
Es gab Zeiten, da war Nokia ein Hersteller von Gummi. Die Finnen waren in den 80er-Jahren ganz groß im Gummistiefel-Geschäft, bevor sie dann ins Mobilfunkgeschäft eingestiegen sind. Erst 1987 wurde das erste wirklich tragbare Mobiltelefon vom finnischen Unternehmen hergestellt. Was dann passierte kann man wohl nur als "beispiellosen Erfolg" bezeichnen. Nokia schwang sich auf absolut unangefochtener Marktführer für Mobiltelefone zu werden. Es gab wohl kein zweites Unternehmen, das in diesem Bereich ebenso erfolgreich war wie Nokia.
Nicht nur in Sachen "Handys" war Nokia der Branchenprimus. Auch beim Firmenwert dürften eine Menge Unternehmen neidisch in Richtung der finnischen Stadt "Espoo" geschielt haben. Nokia war hier sicherlich das Maß der Dinge.
Der Absturz eines Adlers: Fehlende Innovationen
Nokia - wie gesagt einst Synonym für Erfolg und europäisches Vorzeigeunternehmen. Gerade auch dann, wenn es um Innovationen ging. Die Zeiten sind, vor allem Dank Steve Jobs, Apple und dem iPhone, gründlich vorbei. Nokia erlebte in den letzten Jahren eine Talfahrt sondersgleichen. Seit Ende 2007 schrumpfte der Börsenwert um mehr als 80%. Aktionäre von Nokia brauchen also starke Nerven. Bei einem Börsenwert von aktuell knapp 16 Milliarden Euro könnte Nokia von vielen Unternehmen quasi in bar bezahlt werden.
Der Absturz von Nokia hat sicherlich viele Gründe. Entscheidend ist aber wohl, dass sehr viele Managementfehler gemacht wurden. Lange Zeit hielt man sich wohl auch als unantastbar und, sicherlich auch zurecht, als Innovationsführer. Das Problem an der Innovation ist aber, dass man ebendiese immer weiter vorantreiben, und auch aktiv managen muss. Innovation muss an sich als Firmenkultur verankert werden, will man wirklich als ein Innovationsführer wahrgenommen werden. Aber muss man das nicht eh in dieser Branche sein, um wirklich dauerhaft als Primus Erfolg haben zu können?
Zukunft nicht richtig antizipiert
Das Nokia-Management hat sich neben den fehlenden Innovationen auch schwer getan den Markt richtig einzuschätzen. Immerhin akquirierte das Unternehmen 2007 den Kartenhersteller NAVTEQ für sage und schreibe 8,1 Milliarden Dollar. Und das zu einer Zeit, in der das iPhone bereits angekündigt war. Und damit ebenfalls feststand, dass Google Maps kostenlos auf allen Apple Endgeräten platziert würde. Schon damals war schon davon die Rede, dass es Unternehmen, wie NAVTEQ und Hersteller von Navigationsgeräten durchaus schwer haben könnten. Unabhängig davon war der Kaufpreis völlig überteuert. Gerade wenn man bedenkt, dass dem Kaufpreis damals ein Gewinn von gerade mal 109 Millionen Dollar gegenüber stand.
Beim Thema "Smartphone Betriebssystem" hat sich das Nokia Management ebenfalls kapitale Fehlentscheidungen geleistet. Wahrscheinlich waren diese sogar letztlich dafür verantwortlich, dass der ehemalige Branchen-Primus heute da steht wo er eben steht.
Wie geht es mit Nokia weiter?
Nokia hat angekündigt zukünftig voll und ganz auf Microsoft's Phone 7 zu setzen. Diese Partnerschaft könnte sicherlich eine Art Trendwende für die Finnen bringen - sofern das neue Betriebssystem aus Redmond auch wirklich gut bei den Kunden ankommt. Derzeit tut man sich bei den Verkäufen von Phone 7-Telefonen noch denkbar schwer.
Dass das Nokia-Management immer noch kein glückliches Händchen für Entscheidungen hat - bzw. diese für Außenstehende nicht wirklich transparent machen kann, zeigt die Ankündigung des N9. Hier wird, obwohl ja Ende 2011 komplett auf Microsoft umgestellt werden soll, mit Maemo noch schnell ein weiteres neues Betriebssystem bei Nokia eingeführt. Vielen Experten erschloss sich nicht ganz weshalb Nokia diesen Schritt noch wählte. Es gab zwar wahrscheinlich Vereinbarungen zwischen Intel und Nokia zu Maemo (Anmerkung: beide Unternehmen haben dieses Betriebssystem entwickelt). Die Frage ist aber, warum Nokia dann so exklusiv auf Phone 7 gesetzt hat.
Ergo?
Man darf Nokia sicherlich nicht abschreiben. Das Unternehmen verfügt über jede Menge Geldreserven. Es fehlt (wahrscheinlich) am richtigen Management das Unternehmen komplett aufzuräumen und auf Kurs zu bringen. Wenn es dem Unternehmen nicht gelingt dies in den nächsten zwei Jahren zu realisieren, könnte es bald heißen:
"Back to the Boots"

Fabian Neidhardt
Das Betriebssystem heißt Meego und ist eine Verschmelzung von Intels Moblin und Nokias Maemo. Derzeit gibt es schon ein paar Phones mit Maemo. Aber dieses (nächstes?) Jahr soll zumindest eines mit Meego auf den Markt kommen.