Wie schon beim Rdio Test möchte ich, zu Beginn des Tests, ein paar Worte zum Dienst Deezer und zu meinen Erkenntnissen zum Streamingmarkt an sich verlieren.
Es ist nun einige Wochen her seit ich begonnen habe diverse Streamingdienste auf Herz und Nieren zu überprüfen und für mich persönlich etwas Licht in das Dunkel der verschiedenen Anbieter zu bringen. Denn neben Rdio und Deezer befinden sich noch mit Rara, Napster, Simfy und Juke weitere (Hai)fische im musikalischen Becken und buhlen um die Gunst der Hörer. Leider sind die Erkenntnisse bis zu diesem Zeitpunkt weitaus schlechter als erwartet.
Die Dienste nehmen sich untereinander nicht viel. Das ein oder andere Lied hier, die ein oder andere Band dort. Ich persönlich weine sogar Grooveshark die ein oder andere Träne nach. Nicht weil es kostenlos war oder weil es einen (durch selbstständiges -illegales- Hochladen der User) Titelpool hatte der jegliche Konkurrenten aussticht, sondern weil die Konfiguration von Playlisten und der aktuellen Wiedergabe vorbildlich war.
Meine derzeitige Einschätzung des Marktes ist sowieso, dass viele der oben genannten Namen in wenigen Wochen nicht mehr bestehen werden. Die Anbieter leben von der Masse der Nutzer und spätestens mit DEM Platzhirschen “Spotify” - der wohl in den nächsten Wochen seinen Deutschlandstart ankündigt - wird sich die Nutzerbasis auf 2-3 Anbieter verteilen und der Rest gerät unweigerlich in einen Teufelskreis nach unten. Zu wenig User - zu wenig Content - zu wenig User und so weiter.
(Mein persönlicher Tipp ist, dass Spotify und Napster - welche gestern von Rhapsody akquiriert wurden - die Krone auf lange Sicht untereinander ausmachen werden. Insbesondere weil die Musikauswahl aufgrund der weltweiten Reichweite größer sein wird).
Doch kommen wir zurück zu Deezer. Deezer - DER Musikdienst in Frankreich - bietet drei verschiedene Modelle an. Gratis darf man sich alle Musikstücke bis zu 30 Sekunden lang anhören (wobei dieser Wert bald auf 90 Sekunden aufgestockt werden dürfte) und für Kunden die gerne für eine Flatrate bezahlen stehen die Premiumversion (für 4,99 Euro) und die Premium+-Version (für 9,99 Euro) zur Verfügung. An dieser Stelle nochmal die Erklärung warum sich für mich die fünf Euro Aufpreis lohnen.
Die fünf Euro bringen die Möglichkeit mit sich auf bis zu zwei Mobilgeräte zu streamen und dort auf Alben dauerhaft herunterzuladen und auch über Logitech Squeezeboxen bzw. Sonos diese Musik immer und dauerhaft im ganzen Haus anzuhören.
Dies mag für den ein oder anderen etwas extravagant rüberkommen, aber fünf Euro sind weniger als 17 Cent am Tag! Und Hand aufs Herz: Wie oft wurden schon Pfandflaschen weggeworfen aus Bequemlichkeit?
Ein Aspekt der doch erwähnt werden sollte und auch insbesondere datenschutztechnische Relevanz besitzt ist die obligatorische Anmeldung über Facebook.
Ich sehe schon die entsetzten Gesichter und schwingenden Heugabeln, aber wer sich nicht ausspionieren lassen will hat ja auch die Möglichkeit einen Fake-Account bei Facebook zu erstellen.
Für all jene, denen diese Anbindung nichts ausmacht, ist die Integration in Facebook eine Möglichkeit sich mit seinen Freunden über Musik auszutauschen und mal zu verfolgen was Mister X noch so an Musik hört. In meinem zweiwöchigen Test habe ich so mehrere neue Lieblingsstücke gefunden und dafür nehme ich auch gerne in Kauf, dass meine Freunde meine gehörten Musikstücke sehen (wobei man das “Tracking” in der Android App auch ausschalten kann).
Doch was bietet die Applikation? Die Antwort ist: Nicht viel mehr wie die Konkurrenz von Rdio. Insbesondere bei den Android Applikationen nehmen sich die verschiedenen Anbieter nicht viel und dies ist definitiv ein Armutszeugnis.
Die einzelnen Ausschweifungen zum Thema “Versäumnisse bei einer Applikation” erspare ich der Leserschaft an dieser Stelle dezent und verweise auf meinen vor wenigen Tagen veröffentlichten Test über Rdio. (Meine Empfehlung: Beide Tests lesen. Beide Anbieter ausprobieren und selbst entscheiden).
Doch warum erhält Deezer im Vergleich zu Rdio in dieser Kategorie nun drei Sterne und nicht nur zwei? Die Antwort liegt in den Details der Applikation. Zwar bietet Rdio auch nicht die lokale Anbindung der Musikstücke an (wie man zuerst vermuten könnte, aber auf iPhone, iPad und Androide klappt das nicht), aber es ermöglicht Deezer mit dem eigenen Kontingent an Musikstücken abzugleichen und diese dann aufzurufen. Keine Ideallösung, aber immerhin etwas.
Zwar wird das Versäumnis der Bearbeitung der aktuellen Wiedergabe mit Rdio geteilt, auf der anderen Seite jedoch kann man über Deezer zumindest die einzelnen Lieder mit der großen weiten Cyberwelt teilen und somit ist ein zusätzlicher Stern mehr als gerechtfertigt.
Fazit:
Kleinigkeiten wie die Anzeige wie viel MB mit “zwischengespeicherten” Liedern belegt sind und die Möglichkeit nach einem Anruf die Musikwiedergabe fortzusetzen heben Deezer von Rdio ab und rechtfertigen eine gute Bewertung.
Hinzu kommen etwas größere Vorteile wie das mobile Teilen.
Trotzdem reicht es bei Weitem nicht für ein “Sehr gut”, da mit der fehlenden Einbindung von lokalen Daten (außer alle meine Geräte waren dazu nicht in der Lage) und dem Fehlen einer “temporären” Playlistbearbeitung zu große negative Aspekte auf den Nutzer einwirken und die Bedienung unnötigerweise verkomplizieren.
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