Mit Game Dev Story und Pocket League haben wir zu Beginn des letzten Jahres zwei Vertreter aus dem Hause Kairosoft genauer unter die Lupe genommen. Die Spiele konnten durch ein hohes Suchtpotenzial und einen hohen Wiederspielwert überzeugen und befinden sich beide noch auf dem Smartphone des damaligen Testers - also meiner Wenigkeit.
Seit einigen Wochen befindet sich auch Pocket Clothier - wie bereits erwähnt - im angelegten “Kairosoft”-Ordner und das Spiel wusste seit der Installation zu gefallen.
Das Grundprinzip von Pocket Clothier ähnelt sehr dem Spielablauf aller Kairsoft-Spiele. Ihr beginnt diesmal nicht als angehender Teammanager oder Spieleentwickler, sondern der Nutzer ist Betreiber einer kleinen Modeboutique. Diese steht ganz am Anfang eines langen (und hoffentlich erfolgreichen) Weges und somit ist es im ersten Jahr der Inbetriebnahme die Aufgabe des Managers (also des Spielers) das Geschäft nach und nach mit neuen Kleidungsstücken zu füllen und somit Kunden anzulocken.
Dies passiert - ebenfalls aus allen gleichartigen Spielen bekannt - zu Beginn etwas schleppend, wobei das ansteigende Tempo der Lernkurve behilflich ist. Der Spieler fühlt sich ansonsten mit der Situation leicht überfordert, besonders wenn im Verlauf dutzende Sprechblasen neue Informationen geben und auf Missstände hinweisen.
Nachdem der Spieler die ersten Kleidungsartikel aufgebaut und die ersten Mitarbeiter eingestellt hat, geht es auch schon an die nächsten Herausforderungen. So liegt der Trick am Verkaufen von Kleidungsstücken nicht nur am Platzieren der Ständer, sondern der Kauferfolg hängt auch maßgeblich vom Ort der Platzierung ab. So verkaufen sich Frauenkleider besser, wenn diese in der Nähe von passenden Kombinationsstücken stehen. Auch die Platzierung von Accessoires wie einem Mannequin oder einem Spiegel, fördern den Verkauf von Kleidung. Schließlich will sich der Kunde im jeweiligen Kleidungsstück auch beurteilen und wer einmal Samstagnachmittags versucht hat eine leere Umkleidekabine zu finden, der weiß die Leistung des Managements zu schätzen.
Dieser rote Faden zieht sich nun durch die ganzen Spieljahre und baut sich lediglich immer weiter aus. Hierbei muss man Pocket Clothier eine gewisse Redundanz vorwerfen. Zwar gibt es immer etwas zu bauen und auch Aufträge flattern regelmäßig ins Haus, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt fordert das Spiel nicht mehr wirklich heraus. Man baut nur noch neue Etagen an, kauft neue Kleidung und erfreut sich am massiven Geldregen durch die Verkäufe. Es gibt keine wirkliche Herausforderung mehr und der Spieler langweilt sich teilweise über weite Strecken des Spiels.
Dies soll nicht den Eindruck vermitteln, dass Pocket Clothier ein schlechtes oder langweiliges Spiel sei - ganz im Gegenteil! Vielmehr leidet die Applikation unter den hohen Erwartungen, die ein Game Dev Story oder ein Pocket League, aufgebaut haben. Bei diesen Spielen gab es zum Ende des Spiels noch immer neue Ziele zu erreichen und es war ein Erfolg, wenn diese erreicht wurden. Bei Pocket Clothier sind diese Glückgefühle nicht immer präsent, da einige Mechanismen des Spiels nicht “greifen” wollen.
Zwar kann der Spieler “Mikromanagement” betreiben und die Bestände der Kleidungsstücke überwachen, aber das automatische Bestellungssystem funktioniert bei Weitem nicht einwandfrei. So sind dann 50 Kleidungsstücke auf Lager, aber trotz hoher Priorisierung des Wiederauffüllens von Kleiderständern, sind die lukrativen Stücke immer leer. Hier wünscht man sich als Manager eine gezielte Zuweisung von Aufgaben und nicht nur eine Priorisierung, die dann vom Spiel berechnet wird.
Auch die künstlichen Limitierungen beginnen ab einem gewissen Zeitpunkt zu nerven. So besitzt man zwar mehrere tausend Dollar auf dem Konto, aber neue Arbeitskräfte können nicht engagiert werden. Dies soll das Wachstum im Spiel bremsen, sorgt aber im Endeffekt nur für Frust. Auch die Zulieferer von Kleidungsstücken limitieren den Spieler und so wartet man gerne knappe 15 Minuten auf neue Modeartikel.
Fazit:
Pocket Clothier ist ein gutes Spiel und ohne Frage hat man die ersten Stunden viel Spaß mit der Applikation. Leider kann das Spiel die hohen Erwartungen im “Endgame” nicht erfüllen. Hier haben Game Dev Story und Pocket League aus dem gleichen Haus deutlich mehr zu bieten. Auch wirken manche Spielmechanismen nicht vollständig ausgereift. Eine Anpassung ist jedoch eher unwahrscheinlich, da Pocket Clothier seit August letzten Jahres nicht mehr aktualisiert wurde.
Eine Anmerkung zum Akkuverbrauch:
Das Spielen von Pocket Clothier saugt gehörig am Akku. Auch wenn die Grafik wahrlich meinem Feuerwerk gleicht, so kann man dem Akku beim Entleeren zuschauen.
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