
Ich will gleich zu Anfang einräumen, dass das ein oder andere Argument von Hans Zehetmair, seines Zeichens Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung, eventuell ein Fünkchen Wahrheit enthält. Aber in einem dpa-Interview lässt der gute Mann – übrigens CSU Politiker und ehemaliger Stellvertretender Ministerpräsident von Bayern, nicht dass das jetzt eine tiefere Bedeutung hätte – ein paar Sachen vom Stapel, bei denen ich mir nur denke: WTF?
So trägt seiner Meinung nach die „Fetzenliteratur“, die bei Twitter gepflegt wird, zur Degeneration bei. Das ist IMHO eine Wortwahl, die sich der gute Mann vielleicht lieber hätte verkneifen sollen. Wer nämlich anfängt im Netz dem Begriff Degeneration auf den Grund zu gehen, der könnte sich eventuell beleidigt fühlen, vorausgesetzt er ist Twitter-User und nutzt vielleicht auch im „normalen Leben“ Floskeln wie: CU, LOL oder ähnliche der deutschen Sprache schädlichen Abkürzungen, die – wie schon erwähnt – laut Hans Zehetmair zu einer Degeneration, also Rückentwicklung der deutschen Sprache führen. Das größte Problem an der erwähnten Degeneration ist IMHO allerdings die Wortwahl, ein Experte der deutschen Sprache hätte dies doch etwas besser formulieren können? Herr Zehetmair sollte doch wissen, dass ein schlecht gewähltes Wort eventuell zu "bad vibrations", zu Assoziationen führen könnte, die der Sache nicht dienlich sind?
Aber auch Anglizismen sind Herr Zehetmair ein Dorn im Auge: "Ich bin nicht gegen Anglizismen im Allgemeinen, aber man sollte schon noch wissen, was die Worte auf Deutsch heißen."
Dem kann man durchaus zustimmen, zumal ich eigentlich denke, dass dies bei den meisten – selbst Twitter-Usern – der Fall ist. Aber Herr Zehetmair ist anscheinend der Meinung, dass Leser und Schreiber von „Fetzenliteratur“ prinzipiell nichts hinterfragen, also die Connection nicht checken, und sieht dies als "symptomatisch für eine Gesellschaft, die nicht mehr hinter die Dinge blickt und die Hintergründe nicht mehr beleuchtet" an. Und wieder kommt mir ein WTF in den Sinn, zum ROFLOL bringen mich diese Worte mit Sicherheit nicht.
Ich nehme an, ich bin nicht der einzige, der das Gefühl hat, da spricht jemand, der keine Ahnung von der Materie hat, die er da verteufelt, und kann mir nur mit Mühe ein STFU verkneifen.

Roman L.
Stimmt total. Diese idiotischen Anglizismen, die überall eingeworfen werden verschandeln nicht erst seit Twitter die deutsche Sprache. Ich sage nichts gegen etablierte Begriffe, wie Internet oder Laptop, aber warum ist etwas "funny" und nicht "lustig", warum etwas "crazy" und nicht "verrückt". Man muss sich nur vorstellen, wie bescheuert es klingen würde, wenn ein Ami dauernd irgendwelche deutschen Wörter in sein Englisch einbaut. Das Lustigste ist ja, dass das Englisch dieser Typen oftmals ebenso grauenhaft ist und sie dies scheinbar durch Einstreuung von Anglizsmen ins Deutsche kompensieren wollen.