euer gesetztes Ziel

Hier stecken User drin! Oder: wie kann man User gewinnen?

Ein fundamentales Problem bei der Vermarktung von Apps ist die Tatsache, dass die Vermarktung nicht wie bei Webseiten funktioniert. Zumindest ist dies hier weitaus komplizierter. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der Kaufprozess nicht direkt über Webseiten abgewickelt werden kann. Die Auswertung von Besucherdaten ist auf mobilen Webseiten noch lange nicht so gut wie auf Heimcomputern. Außerdem verhalten sich mobile Webseiten im Klickverhalten bei Werbung wesentlich schlechter als auf "normalen" Webseiten.

Bei Android kommt noch ein Fakt erschwerend hinzu: Google bietet kein Affiliate-Programm an! Das führt dazu, dass Webmaster in mobilen Webseiten keine Chance haben bei der Vermarktung richtig mitzuverdienen.

Facebook, Twitter & Co. - Sehr viel mehr als eine pure Spielerei

Aus diesem Grund sollte man als App Entwickler versuchen eine ganze Bandbreite von Marketingmöglichkeiten abzuschöpfen. Eine davon ist sicherlich die Nutzung der sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Die Frage, die man sich stellen muss, ist wie man optimal auf ein solches Netzwerk zugreifen kann, um so aber auch neue Nutzer für ein Produkt gewinnen zu können. Hier ein paar Gedankenanstöße:

  • Ihr habt ein Game? Wieso kann Euer User nicht mit einem Klick die Ergebnisse in seine Facebook-Wall posten?
  • Eure App beinhaltet tolle Kochrezepte? Mit einem Klick könnte Euer Kunde ein Rezept mit allen seinen Freunden teilen. Und natürlich ist auch gleich ein Link zum Android Market oder zum AndroidPIT App Center dabei...
  • ...

Über das Posten solcher Nachrichten bekommt eine höhere Bekanntheit und in der Regel sicherlich auch immer wieder neue Kunden. Überhaupt solltet Ihr darauf achten für Euer Produkt bzw. Euer Entwicklerstudio einen eigenen Twitter-Account und eine eigene Facebook-Seite aufzubauen. Treue Fans sind für Euch die Basis für erfolgreiches "Anschlussmarketing", sofern Eure App ein Upgrade erfährt, oder Ihr ein neues Produkt auf den Markt bringt.

AndroidPIT, Appbrain & Co - Blogs sind überaus wichtig

Die Wahrscheinlichkeit, dass Eure App irgendwann vorne in den offiziellen Stores landet, ist nicht gerade sehr groß. Auf der anderen Seite ist das die eigentlich einzige Möglichkeit wirklich Aufmerksamkeit für die eigene App zu bekommen. Zumindest dann, wenn man innerhalb des mobilen Endgeräts Marketing betreiben möchte.

Eine weitere wichtige Möglichkeit gutes Marketing zu betreiben, ist die Zusammenarbeit mit Blogs. Du bist von Deiner App überzeugt? Dann sollte es Dir auch sicher gelingen Blogs oder Webseiten wie AndroidPIT, Appbrain oder Andere zu begeistern. Ein Bericht oder eine prominente Platzierung auf einer solchen Seite kann wahre Wunder wirken. Ich kann an dieser Stelle nur von uns sprechen, aber ich weiss, dass ein Testbericht auf AndroidPIT.de einige tausend Downloads generieren kann - sofern die App natürlich gut ist! Und die Wirkung dürfte auch bei einer guten Platzierung bei unseren Kollegen nicht von schlechten Eltern sein!

Nehmt also Kontakt mit Blogs auf! Ihr könnt natürlich nicht davon ausgehen, dass Webseitenbetreiber gerade auf Eure App gewartet haben. In Wahrheit ist es so, dass wir pro Tag mindestens 5-10 solcher Anfragen bekommen. Das Gute ist aber, dass sich einer von uns Bloggern und Webseitenbetreibern fast immer auf einem der zahlreichen Events tummeln. Und persönlich lässt sich sowas fast immer am Besten besprechen!

Eigenes Potential nutzen - die eigentlich beste Möglichkeit!

Du hast schon mal eine erfolgreiche Android App auf den Markt gebracht, die aber noch kein klares Geschäftsmodell hatte? Dann solltest Du dieses Potential auch nutzen! Das klingt an sich völlig logisch. Die Realität sieht aber anders aus. In der Regel wissen Android App Nutzer nicht von welchem Entwicklerstudio eine Android App stammt. Wenn also eine zweite App auf den Markt gebracht wird, fangen sehr viele Studios in Sachen Vermarktung wieder bei Null an. Immerhin haben sie in der Regel ja auch keine E-Mail Adresse der Nutzer.

Ich habe eine tolle Idee um eigenes Potential nutzen zu können bei einer iPhone App gesehen. Beim Spiel "Sentinel" bekam ich ein Update angezeigt. Es gab ein neues Level! Also habe ich dem Update zugestimmt. Gleichzeitig wurde auch der Ladescreen des Games, sowie das Hauptmenü verändert. Nach dem Update gab es beim Startscreen eine Werbung für das Nachfolger-Game, "Sentinel 2". Im Hauptmenü gab es dann am unteren Bildschirmrand einen neuen Button mit einem sehr auffällig blinkenden "Defend Earth". Mein Klick war diesem Button natürlich gewiss!

Nach dem Klick gelangte man natürlich direkt in den App Store zu diesem Game. Ich kenne die Conversion Rate nicht, tippe aber, dass 20-30% aller Nutzer auch den Nachfolger des Spiels gekauft haben.

Clever muss man sein...

Zufriedene Kunden geben auch gerne gute Bewertungen

Ebenfalls sehr schlau ist es von Zeit zu Zeit (nicht immer!!) um eine gute Bewertung zu bitten, sofern der Kunde es nicht schon getan hat. Je mehr gute Bewertungen die App hat, desto höher wird man auch gerankt. Diese Methode sieht man sowohl im Android Market, als auch im App Store. Und sie scheint sehr gut zu funktionieren... Hier müsst Ihr aber natürlich auch sicher sein, dass Eure Kunden Euer Produkt auch wirklich gerne mögen :)


Fazit
Es gibt natürlich nicht den einzigen, wahren Weg um Eure Android Apps vermarkten zu können. Ich hoffe aber, dass ich Euch einige Hilfestellungen bei der Ideenfindung geben konnte. Die Zeit für den professionellen Einstieg bei den Android Apps ist reif! Es ist eine Frage der Zeit bis auch bei Android große, professionelle App Entwickler Studios entstehen.

Wollt Ihr dabei sein? Dann schnell mal los! Denn wer zu spät kommt... Aber das wisst Ihr ja.

 

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14 Kommentare

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  • Achsoo, habe mich schon gewundert ;)

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    06.05.2011 Link zum Kommentar

    Blogs müssen freigeschaltet werden...

  • na bei mir ist oben rechts ein Icon "Blog eintrag schreiben"...

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    06.05.2011 Link zum Kommentar

    Was meinst Du mit zugespammt und mit Blog-Rechten?

  • So, fertig! Sehr guter Artikel!
    An dieser Stelle mal die Frage, hat man als registrierter Entwickler bei AndroidPIT nicht eigentlich Blog-Rechte? Dann muesste doch eigentlich alles zugespamt sein oder?

  • ^^damit gleich eine empfehlung fuer den blog: eine drucken-funktion xD

  • huch, von der serie wusste ich ja garnichts! ich werde mir die mal von anfang an durchlesen, sieht aber schon beim ueberfliegen sehr interessant aus, also danke im vorraus ;)

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    04.05.2011 Link zum Kommentar

    Ich bin bei den Tablets noch nicht sicher wie sich der Markt verhalten wird. Hier ist Google auch zu zögerlich gerade. "Customized Oberflächen" wie beim HTC Flyer sind elementar wichtig für die Hersteller. Gerade ist aber gar nicht klar wie es hier weiter geht. Hinzu kommt, dass Apple Android in Sachen Tablets weit voraus ist. Das kann sich aber natürlich schnell ändern.

    @Kers er's: Beides! Ich habe WWS studiert. Das lernt man aber an keiner Uni. Zumindest nicht als ich studiert habe. Da war das Internet gerade erst am Kommen. Das ist meine Erfahrung der letzten Jahre...

  • Tim 04.05.2011 Link zum Kommentar

    sehr schöner Text. Finde den Dreiteiligen Blog echt sehr hilfreich.

  • Is mir zu hoch..

  •   10

    sehr professionell verfasst, respekt! hast du WWS studiert oder das Wissen über Jahre selbst erlangt?

  • Danke fabien fuer deine geile Blogreihe.
    Es hat mir wirklich Spaß gemacht diese zu lesen und ich hatte einige Aha! Effekte.
    Liegt aber wohl auch daran das ich Grade aktiv an diesem Thema bin.

    Was denkst du über honeycomb also tablet apps. Wann wird da der große Android Boom kommen? Auch in den nächsten 6 Monaten?

    Gruß Kevin

  •   16

    Ja killed by textwall bzw alle am rumspielen mit dem a500 ;)

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    03.05.2011 Link zum Kommentar

    Ganz schön still heute hier :)

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Alles klar!