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Moderne Sklaverei: Schattenseiten des Smartphone-Booms

Andreas Seeger
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Wir schreiben hier immer gerne über die neuesten Smartphone-Knaller und Apps und das macht großen Spaß. Aber unser schönes Technik-Wunderland hat auch ein dunkles Kellergeschoss und manchmal ist es ganz gut, da hinunter zu steigen.

Wohnsilo auf dem Gelände der Fabrikstadt Zhengzou: Die Menschen, die her leben, bauen unsere Smartphones. / (c) Envoyè Spècial

Dem französischen Magazin Envoyè Spècial gelang, woran die meisten Journalisten bisher gescheitert sind: mit versteckten Kameras im Inneren einer Foxconn-Fabrik zu filmen. Das gelang den Reportern, indem sie Arbeiter aus der Fabrik davon überzeugten, Kameras am Körper zu verstecken und damit auf dem Gelände zu filmen. So enstand ein ungefiltertes und ungeschöntes Bild vom Arbeitsalltag bei Foxconn, dem größten Elektronikhersteller der Welt mit mehr als 1,4 Millionen Angestellten.

Zwei Monate Recherche wurden zu einer 40 Minuten langen Dokumentation komprimiert, die am 13. Dezember vom französischen Sender France 2 ausgestrahlt wurde. Gezeigt werden unterschiedliche Protagonisten in der Fabrikstadt Zhengzou (nahe der gleichnamigen Stadt) in der Provinz Henan in Ostchina. Mehr als 120.000 Menschen arbeiten dort.



Link zum Video

Schnell wird deutlich, dass die Arbeitsbedingungen katastrophal sind, allen gegenteiligen Beteuerungen von Foxconn zum Trotz. Die Arbeitsorganisation hat militärischen Charakter und der Ton ist rauh. Sprüche wie "Halt die Fresse!" gehören zum normalen Vokabular der Vorgesetzten in den Fabriken. Man sollte wohl besser sagen: der Aufseher.

Die Gehälter der Angestellten sind ein Witz. Die Menschen, die das iPhone 5 produzieren, haben gerade eine Lohnerhöhung auf 290 US-Dollar pro Monat bekommen, die Apple/Foxconn auf öffentlichen Druck gewähren mussten. In der französischen Dokumentation berichten Arbeiter, dass Foxconn sich einen großen Teil der Erhöhung wieder zurückholt, indem es die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und Versicherungen hochschraubt. Dafür müssen die Leute nämlich extra bezahlen, obwohl sie extrem lange arbeiten müssen und auf engstem Raum zusammengepfercht werden. 

Wie tief die staatlichen Stellen in diese moderne Sklaverei verstrickt sind, illustriert eine Begegnung mit studentischen Mitarbeitern, die den französischen Reportern erzählen, dass sie von ihrer korrupten Verwaltung dazu gezwungen wurden, saisonal bei Foxconn zu arbeiten. Wenn sie es nicht machen, gibt es keinen Abschluss, so die Ansage.

Es sind Zustände wie in Europa zu Zeiten der Industrialisierung, also vor mehr als 100 Jahren.

Welche Rolle der Faktor Mensch in dieser postindustriellen Fabrikwelt spielt, zeigt eine weitere Geschichte, die Foxconn-Arbeiter den Reportern erzählen: Für den Bau des iPhone 5 hat das Unternehmen neue Produktionsstraßen hochgezogen, inklusive Wohnsilos für die dort eingesetzten Arbeiter. Allerdings wurde die Fabrik eher fertiggestellt als die Unterkünfte – die dort untergebrachten Arbeiter mussten also eine ganze Zeit lang auf einer Baustelle ohne Wasser und Elektrizität leben. Die Logik dahinter ist klar: Wichtig ist nur, dass die Fabrik pünktlich iPhones ausspuckt.


Rechts unten im Bild ist eine Studentin zu sehen. Sie möchte weder ihren Namen nennen, noch ihr Gesicht zeigen. Sie erzählt, dass sie bei Foxconn ein Praktikum absolviert. Man habe ihr gesagt, wenn sie es nicht macht, bekommt sie keinen Abschluss. Sie studiert Medizin.

Envoyè Spècial nennt seine Reportage "Die versteckte Seite von Apple", weil sie in der Fabrik gedreht haben, in der das iPhone 5 produziert wird. Aber es ist die versteckte Seite, der Keller unserer glänzenden Technik-Welt, denn bei Foxconn produzieren (fast) alle großen Elektronikmarken von Rang und Namen. Ich will hier gar nicht den Moralapostel spielen, die Welt ist kompliziert und China spielt eine wichtige Rolle darin. Aber machmal frage ich mich, was eigentlich passiert, wenn der Keller vollläuft. 

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Klaus-Dieter Frankenberger aus der FAZ vom 04.12.2012, "Nicht ausgeträumt":

"Chinas Zukunft wird nicht einfach eine Fortsetzung der goldenen Jahre sein, in der viele Millionen Menschen den Aufstieg aus der Armut geschafft haben - welche soziale Großtat! Das Tempo des Wirtschaftswachstums wird abnehmen - und den kommunistischen Herrschern ein wichtiger Legitimitätsspender verlorengehen....China könnte an der Schlüsselaufgabe scheitern, "reich" zu werden, ehe es "alt" wird. Über die Möglichkeit einer Einwanderungspolitik hat die Führung noch nicht nachgedacht. Warum auch? Man kann sich kaum vorstellen, dass Menschen vor den Konsulaten für ein Visum Schlange stehen, um in China zu studieren, zu arbeiten oder um sich dort neu zu erfinden, so, wie das nach wie vor Millionen in Amerika tun wollen."

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Kommentare

Neuen Kommentar schreiben:
  • Gunther Lepski 13.02.2013 Link

    Gibts das Video noch irgendwo?

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  • Daniel Nawu 22.01.2013 Link

    Würde mich auch brennend interessieren, ob der Artikel jetzt einfach nur mal wieder zur großen Apple-Bashing-Familie gehört, oder die GENERELLE Situation auf dem Produktionsmarkt der Smartphones darstellt.

    @fleisch klopfer: Ein Link wäre hilfreich ;)

    Nachtrag: Hier werden noch ein paar andere Firmen genannt. http://www.golem.de/news/apple-und-microsoft-foxconn-gehackt-und-kundenaccounts-veroeffentlicht-1202-89678.html

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  • Günter B. 24.12.2012 Link

    "die Welt ist kompliziert und China spielt eine wichtige Rolle darin. Aber machmal frage ich mich, was eigentlich passiert, wenn der Keller vollläuft."

    Dann wird sich ein anderer Keller auftun.
    Solange es irgendwo auf der Welt Geld zu verdienen gibt, wird man Geld verdienen wollen.
    Wollen wir den Konsumverzicht? Geben wir alle unser IPhone oder Nexus zurück?
    Wahrscheinlich nicht.
    Die Revolution muss von innen kommen.
    So wie wir uns irgendwann befreit haben...
    ...und uns dem nächsten Herren ausgeliefert haben.

    0
  • mapatace 22.12.2012 Link

    @Real, richtig. Das was fehlt ist weniger gier. Gerade Firmen wie Apple sind durchaus dazu in der Lage, viele andere aber auch.

    0
  • 2real 21.12.2012 Link

    bei den enormen marge auf handys, ist apple schon der richtige anfang...
    wenn sie das absatz volumen dem preis anpassen würden, wäre noch genug platz für einen normalen stundenlohn.

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  • User-Foto
    sohnbledsin(at)gmail.com 21.12.2012 Link

    Alles kann man ändern.Vielleicht weniger durch den Wunsch etwas schneller,besser,gerechter oder billiger, sondern gar nicht haben zu wollen.

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  • Georg Wiese 21.12.2012 Link

    Irreführender Artikel, denn man sollte schon unterscheiden zwischen den Arbeitsbedingungen und der Verstrickung staatlicher Behörden, die einen de-facto Arbeitszwang durchsetzen. Das ist natürlich ein Problem, ein auf Freiwilligkeit basierendes Arbeitsverhältnis wäre es dagegen nicht, denn aus der Freiwilligkeit lässt sich schließen, dass die Jobs bewusst angenommen wurden, mangels besserer Alternativen.
    Es wäre also zynisch und sicher nicht im Sinne der Arbeiter dort, die besseren Alternativen aus reinem Dogmatismus und Ideologie zu bekämpfen, etwa durch restriktivere Gesetze oder gar Boykott. Entscheidend ist, dass die Entscheidung dort zu arbeiten eine freiwillige ist, so dass die Angestellten stets auf bessere Alternativen ausweichen können, sofern sie existieren.

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  • mapatace 21.12.2012 Link

    Noch einer. Langsam wird es langweilig.

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  • Thomas B. 20.12.2012 Link

    in diesem artikel lese ich 5 mal "iPhone".
    aber das foxconn sowohl für samsung als auch für htc produziert wird hier wohl zu tode geschwiegen.

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  • mapatace 20.12.2012 Link

    Hippo, lesen kannst du doch noch? Natürlich sind Firmen böse... Dein Wort!... Was sollen die bitte sonst sein? Was denn? Lieb?

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  • Hippo 20.12.2012 Link

    Jaja, immer die bösen Firmen. Die meisten Hersteller versuchen ihre Produkte möglichst günstig anzubieten natürlich mit gutem Gewinn. Warum sollten die auf Gewinn verzichten und den Preis halten? Sie würden es einfach auf die Kunden umwälzen. Ein Beispiel: Samsung würde ein High-end Smartphone mit deutschen Bedingungen und Löhnen herstellen, das 100€ mehr kostet wie ein Vergleichbares, kaum einer würde es kaufen. Die Leute würden sich fragen: Was bringt es mir wenn ich das teurere kaufe? - Nichts!
    Den Konsumenten ist es egal und den meisten ist nur der Preis wichtig, deswegen sind sie schuld.

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  • coral 20.12.2012 Link

    @ Heiko.M
    Ich würde dir zustimmen wenn China oder der Kongo ein demokratischer Staat wäre und ein funktionierendes Rechtssystem hätte. Hat es aber leider nicht.
    Würde die Elektro, Textilindustrie der 1. Welt den, Arbeiter/in mehr Lohn bezahlen ,geht das nicht in den Taschen derer die dafür gearbeitet haben sondern an denjenigen der die größte Macht besitzt ,im Bezirk. Mal angenommen Apple, Kik würde den Lohn verdoppeln, die Arbeiter müssten aber mehr für Miete , Essen, Schutzgeld ,usw. bezahlen. Die Arbeiter bekommen gerade mal soviel Geld, das sie ein Dach über dem Kopf haben und nicht Tot umkippen, Damit es sich etwas Lohnt bleibt noch Geld für die Familie im Dorf. Diese Umstände ändern sich auch nicht wenn Apple, Samsung oder sonstwer den 3 fachen Lohn bezahlen würde.

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  • Robert V 20.12.2012 Link

    @Denis S. "@Robert V: Da du anscheinend weißt, das es bei Apple besonders drastisch ist wird du auch bestimmt wissen wie es bei Samsung ist. Kinderarbeit ist ja nichts wirklich schlimmes, ne? ..."

    Der Unterschied ist ein >35%iger Preisaufschlag als Premiummarke (Vergleich von 500€ S3 vs 679€ IPhone 5 16GB).

    Das meinte ich mit besonders drastisch. Wenn man Apple kaufen könnte und dann wüsste, dass die Produktionsbedingungen besser sind, wäre das ja ein Argument PRO Apple. Nur ist das nicht der Fall. Das heißt, Apple nimmt einfach eine größere Gewinnmarge mit...

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  • Heiko M. 20.12.2012 Link

    Das Problem ist doch nicht das wir Verbraucher/Konsumenten uns aufregen über die hohen Preise und deshalb die Arbeiter ausgebeutet werden, das Problem ist das die Hersteller zu wenig angemessene Löhne zahlen denn der Gewinn ist groß genug!
    Weiterhin stellt sich mir die Frage ob jeder Arbeiter dort so ausgebeutet wird und jeder den gleichen "Lohn" erhält oder ob es je Hersteller Unterschiede gibt.

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    Manuel Blümel 20.12.2012 Link

    das kommt halt dabei raus, wenn 30 millionen oder was weiß ich,noch in der ersten woche das neue telefon haben wollen. dann muss halt akkord gearbeitet werden.
    auf der einen seite kritisiert ihr sowas und auf der anderen jammert ihr rum beim nexus 4 mit 4 wochen lieferzeit.
    mann mann. das niveau hier hat so nachgelassen seitdem der fabi nicht mehr da ist. nur noch extreme polarisierung. wie bei der bildzeitung.
    mit dem michael ist jetzt der letzte gegangen, der objektiv berichten konnte.
    ich glaub ich muss mich jetzt hier abmelden. die user waren schon immer total.... jetzt hat sich die strategie von androidpit daran angepasst. musste ja so kommen.

    adios.
    ich les jetzt lieber nur noch den androidblog von giga

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    Metschko 20.12.2012 Link

    290 US$? Es gibt EU-Länder, da verdienen die Leute noch weniger und die Arbeitsbedingungen sind auch nicht viel besser.

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  • coral 20.12.2012 Link

    elektronische Produkte werden von Menschen produziert die keine Freizeit haben für Menschen die Freizeit im Überfluss besitzen. Schon mal gefragt woher die Materialien stammen für diese Produkte ? Könnt ja mal nach Afrika in den Kongo fliegen und den 12 jährigen Kindern in ihren Schlammlöchern besuchen. Frohe Weihnachten noch. http://www.spiegel.tv/filme/vice-guide-congo/

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  • mapatace 20.12.2012 Link

    Nochmal Einen Satz zu.... Der Verbraucher trägt schuld daran. Abgesehen davon das Schuldzuweisung nicht dem Thema gerecht wird, stimmt es so pauschal einfach nicht. Auch im niedrig Segment nicht. Schaut man sich die Lohnstückzahlen an, wird schnell klar, wie absurd solche Aussagen sind. Natürlich erzeugt Verbraucher verhalten Druck und dieser wird auf dem Erzeuger, Hersteller, Arbeiter weiter gegeben. Stimmt oder doch nicht? Nein, es stimmt in großen Teilen nicht. Entscheidend sind die Gewinne der Unternehmens. Sie entscheiden wie hoch der ist, wo wieviel hängen bleibt, wer in der Kette der Verlierer ist. Wenn ich höre, wie letztens bei Wiso , das.... bei 10 Cent mehr pro Hose, Tschirt der Stundenlohn lebensfähig wäre, dann wird doch klar, nicht der Verbraucher ist Ursache, nicht Täter. In anderen Bereiche, z.b Milch kann durchaus ein anderes Ergebnis folgen, weiß es aber nicht. Da sind die Abhängigkeiten aber auch sehr direkter, näher.

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  • mapatace 20.12.2012 Link

    Es ist nicht das Problem von reichen oder armen Ländern. Sondern von Systemen. In einem demokratischen Land, auch in einem armen, wären solche Strukturen nicht durchsetzen. Rechtsstaatlichkeit, eine weitere Hürde. Das sind ja genau die Gründe warum Investoren in diesen Ländern investieren. Nicht weil der Lohn niedrig ist, sondern Menschen ausgebeutet werden können und werden. Darin sehe ich auch die mit Verantwortung und vielleicht eines Tages auch eine Möglichkeit, Investoren rechtlich zu belangen.

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  • Ronald W 19.12.2012 Link

    Finde ich gut, dass ihr die Schattenseiten der Handyindustrie in diesem Blogbeitrag aufzeigt!
    Meine persönlich Strategie ist, Handys lange verwenden und ggf. mit Root und Mods ausstatten ... damit ist mein Dilemma in Sachen Sklaverei einwenig gemindert. Ich verwende z.B. immer noch das Motorola Milestone ;-)

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