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Nexus-Evolution: Die normative Kraft des Faktischen

Andreas Seeger
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Die Nexus-Smartphones von Google waren ursprünglich als Referenzmodelle für Entwickler gedacht. Aber aus diesem schlichten Ansatz hat sich viel mehr entwickelt als wir alle dachten. Insofern sind diese Geräte auch ein Spiegelbild des Android-Ökosystems. Und aus einem Vergleich zwischen Nexus One, Nexus S, Galaxy Nexus und Nexus 4 kann man interessante Entwicklungen herauslesen.

 

Leise, still und heimlich

Interessant sind die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen sich die Hardware-Komponenten entwickeln. Am schnellsten ist die Halbleitertechnologie voran geschritten. Gestartet sind wir mit Einkern-Prozessoren, die auf einen Arbeitsspeicher von 512 Megabyte zugreifen konnten, jetzt sind wir bei vier Kernen angelangt, die mit Hilfe von 2 Gigabyte rechnen. Eine Vervielfachung der Leistung, die man in keinem anderen Bereich beobachten kann. Auch bei den Displays nicht – und das hat mich am stärksten überrascht. Zumindest auf dem Papier hat sich anzeigetechnisch innerhalb der vier Nexus-Generationen gar nicht soooo viel bewegt. 

Bei der Akku-Technologie gab es dagegen mehr Bewegung als ich erwartet habe. Erzählen seit Jahren nicht immer alle, dass das Ende der Fahnenstange längst erreicht ist, dass die Entwicklung der Batterien nicht Schritt hält mit der Zahl der Features, die in den letzten Jahren in die Smartphones gewandert sind? Klar, bei mir müssen die Dinger seit Jahren fast jeden Abend an die Steckdose, aber sie halten auch seit Jahren konstant einen Tag durch, obwohl die Prozessoren schneller und die Displays größer und schärfer geworden sind. Heimlich still und leise ist es der Industrie gelungen, die Kapazität bei gleichem Volumen deutlich zu erhöhen. DAS ist eine Leistung!

"Don't be evil" war vorgestern

Doch kommen wir nun zur interessantesten Frage: Was ist die Intention hinter dem Nexus-Projekt? Will Google damit einzig Entwickler glücklich machen? Ja, anfangs, mit dem Nexus One auf jeden Fall. Aber die Naivität, die mit dieser Antwort verknüpft ist, kaufe ich dem Internetriesen schon lange nicht mehr ab. Einem Unternehmen, das regelmäßig Milliarden verdient, ist eine gewisse Kaltschnäuzigkeit ja quasi mit in die Wiege gelegt. "Don't be evil" war vorgestern, das zeigt ja schon der Verzicht auf eine Speichererweiterung seit dem Nexus S. Ich vermute mal, das ist ein Zugeständnis von Google an die Inhalte-Anbieter, aber das macht es auch nicht besser.

Schauen wir uns zunächst einmal an, was Google-Chef Larry Page vor ein paar Tagen zum Nexus-Projekt gesagt hat: "...natürlich wollen wir so viele Leute wie möglich erreichen. Einer der Gründe, warum wir überhaupt Nexus-Geräte produzieren ist der, dass wir vorführen wollen, was alles mit Android möglich ist. Wir möchten Entwicklern schon früh neue Versionen zur Verfügung stellen und weitere wichtige Dinge tun."

Die Zahl der verkauften Einheiten habe ich nur anhand von unterschiedlichen Internet-Meldungen geschätzt, es gibt keine offiziellen Zahlen dazu von Google. Aber die Tendenz ist erkennbar: es geht steil bergauf, wir sehen eine Steigerung von mehreren 100 Prozent. Auch bei den Vertriebskanälen ist ein klares Muster erkennbar, sie werden ausgeweitet. Das Nexus One kann in dieser Beziehung wohl als ein Google-typisches Experiment gelten. Sie haben die exklusive Direktvermarktung ausprobiert und sind damit auf die Nase gefallen. Aber sie haben sie deshalb nicht begraben, sondern einfach nur ihre Strategie angepasst: Sie haben gewartet, bis der Online-Vertriebsweg etabliert ist. In diesem Sinne schlägt Google mit dem Nexus 4 also einen weiten Bogen zurück zum Nexus One. Ganz wichtig dabei: Sie haben mit dem durchschlagenden Verkaufserfolg auch ihre Machtposition gegenüber den Händlern, Netzbetreibern und Herstellern gestärkt, also im Prinzip gegenüber allen großen Spielern im Mobilfunkgeschäft.

Offenheit ist der Erfolgsgarant von Google

In anderen Bereichen ist ebenfalls eine Linie erkennbar. Die Nexus-Geräte werden immer auch über Netzbetreiber verkauft. Und das, obwohl Google infolge der wachsenden Fokussierung auf mobile Dienste immer stärker mit ihnen in ein Konkurrenzverhältnis tritt. Doch die Erklärung liefert die zweite Konstante der Vertriebsstrategie: Die Nexus-Geräte werden niemals aktiv beworben. Google investiert keinen Cent in die Vermarktung, obwohl sie es könnten, und sorgt damit indirekt dafür, dass das Nexus kein Massenprodukt wurde und wird. Die Nexus-Smartphones schwimmen unter dem Radar des Mainstream, weil sie in keinem Netzbetreiberprospekt und auf keinem einzigen Plakat zu sehen sind. 

Wenn man Google etwas glauben kann, dann ist es ihr Bekenntnis zur Offenheit. Eric Schmidt hat schon 2010 in einem FAZ-Interview gesagt: "Offenheit ist meine Religion", und sein Unternehmen handelt nach diesem Grundsatz in fast jeder Beziehung. Sie hat Google überhaupt zu dem gemacht, was es jetzt ist. Das Android-System ist zum dominanten mobilen Betriebssystem geworden, weil jeder Hersteller es benutzen kann. Jeder! Und alle haben die gleichen Chancen bei der Entwicklung und beim Verkauf ihrer Geräte.  

Google will nicht in großem Stil Smartphones bauen, weil sie damit diese Balance der Chancengleichheit zerstören würden. Dass sie das Nexus nicht bewerben, ist ein Zugeständnis an ihre Partner, zu denen aller Macht zum Trotz ein wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis besteht. Ich habe ja an anderer Stelle vermutet, dass Google mit dem Nexus 4 die Netzbetreiber und Hardware-Hersteller attackiert und deren Geschäftsmodelle zerstört. Aber wenn ich mir die Nexus-Entwicklung und ihre Konstanten anschaue, dann bin ich immer weniger davon überzeugt. Hardware ist einfach nicht ihr Geschäftsmodell. Google ist es auch egal, welche Dienste-Apps Vodafone & Co. auf Android installieren, weil sie ihre eigenen Dienste fest im System integriert haben.

Google treibt Innovationen an

Aber Google kann, um es mit Larry Page zu sagen, vorführen, was mit Android alles möglich ist. Und der wachsende Erfolg der Nexus-Serie zwingt die Hersteller und auch die Netzbetreiber, sich in die vorgegebene Richtung zu bewegen. Beim Nexus 4 heißt das, dass sie ihre Preispolitik überdenken müssen. Sie werden von Google nicht dazu gezwungen, sondern einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Und der normativen Kraft des Faktischen kann sich auch die Mobilfunkindustrie nicht entziehen.

Ich glaube, die netteste Art, jemanden zu sagen, dass er sich in bestimmten Bereichen ändern soll, ist, es ihm einfach besser vorzumachen. Und das macht Google mit einer Konsequenz, die man wiederum als ziemlich kaltschnäuzig bezeichnen kann.

Titelbild: Hersteller/as/AndroidPIT, Abbildung: asa/AndroidPIT

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Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
  • Schwedenbomber 03.01.2013 Link

    Mich hat auch die asoziale Updatepolitik von LG zum Nexus geführt.
    Nie wieder mit lahmen Phone rumärgern!

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  • N4owner 14.12.2012 Link

    Mein Nexus 4 wurde heute geliefert

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  • User-Foto
    sohnbledsin(at)gmail.com 13.12.2012 Link

    Nexus heisst Google tastet sich heran, mein Freund.Das ist keine Eintagsfliege so ein Google Smartphone.
    Kommt Selbstvertrauen gepaart mit Reichweite, entsteht ein apfelähnliches grünes Männchen...

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  • Sergej Ejlert 13.12.2012 Link

    Das N4 hat 320 ppi

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  • Incognito 13.12.2012 Link

    Das hätte ich mir dann doch nicht erwartet 512 MB Interner Speicher beim Nexus One. Damals war also noch alles auf die SD-Karte ausgerichtet. Und jetzt wird sie verbannt... :O

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  • User-Foto
    Flash Fan 13.12.2012 Link

    Schöner Artikel!

    Natürlich ist der Stromverbrauch der Hardware gestiegen, da bei steigenden Akku-Kapazität die Geräte immer noch genauso lange durchhalten, wie 2009...

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  • Peter Hansen 13.12.2012 Link

    Warum müssen die Handys denn immer größer werden? 4 Zoll sind doch schon fast zu groß.

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  • Frank K. 13.12.2012 Link

    @Andreas Seeger:

    Der Artikel vermittelt aber den Eindruck, dass das Volumen der Akkus gleich, jedoch ihre Kapazität gestiegen ist. Dieser Rückschluss ist nur möglich, wenn man die Kapazität und die Maße der Akkus kennt. Für letzteres fehlt einfach eine Quelle. Dass die heutigen Vierkerner effizienter arbeiten, aber in absoluten Zahlen immer noch mehr Strom verbrauchen als ein SingleCore Prozessor aus 2010, ist bekannt. Da aber auch die Smartphones deutlich größer geworden sind, wuchsen auch die Maße der Akkus. Daraus resultiert meiner Meinung nach die höhere Kapazität; nicht aus einer Steigerung der mAh pro Kubikzentimeter.

    0
  • C Schubert 13.12.2012 Link

    Die Passage über die Akkus und die technische Entwicklung klingt für mich ziemlich bei den Haaren herbeigezogen. Ich nehme mal an mit dem Display ist im Allgemeinen auch das Volumen und damit die Kapazität der Akkus gestiegen, während sich technologisch tatsächlich nicht viel bewegt hat. Ausserdem ist die gesamte (mobile) Prozessorentwicklung darauf ausgelegt Strom einzusparen, richtiger wäre es daher zu sagen, dass nicht die Akkus gleichlang durchhalten obwohl die Prozessorleistung gestiegen ist, sondern, dass die Prozessorleistung bei ähnlichem oder geringerem Stromverbrauch gestiegen ist.
    Aber ansonsten ganz interessanter Artikel.

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  • mapatace 13.12.2012 Link

    Ein Gedanken Gang war am Anfang ja, das Google strategische Ausrichtung auf langfristigen Erfolg ausgerichtet ist. Folgt man diesen Ansatz, dann sind abschließende Analysen einfach noch nicht möglich, da Nexus4 dafür zu kurz auf dem Markt ist. Ich denke schon das einiges, was an Bewegung bei Mitbewerbern und Mobilfunkbetreiber vorhergesagt wurde, noch eintreffen kann. Jedes Nexus4 gerät mehr das im Umlauf ist, wird dazu beitragen.

    0
  • Andreas Seeger 13.12.2012 Link

    @JPsy Droid:

    "Sie wissen also das nciht der Stromverbrauch gesunken, sondern die Kapazität der Akkus bei gleichem gewicht&Größe gestiegen ist? Beispiele dazu?"

    Ja, das weiß ich. Und zwar aus Gesprächen mit Herstellern und kraft meiner eigenen Überlegungen. Denn ein 2012er Nexus verbraucht mehr Energie als ein 2010-Modell, allein schon aus dem Grund, weil das Display nicht mehr aus 384.000 Pixeln besteht (800x480), sondern aus 983.000 Pixeln (1280x768), die alle einzeln angesteuert werden müssen. Ich bezweifle auch, ob ein Vierkern-Prozessor mit 1,5 Gigahertz weniger verbraucht als ein Einkerner mit 1 Gigahertz. Du kannst mir natürlich vorwerfen, keine validen Zahlen zu haben, die das auch schwarz auf weiß belegen. Aber damit kann ich leben :-)

    Zu Deinem zweiten Kritikpunkt, der meinen Sinneswandel betrifft: Der ist doch im Artikel oben erklärt! Unter anderem heißt es dort: "Ich habe ja an anderer Stelle vermutet, dass Google mit dem Nexus 4 die Netzbetreiber und Hardware-Hersteller attackiert und deren Geschäftsmodelle zerstört. Aber wenn ich mir die Nexus-Entwicklung und ihre Konstanten anschaue, dann bin ich immer weniger davon überzeugt."

    Vielleicht solltest Du den Artikel einfach mal lesen?!

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  • User-Foto
    Mathias P. 13.12.2012 Link

    Guter Artikel. Der Teil mit den Akkus hätte man auch gerne weg lassen können ;)
    Allerdings finde ich den Marketingteil sehr interessant, ich hab mich schon gefragt warum Google keine Werbung macht (wobei das ja nur für den Deutschen Markt gilt, in Amerika wird doch auch viel Werbung für das N4/7/10 geschaltet, oder irre ich mich?)

    0
  • Lukas E. 13.12.2012 Link

    Gute Geräte verkaufen sich auch gut...:)

    0
  • Florian T. 13.12.2012 Link

    Also ich bin ja immernoch davon überzeugt, dass die Sache mit der Preiswirkung eine Luftnummer ist, und nicht so durchschlägt wie hier im Artikel beschrieben.

    Warum?

    1. Wie schon gesagt, fliegen die Nexus Telefone unter dem Radar. Die breite Öffentlichkeit nimmt also garkeine wirkliche Notiz davon, dass es ein so günstiges High-End-Smartphone gibt.

    und 2. Bin ich der festen Meinung, dass das N4 nicht aus Zufall solche enormen "Startschwierigkeiten" hat.
    Ich denke da haben die anderen Hersteller schon Druck auf Google ausgeübt.

    Denn: Google kann zwar behaupten, dass es ein 300€ Smartphone vertreibt. ABER was bringt es? Erst ist es wochenlang nicht verfügbar, obwohl der offizielle Verkaufsstart schon war, und aktuell ist es zwar bestellbar, aber mit gewaltigen Lieferfristen.

    Die Folge: Hersteller wie Samsung, HTC und z.B. auch LG können über das gesamte Weihnachtsgeschäft hinweg ihre Telefone zu nach wie vor hohen Preisen in die Regale stellen und auch verkaufen.

    Bisher zumindest sehe ich die großen Preisstürze nicht.

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  • JPsy Droid 13.12.2012 Link

    Nunja, inhaltlich bedenklich der Blog, z.B.:

    "Heimlich still und leise ist es der Industrie gelungen, die Kapazität bei gleichem Volumen deutlich zu erhöhen." => Sie wissen also das nciht der Stromverbrauch gesunken, sondern die Kapazität der Akkus bei gleichem gewicht&Größe gestiegen ist? Beispiele dazu?

    Dann finde ich es weiterhin etwas seltsam wie Sie ihren Sinneswandel verkaufen - erst macht google nun Konkurrenz im hardwaremakrt, nun nciht mehr - getreu dem Motto: geschieben werden muss immer etwas?

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  • Meisl 13.12.2012 Link

    zum punkt Marketing: Bei uns in Ö wurde das Gnex ziemlich stark von den Netzbetreibern (zumindest A1) beworben.

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  • User-Foto
    Sir Andi Droid 13.12.2012 Link

    Leute, DON'T FEED THE TROLLS
    einfach ignorieren, dann gibt's keinen Streit

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  • Rueckspiegel 12.12.2012 Link

    @Lord Pommeroy: Na, ... nu mach Apple mal nicht heiliger als se sind! Als wenn Apple das Smartphone erfunden hätte. Ich habe Windows Mobile Phones und Palm Geräte auch schon zuvor genutzt, das Konzept ist nicht neu!

    Apple hat lediglich einen gewissen Neuanfang in diesem Sektor gewagt, mit einer neuen Ausrichtung. Zudem haben sie einfach neue Technologien eingesetzt um die Bedienung zu erleichtern. Soooo sonderlich innovativ war das iPhone jetzt auch nicht.

    Und was ist so verwerflich daran in einen neuen Markt mit ein zu steigen? Warum sollen andere Hersteller jetzt sagen, ... ohhh, Apple hats erfunden, das wäre unfair jetzt ein ähnliches Produkt auf den Markt zu bringen.

    Und natürlich geht es immer nur ums Geld, schön, dass du das auch schon heraus gefunden hast. Aber ist das bei dir persönlich etwa nicht der Fall? Wenn du für dich irgendwo einen monitären Vorteil herausschlagen kannst, dann tust du es doch auch, oder nicht?

    Zudem, ... Konkurrenz belebt das Geschäft, da baut unsere Marktwirtschaft auch drauf auf!

    Überleg mal, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hätte, wenn es nur einen Automobilhersteller gegeben hätte und andere diese Technik/Technologie sich nicht abgeguckt/übernommen hätten. Dann hätten wir jetzt einen Hersteller, der für teuer Geld Autos verkauft, die bei weitem nicht den technischen Stand hätten, den wir jetzt haben.

    Solche unüberlegten Aussagen, wie die deine, sind ehrlich gesagt peinlich! Sei froh, dass es bei AndroidPit keinen Klarnamenzwang gibt ;-P

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  • leinpfad 12.12.2012 Link

    @Lord Pommeroy

    Ein wirklich sehr schlechter Troll.

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  • Lord Pommeroy 12.12.2012 Link

    Google Inovativ? Lächerlich, ist alles nur von Apple abgekupfert. Apple hatte das iPhone inkl. Apps und Appstore rausgebracht und schon waren die Zecken unterwegs und haben fleißig kopiert. Das nur weil Sie gesehen haben wieviel Schotter Apple damit verdient. Die wollten alle nur was vom Kuchen abhaben. Ich bin übrigens kein Applejünger. Es geht hier wie immer nur ums Geld. Wer was anderes behaubtet ist schlichtweg naiv.

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