
Vom 8. Januar bis zum 13. Januar wurde die Party-Stadt Las Vegas im Südwesten der USA in das Mekka der Unterhaltungs-Elektronik verwandelt. Die Organisatoren der, nach eigenen Angaben "weltgrößten Messe für Unterhaltungselektronik", verkündeten für dieses Jahr wieder einen neuen Rekord.
Eine Woche lang hat uns alle hier die CES schwer in Atem gehalten. Und selbst wenn die Ankündigungen der großen Android-Highlights, die der Eine oder Andere erwartet hatte, ausgeblieben sind, und selbst wenn ich noch immer einiges an noch nicht veröffentlichtem Videomaterial auf meinem Rechner habe - ein Resümee der Messe sollte nicht fehlen.
Ich habe hierfür meine ganz persönliche CES-Gewinner- und Verlierer-Liste für Euch zusammengestellt. Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, noch liegen hier besondere Bewertungskriterien zugrunde. Es ist schlicht und ergreifend das, was ich von diesen Messetagen an Eindrücken, Einflüssen und sonstigen (subjektiven) Wahrnehmungen mitgenommen habe.
Verlierer
Ja, es gibt sie, die Verlierer eine Messe. Meine Erwartungshaltung in Sachen Android war zu Beginn der CES nicht besonders hoch. Ich habe nicht so wie viele Andere mit einem Samsung Galaxy S3 spekuliert. Dafür war die Gerüchteküche nicht vivid genug. Der Zeitpunkt, so kurz nach dem Start von Ice Cream Sandwich, hat ebenfalls nicht gepasst. Die Hersteller wollen erstmal ihre Geräte inkl. Software auf Vordermann bringen, bevor sie diese der kritischen Öffentlichkeit präsentieren.
Grundsätzlich sind Innovationen und neue Produkte gut. Von daher ist es schwierig echte Verlierer zu küren. Allerdings wurden einige Themen auf der Messe immer wieder diskutiert - ein guter Frühindikator für gewisse Trends.
Apple

(Bild: Deviantart)
Einer der größten Verlierer ist - nicht nur für mich - Apple. Dabei war das Unternehmen aus Cupertino, California, gar nicht vor Ort. Hey, bevor man mir hier wieder Fanboyism vorwirft, lest bitte weiter! Apple war in den vergangenen Jahren immer als großer Vergleich herangezogen worden. "Oh, toll, ein neues Tablet. Aber wird es denn auch mit dem neuen iPad mithalten können?". "Ah, ein neues Smartphone-Design. Sieht das nicht ein wenig aus wie das iPhone?".
Dieses Jahr war dieser Trend nicht mehr zu spüren. Um genau zu sein hat man das Wort "Apple" eigentlich kaum gehört, ja, man hat sich eigentlich auch gar keine rechten Gedanken gemacht was wohl gerade in Cupertino ausgebrütet wird. Selbst als die großen Unternehmen ihre Smart-TV-Lösungen auspackten, gab es nur wenige, zögerliche Fragen, wie man einen Einstieg von Apple in diesen Markt beurteile.
Man sollte nicht den Fehler machen und vorschnell Apple als einen langsam untergehenden Stern sehen. Und schon gar nicht sollte man das Unternehmen abschreiben, nur weil es seinen großen Visionär Steve Jobs verloren hat. Apple hat sehr viele kluge und kreative Köpfe. Die Zeit der langen Schatten, die das Unternehmen auf den ganzen Markt wirft, ist aber offenbar vorbei. Die anderen Anbieter gehen mit einem neu erwachten Selbstvertrauen in den Ring.
CES

Die Messe selber hat in diesem Jahr einen Besucher-Rekord vermeldet. Und tatsächlich kann man als Besucher gut gefüllte Hallen, Gänge und Stände attestieren. Teilweise war es so voll, dass an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken war. Da wird man teils auch ungehalten.
Allerdings - so liest man immer wieder - steckt die Messe in einer gewissen Krise. Die Zahlen sind lange nicht so positiv wie vom Veranstalter dargestellt - so liest man. Und dann auch noch das: Microsoft-Chef Steve Ballmer, langjähriger Keynote-Sprecher auf der CES, kündigte an, dass die CES 2012 seine letzte sein würde. Für viele Beobachter wird das als Zeichen sinkender Relevanz der Messe gewertet. Andere Messen - die Computex in Taiwan, aber auch die IFA in Berlin - scheinen dagegen an Relevanz zu gewinnen.
China- bzw. Billig-Smartphones/-Tablets

Im vergangenen Jahr waren sie überall zu sehen: Billige (Android-)Tablets überschwemmten den Markt und - pardon - versauten nicht selten den Ruf des Google-Betriebssystems. Problem war hier vor allem, dass Hardware und Betriebssystem nicht aufeinander abgestimmt waren. Mit Ice Cream Sandwich sollte dieses Problem zumindest eingedämmt werden. Tatsächlich ist es aber auch so, dass die Nachfrage der Kunden nach billigen No-Name-Artikeln zurückgegangen zu sein scheint. War im letzten Jahr noch bei jeder Packung Pommes, die man sich irgendwo bei der CES und beim MWC gekauft hat, ein kostenloses Android-Tablet dabei, waren dieses Jahr kaum mehr qualitativ fragwürdige Android-Devices zu finden.
Und das ist auch gut so...
Meine Füße

Größter Verlierer der Messe waren ganz bestimmt meine Füße - auch wenn das da oben nicht meine sind. Sorry, aber das musste mal gesagt werden! Ich bin ein durchaus erfahrener Messegänger und habe von daher nicht nur immer gutes Schuhwerk, sondern auch allerlei Blasen-Abwehr-Utensilien dabei. Das Problem der Messe in Las Vegas ist aber, dass sie sich nicht auf einem Messegelände befindet, sondern über die gesamte Stadt verteilt ist. Es gibt natürlich Shuttle-Busse zu den verschiedenen Örtlichkeiten. Diese waren allerdings oft so überfüllt, dass man, wollte man seine vorher ausgemachten Termine einhalten, auf eben diesen Komfort verzichten und laufen musste. Und damit meine ich nicht nur ein paar hundert Meter! Wir reden hier über zügige Fußmärsche von 30 bis 45 Minuten.
Das Ende vom Lied waren anfangs Blasen an Füßen, was sich dann am Ende der Woche zu blutigen Füßen ausdehnte. Wer ab sofort zu mir Aschenputtel sagen möchte, hat also allen Grund dazu.
Gewinner
Wo Verlierer sind, da gibt es natürlich auch Gewinner. Und darüber macht es natürlich deutlich mehr Spaß zu berichten.
Nvidia

Der kalifornische Chip-Hersteller gehört für mich zu den größten Gewinnern der Messe. Auf der Pressekonferenz während der CES konnte das Unternehmen eindrucksvoll die Power des neuen Tegra 3-Chips unter Beweis stellen. Zusammen mit dem auf den Tegra 3 optimierten Content - grafisch hochwertige Spiele, wie Shadowgun, Bildbearbeitung, wie Snapseed, uvm. - hat Nvidia echte Alleinstellungsmerkmale geschaffen. Und das dürfte sich auszahlen!
Der Tegra 3 Chipsatz wird nicht nur in Smartphones und Tablets eingebaut werden, sondern findet auch Einzug in die Automobil-Industrie. Der Vorsprung, den Nvidia auf der CES gezeigt hat, dürfte von Mitbewerbern nicht mehr so schnell einholbar sein.
ASUS

Nennt man Nvidia als einen der Gewinner, muss man auch im gleichen Atemzug ASUS und ihr Transformer Prime nennen. Das Prime ist eines der ersten Tegra 3-Geräte. Mit der Docking Station kann aus dem Tablet ein Ultrabook gemacht werden. Überhaupt steht ASUS auf solche Verwandlungskünstler. Mit dem Padfone hat das Unternehmen ein weiteres multifunktionales Gerät. Aus dem Smartphone kann nämlich durch das simple Einstecken in eine Tablet-Hülle ein vollwertiges Tegra 3-Tablet "erschaffen" werden. Ein weiteres Highlight wurde auf der Messe angekündigt: ASUS wird mit einem 7''-Android Tablet einen echten Konkurrenten zum amazon Kindle Fire positionieren. Das Gerät soll voraussichtlich $249 kosten.
ASUS hat eindrucksvoll gezeigt, wie Innovation und Qualität zu einem kompetitiven Preis angeboten werden kann.
Sony

Das japanische Unternehmen hat sich zum ersten Mal ohne sein schwedisches Anhängsel Ericsson gezeigt. Die Premiere ist geglückt. Immerhin hat man mit dem Xperia Ion und Xperia S zwei Android Smartphones gezeigt, die sich sehen lassen können. Sowohl Design, als auch Qualität haben (auf den ersten Blick) überzeugt. Durch das Abspalten von Ericsson ist Sony außerdem in der Lage zukünftig kompromissloser sein Gaming-Knowhow, sowie -Content in die Telefone einzubauen. Man kann also durchaus viel von Sony erwarten.
Wer weiß - vielleicht schon zum MWC in sechs Wochen?
Samsung

Wäre Samsung Ericsson, würde ich sagen: "Alter Schwede!". Leider weiß ich nicht wie man das Ganze auf Koreanisch ausdrücken kann. Aber ich bin mir sicher: Ihr verzeiht mir das.
Wichtig ist ja eigentlich auch nur, dass Samsung eine echte Kampfansage an all seine Konkurrenten gemacht hat. Und dass man das durchaus ernst nehmen sollte, kann Apple sicherlich bestätigen. Den Koreanern ist immerhin im vergangenen Jahr die weltweite Smartphone-Marktführerschaft geglückt. Das hat wohl die Lust nach Mehr geweckt. Samsungs neue Strategie heißt "Pushing Boundaries" und ist eine groß angelegte Offensive, um nicht mehr Kunden zu gewinnen, sondern diese wohl vor allem auch zu halten.
Connectivity - Services - Content. Das sind die drei Elemente der Strategie von Samsung. Damit soll vorrangig ein eigenes Ecosystem aufgebaut werden. Immerhin sollen irgendwann alle Samsung-Geräte miteinander "sprechen" können. Außerdem wollen die Koreaner zukünftig ihr eigenes Store-Konzept "Samsung Apps" sehr viel stärker in den Vordergrund stellen. Auf diese Weise werden die Kunden in das Samsung-Ecosystem gehoben. Eine Rechnung, die dank der kommenden Smart-TV-Geräte durchaus aufgehen könnte. In diesem Fall könnte Samsung eine deutlich höhere Kundenbindung erreichen.
Content ist einfach King!
Die CES hat keine großen Innovationen hervorgebracht. Trends erkennen konnte man aber dennoch: Die Qualität der Android-Devices steigt, Smart-TVs sind am Kommen (und bringen teilweise unnütze Funktionen, wie die Steuerung über Bewegungen mit) und die Hersteller bemühen sich um Konvergenz und darum, alle Geräte miteinander zu verbinden. Ach, und noch etwas Wichtiges konnte man erfahren bzw. raushören: Der MWC, der Ende Februar in Barcelona stattfinden wird, dürfte dann die großen Innovationen und Smartphone-Neuheiten mit sich bringen.
Ich bin mir sicher: Bis dahin sind meine Füße wieder in Ordnung!

Andreas Hübner
Ihr habt ganz klar Huawei vergessen.
Der Androidneuling hat letztes Jahr (2011) groß getönt im Androidmarket mit mischen zu wollen, und auch ein ernstes Wörtchen mit zu reden!
Und ich finde das tun sie langsam!
Der ihre Produkte sind zwar im niedrigeren Preissegment angesiedelt, aber es sind Top Produkte. bei einigen Geräten kann die Konkurenz in Sachen Preis/Leistung nicht mit halten. Das X3 wurde von der Fachpresse (Online und Print) nur so gelobt, ein Vergleichbares Gerät anderer Herrsteller kostet 150-200 Euro. Das x5 hat die Hardware vom Desire HD und kostet nur um die 200 €.... Und die neuen Smartphones spielen jetzt in der Cahmpionsleague!
Ua. das Dünste Smartphone der Welt:
Huawei Ascend P1.
Das sind meine persönlichen Topgewinner!