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Ubuntu for phones: Freiheit ist nur eine Illusion

Andreas Seeger
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Das Wort Ubuntu stammt aus dem Afrikanischen und bedeutet so viel wie "Menschlichkeit gegenüber anderen" und das gleichnamige Linux-System steht für freie und quelloffene Software, kurz und gut: es ist symphatisch. Und jetzt will Ubuntu für Phones auch auf Smartphones erfolgreich sein. Dafür sind die Macher bereit, den Netzbetreibern und Herstellern entgegen zu kommen. Aber wenn das passiert, wie viel Freiheit bleibt dann noch?

"Unsere Strategie ist es, den Netzbetreibern und Herstellern mehr Möglichkeiten zu geben, ihre Dienste in Zusammenarbeit mit uns auszuliefern – wir wollen ihnen mehr Einfluss geben", antwortet Richard Collins, der Chef des mobilen Ubuntu-Projektes, in einem Interview mit Engadget auf die Frage, ob viele Apps für den Start des Ubuntu-System notwendig sind.

Es geht um Geld

Den Ubuntu-Machern geht es mit Ihrem Smartphone-Betriebssystem also nicht primär darum, ein App-Ökosystem aufbauen, die Beziehungen zu den Entwicklern zu moderieren oder eigene Dienste anzubieten.

Aber warum drücken sie dann Ubuntu für Smartphones in den Markt? Die Entwickler, die es programmieren, wollen schließlich bezahlt werden. Und spätestens seit Ende 2012 die Amazon-Suche in das Desktop-Ubuntu implementiert wurde, sollte jedem klar sein, dass es der Ubuntu-Entwicklerfirma Canonical auch ums Geldverdienen geht. "Making Money is not a bug", schreibt Ubuntu-Technikchef Olli Ries in seinem Blog und ich habe kein Problem mit dieser Einstellung. 

Aber mich interessiert ihr Geschäftsmodell, denn das entscheidet am Ende des Tages darüber, wie dieses neue Smartphone-System aussehen wird, wie es versuchen wird, mich als Nutzer zu beeinflussen. Gedacht ist Ubuntu for phones zunächst primär für die Entwicklungsländer und aufstrebenden Märkte, die ersten Ubuntu-Phones dürften aller Voraussicht nach Einsteigergeräte werden, aber "Ubuntu ist so entwickelt, dass es auf verschiedenen Geräten laufen kann, und es ist so entwickelt, dass es auch auf Highend-Geräten skaliert“, erklärt Collins. Er benutzt das Wort "skalieren (scale up)", das vor allem in der Startup-Szene gerne in den Mund genommen wird, weil sich dahinter der Schlüssel zu schnellem Wachstum und Reichtum verbirgt.


Ubuntu for Phones: Der große Dritte neben Android und iOS?

Canonical will also bildlich gesprochen ganz unten anfangen und sich dann nach oben vorarbeiten, die klassische Underdog-Strategien, die man zum Beispiel auch bei den chinesischen Unternehmen Huawei oder ZTE (bezogen auf den europäischen Markt) beobachten kann. Und sie wollen es mit Hilfe der Netzbetreiber und der Hersteller schaffen. "Die wollen Leute wie uns, Leute, die das Management [der Software und der Dienste] für sie übernehmen", so Collins weiter.

Geld = Macht = Kontrolle

Ich frage mich nur, wie offen dieses Smartphone-System unter diesen Voraussetzungen sein kann. Zu recht kritisiert Collins: "Bei Android ist klar, dass mit der Nutzung der Google-Dienste ein Preis verbunden ist..." – aber kann man ihm glauben, wenn er sagt, dass "unser Modell ganz anders ist"?

"Wir wollen Leute nicht einsperren", sagt Collins. Aber wenn man ihm genau zuhört, kommt man zu dem Schluss, dass er diese Arbeit einfach anderen überlässt. Er sagt ja nicht nur, dass er eng mit Netzbetreibern und Herstellern zusammenarbeiten will. Er sagt auch, dass Apps und Dienste für Ubuntu vor allem webbasiert angeboten werden sollen. Das ist zweifelsohne ein probates Mittel um einer System-Fragmentierung zu begegnen, die kommen muss, wenn Canonical das Ubuntu-System passgenau auf die Hersteller und Netzbetreiber zuschneidet. Aber damit ist auch zwangsläufig eine stärkere Kontrolle des Anwenders verbunden, weil der keinen Einfluss auf die Cloud nehmen kann.


Professionell: Die Website von Ubuntu-Entwickler Canonical.

"Leider denke ich, dass sie ihren potentiellen Kundenstamm völlig missverstanden haben", schreibt Steve Kondik, der Vater von CyanogenMod, auf Google+. Da könnte was dran sein.

Aber vielleicht ist Kondiks Kommentar auch nur der Ausdruck eines von vielen seit Jahren aufwendig gepflegten Mythos, die in Stein gemeißelte Meinung einer Minderheit von Unverbesserlichen, die auch 2013 noch glaubt, dass gute Software nichts kosten muss und soll. Die glaubt, dass die Regeln des freien Marktes für alle gesellschaftlichen Bereiche gelten, nur eben nicht für Computer. 

Vielleicht hält uns Ubuntu for Phones einfach nur den Spiegel vors Gesicht. Und das ist wichtig. Um es mit Collins zu sagen: Das Problem ist doch gar nicht, dass ich einen Preis an Google zahle. Entscheidend ist, dass ich den Preis kenne, den ich zahlen muss.

Titelfoto: as/AndroidPIT, mit Material von Julien Chist/pixelio.de und Canonical

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Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
  • vincent M. 30.01.2013 Link

    Netter Beitrag ;)
    Achja, Gönnt euch mal die Kommis Unter dem Google+ Beitrag ;)

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  • Jürgen Ofner 30.01.2013 Link

    Tja ... das wird nur alles nix nützen. Schon mal was von GPL gehört? Lass eine Komponente in Ubuntu nicht offen sein und es wird Klagen hageln das sie nicht mehr aus den Augen schauen können.

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  • Björn N. 30.01.2013 Link

    Android, iOS, Windows Phone, Ubuntu, Tizen, Firefox OS, BlackBerry OS, Jolla,...

    Mal sehen welches der vielen mobilen Betriebssysteme älter als 2 wird und nicht schon vorher eingestellt wird.

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  • Tarik 30.01.2013 Link

    Nichts gegen die anderen Blogger, die stets gute Arbeit abliefern, aber du bist wirklich ein Ausnahmetalent!

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  • Andreas Seeger 30.01.2013 Link

    @vincent m.: meinst Du das Bild? Ist schon ausgetauscht :-)
    @Tarik: Hey, Danke! Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Freut mich, wenn Du das so siehst!

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  • Michel Schmidlin 30.01.2013 Link

    Sorry, aber ich kann leider nicht viel mit deinem Beitrag anfangen...
    Ich seh irgendwie den roten Faden nicht... Was willst du uns genau sagen?
    Ich will hier echts nicht schlecht reden oder so, und vielleicht liegts auch an mir, aber der Sinn dahinter bleibt mir irgendwie verschlossen.

    Ich persönlich halte das Ubuntu-konzept für sehr spannend, gerade das Konzept mit den Swipe-Gesten finde ich sehr attraktiv, da man so wirklich den gesamten Bildschirm nutzt, was mich bei meinem Nexus schon ein bisschen stört. Finde das recht "sexy". Schade nur, dass ich es bis jetzt noch nicht auf mein Galaxy Nexus hauen kann, wäre sonst schon am testen... ;-)

    Wies damit auf dem Markt gehen wird, werde wir sehen... hoffentlich. Konkurrenz belebt das Geschäft und ich denke, ein relativ grosser Player wie Ubuntu kann da schon was bewirken (nicht wie BB oder teils auch Win for Phones).

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  • Alex Wieser 30.01.2013 Link

    bei Geld=macht=kontrolle ist in der ersten zeile drunter Smartphone falsch geschrieben

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  • Lionel 30.01.2013 Link

    Ja hallo lieber Andreas Seeger ! Schon mal wieder ein blog von dir zu haben !

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  • JPsy Droid 30.01.2013 Link

    "die in Stein gemeißelte Meinung einer Minderheit von Unverbesserlichen, die auch 2013 noch glaubt, dass gute Software kein Geld kosten muss und soll"

    Nicht viel verstanden anscheinend, schade. Bis zu dem Satz war der Artikel lesenswert...

    Es geht um Zwang. Wer das nicht versteht braucht in dem Bereich auch ncihts zu schreiben. Dann noch CyanogenMod ansprechen - und sich komplett ad absurdum führen, denn CM & Co ist gute Software für kein Geld (wenn man will).

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  • Andreas Seeger 30.01.2013 Link

    @Jpsy Droid: Wie der Titel sagt, Freiheit ist nur eine Illusion. Android kostet kein Geld, aber wir zahlen trotzdem einen Preis an Google. Google hat nämlich Einfluss auf das, was auf unseren kleinen Bildschirmen läuft, auch wenn CyanogenMod drauf steht. Der hätte seine Mods übrigens nicht mal eben ohne die Vorarbeit (und also das Geld) von Google entwickeln können. Und Google hat es eben nicht umsonst weiter gegeben, auch wenn Android kein Geld kostet, das ist der springende Punkt.

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  • ilias 30.01.2013 Link

    Sieht aus wie ein HTC Touch HD

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  • User-Foto
    Wuffze W. 30.01.2013 Link

    WAs zur hölle ist ein Linux-Sysem? :P Schreibfehler im ersten Absatz.

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  • Marcus B. 31.01.2013 Link

    Toller Blog! in der aktuellen C't' Ausgabe steht aber genau das über Tizen, Jolla und FirefoxOS drin. Diese wollen ihr System auf die Bedürfnisse der Netzbetreiber maßschneidern, nicht etwa auf die der User... Ich hoffe, dass das bei Ubuntu Phone nicht auch so wird ?

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  • Fabian W. 31.01.2013 Link

    lol aber ich denke Android hat schon sehr viele Möglichkeiten das wird für ubuntu schwer sich durchzusetzen

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  • J. David S. 31.01.2013 Link

    Nichts ist kostenlos. Selbst das Nichts nicht...
    Irgendwie bezahlt man immer, nicht unbedingt mit Geld.

    @Jürgen Ofner

    die GNU GPL besagt nicht, dass alles quelloffen sein muss. Im Falle von Ubuntu genügt es, wenn die primären Systembestandteile "open" sind. Anwendersoftware für das System muss nicht zwangsläufig (unter bestimmten Bedingungen) den Bestimmungen der GPL entsprechen um für und mit einem System vertrieben zu werden das unter GPL steht.
    Die GNU GPL ist nicht wirklich so einfach..
    Zumal das mobile ubuntu nicht zwangsläufig der GPL unterstellt werden muss.. muss auch die desktop Ausgabe nicht. Sie kann, wenn man will. Will canonical nicht, dann wirds eben auch nicht sein.

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  • Jan S. 31.01.2013 Link

    @ Michel Schmidlin

    du kannst auch bei deinem N4 auch mittels Custom rom machen. Läuft super und ich liebe es http://www.youtube.com/watch?v=1F7l4d3bjFM

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    Olaf Schröder 31.01.2013 Link

    Ich halte Ubuntu für wichtig. Es könnte ein Gegengewicht werden um closed source ala Microsoft vorzubeugen und auch ein Warnschild für google, denn wenn google mit Motorola anfängt andere Hersteller zu benachteiligen haben die eine alternative mit Ubuntu. Sollte ein Hersteller wie Samsung dann zu Ubuntu wechseln haben wir neben Apple und Google einen grossen dritten was uns user durchaus zu gute kommt. Dann zählt Innovation mehr als je zu vor.

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  • Marc-Andre Fieze 31.01.2013 Link

    In Sachen Bedienung macht Ubuntu für Smartphones einen guten Eindruck.
    Das viele Apps webbasiert sein sollen, stellt in Sachen Sicherheit un Datenschutz nur einen kleinen Nachteil dar. Schließlich schleudern unsere Apps auch unter Android genug Daten herum.
    Wie sieht es aber mit dem Traffic aus? Schließlich gibt es hier noch die Bremse ab einem gewissen Volumen.
    Wer nicht in irgendeiner Form für ein OS zahlen möchte, der sollte allerdings selbst eines schreiben.

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