
Es hat einen Moment gedauert, bis ich mit dem Lapdock und dem, was das Laptop-Gehäuse in Verbindung mit der Webtop Applikation des Motorola Atrix zu bieten hat, warm wurde. Jetzt fällt mir der baldige Abschied, sowohl vom Atrix als auch vom Lapdock schwer. Die Kombination von Handy & Laptop hat durchaus Schwächen und es gibt Kritikpunkte, ist andererseits aber auch eine recht coole Sache, die - wohl nicht nur mir persönlich - einiges zu bieten hat.
Ich hoffe, ich konnte auf alle Punkte, die sich durch meine Umfrage angesammelt haben, in den beiden Videos eingehen, aber natürlich gibt es hier im Artikel auch noch die ein oder andere Info über das Atrix und das Lapdock.
Hier im Überblick die wichtigsten technischen Daten der beiden Geräte:
Motorola Atrix

Lapdock

(Gewichtangabe stimmt nicht, das Lapdock wiegt ca. 1,1 Kilogramm)
Wem nicht ganz klar ist, wie die Kombination von Atrix und Lapdock funktioniert, hier eine kurze Erläuterung. Alles in allem recht simpel, „schlummert“ auf dem Atrix die Webtop-Anwendung, eine Art Mini-Linux. Dieses OS wird gestartet, sobald das Atrix mit dem Lapdock verbunden wird und bietet außer der Möglichkeit sein Smartphone auf dem Display zu nutzen (also Android inklusive Apps und was dazugehört) einen vollwertigen Firefox-Browser. Zusätzliche Anwendungen lassen sich im Webtop nicht installieren, dies ist nur möglich, wenn man tiefergreifende Modifikationen vornimmt, die aber einen Garantie-Verlust zur Folge haben. Ein offener Bootloader und Root sind nämlich nötig, um ein vollwertiges Ubuntu-Linux auf der SD-Karte des Atrix zu installieren und mit dem Lapdock nutzen zu können. Das habe ich natürlich nicht ausprobiert, da es sich um Testgeräte handelt. In unserer Video-Review geht es nur darum, wie gut die ganze Sache von Haus aus funktioniert.
Inhalt von Video 01:
00:14 Lapdock Hardware Überblick
02:08 Tastatur & Touchpad
04:29 Größenvergleich mit Laptop & Eee Pad Transformer
06:49 Atrix andocken und Webtop starten
08:02 Webtop/Lapdock Übersicht
11:07 Webtop/Lapdock & Android
14:33 Webtop/Lapdock & Firefox (inklusive Youtube-Video Wiedergabe)
Inhalt von Video 02:
00:15 Android & Firefox auf dem Lapdock
02:04 Office Anwendungen nutzen
05:24 Speichermedien am USB Stick
08:46 PC fernsteuern per Lapdock
12:10 Citrix Virtual Desktop
15:33 Fazit
Telefonieren mit Atrix und Lapdock
Eine Sache habe ich im Video nicht angesprochen und gezeigt, und zwar wie man telefonieren kann, wenn man das Lapdock nutzt, das Atrix also eingedockt ist. Zum einen kann man einen eingehenden Anruf ganz einfach durch Drücken eines entsprechenden Buttons auf dem Display annehmen und über die eingebaute Freisprechfunktion dann telefonieren. Das funktioniert überraschend gut, obwohl das Lapdock nicht über ein Mikrofon verfügt. Man spricht also mit seinem Gegenüber ganz normal über das Mikro des Atrix, welches sich ja hinter dem Display befindet. Dies war aber bei meinen Tests kein Problem, mein Gegenüber verstand mich gut, wenn auch eventuell etwas leise.
Eine weitere Möglichkeit ist natürlich über ein Bluetooth Headset, was ich aus Ermangelung eines solchen, nicht ausprobieren konnte. Dies sollte aber kein Problem darstellen. Außerdem kann man natürlich bei einem eingehenden Anruf das Display zuklappen und das Atrix aus der Halterung nehmen, um zu telefonieren. Eventuell geöffnete Tabs im Firefox Browser werden nach erneutem Andocken automatisch wieder hergestellt.
Atrix und Lapdock ein Netbook/Laptop-Ersatz?
Eine Frage bezüglich des Atrix inklusive Lapdock ist natürlich „Kann diese Kombination ein Netbook oder einen Laptop ersetzen?“ und die Antwort darauf ist von meiner Seite aus ein klares Nein. Gerade wenn man erwartet eine ähnliche Performance wie auf seinem Laptop/Netbook im Firefox-Browser zu erleben, wird man sehr wahrscheinlich enttäuscht sein. Diese ist teilweise sogar recht gut, allerdings kann man den Firefox-Browser ohne Weiteres in die Knie zwingen, indem man beispielsweise zehn, oder auch mehr Tabs mit verschiedenen Websites öffnet. Auch laufen „aufwendigere“ Websites, also z. B. Google Mail oder auch Google+ prinzipiell nicht so flüssig, wie „normale“ Seiten, also beispielsweise unsere AndroidPIT Homepage. Das mag jetzt vielleicht erst einmal sehr negativ in Bezug auf das Lapdock und den Firefox-Browser klingen, jedoch habe ich diesen schätzen gelernt. Vor allem ist es ein echter Browser, der es mir z. B. erlaubt Blogeinträge auf AndroidPIT einzustellen. Dies geht – aufgrund des Editors, über den das geschieht – innerhalb keines Browsers für Android zufriedenstellend. Wahrscheinlich ist es jedem schon einmal passiert, dass etwas im Android-Browser nicht funktionierte (z. B. Drop-Down-Menüs oder Formulare), was am PC normalerweise kein Problem darstellt. Dies geht natürlich auch mit dem Lapdock und dem Firefox-Browser. Wenn man sich dessen bewusst ist, dass man von dem Lapdock in Verbindung mit dem Browser eben keine Performance wie am heimischen PC erwarten kann, lässt sich dieser durchaus gut nutzen. Wie man auch im Video sieht, läuft dieser - wenn er nicht zu sehr ausgelastet wird – in Bezug auf die Performance absolut zufriedenstellend.
Akkulaufzeit
Ich denke alles weitere wichtige habe ich in den beiden Videos angesprochen, bis auf die Akkulaufzeit. Diese kann ich bisher nur schwer einschätzen, da ich das Lapdock nie am Stück mehrere Stunden genutzt habe, sondern immer wieder zwischendurch in Betrieb genommen habe. Dabei wird ja jeweils das Atrix neu aufgeladen, also ein Teil Energie auch dafür verbraucht. Ich schätze mal, dass unter diesen Bedingungen das Lapdock vier bis fünf Stunden durchhielt, wobei ich dann jeweils ein neu „aufgefülltes“ Atrix in den Fingern hatte. Ich versuche, bevor ich die Testgeräte zurückschicken muss, noch den ein oder anderen konkreteren Akku-Test zu machen und die Ergebnisse hier nachzuliefern.
Display-Helligkeit
Noch ein wichtiger Punkt, der im Video keine Erwähnung findet, ist die Displayhelligkeit. Diese ist eigentlich nicht sonderlich "strahlend" (ich hatte sie eigentlich in der Wohnung immer auf 100%), jedoch kann man selbst im direkten Sonnenlicht noch das, was auf dem Display dargestellt wird erkennen und das sogar recht gut. Das Lapdock ist also durchaus auch für den Außeneinsatz geeignet.
Fazit:
Nicht jeder wird wohl etwas mit dem Lapdock anfangen können. Ich persönlich mag die Kombination von Android und dem Firefox-Browser, die es mir auch erlaubt, mit dem Gerät ernsthaft arbeiten zu können. Besser als beispielsweise mit dem Eee Pad Transformer inklusive Tastaturdock, eben aufgrund des „echten“ Browsers, auch wenn dieser in Bezug auf die Performance flotter sein dürfte. Alles in allem finde ich das, was Motorola da entwickelt hat, eine coole Sache, die leider meiner Meinung nach immer noch zu teuer verkauft wird. Das Lapdock kostet noch ca. 300€ (am Anfang sogar um die 500€) bei uns in Deutschland. Eine Menge Geld für eine Tastatur mit Bildschirm und Akku, auch wenn diese einiges zu bieten hat. Motorola hätte hier vielleicht nicht „nur“ den Business-User im Blick haben sollen, dem vielleicht das Geld etwas lockerer sitzt, und der dann Dank Citrix Virtual Desktop (wenn im Unternehmen verfügbar) sogar letztendlich mit dem Lapdock wirklich eine Art Laptop-Ersatz zur Verfügung hat. Bleibt nur zu hoffen, dass der Preis weiter fällt, in den USA kostet das Lapdock für das kürzlich erschienene Droid Bionic zumindest „nur“ noch 300$, das Dock des Atrix kostete dort anfänglich auch 500$, wenn ich mich nicht täusche. Es bringt halt auch nichts, wenn keiner die Geräte kauft. Für sagen wir 150€ wäre wohl nicht nur ich dabei.

Michael Fuerst
Glaub da warte ich lieber auf die neue Windows 8 Hardware ;-)