
Eigentlich wollte ich den Titel meiner Geschichte anders nennen und "Google auf dem Weg zum mächtigsten Unternehmen der Welt" darüber schreiben. Ich habe mich aber aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden, die ich sukzessive im Text erläutern werde.
Das Thema ist sicherlich provokant. Immerhin ist die Weltmacht kein Begriff, der besonders positive Assoziationen weckt. Man wünscht sich kein Unternehmen, das die Macht über die gesamte Welt in seinen Händen hat. Und doch streben wohl viele Unternehmen genau danach.
Nein, ich wünsche mir nicht, dass die Welt von ein, zwei oder gar drei Unternehmen kontrolliert wird. Hätte ich aber vor die Weltmacht an mich zu reißen, würde ich mir vieles von Google abschauen.
Bevor es mit dem Artikel losgeht, eine wichtiger Hinweis
Leider hat das Thema "Weltmacht" Immer auch Potential schnell komisch zu wirken. Davor ist (wahrscheinlich) auch mein Artikel nicht immun. Selbst wenn ich einiges mit einem gewissen Augenzwinkern schreibe - meine These, Google ist auf dem Weg zu einem der mächtigsten Unternehmen der Welt zu werden, durchaus ernst.
"Don't be evil!"
Tue Niemandem etwas Böses, so das Mantra von Google, welches die Gründer Larry Page und Sergey Brin für ihr Unternehmen ausgegeben hatten. Eine Unternehmenskultur, über die wahrscheinlich anfangs alle Mitbewerber gelacht haben. Ein Fisch im Haifischbecken, der nicht beißen will? Was die Konkurrenz von Google schmerzlich lernen musste, ist, dass sehr schnelles Schwimmen eine perfekte Strategie ist. Schließlich kann man so allen davon eilen und das Futter im Becken fressen, bevor die anderen Fische rankommen können. Was für die bleibt, ist nicht mal mehr Fischfutter, sondern schlicht und ergreifend: Der Rest!
Das so romantisch klingende Firmen-Credo stellte sich als perfekt heraus. Dank ihres tollen Produktes - die Suchmaschine - konnte Google von der Öffentlichkeit als "gut" wahrgenommen werden - und gewann trotzdem immer gegen die Opponenten. Das Geschäftsmodell von Google ist natürlich brillant und hat das Unternehmen mit ausreichend Cash versorgt, um sich so immer wieder Spielräume kaufen zu können. Trotzdem: Mit einem schlechteren Image à la Microsoft wäre das vielleicht nicht geglückt.
"Um der Beste zu werden, brauchen wir die Besten"
Googles Image war unter anderem entscheidend dafür, dass es gelungen ist, ein außergewöhnliches Personalkonzept umzusetzen. Um beim Suchmaschinenkönig anheuern zu können, muss man nicht nur die besten Noten haben, sondern vor allem ein knallhartes Auswahlverfahren bestehen. Dazu wird man in der Regel an mehrere Orte in der Welt geflogen.
Das Resultat ist, dass eine Anstellung bei Google einem Ritterschlag gleichkommt. Zumindest wird dies von vielen Menschen so empfunden. Tolle Noten als Grundvoraussetzung, ein hartes Auswahlverfahren an coolen Locations auf dieser Welt, die vielen Annehmlichkeiten, die Google seinen Mitarbeitern bietet (kostenloses Essen und Trinken, richtig coole Büros, überall Spielzeug, viele Freiheiten, etc.) - all das schafft einen Mythos, der wiederum die besten Absolventen der Welt dazu animiert bei Google arbeiten zu wollen.
Die besten Mitarbeiter schaffen natürlich außergewöhnliche Ergebnisse.
Wissenschaften fördern und wissenschaftliches Umfeld schaffen
Dieser Punkt gehört eigentlich auch zum Thema "Personalkonzept", verdient aber gesondert genannt zu werden. Google ist ein großer Förderer der Wissenschaften. Viele Universitäten auf der Welt werden mit viel Geld ausgestattet, damit dort geforscht und gearbeitet werden kann. Wer nun denkt, dass das Unternehmen aus Mountain View einen direkten Nutzen erwartet, täuscht. Oft werden auch Themen besetzt, die erstmal nichts mit dem direkten Google-Umfeld zu tun haben. Eine Universität hier in Berlin wurde beispielsweise mit einem siebenstelligen Betrag ausgestattet, um in Richtung Internet-Ethik zu forschen.
Diese Arbeit ist wertvoll für die Gemeinschaft (–> Don't be evil), sie hilft dabei die Wissenschaft zu stärken. Und sie zieht Wissenschaftler an, die dann wiederum bei Google anheuern. Wissenschaft schafft Innovation. Wenn Google es schafft viele exzellente Wissenschaftler um sich zu versammeln, die forschen können, wird umgekehrt Google auch innovativ sein.
Google-Mitarbeiter haben die Freiheit frei zu arbeiten
Das Besondere an der Personal-Politik von Google ist auch, dass sich Wissenschaftler wohl fühlen und bleiben wollen. Einmal in der Woche können Mitarbeiter an einem Projekt ihrer Wahl arbeiten. Oft kommt da natürlich viel Schrott raus. Aber sehr oft ist das dann eben auch der Ort, an dem "the magic happens". Google Maps, zum Beispiel. Oder Google Wave. Letzteres gibt es zwar nicht mehr. Aber es hatte durchaus Potential.
Google versteht es wie kein anderes Unternehmen auf der Welt die Kreativität seiner Mitarbeiter zu fördern, um so technisch brillante Innovationen zu generieren. Die Leute bauen an Elektroautos, die selber fahren können. Es wird effektiven Solarzellen gearbeitet. Und natürlich vor allem daran, wie wir alles schneller finden können.
Das Unternehmen aus Mountain View vertraut seinen Mitarbeitern. Und diese zahlen es mit hoher Loyalität zurück. Nur selten geht ein Leistungsträger von dort weg. Wo sonst sollte er/sie sich denn sonst so entfalten können?
Innovationen, die die Welt verändern (werden)
Und jetzt kommt es: Google hat heimlich, still und leise Felder besetzt, die strategisch für die Welt eine enorme Bedeutung haben. Das Internet zum Beispiel - eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Es wird kaum jemand bestreiten, dass Google hier eines der bedeutendsten Unternehmen der Welt ist. Oder aber auch Telekommunikation. Mit Android hat es der Suchmaschinenriese geschafft das erfolgreichste Betriebssystem für Smartphones zu entwickeln und zu distribuieren. Was nur wenige Menschen gerade wahrnehmen: Google, sowie seine Gründer Larry Page und Sergey Brin, interessieren und investieren massiv in das Thema "natürliche Energie". Selbst hier in Deutschland wurde in einen Wind- und Solarpark investiert. Das Unternehmen forscht hier gerade. Und sollte es erfolgreich sein, könnte man sogar den großen Öl-Kartellen mächtig einheizen.
Die, global gesehen, strategisch wichtigsten Felder sind (aus meiner Sicht): Telekommunikation/Internet, Energie, Pharma/Gesundheit, Wasser/Food und Mobilität. In vielen Bereichen forscht Google oder unterstützt Forschung. Google baut gerade an Computern, die selbständig das Internet durchforsten und lernen können. Wenn das jemand kann, dann Google. Das Unternehmen kann also auf allen strategischen Postionen forschen und Produkte entwickeln.
Zum Wohle der Menschheit. Mit der Option selber in diesen Bereichen tätig werden zu können.
Offenheit, die Vertrauen bei den Verbrauchern schafft
Was bringen die besten Forschungsergebnisse und die tollsten Innovationen, wenn diese nicht gekauft oder genutzt werden? Oder wenn die Kundentreue nicht vorhanden ist, und man als Unternehmen immer Angst haben muss, dass die User abwandern. Vor einigen Jahren war die Google-Skepsis hier in Deutschland noch sehr hoch. Mit viel Transparenz, einer netten und freundlichen Seite, Android und lustigen Doodles hat es Google geschafft, dass sie den Titel "Datenkrake" als Art Wanderpokal zu den Kollegen bei Facebook weitergereicht haben.
Die Deutschen vertrauen ihre Daten Google immer noch nicht gerne an. Sie tun es aber mittlerweile deutlich lieber als bisher, so scheint es.
Ein weiterer, wichtiger Punkt bei diesem Erfolgsrezept ist die Offenheit, die Google bei vielen seiner Produkte pflegt. Android ist hier wohl das beste Beispiel. Obwohl es das Unternehmen viel Geld kostet, stellt man es all seinen Partnern kostenlos zur Verfügung. Und nicht nur das: Der Quellcode kann von jedem mit Open Source frei genutzt werden. Die Aussage davon: "Ihr könnt mir vertrauen! Wenn ich Euch an den Karren fahren will, habt Ihr ja alles, um ohne mich weitermachen zu können". Eine Rechnung, die aufgeht. Android ist binnen von nur einem Jahr zur Nummer 1 im Smartphone-Markt geworden. Weltweit, versteht sich.
Don't be evil...
Tolle Produkte - immer for free
Ein weiterer Aspekt, warum Kunden so gerne Google verwenden: Die vielen Google-Produkte, wie Google Docs, Maps, Gmail, usw. - alles super Software, die jedermann kostenlos nutzen kann, wofür man sonst viel Geld bezahlen müsste! Der angenehme Nebeneffekt für Mountain View: Sind Kunden einmal an Bord, gehen diese auch so schnell nicht mehr. Schließlich liegen die Daten gut bei Google. Und obwohl der Suchmaschinenbetreiber uns User nicht wie Apple versucht einzusperren und uns das Leben damit schwer macht, bleiben wir denen trotzdem treu.
Woanders würde es nicht nur viel Geld kosten. Wir sind einfach auch zu faul woanders hinzugehen.
Fazit
Google ist auf dem Weg zur Weltmacht. Vielleicht ist das Unternehmen da sogar schon angelangt. Das Gute daran ist, dass es durchaus schlimmere Unternehmen sein könnten, die ganz oben an der Spitze stehen, wobei man sagen muss, dass Wettbewerb durchaus sinnvoll und wichtig wäre. Die Lenker in Mountain View haben verstanden, wie die Welt funktioniert und wie man sie ein bißchen besser machen kann. Es werden wichtige Probleme angegangen, die dem Image gut tun und die damit die Nutzung der eigenen Produkte fördern. Dort, wo ein Produkt benutzt wird, gibt es auch irgendjemand, der gerne darauf werben will.
Geld in den Kassen des mächtigsten Unternehmens der Welt.

Basster
Hey Fabi, super geschrieben! Ehre, wem Ehre gebührt. :)