Testgerät: Samsung Galaxy Tab / Android Version: 2.2 / Root: Ja / Modifikationen (CPU - Taktfrequenz geändert etc.): OCLF Lag-Fix
Details zur App: Verwendbar ab: Android 1.5 / Verlangt Berechtigungen: Netzwerkkommunikation, Speicher
In den letzten Jahren hat sich ein deutlicher Wandel in der Gesellschaft vollzogen. Gegen Ende des letzten Jahrtausends haben Handys ihren endgültigen Siegeszug angetreten (damals gerne noch „Mobiltelefon“ genannt) und mit ihnen einen neue Mobilität – man war, zumindest telefonisch, so gut wie immer erreichbar. Computer und Notebooks waren zu dieser Zeit schon längst nichts Neues mehr und so feierte man das Handy als Garant für einen neuen, mobilen Lebenswandel. 2007 präsentierte Apple das iPhone und damit ein Smartphone, das bewusst auf Multimedia setzte und sich von den biederen Smartphones dieser Zeit absetzte.
Aber schon im nächsten Jahr gab es eine noch größere Veränderung: Netbooks etablierten sich als wesentlich handlichere Variante der Notebooks, womit ein weiterer Meilenstein in puncto Mobilität gelegt wurde. Diese Mobilität hat in den letzten Monaten ihren Höhepunkt erreicht. (Android) Smartphones und Tablets sind noch um einiges mobiler und werden wohl in den nächsten Jahren eine noch viel stärkere Verbreitung finden. Damit kommt auch das Bedürfnis auf, Medien und Dokumente unterwegs konsumieren zu können. Und während es für Microsoft Office mehrere Lösungen gibt, ist der OpenOffice Document Reader (OODR) mehr oder weniger die einzige Lösung für Android Geräte.
Auch ich habe am Notebook OpenOffice verwendet und bin mittlerweile zu LibreOffice gewechselt. Vor einigen Monaten haben sich nämlich Oracle (der Konzern hinter OpenOffice) und ein Großteil der freien Entwickler zerstritten. Die Folge war eine Abspaltung und die Entstehung von LibreOffice. Die meisten Entwickler unterstützen LibreOffice und über kurz oder lang wird es OpenOffice ablösen. Wer umsteigen möchte braucht sich keine Gedanken zu machen: LibreOffice unterscheidet sich bisher beinahe gar nicht von OpenOffice, es dürfte also keinerlei Kompatibilitätsprobleme geben; auch das Benutzerinterface ist mehr oder weniger identisch. Erst in Zukunft soll sich LibreOffice stärker von OpenOffice absetzen und mit mehr Funktionalität und einer besseren Bedienung punkten.
Aber nun zur App selbst! Der OODR ist in seinen Funktionen zwar auf das Wesentlichste beschränkt, bringt aber die wichtigste Funktion mit: Dokumente betrachten. Das funktioniert mit Textdokumenten (.odt) und und Tabellen (.ods). Dabei spielt es keine Rolle ob diese Dokumente von OpenOffice oder LibreOffice stammen. Präsentationen werden momentan leider nicht unterstützt – eine Funktion, die jedoch unter Umständen noch nachgereicht wird. So oder so ist das Betrachten von Textdokumenten wohl die wichtigste Funktion. Doch wie schneidet der OODR dabei ab?
Gut! Über den Menü Button des Android Gerätes erreicht man das Hauptmenü und mit einem Klick auf „Öffnen“ gelangt man auch schon zur Dokumentenauswahl. An dieser Stelle ein Hinweis an Benutzer, die Filemanager oder ähnliche Anwendungen installiert haben: Hier fragt der OODR nach, mit welchem Programm die Dokumente ausgewählt werden sollen. Ich rate hierbei „OpenOffice Document Chooser“ zu wählen. Dieser beschränkt sich auf das absolut Wesentliche und funktioniert einwandfrei. Hat man erst einmal das Dokument im Telefonspeicher oder auf der Speicherkarte gefunden, muss man es nur noch anklicken.
Was sofort auffällt: Die Formatierung bleibt im Wesentlichen erhalten. Im Test wurden sowohl Absätze als auch Bilder und Tabellen korrekt angezeigt. Nur bei umfangreicheren Formatierungen (komplexere Tabellen etc.) kommt es oftmals dazu, dass Text und Bilder nicht korrekt angezeigt werden. Zumindest bleibt das Dokument immer lesbar. Zoomen kann man entweder bequem per Multitouch oder über +/- Symbole, die angezeigt werden sobald man durch das Dokument scrollt. Zoom sowie Seitenauswahl ist auch über das Menü zu erreichen. Der Text wird beim Zoomen auch passend skaliert, zumindest auf fast allen Zoomstufen. Auf den maximalen Vergrößerungsstufen „rutscht“ der Text nach links, was aber mit einmal scrollen behoben ist. Laut eingeblendetem Tipp soll Zoomen auch per schnellem, dippeltem Tippen auf den Bildschirm möglich sein, was im Test jedoch nicht funktionierte.
Im Text enthaltene Links können angeklickt werden und öffnen den Browser und auch mit Tabellendokumente kann der OODR umgehen, wobei bei letzteren nur Text und Bilder angezeigt werden, jedoch nicht die Tabelle selbst.
Fazit: Der OpenOffice Document Reader eignet sich wirklich gut, um Text- und Tabellendokumente am Android Gerät zu betrachten. Die ab und an etwas durcheinandergeratene Formatierung fällt nur bei komplexeren Dokumenten auf und es stört nicht allzusehr, dass etwa bei Tabellendokumenten nur der Text angezeigt wird. Schade, dass man im OODR keine Dokumente erstellen kann (nicht einmal in rudimentärer Form) und auch keine Präsentationen öffnen kann. Über das Menü kann man auch Text auswählen, der in die Zwischenablage kopiert wird! Damit erfüllt der OODR zwar nur grundlegende Funktionen, ist aber nichts desto trotz ein recht hilfreiches Programm.
Dominic Bartl
open source =)