
Wenn es um Gerichtsverfahren geht, bieten derzeit eine ganze Menge Unternehmen Stoff für die Berichterstattung. So auch Google, die derzeit im Streit mit Oracle liegen. Interessanterweise ist in dem laufenden Gerichtsverfahren nun ein Dokument aufgetaucht, welches zeigt, dass die Open Source-Struktur von Google doch nicht ganz so offen ist, wie das Unternehmen aus Mountainview gerne behauptet und welches außerdem darlegt, dass so manch ein Unternehmen doch gerne mal bevorzugt wird.
Ein Schock oder irgendwie doch auch zu erwarten? Die Meinungen werden sicherlich auseinander gehen. In dem Dokument, das bei einer Google-internen Präsentation vorgelegt wurde, das daraufhin vom zuständigen Richter im Fall Google vs. Oracle aufgetaucht ist und das dann Florian Müller von Foss Patents in die Hände bekommen hat, erwähnt Google eine „Lead Device“-Konzept, mit dem bestimmte Hersteller früheren Zugriff auf die Software bekommen, um so genau auf die Vorgaben von Google hin entwickeln zu können.
Das bedeutet für dieses entsprechenden Unternehmen natürlich ganz klar einen Marktvorteil gegenüber anderen OEMs (Original-Equipment-Manufacture, also Erstausrüster). An sich ist dieses Lead Device-Konzept vielleicht erst einmal keine große Sache, das Problem ist aber, dass in dem Dokument außerdem auch die Namen Motorola und Verizon auftauchen.
Hier die entsprechenden Passagen:
- Do not develop in the open. Instead, make source code available after innovation is complete
- Lead device concept: Give early access to the software to partners who build and distribute devices to our specification (ie, Motorola and Verizon). They get a non-contractual time to market advantage and in return they align to our standard.
Das sorgt nun natürlich für einige wilde Gedankengänge: Zum einen könnte sich das Dokument natürlich auf ein bereits entwickeltes Gerät beziehen, nämlich das Motorola XOOM, welches bereits vor dem Kauf von Motorola Mobility durch Google entwickelt wurde. Zum anderen könnte diese Lead Device Strategie auch bereits an anderen Geräten angewendet worden sein, wie etwa dem Google Nexus, demNexus S oder an dem kommenden Nexus Prime.
Allerdings erklärt Florian Müller, dass das Nexus seiner Meinung nach nicht unter diesen Voraussetzungen entwickelt wurde. Denn was die Aussage der Passage in dem Dokument ausmacht ist, dass die bevorzugten OEMs durch das Lead Device-Konzept einen Marktvorteil durch eine längere Vorlaufzeit bekämen. Laut Müller ist die Nexus-Serie aber durch die Verwendung des Original-Android-Codes (Stock Code) eine nicht besonders große Konkurrenz für andere Produzenten. Denn diese Produzenten profitieren vor allem von eigenen Weiterentwicklungen auf Basis dieses Stock Codes. Erst wenn Hersteller ihr eigene Weiterentwicklungen auf den Stock Code aufbauen, wird der zeitliche Vorteil für Unternehmen vor allem finanziell sehr interessant und platziert sie dadurch besser auf dem Markt.
Deshalb stellt sich nun also die Frage, ob Motorola (nun ein Teil von Google) zukünftig als Lead Device-Hersteller behandelt wird. Für die Konkurrenz natürlich alles andere als eine beruhigende Nachricht. Vielleicht ist das aber auch alles viel zu viel Spekulation und das oben vorgelegte Dokument bezieht sich tatsächlich nur auf das XOOM. Wir werden sehen, was sich hinsichtlich dieser Sache in der Zukunft tut.


Georg
Naja, ich hoffe mal das sich das wirklich nur aufs Xoom bezieht. Sollte Google nämlich den Fehler machen und offen (für jeden erkennbar) nur einen Hardwarehersteller (der auch noch gekauft worden ist) zu bevorzugen, so ist das imho ein Dolchstoß in den Rücken von Android.
Aber ich bin mal optimistisch das dies nicht passieren wird, schließlich ist der Part ja in der Mehrzahl geschrieben und es wird auch kein Gerät explizit erwähnt. *hoff*