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Interessante Einblicke: Top-Android-Entwickler Opoloo im Interview

von Fabien Roehlinger am 17.01.2012 10:58:51 — 4.666 mal gelesen

 

Der Mobile Monday Jahres Summit in Düsseldorf ist schon wieder eine ganze zeitlang her. Im November des letzten Jahres kamen einige hundert Teilnehmer an die Stadt am Rhein. Teil des Programms war dabei auch der App Circus, ein Wettbewerb bei dem die besten Apps von einer fünfköpfigen App-Jury gewählt wurden. Wir selber befanden uns übrigens ebenfalls im Gremium. Meine Kollegen und ich entschieden uns am Ende mit großer Mehrheit für die App "Gigbeat" als Gewinner des Wettbewerbs.

Die Macher von Gigbeat sind ein junges und engagiertes App-Entwickler-Team, das eine ganze Reihe von Apps auf den Markt bringt. Grund genung für uns mit Günther Beyer von Opoloo, den Machern von Gigbeat, zu sprechen und ein Interview zu führen.

 

  1. Bitte erzählt doch als Erstes etwas über Euch.
    Nun, wir sind eine halb deutsch, halb amerikanische Interessengemeinschaft. Die Schnittmengen dabei sind Musik und Technologie, Web und Mobile. Wir kennen uns alle über ehemalige Firmen oder Projekte und stellten irgendwann fest, dass wir in all diesen Bereichen auf einer Wellenlänge liegen. Von da an war es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir unser erstes gemeinsames Projekt starteten.
     
  2. Ihr habt mit Gigbeat gerade einen großen Erfolg. Könnt Ihr kurz erklären was Eure App tut und warum man sie unbedingt braucht?
    GigBeat ist ein mobiler Konzert-Finder. Jeder Mensch, der auf Live Musik steht, kennt das Problem: Um gute Konzerte zu finden muss man sich durch schlechte Websites von Bands und Clubs kämpfen, bis man etwas gefunden hat, das für einen selbst funktioniert. Dabei fallen unzählige gute Gigs einfach durchs Raster, weil entweder der Künstler übersehen wird, oder das Marketing falsch läuft.

    GigBeat sucht sich deine Lieblingskünstler aus bestehenden Netzwerken oder direkt von deinem Gerät, und reicht dir deren Konzerttermine auf dem Silbertablett. Dazu kann noch regional gestöbert werden, und diverse kleinere Features runden das Paket ab. Fertig sind wir aber noch lange nicht.

     
  3. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?
    Mike Novac, unser amerikanischer Entwickler, hatte im letzten Jahr beim Music Hack Day in New York teilgenommen. Er wollte eine kleine App schreiben, welche Songkicks Konzertdaten auf Android bringt. Da wir vorher schon ein paar mal gut zusammen gearbeitet hatten, bat er mich ihm "schnell" ein paar Interface-Skizzen zu entwickeln.

    Als ich mich dann an die Arbeit machte, musste ich sehr schnell feststellen, dass der Prozess, wie wir unsere Konzerte suchen und finden nicht linear oder trivial ist. Für einen sehr beliebten Künstler reist man auch mal ein Stück, während eine völlig unbekannte Band im Club nebenan auch ab und zu sehr interessant sein kann.

    Aus diesem Problem und der Angst ein gutes Konzert zu verpassen ist dann innerhalb der folgenden Monate GigBeat entstanden.

     
  4. Was fällt Euch zum Thema Android ein?
    Mmh, Android. Android war für uns eine ganz logische Entscheidung. Wir alle lieben den offenen Charakter und die Vielfältigkeit des Betriebsystems. Als alte Open Source Fans waren wir schon immer ein wenig von Apples Restriktionen abgestoßen und als wir vor 2 Jahren in die Mobile Welt eingestiegen sind, gab es keine ernstzunehmenden Alternativen.

    Der schönste Aspekt für mich ist der nicht-elitäre Ansatz von Android: Gebt jedem Menschen Zugang zu einem Smartphone und damit zum Wissen des Internets - egal ob cutting edge oder low level. Ich habe schon Leute getroffen, die zuvor nie an einem PC gesessen haben. Plötzlich hatten sie ihr eigenes, kleines HTC Wildfire in der Hand, und sind über IMB oder YouTube gesurft. Das ist ein gutes Gefühl.

     
  5. Was sind Eure Ziele für die Zukunft? Wollt Ihr Millionär werden? Und: Was treibt Euch jeden Tag an?
    Haha, gute Frage. Vielleicht besuchen wir Millionen von Konzerten. Allerdings würde uns das dann auch Millionen von Dollar kosten. Grundsätzlich haben wir GigBeat erst einmal nur für uns selbst entwickelt. Der Erfolg hat uns danach sehr überrascht. Fertig ist die App aber noch lange nicht. Wir wollen den perfekten Live-Music-Companion erschaffen, und daran arbeiten wir jetzt einfach weiter, Schritt für Schritt.

    Solange du an etwas arbeitest, das du selbst liebst und es für dich ein Problem löst, kommt die Motivation eigentlich von ganz alleine. Mittlerwille wissen wir, dass wir mit GigBeat vielen tausenden Menschen etwas gutes getan haben, und darüber hinaus auch allen Künstlern, die auf den Bühnen um ihre Existent kämpfen. Was mehr kann einen jungen Menschen noch motivieren?

     
  6. Noch kurz eine Einschätzung: Wo steht am Ende des Jahres Android, iOS und Phone 7?
    Das Diskussionsthema schlechthin. Langfristig gibt es unserer Meinung nach nur Gewinner.

    2012 sollte Windows Phone die Möglichkeit geben ein bisschen aufzuholen, denn es ist in der Tat ein edles und hochwertiges Betriebssystem. Allerdings tun sich die Netzbetreiber und Hersteller mit Microsofts Politik recht schwer, und ohne deren Unterstützung ist es ein Kampf bergauf.

    Bei Apple fällt und steigt alles mit dem iPhone 5. Wann und wie es kommt ist noch schwer abzusehen. Wird es revolutionär? Gibt es noch mehr Einschränkungen? Wie immer bleibt uns nicht viel übrig als zu warten.

    Und Android? Noch vor ICS wären wir davon ausgegangen, dass der Trend 2012 wieder ein wenig zurück geht. Aber Android 4.0 ist ein gewaltiger Schritt nach vorne in jeder Hinsicht. Unzählige Tablets, TVs und andere Formfaktoren sollten es Android und Google recht einfach machen, an der Spitze zu bleiben.

    Zusammengefasst denken wir nicht, dass dieses Jahr sehr dramatische Veränderungen in der Verbreitung der 3 großen Betriebsysteme bringen wird. Vielmehr wird das Schlachtfeld auf Tablets und TVs erweitert, und dort gewinnt langfristig das beste Ecosystem.

  7. Habt Ihr noch irgendwelche Lieblings-Apps, die Ihr der AndroidPIT-Gemeinde gerne empfehlen würdet? Also, außer Gigbeat, meine ich jetzt...
    Klar, da wäre zum Beispiel Springpad - Eine schöne Lösung um Notizen, Fotos, Links oder Todos zu sammeln. Für mich persönlich funktioniert es besser als Evernote. So oder so ist ein eine sehr gute Alternative.

    Dann verwende ich sehr gerne
    Feedly - einem der elegantesten Newsreader auf Android. Magazinlayout, Google Reader, Synchronisation. Perfekt für die tägliche Portion AndroidPIT...

    Ein Spiel darf natürlich auch nicht fehlen: 
    Quell Reflect, zum Beispiel. Sehr edles Puzzlegame, das nie frustriert und jederzeit für ein paar Minuten Zerstreuung funktioniert.

    Für Cyanogen-Nutzer hier, empfehle ich Clockwordmod. Unabdingbar für die einfache Aktualisierung der CyanogenMod Nightlies. Manche von uns basteln gerne.

    Dann noch 
    BusinessClanedar Pro - Ein würdiger Ersatz für den Pre-ICS Kalender, dessen komfortable benutzung und übersichtliche Darstellung einfach unschlagbar ist.

    Last but noch least:
    Google+ Messenger - Social Media für die Hosentasche - dient uns auch zur internen Kommunikation beim Homeoffice und der Feierabendkoordination.
     

Vielen Dank für das Interview und Eure Zeit. Wir wünschen Euch weiterhin sehr viel Erfolg!

 

Tags:   Interview

Kommentare

17.01.2012 13:19:24

Danke für diesen tollen Blog.
Davon wünsche ich mir mehr! ;-)

17.01.2012 14:41:28

schöner Hintergrundbericht!
Danke dafür :-)

17.01.2012 18:16:33

Cool cool! :) Bei denen war ich mal in Mainz im Büro zu Besuch :)

17.01.2012 18:55:36

Könnt Ihr ruhig öfters machen solch Interviews. :)

17.01.2012 19:04:07

Wir haben auch vor wieder öfters Entwickler-Interviews zu machen. Freut uns in jedem Falle, dass es Euch interessiert und gefällt.

17.01.2012 19:43:11

Einen kleinen Einwand habe ich!

Offenbar ist WP7 nicht der 3. im Bunde. Es wurden mehr Phones mit Bada als mit Windows verkauft! außerdem ist Blackberry 3....

Gruß,
Andi

19.01.2012 13:18:14

Super Interview! Mehr davon! Danke euch. :-)

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