
Am kommenden Mittwoch dürfte es wohl soweit sein. Endlich! Nachdem das für Dienstag geplante Event in San Diego abgesagt wurde, dürfen wir alle nun hoffen, übermorgen in Hongkong mehr zu erfahren. Denn neben dem neuen Nexus Prime, das von Samsung gebaut wird, soll, so munkelt man, eben auch die neue Android-Version Ice Cream Sandwich der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Wirklich Handfestes weiß man leider nicht von Ice Cream Sandwich - wie das neue Android 4.0 auch genannt wird. Wir haben aber einige Spekulationen zusammengetragen, von denen wir glauben, dass uns diese kommende Woche erwarten könnten.
1. Ein Betriebssystem - für Smartphones und für Tablets

(Bildquelle: androidheadlines.com)
Android wächst und wächst und wächst. Täglich werden mehr als eine halbe Millionen neue Android-Smartphones von Google freigeschaltet. Das Betriebssystem aus dem Hause Google hat in diesem Jahr die Marktführerschaft in seinem Bereich erobert. Diese Erfolgsgeschichte ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass Android quasi von jedem Hardwarehersteller mehr oder weniger kostenlos verwendet werden kann. Mittlerweile findet sich das Google-Betriebssystem auf allen möglichen unterschiedlichen Plattformen wider. Egal ob Smartphones, Tablets oder selbst Fernsehgeräte - Android wird immer mehr zur Basis vieler mobiler Geräte.
Daraus resultieren aber auch Probleme. Vor allem die große Fragmentierung - also die vielen unterschiedlichen Geräte, Displaygrößen, unterschiedlichen Prozessoren, usw. - machen den Entwicklern von Hard- und Software zu schaffen. Google hat zunächst darauf reagiert, als man App-Entwicklern im Mai diesen Jahres dann erlaubte, unterschiedliche Versionen ihrer Apps in den Market zu laden. Entwicklern können so unterschiedliche Zielgruppen bzw. Android-Geräte ansprechen.
Richtig problematisch wurde es als Google gezwungen war, eine eigene Android-Version für Tablets auf den Markt zu bringen, um nicht den Anschluss an Apple mit dem iPad zu verlieren. Aus diesem Grunde wurde das Android-Entwickler-Team in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe arbeitete weiter an den Updates für Gingerbread für die Android-Smartphones. Die Andere war für Honeycomb verantwortlich. Diese Version ist bekanntlich ausschließlich Tablets vorbehalten. Google stellt dies sicher, indem der Quellcode für diese Version noch nicht veröffentlicht wurde.
"Um unseren Zeitplan bei der Auslieferung [von Honeycomb] einhalten zu können, mussten wir einige Abstriche beim Design in Kauf nehmen", wurde Andy Rubin zitiert. "Wir wollten uns keine Gedanken darüber machen was notwendig wäre, damit die selbe Software auch auf Telefonen läuft. Das hätte einen Haufen zusätzlicher Ressourcen benötigt und unseren Zeitplan zu weit nach hinten geschoben."
Nachdem dann Gingerbread im Dezember letzten Jahres und darauf dann Honeycomb im Februar veröffentlicht wurde, arbeitet Google seither an der Zusammenführung der beiden autarken Android-Versionen. Ice Cream Sandwich wird diese beiden Stränge wieder zusammenbringen. Hierbei handelt es sich eigentlich fast nicht mehr um ein Gerücht, da Google dies selbst bereits angekündigt hat.
Wahrscheinlichkeit des Gerüchts: 99,9%
2. Komplett neues User Interface

(Bildquelle: mobiflip)
Es spuken viele Bilder durch das Netz, die Ice Cream Sandwich zeigen sollen. Genaues hierzu weiß man allerdings nicht. Es spricht aber vieles dafür, dass, die Nutzeroberfläche, die Google bei Honeycomb bereits eingesetzt hat, in einer deutlich verbesserten Form eingesetzt wird. Es würde also die sogenannte "Holographic UI", einen neuen Launcher, ein neues User Interface für das Multitasking, mehr Widgets (wie z. B. das Uhren-Widget), usw. zum Tragen kommen.
Wahrscheinlichkeit: 95%
3. Android wird wieder komplett Open Source

Die sogenannten Custom ROMs erfreuen sich unter Android-Usern großer Beliebtheit. Dies war bisher nicht der Fall. Honeycomb wurde nämlich von Google nicht in das Android Open Source Project weitergegeben. Diese Entscheidung wurde so begründet, dass man vor allem Unternehmen davon abhalten wolle Honeycomb auf Telefonen zu portieren, so wie man es vorher mit Gingerbread bei Tablets gemacht hat. Viele Unternehmen hatten im iPad-Fieber überhastig unausgereifte Android-Tablets auf den Markt geworfen und so für große Katerstimmung bei den Kunden gesorgt.
Nun soll der fertige Quellcode wieder öffentlich gemacht werden. Und so können sich auch Android-Tablet-Kunden bald tolle neue Custom ROMs, wie CyanogenMod, auf ihr Tablet oder Smartphone ziehen.
Wahrscheinlichkeit: 95%
4. Google-Music sorgt für heiße Ohren

(Bildquelle: stereopoly.de)
Wir haben bei AndroidPIT ja des Öfteren geschrieben: Content ist [aus unseren Augen] King! Apple bietet ja schon seit geraumer Zeit ein umfassendes Angebot an verschiedenen digitalen Diensten, wie Musik, Games, Apps und Filmen an.
Es wurden mittlerweile im Android Market schon Icons für den Music Store erkannt. Es ist relativ wahrscheinlich, dass der neue Android Music Store bei der Veröffentlichung von Ice Cream Sandwich angekündigt wird.
Wahrscheinlichkeit: 95%
5. Weitere Optimierungen für Multi-Core-Prozessoren
Es ist zwar so, dass bereits seit Android 2.x Multi-Core-Devices möglich waren. Allerdings waren diese Versionen nicht vom Grund auf hierfür designed. Honeycomb brachte dann einige Änderungen in der Dalvik VM, Bionic Library und an anderen Stellen, bei denen Apps vor allem in Sachen Geschwindigkeit profitieren konnten. So können seither selbst Single-Core-Anwendungen schneller laufen, wenn einige Dinge, wie der Dalvik Garbage Collector, auf dem zweiten Kern läuft.
Mit Ice Cream Sandwich könnte es weitere Optimierungen geben, so dass wir hier deutliche Performance-Steigerungen erwarten können
Wahrscheinlichkeit: 90%
6. Offizielles Design-Environment für OEMs
Es gab eine Zeit, da hielt ich diese Option für elementar, um Android wirklich erfolgreich werden zu lassen. Gerade ganz zu beginn waren die Android Apps optische Katastrophen, eben weil jeder Entwickler praktisch alles selber so gestalten konnte, wie er es wollte. Es gab keine grafischen Vorgaben seitens Google. Entsprechend war alles ein optischer Wildwuchs.
Dies kann man durchaus auch von den heutigen grafischen Versionen der Hersteller behaupten. Egal ob wir über HTC mit der Sense-Oberfläche, die Blur von Motorola oder TouchWiz bei Samsung sprechen - fast alle Hersteller haben eigene grafische Elemente für ihre Oberfläche. Anpassungen dieser Art werden von den Herstellern selber durchgeführt und in das Betriebssystem “einprogrammiert”. Dies führt allerdings dazu, dass neue Android-Versionen von OEMS nicht so schnell angepasst werden können. Immerhin müssen alle Hersteller nach der Veröffentlichung einer neuen Android-Version noch einmal selber Hand anlegen, bevor die Telefone, die sich bereits auf dem Markt befinden, ebenfalls in den Genuss neuer Versionen gelangen. Sofern dies überhaupt passiert! Dies führt regelmäßig zu großen Verstimmungen bei den Kunden.
Google könnte dieses Problem damit umgehen, wenn das Unternehmen eine Art Schnittstelle oder Engine anbieten würde. So der Suchmaschinen-Riese neue Android-Versionen auf den Markt bringen, ohne dass dies große und damit langwierige Anpassungen von HTC, Samsung & Co. erfordern würde.
Wahrscheinlichkeit: 60%
7. WhatsApp wird in Android integriert

Erst kürzlich haben wir davon berichtet, dass es hartnäckige, aber vor allem Gerüchte aus gut informierten Quellen gibt, die da sagen, dass Google die Integration des Instant-Messaging-Dienstes “WhatsApp” plane.
Tatsächlich würde es durchaus Sinn machen eine solche Integration direkt mit dem Start von Ice Cream Sandwich zu präsentieren. Die Idee dabei wäre, dass SMS- und Whatsapp-Menü zu einem Ort verschmelzen. Es wäre somit denkbar, dass Android Icecream User, die gerade mit ihrem Device online sind, untereinander kostenlos Nachrichten schicken können. Schließlich müssten sich Nutzer nicht automatisch vorher beim Nachrichten-Dienst registrieren, sondern wären dies direkt mit ihrer Googlemail-Adresse. Android würde - zumindest aus Sicht der Endnutzer - somit deutlich aufgewertet.
Die Information, dass Google eine Integration von WhatsApp plant, stammt aus einer Quelle, die nicht genannt werden will. Bislang gibt es außer AndroidPIT allerdings keine Seiten, die von der Integration sprechen. Die Wahrscheinlichkeit liegt von daher nicht sehr hoch, dass es bereits jetzt schon soweit sein könnte.
Wahrscheinlichkeit: 30%
8. Google TV-Integration

(Bildquelle: digitallife)
Apple hat kürzlich seinen neuen Dienst iCloud gelauncht. Damit können alle Musik-Titel, Bookmarks, Apps, Bücher, usw. die man bei iTunes gespeichert hat, zukünftig direkt aus der Cloud gestreamt oder synchronisiert werden. Filme können aktuell noch nicht gestreamt werden.
Google hat einen ähnlichen Dienst mit Google TV. Man kann den Google-Dienst nicht genau mit der Apfel-Konkurrenz vergleichen. Aber um mit Apple gleichziehen zu können, wäre ein baldiger Launch des Fernsehangebots sicherlich sehr wichtig. Immerhin kann man davon ausgehen, dass man sich dauerhaft nur für einen der Cloud-Anbieter entscheiden wird. Google TV hat zwar aktuell noch kein integretiertes Cloud-System. Der Schritt wäre aber sicherlich denkbar. Die Vision, die hinter dem Fernseh-Angebot des Suchmaschinenriesen steckt, ist, dass Fernsehen und Web miteinander verschmelzen und sich User ihr Fernsehprogramm selber so zusammenbauen können, wie sie es gerne hätten.
Eine Integration in Android wäre sicherlich eigentlich eine logische Konsequenz. Denkt man noch einen Schritt weiter, könnte es sein, dass die Setup-Boxen, die man für Google TV benötigt, ähnlich wie das Motorola Atrix, mit einem Smart Dock betrieben werden. Diese Strategie ließe sich beliebig weiterführen: Der Prozessor des Android Smartphones ist quasi elementarer Bestandteil vieler Ausgabescreens. So könnte ein Fernsehgerät, ein Notebook, usw. vom Android Smartphone betrieben werden.
Pfiffig, oder?
Wahrscheinlichkeit: 40%
9. Bis zu zwei mal schneller als Honeycomb?
In Sachen Performance wird sich wahrscheinlich - wie unter Punkt 5 bereits geschrieben - einiges tun. Viel findet man im Netz zu diesem Thema nicht. Allerdings konnte man immer wieder von einer Steigerung von fast 100 Prozent lesen. Allerdings - und das relativiert das Ganze auch schon wieder - stand nie dabei auf was sich diese Zahl bezieht. Insofern kann man davon ausgehen, dass sich hier in jedem Falle etwas beim Speed getan hat.
Wahrscheinlichkeit: 99%
10. Neuer Game-Service aus dem Hause Google?
Social Gaming ist nach wie vor in! Bisher gab es unter Android nichts wirklich Offizielles, was die Android-Gamer untereinander nutzen konnten, um ihre "spielerischen Fähigkeiten" untereinander nutzen zu können. Natürlich gibt es bereits Services wie OpenFeint. Aber es ist sicherlich etwas Anderes, wenn es einen solchen Service direkt von Google gibt.
Dabei könnte durchaus Apple das Vorbild sein. Dort gibt es seit rund einem Jahr das Game Center. Über eine Schnittstelle können Entwickler ihre App an das Game Center "anschließen", so dass dann Nutzer der Apps direkt gegeneinander spielen können. Gerüchte, Google plane etwas Vergleichbares, halten sich bereits seit einiger Zeit recht hartnäckig. Und ebenso, dass Google+ eine große Rolle in diesem Concerto spielen dürfte.
Wahrscheinlichkeit: 80%
11. Neue Kamera Effekte
Bei der Google I/O, der Entwicklerkonferenz von Google, wurden bereits viele neue visuelle Effekte gezeigt, die wohl ab Ice Cream Sandwich möglich sein sollen.
Wahrscheinlichkeit: 95%
12. Ice Cream Sandwich verwendet den neuesten Linux Kernel

(Bildquelle: androidproduction)
Auch wenn diese News eigentlich nur für die echten Geeks unter uns interessant sein dürfte: Linus Torvald ließ im Juli am Rande einer Veranstaltung fallen, dass man bei Android den Linux 3.0 Kernel verwenden würde. Die genaueren Infos, was sich dadurch verbessern wird, werden ebenfalls die Spezialisten hier bei AndroidPIT weitergeben können. Es darf aber mit mehr Geschwindigkeit und Sicherheit gerechnet werden.
Wahrscheinlichkeit: 75
13. Ice Cream Sandwich Galerie bekommt eigenen Editor

Ein Gerücht, dass erst vor Kurzem noch im Netz aufgetaucht ist, erscheint uns relativ einleuchtend. So soll die Bilder-Galerie von Android Ice Cream Sandwich einen "eingebauten" Editor mit den wichtigsten Bildbearbeitungsfunktionen spendiert bekommen. Zu diesem Gerücht sind im Netz auch diverse Screenshots aufgetaucht, die diese Sache unserer Meinung nach relativ handfest erscheinen lassen. Wir können uns die Ice Cream Sandwich Galerie mit Editor recht gut vorstellen.
Wahrscheinlichkeit: 90%
14. Bessere Near Field Communication Unterstützung

Da NFC ein Steckenpferd von Google ist, verwundert es nicht, dass auch diese Technologie weiterentwickelt wird und ein Update innerhalb der neuesten Android-Version spendiert bekommt, welches bessere NFC Unterstützung und das ein oder andere neue Feature bringen soll. Zukünftig einfach zwei Android-Smartphone aneinanderhalten um Inhalte auszutauschen, ohne lästiges Koppeln und connecten, wie man es von Bluetooth kennt? So wurde es zumindest auf der Google I/O angekündigt und die Zeit sollte eigentlich gelangt haben, um dieses Feature "Ice Cream Sandwich Ready" zu machen.
Wahrscheinlichkeit: 90%
15. Face Tracking
Eine Head-Tracking-API, die es Anwendungen erlauben soll, dem menschlichen Gesicht zu folgen, wurde schon auf der I/O angekündigt und anhand von Video-Chat demonstriert. Die Chancen, dass die Gesichtsverfolgung - beispielsweise im schon erwähnten Video-Chat - schon voll funktionsfähig ein Teil von Ice Cream Sandwich ist, stehen unserer Meinung nach sehr gut.
Wahrscheinlichkeit: 90%
16. Android@Home

(Bildquelle: zdnet.de)
Eines der spannendesten Themen bzw. eine der spannendsten Ankündigungen bezüglich Ice Cream Sandwich war wohl Android@Home, ein Framework, dank dem sich Googles mobiles Betriebssystem mit Geräten des Alltags verbinden lassen kann um diese zu steuern. Viel zu sehen davon gab es auf der I/O jedoch nicht, wie man das Licht von Lampen regulieren kann war so aufregend nicht. Dass Ice Cream Sandwich in Bezug auf Android@Home in der nächsten Zeit schon etwas zu bieten haben wird, erscheint nicht besonders wahrscheinlich. Hierzu muss natürlich das nötige Ökosystem geschaffen werden und das dürfte nicht von heute auf morgen gehen. Oder könnte Google sich bezüglich Android@Home etwas so intelligentes und unerwartetes ausgedacht haben,
dass schon das Nexus Prime/Galaxy Nexus in dieser Richtung - ohne die eigentlich nötige Verbindung zu weiteren Geräten - etwas zu bieten haben wird? Wir denken nicht.
Wahrscheinlichkeit: 10%
Was genau uns mit Googles neuer Android-Version wirklich erwartet, werden wir dann letztendlichspätestens übermorgen sehen. Bis sind die Gerüchte aber bereitsein augezeichnetes Indiz dafür, dass bei Ice Cream Sandwich eine ganze Menge Neues zu erwarten ist.

Henning Stummer
Guter Artikel .... "Blur" ist aber von Motorola ;)