
Aktuell ist Android sicherlich noch nicht der erste Hafen für App-Entwickler. Das konnte man auch alleine an der Grafik, die Michael heute am Vormittag gepostet hat, sehen. Da wird deutlich, dass sich viele App-Entwickler noch nicht so richtig für Android begeistern können.
Eric Schmidt: „In sechs Monaten werden App-Entwickler Android als Plattform favorisieren“
Das könnte aber in sechs Monat bereits anders sein. Das zumindest spiegelt den Wortlaut von Eric Schmidt wieder, als er letzte Woche auf die Frage antwortete, was man dagegen unternehmen wolle, dass viele App-Entwickler ihre Apps nicht, oder nur unvollständig, auf Android portieren möchten. „App-Entwickler werden von großem Volumen angetrieben“, meinte Eric Schmidt. Was er damit meint ist, dass die Entwickler sich natürlich erstmal für die Plattform entscheiden, die ihnen am meisten Potential bietet. Aktuell entscheiden sich immer noch mehr Developer für iOS als Plattform - also das Betriebssystem, das hinter dem iPhone und dem iPad steht.
Theorie: Hinter Schmidt‘s Äußerungen steckt mehr
Eric Schmidt stützt seine Theorie auf der Tatsache, dass Android aufgrund seines offenen Systems in 2012 für (sehr) große Verbreitung sorgen wird. Nur: bereits heute hat Android nach übereinstimmenden Untersuchungen einen größeren Marktanteil als Apple (Story: Android überrollt Apple)
Viele Blogs und Seiten interpretieren die Äußerungen von Schmidt so, dass mit der neuen Version von Android, Ice Cream Sandwich, auch viele der bisherigen Android-Kinderkrankheiten verschwinden werden. Und das wiederum wird zu einer noch größeren Verbreitung von Android führen.
Es ist aber unwahrscheinlich, dass nur durch Ice Cream Sandwich alleine, Hardwarehersteller plötzlich anfangen werden, euphorisch weitere Geräte mit dem Google-Betriebssystem auf den Markt zu schmeißen. Und noch unwahrscheinlicher ist es, dass App-Entwickler nun in Begeisterungsstürme ausbrechen werden und von sich aus anfangen Android-Apps zu entwickeln, die qualitativ den Apps von Apple gleichziehen können.
Ich für meinen Teil habe einige Theorien entwickelt, die sowohl aus dem Interview, als auch durch Aktionen von Google aus der jüngeren Vergangenheit resultieren, warum Android wirklich einen Quantensprung vor sich hat.
Android wird ein Graphical User Editor und härtere Guidelines bekommen
Ein, aus meiner Sicht, fundamentales Problem bei Android, ist, dass alle Apps unterschiedlich aussehen. Das Problem ist dabei nicht die Vielfältigkeit, die man ja eigentlich noch begrüßen dürfte. Vielmehr war es von Anfang ein Problem, dass quasi jeder Entwickler quasi seine eigenen User Interface Elemente produziert und einsetzt. Das führt teilweise zu recht eigenwilligen Lösungen bei der Nutzerführung eines Produkts.
Bei Apple ist dies anders. App Entwickler haben dort ein Framework für User Interface Elemente, auf das zurückgegriffen werden kann. Auf diese Weise sehen alle Apps bei Apple zwar unterschiedlich aus, lassen sich aber von den Usern sehr ähnlich bedienen. Durch die Vorgaben von Apple schleichen sich auch deutlich weniger optische Ausrutscher ein, wie wir es bei Android teilweise entdecken können.
Mit Ice Cream Sandwich hat Android nicht nur einen gewaltigen Sprung aus technischer, sondern auch aus optischer Hinsicht gemacht. Mit dem neuen Chefdesigner Matias Duarte ist Android nicht nur ansprechender geworden, sondern lässt sich auch deutlich besser bedienen. Duarte sagt selber, dass die Leute "Android lieben" sollen. Damit er dieses Ziel schaffen kann, ist eine deutliche Steigerung bei der App-Qualität unabdingbar.
Ich halte es für durchaus möglich, dass wir in 2012 ein ähnliches Framework wie bei Apple für Android-App-Entwickler bekommen. Nur so kann das "Look & Feel" der angebotenen Apps deutlich angehoben werden.
Übrigens: Ich bin der festen Überzeugung, dass mit einer deutlichen Qualiätssteigerung bei den Apps auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden steigen wird.
Google+ und Google Music - die Google-Plattform wächst und wird besser
Google baut seine Produktpalette weiter aus. Neben Google+ wurde auch Google Music in diesem Jahr vorgestellt. Mit den neuen Produkten wächst auch die Plattform und die Anzahl an potentiellen Kunden. Gerade Google+ dürfte sich in den nächsten Monaten dynamisch entwickeln. Das soziale Netzwerk des Suchmaschinenanbieters ist optimal bei Ice Cream Sandwich eingebunden. Auch wenn es jetzt noch langsam geht: Google+ wird über seine Einbindung auf der Google-Startseite, als auch durch die Android-Integration viele Millionen Menschen erreichen und sukzessive die Aktivität der Menschen dort ausbauen.
Google arbeitet an vielen weiteren Produkten, die nun sukzessive auf den Markt gebracht werden. Mit jedem der vielen neuen Produkte, werden auch neue Nutzerschichten erreicht. Nutzer, die man vorher eben noch nicht erreichen konnte. Oder zumindest nicht in der Häufigkeit.
Noch ein wichtiger Punkt: Google arbeitet sehr viel an der stetigen Verbesserung seiner Produkte. Der Android Market hat einen großen Sprung nach vorne gemacht, es wurden neue Dinge, wie Provider-Billing, etc geschaffen und angeboten. Für 2012 kann man erwarten, dass sich bei Android und dem Market noch viel tun wird.
Google-TV - der Sprung ins Wohnzimmer
Für mich war beim Schmidt-Interview noch eine Sache besonders bemerkenswert. Die Aussage, Google-TV würde ab Sommer 2012 auf der Mehrheit aller TV-Geräte laufen, hat eine wirklich große Tragweite. Gelänge Google nämlich wirklich der Sprung in die Wohnzimmer, indem Google-TV in vielen Haushalten zu einem wichtigen Baustein beim Fernsehkonsum wird, könnte Google sein Ecosystem auch dorthin ausweiten. Ich halte es für wahrscheinlich, dass man nach Möglichkeiten suchen wird Apps auch auf TV-Geräten laufen lassen zu können.
Google formt seine Produkte zu einem Ecosystem aus einem Guss
Innovativ war Google schon immer. In diesem Jahr konnte man aber dennoch eine Änderung erleben. Zum Einen wurde das Design vieler Produkte angepasst oder optimiert. Und zum Anderen werden die Produkte ineinander verwoben. Bestes Beispiel: Google+. Auf dieser Seite findet man YouTube, es gibt einen Chat oder auch Google Talk. Durch die Kombination seiner Produkte, dem zentralen Zugang zu allem über die Google-Adresse und die stetige Verbesserung der Produkte wird auch die Nutzung all dieser sich deutlich verstärken. Irgendwann wird man auf Google+ Musik über Google Music, Filme über YouTube oder Chats über Google Talk durchführen können. Oder eben umgekehrt.
Dies gilt natürlich auch für den gesamten Content, wie Apps. Auf den Endgeräten, auf denen Android Apps laufen werden, wird Google sie auch zum Download anbieten. Die Anzahl potentieller App-Käufer steigt also dramatisch an.
Fazit
Android hat gerade seinen dritten Geburtstag hinter sich gebracht. Und man merkt, dass das Betriebssystem - oder vielmehr: Das Android-Ecosystem - nun erwachsen wird. Dass sich gerade viel in Sachen Android-App-Qualität tut, merkt man auch an dem Umstand, dass Entwicklern eine Art Nachhilfe geboten wird. Google will erreichen, dass die Qualität aller Produkte besser wird - auch die der Partner. In den nächsten 12 Monaten werden wir erleben wie aus dem unterschätzten Android ein professionelles Betriebs- und Ecosystem wird.
Android-Entwickler werden Geld verdienen. Und Eric Schmidt wird Recht behalten.
Hier noch einmal die Stelle des Interviews, an der Eric Schmidt gefragt wurde. Leider kann ich das Video nicht so einbetten, dass es genau an dieser Stelle startet. Deshalb der Link.

Markus Gu
"Android-Entwickler werden Geld verdienen. Und Eric Schmidt wird Recht behalten."
Man kann das nur hoffen...
Aber dazu müsste sich auch die Einstellung der User 180° drehen. Stichworte: Adblocker, Kopieren ist nicht Klauen, usw