
In der Online-Ausgabe des Forbes-Magazines schrieb der Autor Ewan Spence einen Artikel, ob das Verfallsdatum von Android in 2012 abgelaufen sei. Er kommt zu dem Schluss, dass Android seinen Zenith überschritten habe und das Betriebssystem ab dem kommenden Jahr schrittweise an Boden verlieren würde. Der Autor stützt seine These darauf, dass mit Einführung von Ice Cream Sandwich, Android an einem Punkt ist, an dem quasi nichts mehr am bestehenden Betriebssystem verbessert werden kann. Damit meint das Forbes-Magazine bei Weitem nicht, dass Android nun so gut sei. Vielmehr gewinne man mehr und mehr den Eindruck, dass es Android nie gelingen wird so gut wie seine Konkurrenz zu sein.
ZDNet: "Das Galaxy Nexus beweist, dass Android einfach nicht gut genug ist"
In das selbe Horn stößt auch ZDNet, indem der Autor James Kendrick dem Google Betriebssystem attestiert mit Android 4.0 endgültig bewiesen zu haben, dass man nicht auf einer Augenhöhe mit iOS oder Windows Phone 7 in Sachen Performance sein kann. Immerhin seien sowohl das Samsung Galaxy Nexus, als auch Android 4.0 das beste, was man derzeit vom Google-Betriebssystem bekommen könnte. Trotzdem liefen viele Dinge schlicht unrund und hakelig. Ja, so sagt der Autor, Ice Cream Sandwich sei die beste Android-Version. Aber, so konstatiert er weiter, Android sei einfach zu offen. Daraus würde ein hohes Frustrationslevel für den User entstehen.
Und es sei schließlich der User, der in einem Ecosystem der wichtigste Part sei.
Google wird hier unterschätzt
Normalerweise unterschätzt man den Suchmaschinenriesen nicht. Immerhin beweisen die Jungs aus Mountain View immer wieder auf's Neue, wie man wirklich Innovationen schafft. Ich muss zugeben, dass man in der Vergangenheit allerdings oft den Eindruck hatte, die Usability sei noch nicht richtig ausgereift. Mein Eindruck war, dass Google Produkte baute, die durch ihre Innovationskraft vor allem Techniker begeistern konnten. Den Durchschnitts-User allerdings konnte man nicht zum Schwärmen bringen. Man verwendete die Produkte als Normalo in der Regel, weil sie gut funktionierten. Und natürlich, weil sie kostenlos angeboten werden. Aber werden die Produkte auch vom Nicht-Techniker geliebt? Eher nicht.
Google wird wohl irgendwann erkannt haben, dass auch ein durchschnittlicher User Android irgendwann lieben muss. Immerhin schafft man damit eine echte Loyalität zu einem Produkt. Der neue Chef-Designer bei Android, Matias Duarte, sagt in Interviews auch immer wieder, er wolle, dass Menschen Android lieben. Sind das nur Lippenbekenntnisse? Oder schafft es Duarte wirklich, dass man das mobile Betriebssystem von Google liebt?
Ich habe in der Vergangenheit oft über Google, und seine Art mit dem Android Market umzugehen, geschrieben. Genauso war die holprige Usability des Öfteren ein Thema meiner Blogs. Wie weiter oben bereits geschrieben, habe ich bei vielen Google-Produkten die Ästhetik vermisst. In den letzten Monaten gab es aber hier einen starken Schritt nach vorne. Erst in der vergangenen Woche habe ich hierzu einen Artikel (Story dazu: Wie Google Android in den nächsten sechs Monaten zur wichtigsten Plattform für Apps aufbauen wird) verfasst und erklärt, warum ich denke, dass Android eher seinen Vorsprung ausbauen wird. Man traut offenbar Google nicht zu Produkte zu bauen, die man gerne verwendet. Die aktiven Google+ - Nutzer unter uns werden aber wissen wovon ich rede, wenn man behauptet, dass sich schon alleine das neue soziale Netzwerk in den letzten Wochen deutlich verbessert hat und man es mittlerweile gerne verwendet.
Google baut das perfekte Ecosystem
Ich kann grundsätzlich verstehen was die Autoren bei Forbes und ZDNet mit ihrer Kritik meinen. Die Schlussfolgerung des Forbes-Autors kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Wenn er behauptet, das Verfallsdatum von Android sei abgelaufen, nur weil sich Google für ein offenes Android entscheidet, anstatt wie Microsoft auf ein geschlossenes System zu setzen, das so optimal auf die Hardware abgestimmt werden kann. Viel wichtiger als die Performance (die in meinen Augen so schlecht nicht ist!), ist das gesamte Ecosystem mit allen angebotenen Funktionen (Story hierzu: Android wird nie ganz flüssig laufen - Dank seines Framework-Designs).
Google ist gerade dabei Funktionen und Services zu bauen, die Hand-in-Hand zu einem perfekt abgestimmten Ecosystem werden. Services, wie Google+, Google Maps, Google Calendar und Google Docs werden schrittweise ausgebaut werden. Google setzt dabei immer mehr auf Konvergenz und verbindet verschiedene Plattformen miteinander. Es wird egal sein, ob man vom Fernsehgerät über Google TV, über den Browser auf dem Rechner oder eben auf dem Smartphone zugreift. Natürlich werden die Konkurrenten versuchen diese Strategie nachzuahmen. Google ist hier aber meilenweit voraus. Und bietet vor allem alle Services kostenlos an.
Es wäre aus meiner Sicht die strategisch falsche Entscheidung Hardwarehersteller zu zwingen ganz und gar auf eigene Oberflächen zu verzichten. Die Folge wäre, dass die Partner, die Android stark gemacht haben, abspringen würden. Das wiederum liegt nicht im Interesse von Google.
Es ist durchaus möglich, dass die Android-Performance immer der von iOS und Phone 7 hinterher hinken wird. Oder vielmehr wird es Android unter Umständen nicht möglich sein das Optimale aus der Hardware zu holen. Am Ende - so denke ich zumindest - wird es die meisten Nutzer aber nicht stören. Oder besser: Sie werden es wahrscheinlich gar nicht merken.
2012 kann also kommen. Und Android wird ein fester Bestandteil im mobilen Segment sein.

Valentin A.
Ich würde behaupten, dass es gerade 2012 in die andere Richtung geht und Android auf der Überholspur ist.