
Normalerweise berichten wir über Apple ja nur dann, wenn es dann auch gleichzeitig um ein Unternehmen aus der Android-Welt geht. In den meisten Fällen klingt die Nachricht dann auch eher so: „Apple verklagt xyz“ oder „Apple gewinnt im Fall xyz“. Das die Sache aber auch mal anders ausgehen kann, zeigt ein aktueller Fall aus China. Denn dort gibt es derzeit ziemlich schlechte Nachrichten für das Unternehmen aus Cupertino: So hat Apple nämlich einen Rechtsstreit um die Handelsmarke iPad verloren, was dafür sorgen könnte, dass Apple sein Tablet dort in Zukunft unter einem anderen Namen verkaufen muss oder aber es droht eine Geldstrafe von 1,17 Milliarden Euro.
Wie? Apple verliert bei einem Streit um einen Markennamen? Was ist passiert?
Die zweite Partie im Streit um den Namen iPad hört auf den Namen Proview Technology, ein Name der hierzulande wahrscheinlich bei den wenigsten eine Assoziation weckt. Proview Technology ist in Shenzen angesiedelt und gehört dort zu der Hong Kong Proview International Holdings Limited. In Taipe hat das Unternehmen eine weitere Niederlassung, welche den Namen „iPad“ im Jahre 2000 (10 Jahre vor Apples Veröffentlichung des iPads) in verschiedenen Ländern und Regionen hat registrieren lassen.
Der Hintergrund
Damals war Proview ein Hersteller von flachen Displays, heute ist das Unternehmen aufgrund der Weltwirtschaftskrise am Rande der Insolvenz. Doch vielleicht ändert sich das bald, denn das Unternehmen versucht nun, 10 Milliarden Yuan (umgerechnet etwa 1,17 Milliarden Euro) von Apple zu ergattern. Das Unternehmen versuchte um die Jahrtausendwende erfolglos die Marke IPAD mit solchen Produkten wie LCD-Displays, Fernsehern, Radios, Digital Kameras Webcams und Sicherheits-Produkten zu entwickeln.
2006 dann verkaufte Proview die globale Handelsmarke iPad an das US-basierte Unternehmen IP Application Development für etwa 40.900 Euro. Zu diesem Zeitpunkt wusste Proview nichts darüber, dass dieses Unternehmen Verbindungen zu Apple hatte. So weit, so gut. Die „Lücke“ in diesem Geschäft ist, dass zu dem Verkauf der globalen Handelsmarke nicht die chinesische Handelsmarke gehört, was so viel bedeutet wie, dass Proview die Handelsmarke „iPad“ in China weiterhin verwenden dürfte.
Im Jahr 2009 kaufte Apple dann die europäischen Rechte der iPad-Marke für etwa 41.100 Euro vom Mutterkonzern Proview, um dann Proview Shenzen wegen Warenzeichenverletzung zu verklagen. Denn Apple dachte, dass zu dem europäischen Deal auch China gehörte. Proview Shenzen bestritt dies aber und gab nicht klein bei, sondern drohte im Gegenteil sogar Apple mit einer eigenen Klage wegen Warenzeichenverletzung mit einem Warenwert von 800 Millionen Dollar (598 Millionen Euro).
Seitdem ging die Sache recht hässlich hin und her bis vor kurzem ein Gericht in Shenzen die von Apple eingereichte vermeintliche Rechtsverletzung durch Proview abgelehnt hat. Als Reaktion darauf hat der Vorstandsvorsitzende Yang Rongshan von Proview nun angekündigt, dass sein Unternehmen Apple für Schäden sowohl in China als auch in den USA vor Gericht ziehen wird.
Neben der Klage und der Forderung von 1,17 Milliarden Euro hat das hoch verschuldete Unternehmen Proview außerdem auch noch Apple-Vertriebspartner dazu aufgefordert, den iPad-Verkauf zu unterlassen. Und für alle die sich fragen, was das mit Andorid zu tun hat: Es geht hier immerhin um einen der größten Konkurrenten, der das Leben vieler Android-Hersteller etwas komplizierter macht, weshalb auch solche Nachrichten hier hin und wieder Platz finden dürfen.
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Quellen: M.I.C. Gadegt, Financial Post, Golem

Jacob Zschunke
Im letzten Absatz wurde Dollar mit Euro verwechselt glaube ich. Vorher zumindest war die ganze zeit die Rede von 1,17 Milliarden Euro.
Ich finds schön das Apple mal in ihrer paradedisziplin (markenrecht) eins auf den deckel bekommt.