
Ich weiß nicht, wie oft ich einen Blog so gestartet habe, aber passt einfach immer wieder: Content is King! Der Zeitpunkt dieses zu schreiben hat aber vielleicht zu keinem Zeitpunkt besser gepasst als heute.
Was ist Content überhaupt
Wahrscheinlich werden sich hier einige erstmal mit dem Begriff "Content" schwer tun. Schließlich verwende ich diesen Terminus gerne in verschiedenen Zusammenhängen. Grundsätzlich ist mit Content ein digitaler Inhalt gemeint. Digitale Inhalte können wiederum natürlich in sehr unterschiedlicher Form und Ausprägung auftreten. Wenn man bei Smartphones über den Content redet, sind in der Regel die Apps gemeint. Es können aber auch wahlweise Musik oder Filme gemeint sein, je nachdem über was man das Gespräch gerade führt. Wir hier bei AndroidPIT meinen mit Content meistens natürlich unseren eigenen: Blogbeiträge, Testberichte und sogar Forumposts sind ebenfalls digitale Inhalte - und damit natürlich auch Content.
Content ist wertvoll
Es wird die meisten Menschen wohl nicht überraschen, dass Content einen relativ hohen Wert hat. Die Erstellung von gutem Content braucht man kreative Menschen und gute Umsetzer. Man benötigt oft viel Zeit und das notwendige Geld um die Erstellung zu finanzieren. Es ist zunächst eine gewaltige Herausforderung, all diese Ressourcen für die Erstellung von gutem bzw. sehr gutem Content zusammen zu bekommen. Ob dieser dann erfolgreich wird, ist wieder eine ganz andere Frage. Genau dieser Problematik stehen sich heute vor allem große Spieleentwickler oder Hollywood-Studios gegenüber. Der Aufwand für gute Titel ist mittlerweile so immens, dass ein Flop das komplette Unternehmen killen kann. Selbst große Studios würden zwei Flops hintereinander mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben.
Es hat mit der eigentlichen Kernaussage meiner Geschichte zwar nichts zu tun, aber ich will es an dieser Stelle trotzdem erwähnen: Das Blockbuster-Phänomen - so will ich den oben beschrieben Zwang mit einer Produktion erfolgreich sein zu müssen - bringt Entwicklerstudios immer mehr dazu Content gar nicht selber zu entwickeln oder zu produzieren. Sieht man etwas Erfolgversprechendes, versucht man es zu lizenzieren. Damit hat man selber nicht das Produktionsrisiko und kann dann variabel zukaufen.
Entsprechend wertvoll ist erfolgreicher Content und entsprechend wird er auch behütet und gemolken.
Content ist (irgendwann) der wahre Kaufgrund für ein Gerät
Die Hardware-Hersteller werden das nicht gerne hören, aber: Jungs, Ihr seid komplett austauschbar. Die Spezifikationen der Telefone unterscheiden sich kaum. Vor allem werden sie vom gemeinen Volk gar nicht erst wahrgenommen. Wer von uns weiss denn wirklich welcher Prozessor sein Telefon antreibt? Sicher, es gibt ein paar wenige unter uns. Aber ich tippe darauf, dass es über 90% nicht wissen.
Was wahrscheinlich noch schockierender sein dürfte: Es ist eigentlich auch schnurzegal, ob ein Telefon nun einen 1,2 GHz Dual-Core-Prozessor oder einen 1,4 GHz Dual-Core-Prozessor an Bord hat. Entscheidend ist, wie sich die Geschwindigkeit des Telefons anfühlt. Es nützt der beste Prozessor nichts, wenn aufgrund der Software alles hakt und stockt.
Auch mit dem „Formfaktor“ ist es schwer zu punkten. Besonders flaches Handy? Hat doch schon jeder. Verschiedene Materialien? Alles schon gesehen. Runde Ecken?? Bloß nicht - ich kenne da eine Obst-Firma, die richtig böse werden könnte...
Für die Hardware-Hersteller wird es immer schwieriger sich eine eigene Identität zu schaffen und nicht wie ein Einheitsbrei zu wirken. Ich will noch einen Schritt weiter gehen und behaupte gar: Es ist mittlerweile fast nicht mehr möglich optisch aus der Masse herauszustechen und gleichzeitig zu gefallen.
Die Frage „Was bietet mir mein Smartphone noch?“ wird also immer wichtiger, wenn alles andere mehr oder weniger gleich ist - fehlende Markentreue mal vorausgesetzt. Hier kommt der Content ins Spiel. Denn mit optimalen Mehrwerten können sich Hersteller von der Konkurrenz absetzen.
Dass Content für Hersteller ein zentraler Bestandteil ihrer Strategie werden wird, kann man schon alleine daran erkennen, dass Samsung bei der CES verlauten ließ, man wolle zukünftig auf drei Faktoren setzen: 1.) Customer Service, 2.) Connectivity (das Verbinden verschiedener Endgeräte) und 3.) Content. HTC geht hier noch einen Schritt weiter und kauft sich bei verschiedenen Unternehmen ein, die hier Mehrwerte bieten können. Zum Beispiel hat HTC einen Anteil am Cloud-Gaming-Anbieter OnLive erworben. Außerdem gehört dem taiwanesischen Unternehmen seit dem vergangenen Jahr 51% am Hersteller für Kopfhörer „Beats“.
Strategie
Wie eine Content-Strategie in Perfektion aussieht, sieht man an Apple. Das Unternehmen konnte einen Haufen Entwickler an sich binden, die für das Apple-Imperium Apps schreiben und die wohlgemerkt auf keinem anderen System laufen. Sprich: Habe ich als Kunde einmal Geld in dieses Ecosystem investiert, müsste ich zumindest bei den Apps viel Geld investieren um wieder den gleichen Stand zu kommen.
Mit Android bleibt die Freiheit beim Wechsel von einem Anbieter zum nächsten erhalten. Genau das allerdings - so vermute ich - werden einige Hersteller - ich tippe auf Samsung, LG und HTC - versuchen zu umgehen.
Wie das genau aussieht? Reine Spekulation. Aber lasst uns doch einfach kurz gemeinsam Produktmanager von einem dieser vorher genannten Unternehmen spielen und einen Plan entwerfen. So kann sich jeder selbst überlegen was davon stimmt - oder eben nicht!
1. Exklusive Partnerschaften schließen
Erste Übung: Exklusive Partnerschaften schließen! Wir brauchen natürlich richtig guten Content, der exklusiv auf unseren Smartphones läuft. Angry Birds wäre natürlich wünschenswert, ist aber unrealistisch. Dafür ist das Spiel schon zu erfolgreich. Was wir also tun ist uns nach versteckten Perlen umzuschauen. Eine App also, das das Potential mit sich bringt irgendwann der neue Blockbuster zu sein.
Natürlich versuchen wir die Exklusivität möglichst lange hinzubekommen. Der Entwickler der App hat aber natürlich auch ein großes Interesse an der Eigenvermarktung. Also probieren wir Partnerschaften für einen Zeitraum von ca. 3 - 6 Monaten. Der Deal: Wir bekommen die Exklusivität, der Entwickler die Vermarktung und die Bekanntheit durch uns.
2. Exklusiven Content auf allen medialen Bereichen abdecken
Apps sind natürlich nur ein Teil unserer Content-Strategie. Es gibt auch noch Musik, Videos und Online-Spiele. Je größere Mehrwerte wir bieten können - umso besser! Lady Gaga bringt ein neues Album auf den Markt? Sehr gut! Selbst wenn nur ein kleiner Teil unserer Kunden die Musik von ihr gut finden, sollten wir versuchen das Album für vier Wochen exklusiv bei uns unter zu bekommen. Oder es gibt es bei uns kostenlos dazu! Dafür können wir auch Geld bezahlen. Lady Gaga ist sehr öffentlichkeitswirksam. Und es wird unserer Marke gut tun.
3. Content auf meine Hardware optimieren
Wir können nicht so viel Content exklusiv herbekommen. Das Nutzen-Aufwand-Verhältnis ist auf Dauer zu groß. Wir sollten deshalb versuchen grafisch aufwändige Games auf unserer Hardware besonders lauffähig zu machen. Hierfür brauchen wir natürlich die Entwickler. Wir müssen sie - notfalls mit Geld - überzeugen ihre Spiele so zu optimieren, dass diese besonders flüssig, und am Besten mit besonderen grafischen Effekten auf unseren Telefonen laufen
[Anmerkung: Genau das tut übrigens Nvidia mit dem Tegra-Chip. Spiele-Entwickler optimieren ihre Spiele darauf. Dafür erhalten sie vom Chip-Hersteller Subventionen und/oder Support.)
4. Die Trägheit der Kunden ausnutzen
So, Leute - hehe - unsere Kunden haben angebissen und haben unseren Content gekauft. Was wir jetzt schaffen müssen, ist „Convenience“ (Anmerkung: In Marketing-Abteilungen MUSS Neudeutsch gesprochen werden! Sonst wird man nicht ernst genommen). Die Menschen sollen möglichst einfach ihre Musik, ihre Videos und Games bei uns verwalten können. Wenn sie sich erstmal an unser System gewöhnt haben, werden sie nicht mehr wechseln - selbst wenn sie es könnten. Es ist viel zu kompliziert zu wechseln. Menschen sind träge. Einmal rin - für immer drin!
Es ist nicht nur so, dass Kunden dann eher unseren Shop, als den der Konkurrenz verwenden werden. Vor allem werden sie immer wieder unsere Endgeräte kaufen. Schließlich funktioniert unsere Software am Besten mit unseren Geräten.
5. Content überall verfügbar machen
Das ist die wichtigste Kür! Wir müssen es hinbekommen, dass Filme und Videos auf dem Fernseher laufen und die Musik ganz einfach über das Home-System abgespielt werden kann. Dabei ist wichtig, dass es wirklich JEDER versteht wie man das macht. Den Content, den man bei uns auf dem TV-Gerät konsumieren kann, soll nicht kompatibel mit anderen Geräten sein. Lasst uns versuchen eine große Reichweite aufzubauen, bevor andere Mitbewerber soweit sind. Wenn wir das geschafft haben, werden es Mitbewerber - selbst mit besseren Geräten - später sehr, sehr schwer haben hier ihren Absatz zu stärken. Wir werden dann Content auf all unseren Geräten abrufbar machen. Das schaffen wir über einen Cloud-Service.
Nochmal, Leute: Wichtig ist, dass die Kunden ihren Content, der auch von anderen Partnern kommt, bei uns hochladen und uns anvertrauen. Das Bedienen des Contents, als auch das Verwalten, muss durch unsere Software so einfach sein, dass sich der Kunde komplett daran gewöhnt und es gerne verwendet.
Und dann... wird die Welt uns gehören!!! Muuahahahahaa, muuuuahahahahahahaaa, muaaaahahahahahahaaaaaaaaaa
(sorry, der musste am Schluss noch sein!)

Marcus B.
Am "WeTab" sah man sehr schön wie es aufgrund fehlenden/schlechtem Content floppte.
(Obwohl es Hardwaretechnisch DAS Übertablet überhaupt ist..)