
Sicherlich, ein deftiger Titel. Das Thema ist allerdings gerade so sehr in aller Munde und teilt die Meinungen und Gemüter vieler Menschen rund um den Globus und gipfelte offenbar in der Schließung des "Datenspeicher und -verteiler" Megaupload. Menschen fürchten momentan - sicherlich oft zurecht - um ihre Freiheit im Internet. Die Folge ist aber ein unreflektiertes und teils reaktionäres Verhalten hüben wie drüben.
Die Meinungsfreiheit im Internet gilt es zu beschützen. Das Netz lebt davon, dass es von Menschen überall auf der Welt mit unterschiedlichen Sichtweisen, mit großer Variation und verschiedenem Wissen angereichert wird. Das Internet ist ein Stück gelebte Demokratie. Hier gilt die Meinungsfreiheit, selbst wenn man nicht immer mit den Ideen, Meinungen und selbst den Ideologien Anderer konform geht. Schließlich ist man immer nur ein Mausklick von der nächsten Meinung entfernt, und nicht wie beim Stammtisch droschen und kruden Weisheiten, die mehr oder weniger einem Mund entstammen, ausgesetzt.
SOPA und PIPA - Das Ende des Internets wie wir es kennen?
Bald könnte es nicht mehr möglich sein, die eigene, freie Meinung im Internet zu äußern. Der Meinung sind zumindest sehr viele Menschen und gar Unternehmen. Seit einiger Zeit geistern die Namen von SOPA und PIPA durch die virtuellen Netze der Welt und verbreiten bei all denen, die das Netz so lieben, wie es heute ist, Angst und Schrecken. Es droht nämlich Ungemach. Der Angriff auf die freie Welt wird ausgerechnet in einem Land diskutiert, das eigentlich immer für Freiheit und den totalen liberalen Gedanken gestanden hat. In den USA sollen demnächst zwei Gesetzentwürfe - SOPA und PIPA - diskutiert werden, die eigentlich der Musik- und Film-Piraterie einen Riegel vorschieben sollen. Die Damen und Herren, die das Gesetz allerdings ausgearbeitet haben, haben es wohl ein wenig zu gut mit den Inhabern der digitalen Rechte gemeint. Würde das Gesetz, so wie es derzeit geplant ist, in Kraft treten, könnten Unternehmen Betreibern von Webseiten sofort den Riegel vorschieben und diese - zumindest in den USA - vom Netz nehmen.
Das erregt nicht nur die Gemüter des kleinen Mannes, sondern bringt auch Internetgiganten, wie Google, Wikipedia und Co. in Wallung. Die freie Enzyklopädie im Netz war derart erbost, dass sie aus Protest - so wie viele andere Webseiten auch - ihre Seite vom Netz nahm.
Die Content-Mafia - Robin Hood oder Verräter des Internets?
Wie es sich anfühlen könnte, wenn die PIPA-SOPA-OPA-ODERWIEAUCHIMMER-Gesetze gnadenlos zuschlagen und ganze Webseiten per Gerichtsurteil abschalten werden, konnte man in der vergangenen Woche miterleben. Die US-Bundespolizei FBI lies den „Webservice“ Megaupload sperren und konfiszierte neben einigen Luxuskarossen und einer -villa des Firmeninhabers, auch gleich noch einen Haufen Domains, die zur Webseite gehörten.
Hinter Megaupload steckt ein exzentrischer, in Neuseeland lebender Deutscher namens Kim Schmitz aka Kimble aka Kim Dotcom aka Kim Jim Tim Vestor. Humor hat er ja!
Der ihm zu Last gelegte Vorwurf hat es allerdings in sich: Über die Seite Megaupload soll der Unterhaltungsbranche ein Schaden von rund 500 Millionen Dollar entstanden sein. Damit ist wahrscheinlich auch die Frage beantwortet, was demnächst mit den vielen Autos passieren wird, sollte Kim Schmitz tatsächlich in den USA verurteilt werden. Kim bräuchte die Autos auch erstmal nicht mehr. Im drohen bis zu 20 Jahre Haft. Ein entsprechendes Auslieferungsverfahren läuft bereits.
Dabei hatte sich der findige Kim Jim Tim sich doch alles so schön ausgemalt und zurechtgerückt. Er bietet einfach nur ein paar Server an, auf die man kostenlos irgendwelche Dateien hochladen kann. Was die Leute dann dort hochladen kann er ja schließlich schlecht alles überwachen, geschweige denn beeinflussen. Die Wahrheit ist aber, dass Nutzer für das Hochladen von „Premium-Content“, wie Filme, etc, eine Art finanzielle Entlohnung bekamen. Lud man hingegen „langweiligen“ Content, wie private Dateien hoch, und wurden diese über einen gewissen Zeitraum nicht heruntergeladen, wurden diese Dateien kurzerhand gelöscht. Schmitz setzte mit Megaupload angeblich rund 150 Millionen Euro um, finanziert über Werbung und „Premium-Dienste“. Menschen, die dort nämlich „Premium-Content“ ansahen, erhielten nach einiger Zeit den freundlichen Hinweis, dass man nun einige Stunden warten müsse, bevor man den Film weitersehen könne. Wahlweise könne man aber auch einfach bezahlen. Viele der angeblich rund 50 Millionen Besucher pro Monat entschieden sich wohl für das Bezahlen.
Es ist interessant, dass nun Kim Schmitz von nicht wenigen Schützern des freien Netzes Unterstützung bekommen. Genau darüber hat auch Johnny Häusler auf Spreeblick einen wunderbaren Artikel geschrieben. Hier verweist er auch auf eine Pressemitteilung der Piratenpartei, in der die Kim-Jim-Tim-Bande als "Lagerhallenbetreiber" verniedlicht werden, die sich an Recht und Ordnung halten würden. Dass bei Kim Schmitz auch ein Auto mit dem Nummernschild "Mafia" konfisziert wurde, ist sicherliche eine bemerkenswerte Randnotiz.
Es müssen natürlich die Gerichte entscheiden, ob und in welchem Maße die Megaupload-Crew illegal gehandelt hat. Man muss aber auch die Frage stellen dürfen, wie ein Gericht über einen Lagerhallenbetreiber urteilen würde, der wissentlich Hehlerware bei sich versteckt lagert. Und wie würden wohl diejenigen reagieren, denen die Ware gehört, die wissen, dass sie dort gelagert ist und ihnen der Lagerhallenbetreiber auch noch jahrelang eine lange Nase macht?
Man musste kein Prophet sein, diesen Tag kommen zu sehen. Und es ist klar, dass es zu weiteren harten Maßnahmen gegen Piraten kommen wird.
Unterhaltungsbranche, Du hast eine Mitschuld, aber...!
Natürlich setzt die Unterhaltungsindustrie alles daran, den immensen Schaden, der durch illegale Raubkopien und ihre Verbreitung entsteht, einzudämmen. Das ist irgendwo auch verständlich.
Aber Jungs, mal ehrlich, schon mal daran gedacht Eure Geschäftsmodelle zu überdenken? Auch wenn Ihr es nicht wahrhaben wollt, aber das Internet wird auch für Dinge, die nicht nur damit zu tun haben Eure Filme und Eure Musik bekannt zu machen, um sie dann wiederum für teures Geld im Geschäft physikalisch einzukaufen. Ich weiss, ich weiss - es muss ein Schock sein, dass Ihr das jetzt ausgerechnet so erfahrt, dass sich die Welt in den letzten zehn Jahren drastisch verändert hat. Aber glaubt mir: Die Uhr zurückzudrehen und die alte Weltordnung per Gesetz und harter und teurer Politik-Lobby-Arbeit wiederherzustellen ist auch keine so geile Idee! Selbst wenn es einigen geistig gleichaltrigen Politikern wirklich gelingen sollte, eine Mehrheit für PIPA und SOPA, oder ähnlich gelagerte Gesetze durch welche Mittel auch immer, zu finden - Euch würde doch gar niemand mehr mögen! Es wäre wegen Euch, dass zigtausende von Jobs in der IT-Branche verloren gingen. Und Ihr wäret auch dafür verantwortlich, dass der immer schneller voranschreitende Fortschritt der Menschheit durch den Wegfall des freien Internets gebremst würde.
Okay, ein wenig Polemik ist dem vorangegangenen Absatz natürlich beigemischt. Aber im Kern wäre das so: Noch härtere Gesetze, als die bisher gültigen, bärgen viele Gefahren. Zumal man auch am Beispiel Megauploads sieht, dass die derzeitige Gesetzeslage bei Verletzungen von Urheberrechten auch viele Möglichkeiten bei der Strafverfolgung - auch über die Landesgrenzen hinweg - offen lässt.
Hier werden mir wohl noch viele LeserInnen zustimmen. Aber ich behaupte auch, dass
Leute, die illegal und ohne Skrupel downloaden eine Mitschuld tragen.
Leider, so hat man den Eindruck, sei das Herunterladen von eigentlich kostenpflichtigen Inhalten die normalste Sache der Welt. Und eigentlich seien alle doof, die für einen solchen Content überhaupt Geld auf den Tisch legen würden. Schließlich würde man doch überall alles kostenlos finden, solange man nur lange genung danach sucht. Aktive Mitglieder in unserem Forum werden wissen wovon ich hier spreche.
Als Legitimation für das Handeln wird gerne vorgeschoben, dass man ja eigentlich gerne dafür zahlen würde, aber eben nicht so viel. Oder dass die Unternehmen doch eh schon so reich sind. Oder, oder, oder... Man vergisst nur zu gerne, dass die großen Medienunternehmen nur die Spitze des Eisberges sind. Es sind die wirklich kleinen Labels, Studios oder App-Entwickler die richtig hart von einem solchen Verhalten getroffen werden.
Ich möchte mich nicht als Moralapostel aufspielen. Es sollte aber dringend ein Umdenkprozess stattfinden - vor allem von den Anbietern, aber auch von uns Nutzern.
Ich möchte Euch ein Beispiel geben:
Stellt Euch vor, ich habe ein Buch geschrieben. Es dauert bestimmt 8-12 Monate mit einer täglichen Arbeit von 8-10 Stunden um einen ordentlichen Roman abzuliefern. Ich glaube, ich würde morden, wenn ich dann sehen würde, dass mein Buch - von dem ich als Autor leben muss - kostenlos zum Download angeboten würde. Auf der anderen Seite kann ich auch nicht nachvollziehen, dass eBooks oft den selben Preis wie die gedruckten Versionen kosten sollen. Mit einem geringeren Preis ließe sich da sicherlich einiges machen. Ein Preis von 2 oder 3 Euro bringt auf der anderen Seite auch keinen um, will er mein Werk lesen. Dass allerdings auch dieser Betrag vielen Leuten zu hoch ist, sieht man sehr gut beim Thema Android Apps. Da hört man nicht selten "das gibt es doch auch kostenlos" - selbst dann, wenn eine Software unter einem Euro kostet.
Das Thema ist schwierig, die Antwort, selbst wenn sie sich hier in meinem Artikel so eindeutig liest, nicht so einfach zu geben. Rechteinhaber spielen sich gerne als neuer Hegemon auf - gerade bei den großen Patentstreitigkeiten. Unternehmen wie Megauploads und die vielen illegalen Downloads sind aber Wasser auf den Mühlen der großen Unternehmen, die das Internet nur achzugerne nach ihren Interesssen gestalten würden.
Wie Johnny Häusler richtig feststellt: Es gibt (wahrscheinlich bald) zwei Arten von Content-Mafia: Die Rechteinhaber und diejenigen, die diese Rechte missbrauchen. Wir - die Kunden und Nutzer - haben eine Wahl.
Lasst uns schlauer sein!

Michel Walluhn
Schöner Beitrag :)