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Android Fragmentierung - notwendiges Übel?

 

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Fragmentierung - ein böses Wort! Immerhin verbinden gerade Android-User damit schlechte Erfahrungen. Zumindest wird die Fragmentierung im Android Markt immer wieder für Themen, wie zähe oder ausbleibende Update-Politik verantwortlich gemacht. Und dann gibt es natürlich auch noch die sich immer weiter fragmentierende App Store-Landschaft, die dazu führt, dass Leute zukünftig Apps an verschiedenen Orten kaufen (müssen), anstatt alles an einem Ort zu haben.

Die Fragmentierung stellt in gewissen Maßen auch eine Gefahr für Android dar. Wenn man sich heute den PC-Markt ansieht, kann man feststellen zu was Fragmentierung fähig ist. Entwickler haben es bei der Erstellung von Software sehr viel schwerer als beispielsweise iPhone-Entwickler, die genau wissen auf welche Hardware sie sich konzentrieren müssen. Ironischerweise hat das Microsoft auch erkannt und stellt für sein neues Betriebssystem "Windows Mobile 7" knallharte Bedinungen an die Hardware. Anpassungen der Oberfläche sind nicht möglich.

Nun soll Gingerbread, die neue Version von Android, alles richten und ins Lot bringen. Google verpasst dem Android User Interface angeblich einen ganz neuen Anstrich, in der Hoffnung, dass Hersteller auf eigene Anpassungen zukünftig verzichten. So soll (wahrscheinlich) die voranschreitende Fragmentierung eingedämmt, oder gar vermieden werden.

Ein guter Plan! Nur aus meiner Sicht zu spät. Denn Hardwarehersteller und Telcos brauchen eine Fragmentierung. Dringend! Ich habe drei Thesen zu diesem Thema aufgestellt. Ich bin mir sicher, dass einige Leser laut aufschreien werden. Immerhin ist das alles Andere als die Sicht der User. Ich versuche die Position der Anbieter einzunehmen, die immerhin für die Produkte, die wir dann kaufen, verantwortlich sind. Das bedeutet nicht, dass ich diese Thesen selber für gut heiße, oder unterstütze. Ich behaupte einfach nur, dass es eben so ist und dass es so kommen wird/kommen könnte.

Hier meine drei Thesen:

1. Ein gelerntes User Interface schafft Kundenbindung - und schützt!
Eigentlich wäre es sehr viel praktischer auf das Standard-Android Interface zu setzen: es ist schon da, bekommt Android ein Update werden die Telefone ebenfalls ohne Wartezeit versorgt und die Anwender können ohne Probleme ein neues Telefon bedienen, da sie die Handhabung ja bereits kennen. Trotzdem setzen Hardwarehersteller - und sogar Telcos - verstärkt auf eigene Oberflächen. Und das wird nicht nur so bleiben - es wird sich sogar noch verstärken.

Hardwarehersteller sind beim Vertrieb nicht selten auf die Telcos angewiesen, die mit Subventionen die Kaufentscheidungen ihrer Kunden beeinflussen. Es scheint zwar ein Trend zu sein, dass es immer weniger Tarife gibt, in denen auch Telefone beinhaltet sind. Dennoch ist es so, dass ein Gros des Vertriebserfolgs der Hersteller auf diese Strategie fußt: Vertrieb über die Telcos!

Es kommt noch ein Problem hinzu: die Unterschiede in der Hardware werden immer marginaler. Man kann schlicht nicht mehr zwingend mit einer besseren Cam oder einem schnelleren Prozessor punkten. Es kommt auf das Gesamtpaket an. Das User Interface spielt dabei eine ganz zentrale Rolle. Über Design kann man sich hervorragend von der Konkurrenz abheben. Das Hardware-Design spielt sicherlich eine wichtige Rolle. Das User Interface dürfte aber noch wichtiger sein. Je einfacher ein User Interface viele Funktionen vereint, desto mehr werden die Kunden es auch verwenden. Und umso schwerer fällt ihnen dann ein Wechsel zu anderen Anbietern.

Ein Unternehmen, das dies bereits sehr gut umsetzt, ist HTC. Die Sense-Oberfläche begeistert viele Leute. Und nicht wenige Kunden würden sich genau weil sie die einfache Handhabung des Interface schätzen und lieben gelernt haben, genau wieder ein HTC-Gerät kaufen. Nun verstärkt HTC seine Anstrengungen in Sachen eigenem User Interface noch weiter. Erst kürzlich wurde HTC Sense.com vorgestellt. Mit diesem neuen Service können Nutzer nun ihr Telefon über eine Webseite steuern. Und was noch viel besser ist: ihr User Interface direkt in der Cloud abspeichern, damit ein Telefonwechsel noch leichter fällt. Ein Wechsel von HTC zu HTC natürlich... Denn ein HTC-Sense.com Kunde muss sich in Zukunft nur noch bei einem neuen HTC-Telefon anmelden - und schon ist wieder alles genauso eingestellt wie es vorher war.

Der Konkurrenz dürfte das nur wenig gefallen. Dass diese Kundenbindungsstrategie nämlich sehr erfolgreich ist, macht Apple bei seinem iPhone vor. Über iTunes werden iPhone-Wechsel denkbar einfach. Nach einer Synchronisation sieht das neue iPhone wieder genauso aus wie das Alte. Zumindest was die Oberfläche, die Einstellungen, die SMS, usw. anbelangt. Aufgrund dieser Einfachheit wird es iPhone-Nutzern sehr schwer gemacht auf ein anderes Telefon zu setzen. Die Zeit, die ein Wechsel kostet, schreckt viele Kunden ab. Man spricht hier auch von "Switching Costs". In diesem Falle also die Zeit sich mit einem neuen Gerät, seinen Einstellung und der Portierung der Daten auseinander zu setzen. Nimmt man also diese Erfahrungen und die Tatsache, dass HTC im Android-Markt nun eine ähnliche Strategie verfolgt, kann man davon ausgehen, dass bald weitere Unternehmen bei Android nachziehen werden. Sie können es sich nicht leisten sich nur über die Hardware zu differenzieren. Es wäre wahrscheinlich sogar für einige Unternehmen existenzbedrohend...

Wir werden uns also daran gewöhnen müssen, dass es eigene Oberflächen geben wird. Und man sollte dem ganzen auch etwas Gutes abgewinnen: nur Konkurrenz fördert Innovationen! Würde es lediglich die Android Oberfläche geben, würden wir bald in Sachen "User Interface" kaum mehr Innovationen erwarten dürfen.


2. Erst der Content macht Smartphones smart!
Warum sind Smartphones eigentlich Smartphones. Ich denke, nahezu jeder hätte eine andere Antwort darauf. Für mich sind es nicht per se schlaue Telefone! Nur weil mir das Telefon dabei hilft einen Weg zu finden, würde ich noch nicht behaupten wollen, dass es total smart ist. Das konnten Routenplaner vorher auch schon. Eigentlich sind es aber doch Apps, die Dein Telefon wirklich schlau machen. "Es gibt für alles eine App!". Dies ist tatsächlich so. Und aufgrund dieser Tatsache kann sich jeder für wenig Geld sein Telefon so personalisieren, dass das Gerät alle Problemstellungen lösen kann. Du reist gerne und viel? Kein Problem! Zugverbindungen, Flüge, Übersetzer können im Nullkommanix auf Dein Telefon geladen werden. Du bist Fussballfan? Auch hier findest Du für (fast) jedes Problem eine App.

Die Nuancen bei einer App sind aber oft entscheidend. Es ist wichtig eine Auswahl mehrerer Apps pro Problem zu haben. Nur dann findet man auch das Richtige für einen selbst. Es ist ja auch nicht so, dass Apps erst seit drei Jahren auf dem Markt sind. Diese gab es auch schon vorher. Nur sah der Markt noch anders aus. Man konnte sich Programme für das Telefon bei irgendwelchen WAP-Portalen der Telcos kaufen. Es gab sehr wenig Auswahl für sehr viel höhere Verkaufspreise. Diese Programme/Apps wurden von einer handvoll Hersteller gebaut. Entsprechend leicht war es für die Telcos Verträge mit allen wichtigen Anbietern zu haben. Alles war sehr übersichtlich.

Das hat sich gründlich gewandelt. Heute werden Apps nicht mehr von großen Softwarehäusern geschrieben. Es sind auch nicht mehr 5-10 Unternehmen, die 80% des Markts abdecken. Heute wird die Smartphone-Software von zigtausend Entwicklern geschrieben. Oft sind es ein oder zwei Mann/Frau-Unternehmen, die Hersteller sind. Für Telcos und Hardwarehersteller ist es nahezu unmöglich geworden an diese Entwickler ranzukommen. Dies ist aber zwingend notwendig! Immerhin möchte man heute ja Smart-, und keine Dumbphones kaufen. Hardware wird immer mehr danach ausgesucht ob es auch guten Content für das jeweilige Gerät gibt. Und das führt mich zur dritten These:


3. Wer den Content hat, der hat die Macht!
Denn ohne Content, keine oder schlechte Verkäufe von Hardware. Man sieht es ja schon jetzt an den Diskussionen bei den Tablets: "Waas? Da ist kein Google Market drauf?". Es wird erwartet, dass man auf diese Apps zugreifen kann. Bei Tablets ist dies aber derzeit nicht möglich, da Google strenge Richtlinien dafür hat. Und Tablets können diese derzeit nicht erfüllen. Einzig das Samsung Galaxy Tab liefert sein Tablet mit einem Google Market aus. Dies ist deshalb möglich, da Samsung eine Telefonfunktion in sein Gerät eingebaut hat.

Keinen Content zu haben ist schon heute ein klarer Wettbewerbsnachteil. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass es derzeit nur zwei echte Content-Anbieter im Smartphone-Markt gibt: Apple und Google! Apple packt seinen Store nur auf die eigene Hardware. Von daher ist der iPhone-Store keine Option für Hardware-Hersteller. Google gibt seinen Store nur unter gewissen Voraussetzungen heraus. Es ist aber grundsätzlich mehr oder weniger einfach mit Google überein zu kommen.

Die Frage ist nur: was hat es auf Dauer für Konsequenzen für Telcos und Hardware-Hersteller KEINEN EIGENEN Store zu haben? Die Manager der jeweiligen Firmen werden sich wohl in etwa solche Fragen stellen:

  • Was, wenn Google von heute auf morgen sagt, dass nur noch bestimmte Hardware-Hersteller den Google Market bekommen?
  • Was, wenn die Qualität der Apps, inkl. Schädlinge im Market weiter zunimmt? Wirkt sich das dann auf meine Marke aus?
  • Was, wenn meine Konkurrenten Apps auf meiner Hardware vertreiben, die eventuell Kunden von mir weglocken kann? (gerade bei Telcos relevant!)
  • Was, wenn ich in einem Land bin, indem der Google Market nicht zur Verfügung steht?
  • Wie kann ich meine Kunden besser mit Apps an mich binden?
  • Und so weiter...

HTC geht hier schon wieder einen Schritt nach vorne! Ziemlich unbemerkt haben die Taiwanesen nämlich für die HTC Sense Oberfläche ein SDK (Software Developer Kit) herausgebracht. Damit können ausgewählte Entwickler ihre Apps speziell an die HTC Sense Oberfläche anpassen. Auf diese Weise können sowohl die grafischen Elemente der Sense-Oberfläche, aber auch die speziellen Services von HTC Sense.com genutzt werden. Ein ganz entscheidender Punkt wird aber wohl auch sein, dass man auf diese Weise ganz einfach einen Store mit den besten und wichtigsten Apps aufbauen kann - ganz ohne Schädlinge oder negativen Content. Und das ohne auf den normalen Google Market verzichten zu müssen.


Wie geht es weiter?
Aus meiner Sicht wird die Fragementierung also (massiv) zunehmen. Es ist die einzige Chance für Telcos und Hardwarehersteller hier noch mitmischen zu können. In ein oder zwei Jahren wäre es nicht mehr möglich. Und es geht dabei sicherlich nicht (nur) darum digitalen Content mit verkaufen zu können. Es geht dabei um viel existenziellere Fragen. Denn wer den Content hat, der hat die Macht! Die Macht ganz aus den Händen zu geben bedeutet auch, dass man auf Gedeih und Verderb einem Anbieter ausgeliefert ist. Und das will man als Unternehmen ganz bestimmt nicht...

 

62 Kommentare

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  • "Fragmentierung ist nichts Schlimmes, sie ist das Resultat deiner diversifizierten Kundennachfrage sowie der Möglichkeit, Android vielseitig einzusetzen. Sie wird deshalb auch nicht verschwinden, auch mit Gingerbread nicht."

    Tzz, da packt der meinen Riesenpost einfach so in zwei Sätze. Respekt! ;)

  • Amazon will nun angeblich auch einsteigen:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Warum-Amazon-einen-Android-Store-oeffnen-will-1097870.html

    @ Joachim: Super Sache. Ich hoffe, es wird zahlreich angenommen.

  • Sehr guter Artikel!

    Meiner Meinung nach resultiert die Fragmentierung aus vielen Gründen, u.a. wie hier beschrieben aus den herstellerspezifischen Erweiterungen (z.B. Sense Oberfläche), aber nicht nur. Andere Faktoren*:
    - Formfaktoren: derzeit Displays mit 20 versch. Größen
    - Auflösungen: derzeit Displays mit 11 versch. Auflösungen
    - OS Versionen: derzeit 7
    - Hersteller: derzeit 86, einige davon mit eigenen Erweiterungen
    - Geräteklassen: Smartphones, Tablets, Autos, Settopboxen, TVs, etc.

    Fragmentierung ist nichts Schlimmes, sie ist das Resultat deiner diversifizierten Kundennachfrage sowie der Möglichkeit, Android vielseitig einzusetzen. Sie wird deshalb auch nicht verschwinden, auch mit Gingerbread nicht.

    Wir haben ein offenes, freies Community Projekt zu diesem Thema gegründet, AndroidFragmentation.com. Von Entwicklern für Entwickler. Die Idee ist, App Entwicklern möglichst detaillierte und spezifische Informationen über Android Geräte zu liefern, damit sie sich bei der Entwicklung darauf einstellen können.

    Mehr unter http://tinyurl.com/2w63zzz

    Jo

    * Stand July 2010.

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    27.09.2010 Link zum Kommentar

    @Andreas V.: Da hast Du natürlich absolut Recht! Deswegen auch meine Aufforderung an die Entwickler "Find your audience"!

    Leider gibt es die eierlegende Wollmilchsau nicht. Sprich: entweder man hat ein proprietäres System. Oder aber eben ein offenes, das irgendwann wohl oder übel Fragmentierung mit sich bringt.

    Zum Thema "Sicherheit": absolut!! Das ist etwas, was noch viel zu wenig diskutiert wird derzeit.

  • Das Thema hat jetzt auch die etablierten Medien erreicht:
    http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/android-google-update

  • Sehr spannender Beitrag.
    Es gibt noch einen Aspekt neben der konsumentenorientierten Sicht: Die der Anwendungen für geschäftliche Anwender.
    Hier ist Fragmentierung nicht hilfreich, eine Firma kann es sich schlichtwenig nicht leisten eine fragmentierte Hardware und Anwendungslandschaft zu betreiben. An der Stelle spielen Markets keine Rolle, aber die Frage, wie sicher und performant meine mobilen Anwendungen laufen.
    Android hat hier noch den Ruch des - sicher ungerechfertigt - unfertigen Open Source Projektes, eine Fragmentierung hilft da nicht gerade.
    Wir reden hier auch von einem Markt, der gerade am Entstehen ist und in dem in Zukunft weitaus mehr Geld umgesetzt wird, als für kleine Spielchen oder Productivity-Apps. Die Anforderungen sind deutlich höher, deshalb ist der Entwicklungsaufwand größer. Zudem möchte man hier Standardanwendungen als Unternehmen einsetzen. Und hier möchte ich als Entwickler eine Plattform haben ,die möglichst übergreifend ist. Und als Unternehmen möchte ich meine mobilen Geschäftsanwendungen, die ich eventuell mit großem Aufwand eingekauft und angepasst habe, nicht jedes Jahr neu anpassen.

    Momentan sind weder Apple noch Android dafür gerüstet, da sie auf die Konsumenten ausgerichtet sind. Aber die großen ERP-Anbieter schielen auf diesen Markt.
    Bsp. SAP: SAP hat z.B. Sybase für ein paar Milliarden geschluckt (ein irsinniger Preis, die Umsätze haben das nie gerechtfertigt). Sybase ist vorrangig auf Iphone spezialisiert, bringt aber sein CRM auch für Android heraus. SAP kauft aber im Gegenzug 1500 Ipads alleine für Deutschland.

    Viele Unternehmen stehen gerade vor strategischen Entscheidungen in dem Bereich. Und hier ist Fragementierung auf der Entwicklungsseite sehr hinderlich. Wenn Android hier erfolgreich sein möchte, muss es möglich sein, Anwendungen auf jeder Hardware zum Laufen zu bringen und der Faktor Sicherheit muss mehr als bisher berücksichtigt werden.

    Entschuldigt, das ist jetzt alles ein bißchen unzusammenhängend, aber ich wollte das mal einwerfen.

  • @Fabien

    An Deinem Vortrag zur strategische Herangehensweise bei der Entwicklung von Android Apps wäre ich brennend interessiert!

    Ich finde derartige Diskussion mit Tiefgang interessant, da man als Endanwender häufig eine komplett falsche Vorstellung in diesem Bereich hat.

    Gruß

    Hans

  • Ein sehr interessantes Thema! Schade dass ich am Wochenende keine Zeit hatte, mich an der Diskussion zu beteiligen. Aber ganz kurz noch will ich sagen, dass gerade die Fragmentierung der Bezugsquellen von Apps sowohl für die User, als auch die Entwickler/Unternehmen sehr viele Nachteile hat. Man muss sich nur vor Augen führen, wie man im Internet Software für seinen PC findet. Gerade wegen diesem Wirrwar von Anbietern versucht jede Plattform eine zentrale Anlaufstelle in ihrem System zu etablieren. Und genau da fangen die Probleme für Entwickler an! Denn auch von App-Seite aus ist eine Integration von Market-Funktionalitäten wünschenswert. Man mag also eine mehr oder weniger homogene Plattform haben, auf die man programmiert. Aber die Integration von Ingame-Payment, Anti-Piracy, etc etc fragmentiert sich mit solchen Secondary-Markets mit und macht den Entwicklern das Leben schwer bzw. ziehen sie gar nicht erst in Betracht, auch in einem anderen Market ihre App anzubieten.

    Versteht mich nicht falsch: Ich habe grossen Respekt vor der Arbeit die hinter AndroidPit, dem AndroidPit App-Center und der zugegebenermassen cleveren Strategie, das Geschäftsmodell Schritt für Schritt durch eine Community in den Markt zu drücken - aber Secondary-Markets sind und bleiben schlecht. Einziges Trostpflaster ist: Secondary-Markets etablieren sich meisst auf Randsystemen. Oder um es etwas gehässig auszudrücken: Auf Billigware, die zu Recht keinen Zugang zum Primary-Market erhält. Weiterer Nachteil: Eben diese Billigware wird zunehmend mit Android in Verbindung gebracht werden.

    @Fabi: Es heisst übrigens "Windows Phone 7" - "Windows Mobile" war der Vorgänger. Da es sich nicht um eine Weiterentwicklung, sondern um einen Neuanfang handelt, haben sie einen Namenswechsel gewählt.

  • @. Michael Harderer:
    Ich hatte vorher Home++ aber das home replacement muss immer die app liste neu laden. Zum kotzen.
    Habe jetzt auch launcher pro und werde mich mal reinfuchsen.. Danke für den tipp.
    Aber trotz alledem sollte es sowas erst garnicht geben.
    Das sorgt nur für streit und ärger. Wenn sie Gingerbread etwas aufmöbeln sollte die ganze scheiße weg und das Standard android druff!!!

  • Also ich denke mal dass sich zumindest die Sache mit den zu stark angepassten Android Versionen früher oder später von selbst lösen wird. Denn wie schon gesagt lebt ein Smartphone vom Content der darauf läuft und wenn dann ein Hersteller Android so stark anpasst dass manche Apps aus dem Market nicht mehr laufen und es für die Entwickler so viel Mehraufwand bedeutet ihre Apps auf dieser oder jener Herstellerversion zum laufen zu bringen wird in Zukunft einfach bei vielen Apps dranstehen: "Funktioniert nicht auf xy" und das wir auch den einen oder anderen Kunden abschrecken, denn wer will schon ein Android-Phone auf dem nur die Hälfte der Apps geht. Da werden auch die herstellereigenen Markets nicht viel bringen, denn so ne Vielfalt wie im offenen Android Market wirds da nie geben.

  • Die fragmentierung war nicht zu vermeiden.
    Hätte Google von anfang eine komplett anpassbare GUI ausgeliefert mit der die Hardwarehersteller ihre GUI-Vorstellungen genauso hätte realisieren können, wie sie jetzt aussehen und das können was sie können, wäre die Fragmentierung in diesem Sektor nicht so stark und Updates könnten schneller und einfacher (vorallem für die Hardwarehersteller) verteilt werden.

    Das der Content das Smartphone erst zu dem macht was es ist, dem stimme ich voll und ganz zu.
    Aber auch genau dieser Content und der offene Markt sind schuld an der Fragmentierung. Hier müsste Google nachsteuern und dafür sorgen das alle Apps, allen Geräten und allen Androidversionen zur Verfügung stehen. Denn so wie es momentan läuft treibt der Content die Fragmentierung schneller vorran als Hardware und Software zusammen. Das es aus marktwirtschaftlichen Ansinnen nicht sinnvoll auch ältere Geräte immer wieder zu Updaten sollte klar sein, aber dann muss dafür gesorgt werden das auch diese Geräte zumindestens für den Zeitraum ihrer Lebensspanne beim Endkunden (ca. 2 Jahre als subventioniertes Gerät von Telcos) auf kein Content verzichten müssen.

    Zu dem Angebot der verschieben Märkte
    Das war zu erwarten, jeder will ein stück vom Kuchen abhaben. Und wenn keine Lösung der Integration in einem Gesamtmarkt gefunden wird werden wir alle mit ca. 6 verschieden Markets enden.
    1. Google Market
    2. HTC Market (oder halt vom jeweiligen Hardwarehersteller)
    3. Vodafone Market (oder vom jeweiligen Telcos)
    4. Androidpit AppCenter
    5. EA Market (für alle EA spiele)
    6. usw und sofort

    Jetzt ist Google im Zugzwang und muss regulieren, klar will und soll jeder Hardwarehersteller seine Induvidualität bewahren, nur muss das einheitlich geschehen, denn sonst zerbröselt die Android-Familie in Herstellercliquen.

  • Zunächst mal zur Entwicklerseite: Solange die Schnittstellen einheitlich funktionieren und das System keine auffälligen "propietären" Bugs haben, ist das kein allzu großes Problem, auch wenn z.B. Bildschirmgrößen á la 240x1024 ziemlich lästig wären. Widgets laufen z.B. prinzipiell problemlos auf Standard-Homescreen und Sense - aber nur, solange Sense keine Lücken oder Fehler in der Schnittstelle hat. Was einen als Entwickler wirklich zum Wahnsinn treibt, sind Bugs wie z.B. beim Incredible mit FroYo, dessen Wiedergabe-Library einfach die Startpositionen ignoriert. Mein Hörbuch-Player prüft jetzt halt einfach nach knapp einer Sekunde (sofort danach liefert das System falsche Werte) ob die Position stimmt, aber z.B. Spieleprogrammierer, die Ausschnitte für Effekte nutzen, müssen entweder komplett umstellen (und haben dann evtl. Performanceprobleme auf langsameren Geräten) oder sich mit schlechten Bewertungen abfinden. Und was manche Custom ROMs treiben ist erst recht die Hölle, da werden z.T. sogar Standardbenachrichtigungen (Ausrichtung geändert, Headset oder SD entfernt, etc.) nicht gesendet, Standardfunktionen stürzen ab oder machen einfach gar nichts, ...
    Verschiedene Bildschirme oder Eingabemöglichkeiten (Touch, Trackball, Steuerkreuz, ...) oder diverse Erweiterungen zu unterstützen ist bei Android kein so großes Problem, vieles geschieht sogar automatisch über das Framework. Wirklich extrem lästig ist nur, Workarounds für die Bugs zu finden, die die Hersteller einbauen (natürlich auch die von Android/Google, aber die fallen wenigstens auch im Emulator und dem eigenen Gerät sofort auf).

    Was die Market-Zersplitterung angeht, ist es wirklich sehr lästig, sich erstmal in gut einem Dutzend Markets anzumelden, zumal überall andere Daten gefordert sind, die Bezahlung unterschiedlich abläuft (PayPal, Scheck, Überweisung, gar nicht, ...) oder man nur mit Google Translate die Hälfte versteht. Dann muss man jedes Update jeder App in jedem Market hochladen, ggf. (Update-) Beschreibungen aktualisieren, usw. Dabei kann's schonmal vorkommen, dass das gar nicht geht, weil das Auslesen des Manifests (im APK enthaltene Infos über z.B. Versionsnr., benötigten Berechtigungen, etc.) inkompatibel zu Googles Market geschieht. Und schlussendlich kann's dann noch passieren, dass von dort User die App downloaden, für deren Gerät sie gar nicht zugelassen ist obwohl's im Manifest anders steht (alte Android-Version, fehlende Hardware/Sensoren, ...). Oder auch, dass zu wenige sie sehen.

    Zum Rest-Artikel: Leider alles richtig. Ich weiß auch nicht inwieweit die Anwender da gegensteuern können, zumal viele ohnehin schon "ein HTC" kaufen und keine Ahnung haben, ob da Android, WM oder was propietäres drauf läuft. Ich habe allerdings schon die Befürchtung, dass Android ganz schnell schlimmer enden könnte als Linux auf dem Desktop: Dutzende Repositories/Markets und fürs nächste Gerät/eine andere Distri muss man sich stärker umgewöhnen als vom Mac auf 'nen PC mit Windows 3.1.

  • @andy: Leider ist es für uns Entwickler nicht so dass die app überall läuft. Speziell HTC hat nicht nur an der GUI sachen verändert, sondern auch im Hintergrund.
    Z.b. die Facebook integration oder auch mehrere Datumsformate die es im Android Standard nicht gibt.

    Dadurch enstehen des öfteren Probleme die nur auf einem HTC Gerät passieren.

  • @ Wurst Hansel: Erstens ist Steve Jobs kein App-Entwickler und Zweitens ist der Zeitraum der Betrachtung, ab wann man ein System als langfristig erfolgreich bezeichnen darf, zeitlich bislang noch nicht definiert.

    Richtig ist sicher das SJ und Apple Vorreiter für einen Trend waren, ob das langfristig für ihr proprietäres Betriebssystem gilt, wird sich zeigen müssen.

  • Ich denke nicht, dass unterschiedliche UIs ein großes Problem für Entwickler sind. Auch wenn ein Entwickler nicht die SDK für Sense verwendet sollte die App auf einem HTC laufen. Das größte Problem dürfte sein, dass es nicht für alle Geräte Updates gibt und so noch einige Geräte gibt mit veraltetem OS, gefolgt von den verschiedenen Hardwarespezifikationen.

    Und es ist ja nicht so, dass Apple fern von diesen Problemen ist. Mit dem neuen iPhone 4 muss jetzt auch eine weitere Auflösung beachtet werden und eine App für das iPod anzupassen soll auch nicht wirklich gut gelöst sein.

  • Ich finde es auch aus Usersicht gut dass ich da Auswahl
    an verschiedenen UIs habe. Sony, HTC, Samsung, Motorola, LG usw..
    Ich habe das auch schon öfter in Foren oder Kommentaren geschrieben.
    Das ist etwas womit die Hersteller sich von einander abheben können.
    Und wenn das nicht möglich wäre würden auch nicht so viele auf Android setzen.

    Was nicht fragmentieren darf ist die Betriebssystem Version,
    und damit die Apps die ich dann darauf laufen lassen kann, oder eben nicht.
    Deswegen sollte Google für Android zukünftig eine Schnittstelle für
    solche UI und Geräte Anpassungen bereitstellen, die es den Herstellern
    erlaubt das System darunter upzudaten ohne die UI oder die Telefon spezifischen dinge erst noch lange anpassen zu müssen.
    Also dass die Hersteller UIs quasi nur etwas wie ein Skin oder Theme sind,
    und vom Rest möglichst entkoppelt sind. (Ich weiß übrigens nicht wie oder ob das das jetzt schon irgendwie gemacht wird.)
    Vielleicht könnte mann dann auch am Hersteller und den Telcos vorbei Updaten, so wie ich beim Laptop ja auch nicht auf Dell angewiesen bin um für Windows ein neues Servicepack zu installieren.
    (Obwohl ich vermute dass die Hersteller dass nicht gerne sehen würden,
    da es einen Künstlichen Kaufgrund schafft wenn die neue OS Version
    nur im neusten Modell des Herstellers verfügbar ist....)

    Klar, die Vanilla Oberfläche zu Polieren ist ein guter Schritt,
    wird aber die (zumindest die Großen) Hersteller nicht davon abhalten
    ihre eigenen UI Anpassungen anzubieten um sich von der Konkurrenz abzuheben und ihren Kunden weitergehende Komfortfunktionen zur Verfügung zu stellen die sie für Sinnvoll halten.

  • Mach mal bitte Fabien, ist echt interessant :)

  •   4

    TechnikEvolution, Zerfall, Neubeginn

  • Fabien Roehlinger
    • Admin
    • Staff
    25.09.2010 Link zum Kommentar

    @Hans: Ja, durchaus richtig, dass sich alle Unternehmen auf Android stürzen. Das liegt einfach daran, dass sie keine echte Alternative haben. Immerhin brauchen alle ein ordentliches, offenes Betriebssystem bei dem sie eben _keine_ Abhängigkeiten haben. Deswegen kam Android zur rechten Zeit. Ganz sicher bin ich mir noch nicht wie sich Android verändern wird. Aber ich denke, wir werden es spätestens nach Gingerbread wissen.

    Wenn es Euch aber interessiert werde ich gerne mal über die strategische Herangehensweise bei der Entwicklung von Android Apps schreiben - ein Vortrag, den ich immer wieder bei verschiedenen Kongressen halte. Alles geht natürlich nicht. Aber über Auszüge könnte ich schreiben...

  • "Wenn ein Unternehmer meint ausschließlich für eine bestimmte Zielgruppe sein Produkt anbieten zu wollen, so ist das sein gutes Recht.
    Unter unternehmerischer Sicht jedoch ist das kurzsichtig und kontraproduktiv und beweist am Ende nur die weniger ernsthafte Einstellung des Protagonisten versus einem echten Profi, der für seine Entwicklungen den kompletten, möglichen Markt nutzen will."
    Steve Jobs dürfte sich herzlich darüber amüsieren. Er hat mit Apple bewiesen, dass genau solche Systeme ihre Daseinsberechtigung haben. Und Fragmentierung ist ja auch nicht neu, sondern bei Handys eher der Ursprung. Einzig Android macht hier bisher eine Ausnahme. Dass sich Hersteller überhaupt so auf ein neues System stürzen, dürfte selbst Google überrascht haben. Die Zukunft sehe ich ähnlich wie Fabian. Es wird sicher sehr zeitnah Geräte geben, wo man gar nicht mehr erkennt, dass Android drauf läuft.
    Spannend finde ich die Frage, ob man Android in 1-2 Jahren überhaupt noch "nackt" antreffen wird.

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