
Ich, Vater, Großvater und Pensionist, 67 jährig, besuche meinen Sohn aus erster Ehe und dessen Familie in Berlin. Der arbeitet in der IT-Branche und in seinem Haushalt findet sich alles, was für die technische Kommunikation von heute nötig ist. Als pensionierter Gymnasiallehrer bin ich mit den Errungenschaften der Computertechnologie zwar hinlänglich vertraut, dennoch wird mir klar, dass ich nicht nur dem Sohn, sondern auch den Enkeln gegenüber eindeutige Informationsdefizite habe, da vor allen Dingen Aaron, mein zehnjähriger Enkel mit Computer, Handy, Smartphone, iPod, Tablet und wie die modernen Kommunikationsmittel sonst noch heißen mögen, mit der allergrößten Selbstverständlichkeit umgeht. Bleibt mir daher, angesichts dieses Informationsrückstandes und meines fortgeschrittenen Alters, nur noch der resignative und endgültige Rückzug ins "Tal der Ahnungslosen" - zumindest in dieser Hinsicht?
Lebenselixir Smartphone?!
Während des Aufenthalts "skypen" wir mit Verwandten im Ausland, "streamen" mit einer meiner Töchter, die mit Ehemann und drei Enkeln in der Nähe von Paris wohnt. Diese Kontaktaufnahmen verdeutlichen mir die ungeheuere Bedeutung der modernen Kommunikationsmittel für Patchwork-Familien, in denen Enkel unter Umständen bis zu acht Großeltern haben können, das internationale Zusammenwachsen einer Welt, die sich zunehmend vernetzt und globalisiert. Sie verdeutlichen mir aber ebenso die enorme Wichtigkeit für Gesellschaften, die auf eine zunehmende "Vergreisung" zusteuern. Bieten die Geräte doch die Möglichkeit der Kontaktaufnahme auch für Menschen, die aus Altersgründen und daraus folgendem Rückzug in den häuslichen Bereich von Isolation und Vereinsamung bedroht sind.
Sieht man sich unter den Geräten um, arbeitet sich in das Softwareangebot ein, gewinnt man als Angehöriger der Großelterngeneration den Eindruck, einer extremen Randgruppe bezüglich moderner Kommunikationstechnologien anzugehören, die anscheinend nach dem Motto taxiert wird: "Sinnlos, die raffen ja doch nichts mehr." Doch wenn es schon um Schuldzuweisungen geht, muss man sich als Oldie natürlich auch selbst an der Nase fassen und eingestehen, dass man in dieser Hinsicht in der Überzeugung handelt: "Nutzlose Bemühung, da der Tod schon heftig mit der Sense winkt."
"Best -Ager" an die Front!"
Nun bezeichnet man meine Generation häufig als die der "Best -Ager" und bescheinigt ihr damit offensichtlich eine, wenn auch eingeschränkte, "Lernfähigkeit". Lethargie und Resignation sind daher fehl am Platz, der Einstieg in die Smartphoneszene damit sinnvoll, eigentlich sogar notwendig, aber da sehe ich gewisse Probleme, denn
- Gerätehersteller und Softwareentwickler sind allem Anschein nach nur sehr eingeschränkt an dieser Altersgruppe interessiert
- es fehlt zudem an Kenntnissen über die Bedürfnisse der Oldies in technologischer Hinsicht
- die Bereitschaft der Oldies an dieser Situation selbst etwas zu ändern ist wenig ausgeprägt
Daher mein Appell an die Oldie-Generation: "Gebt Euch mit dem Randgruppendasein nicht zufrieden, macht auf Euch und Eure Erwartungen bezüglich einer Einbeziehung in die Welt der modernen Kommunikationstechnologie aufmerksam" und an die Gerätehersteller und Softwareentwickler: "Schreibt uns nicht ab, includiert uns in eure Welt. Ich zumindest bin nämlich bereit, auch im weit fortgeschrittenem Alter einen Rollentausch vorzunehmen und vom Lehrer zum Schüler zu werden."
Der Spruch: "Wenns Herzl pumpt, ist der Mensch gesund!" reicht nicht aus zur Beschreibung eines erfüllten Lebens im Alter. Einmal, weil es das auch nicht immer so tut, wie wir uns das wünschen , dann aber auch, weil sich auch im Oberstübchen noch etwas entwickeln sollte, ja sogar muss.

Julien A. E.
Ganz toller Beitrag!