Gewerbeanmeldung?

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21.04.2012 20:04:16 via Website

Ich habe vor kurzem meine erste App fertiggestellt und würde gerne einen Werbebanner einblenden. Nach allem was ich jetzt gelesen habe, ist hierfür wohl eine Gewerbeanmeldung nötig. Mir stellt sich jetzt also die Frage, inwiefern sich das Ganze lohnt. Klar, ich kann nur selber abschätzen, was mir der Werbebanner an monatlichen Einnahmen beschert, aber diese Einnahmen dürften bei "normalen Nutzerzahlen" ja eher gering ausfallen.
Ständig mit dem Risiko zu leben, vom Ordnungsamt einen auf den Deckel zu bekommen, will ich aber auch nicht. Mich würden also Praxiserfahrungen interessieren.
Lohnt sich das Schalten von Werbung, bei einer voraussichtlich geschätzten Nutzerzahl von 5000-10000 Leuten?

Wird man da nicht zum Bürokratiemonster?

-Gewerbeanmeldung
-Anmeldung bei der IHK
-Anmeldung beim Finanzamt (als Kleingewerbe)
-Anmeldung bei der BG?

Wo sonst noch?

Dazu die Kosten:

-Gewerbeanmeldung: ~20-50€
-IHK-Mitgliedschaft: €?
-Unfallversicherung/Pflichtversicherung bei der BG?
-Wechsel in die private/freiwillige KV?
-Steuerberater?

Ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass all die kleinen App-Entwickler diese ganzen Umstände in Kauf nehmen, nur weil sie mit einem Werbebanner geschätzte 10€ im Monat dazuverdienen wollen...?
Kann jemand seine (persönlichen) Erfahrungen teilen, ob sich das Ganze als "kleines Hobby" überhaupt lohnt? Bei all diesen Kosten und Pflichten muss man doch im Grunde sagen, dass man entweder voll einsteigt oder es lieber bleiben lässt!?

21.04.2012 20:10:16 via Website

Hi,

eine Gewerbeanmeldung ist auch nicht zwingend nötig. Zumindest nicht bei homöopathischen Größenordnungen wie 10 Euro im Monat...

Herzliche Grüße

Carsten

"Keine Termine und leicht einen sitzen." (Glücksdefinition nach Harald Juhnke)

21.04.2012 20:17:50 via Website

Hallo Carsten,

basiert deine Aussage auf einer rechtlichen Grundlage? Wo genau kann man sich darüber informieren? Bei allem was ich bisher gelesen habe, ist bei jeglicher Gewinnabsicht eine Gewerbeanmeldung nötig. Ich mache mir weniger Sorgen ums Finanzamt, da bei diesen Kleckerbeträgen ohnehin keine (gewerbliche) Steuerpflicht besteht, aber das Ordnungsamt spricht bei Nicht-Anmeldung wohl Strafen bis zu 50.000€ aus.

Gruß
Markus

21.04.2012 21:29:46 via Website

Hallo,

also, eine Anmeldung bei der IHK geschieht automatisch, wenn man ein Gewerbe anmeldet. Aber Beiträge werden nicht erhoben, wenn das Gewerbe eine geringfügige Einnahmequelle darstellt.
In die private KV brauchst du nicht: hierfür musst du über 50.850 Euro im Jahr verdienen. Lediglich Beamte, Selbstständige und Freiberufler (Ärzte, Architekten) können in sofort in die PKV.
Bei der BG bist du als Kleinunternehmer (Umsatz < 17.500 in dem vorangegangnen Geschäftsjahr) i. d. R. Beitragsfrei als so eine Art Plichtmitglied.

Gruß
Thomas

"If you always do what you've always done, you'll always get what you've always got." Abraham Lincoln

21.04.2012 22:30:11 via Website

Ok, aber wie sieht es mit den unternehmerischen Pflichten aus? Man haftet als "Einzelunternehmer" schliesslich auch mit seinem Privatvermögen. Wenn nun ein Nutzer behauptet, er hätte durch die App einen finanziellen Schaden erlitten. Dann können im Handumdrehen immense Kosten auf einen zukommen, selbst wenn man im Recht ist. Das kann man doch nicht einfach ausblenden? Von Abmahnungen wegen fehlendem Impressum oder dergleichen mal ganz zu schweigen. Es gibt ja immer jemanden, der meint, er müsse irgendwas abmahnen.

Die ganze Sache ist mir daher nach wie vor nicht geheuer. Nicht wenn man sich die zu erwartenden Einnahmen vor Augen führt.

21.04.2012 23:16:18 via App

Richtig, das bezeichnet man auch als unternehmerisches Risiko.
Du könntest auch eine GmbH oder eine Ltd. gründen, mit dem notwendigen Kapital, aber das lohnt sich wohl für die. meisten Entwickler nicht wirklich.
Die Haftung musst du komplett berücksichtigen.

edit: habe seit 2004 ein Gewerbe angemeldet.

— geändert am 21.04.2012 23:28:18

"If you always do what you've always done, you'll always get what you've always got." Abraham Lincoln

21.04.2012 23:54:09 via Website

Wie gesagt, Gewinn und Risiko stehen hier in keinerlei Verhältnis. Ich werde es deshalb so machen, dass ich meine App erstmal ohne Werbung und kostenlos veröffentliche. Wenn die Nutzerzahlen eine Marke überschreiten, wo die gewerbliche Ausnutzung Sinn macht, werde ich eine kostenlose Version mit Werbung anbieten und eine Bezahl-Version. Vielleicht macht mir bis dahin ja sogar jemand ein gutes Angebot und kauft mir die App ab. Wenn das Ganze sogar ohne Werbung floppt, bin ich froh, dass ich keine grösseren Risiken eingegangen bin.

Nochmal danke für eure Antworten.

Gruß
Markus

23.04.2012 09:45:14 via Website

Die Frage hatten wir hier letztens schonmal, such einfach mal die letzten Seiten durch.
Da habe ich auch einen Link gepostet, wo das erklärt wird.

Soweit ich mich entsinne, kann man pro Jahr 410€ durch selbstständige Arbeit verdienen, ohne es versteuern zu müssen.
Alles darüber hinaus erfordert ein Gewerbe.
Das kannst Du übrigens auch nachträglich zum 1.1. anmelden, wenn du im Laufe des Jahres merkst, dass du die 410€ überschreitest.

23.04.2012 10:58:30 via Website

Hallo Rafael,

ich habe deinen Link jetzt mal kurz überflogen. Leider sehe ich da keine Relevanz für Anbieter von Apps, bzw. für Einnahmen aus der Schaltung von Werbeanzeigen. Wenn ich das richtig sehe, geht es dort um Nebeneinkünfte aus einer (selbstständigen) freiberuflichen Tätigkeit, nicht aber um Einkünfte aus einer gewerblichen Tätigkeit. Letzteres ist beim Verkaufen von Apps, bzw. bei Einnahmen aus der Schaltung von Werbeanzeigen zweifelsfrei der Fall. D.h. es ist mit Beginn der Tätigkeit eine Gewerbeanmeldung nötig, egal wie hoch die Einnahmen sind.

Gruß
Markus

23.04.2012 11:01:31 via Website

Hi Adro,
wenn du in deine Apps Werbung einbaust, werden deine Einnahmen ja erst einmal bei admob "gesammelt". Dies zählt meiner Meinung nach noch nicht zu versteuerungspflichtigen Einnahmen, erst wenn du dir diese auszahlen lässt.

Daher kannst du ja einfach mal einige Wochen die Werbung einbauen und schauen wieviel du vorraussichtlich bekommst und ob es sich lohnt dieses Risiko einzugehen.

Liebe Grüße Maximilian

— geändert am 23.04.2012 11:02:10

Vergesse nie wieder Geburtstage, oder viel schlimmer, deinen Hochzeitstag :grin: - Birthdays Website

23.04.2012 11:07:15 via Website

Hallo Maximilian,

diese Überlegung hatte ich auch schon, aber rechtlich nimmt man die Tätigkeit schon dann auf, wenn man die App mit der Werbung veröffentlicht.
Das Finanzamt/Ordnungsamt interessiert nicht, ob/wann man sich das Geld auszahlen lässt. Es ist ja auch kein Zufall, dass Admob eine Steuer-Id verlangt.

Gruß
Markus

— geändert am 23.04.2012 11:11:17

23.04.2012 11:16:26 via Website

Adro
Hallo Rafael,

ich habe deinen Link jetzt mal kurz überflogen. Leider sehe ich da keine Relevanz für Anbieter von Apps, bzw. für Einnahmen aus der Schaltung von Werbeanzeigen. Wenn ich das richtig sehe, geht es dort um Nebeneinkünfte aus einer (selbstständigen) freiberuflichen Tätigkeit, nicht aber um Einkünfte aus einer gewerblichen Tätigkeit. Letzteres ist beim Verkaufen von Apps, bzw. bei Einnahmen aus der Schaltung von Werbeanzeigen zweifelsfrei der Fall. D.h. es ist mit Beginn der Tätigkeit eine Gewerbeanmeldung nötig, egal wie hoch die Einnahmen sind.

Gruß
Markus
Du kannst bei der Gewerbeanmeldung das Datum frei bestimmen, also auch einfach rückwirkend zum 1.1. anmelden.
Damit ist es praktisch gesehen völlig egal, denn mit einem Kleingewerbe musst du nur am Ende des Jahres deine Einkünfte in Form einer einfachen EÜR angeben und ich denke bei den zu erwartenden Einnahmen wird es ein Kleingewerbe sein.

23.04.2012 11:37:42 via Website

Eine rückwärtige Anmeldung ist immer mit einem Verwarngeld (wenn der Beginn der Tätigkeit länger als 6 Wochen zurückliegt), bzw. mit einem Bußgeldverfahren (wenn der Beginn der Tätigkeit länger als 6 Monate zurückliegt) verbunden.
Davon abgesehen ist eine rückwärtige Anmeldung nicht sinnvoll, denn selbst wenn man die Tätigkeit, wegen zu geringer Einnahmen, zwischenzeitlich wieder aufgibt, so waren die Einnahmen trotzdem durch eine gewerbliche Tätigkeit entstanden. Das dürfte heissen, man ist immer noch von dem Verwarngeld/Bußgeldverfahren bedroht.

— geändert am 23.04.2012 11:38:19

23.04.2012 11:44:20 via Website

Adro
Eine rückwärtige Anmeldung ist immer mit einem Verwarngeld (wenn der Beginn der Tätigkeit länger als 6 Wochen zurückliegt), bzw. mit einem Bußgeldverfahren (wenn der Beginn der Tätigkeit länger als 6 Monate zurückliegt) verbunden.
Aha :) Link?
War bei mir nicht der Fall.

23.04.2012 12:16:41 via Website

Bei mir war es so, dass ich es zum aktuellen Monat anmelden wollte, aber die Sachbearbeitering mir geraten hat das zum 1.1. zu machen, damit das Finanzamt da keine Probleme macht, wenn schon vorher Einnahmen entstanden sind :)
Weiß aber auch nicht mehr genau wie lange das nachträglich war.

23.04.2012 16:04:16 via Website

Die Frage ist doch, welchen Sinn es macht, das Gewerbe erst Wochen/Monate später anzumelden? Wie soll das Geld versteurt werden, wenn man das Gewerbe schon vor der Anmeldung wieder aufgibt? Welche Pflichten hat man in der Zeit zwischen Beginn der Tätigkeit und der Gewerbeanmeldung, bzw. welchen rechtlichen Status hat man in dieser Zeit?
Desweiteren stellt sich die Frage, ob man es sich bei einer rückwärtigen Anmeldung nicht direkt mit den zuständigen Stellen "verscherzt".
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es manchen Kommunen egal ist, ob man das Gewerbe mit Beginn der Tätigkeit oder erst 6-9 Monate später anmeldet.

23.04.2012 16:15:51 via Website

Adro
Die Frage ist doch, welchen Sinn es macht, das Gewerbe erst Wochen/Monate später anzumelden?
Damit man nicht unnötig ein Gewerbe am Hals hat, wenn man es garnicht bräuchte, weil man unter 410€ bleibt.
Dieser Freibetrag gilt IMHO für alle Einkünfte aus selbstständiger Arbeit, die als Nebeneinkommen zu einer nichtsselbstständigen Tätigkeit erwirtschaftet werden.

Siehe:
http://www.finanzfrage.net/frage/410-grenze-fuer-selbstaendige-pro-kopf-oder-pro-gewerbe
und auch der verlinkte Gesetzestext.

Achso:
Ich sollte vielleicht erwähnen, dass das meine Meinung ist und keine Rechtsberatung :)
Für mich hat das so funktioniert. Es soll sich aber bitte jeder selbst informieren.

— geändert am 23.04.2012 16:20:14

23.04.2012 16:30:31 via Website

Du vermischst wieder die Pflicht ein Gewerbe anzumelden und die Steuerschuld. Davon abgesehen gehe ich davon aus, dass man bei der Nichtanmeldung eines Kleingewerbes automatisch 19% Umsatzsteuer abführen muss. Jedenfalls auf den Gewinn, den man vor der Anmeldung des Kleingewerbes erwirtschaftet hat.

Achtung: Auch ich gebe hier keine Rechtsberatung, sondern nur meine persönliche Meinung wieder.

— geändert am 23.04.2012 16:30:59