Was haben Fußballvereine, Telefonhersteller, soziale Netzwerke und Betriebssysteme gemeinsam? Die Fanboys. Diese Woche werde ich in meinem Kommentar auf das Phänomen des gemeinen Fanboys eingehen und muss sagen, dass die vergangene Woche (durch Blogs und Forenbeiträge) genug an Studienmaterial geliefert hat.

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Doch kommen wir zum Beginn meines Beitrags erst einmal dazu was Fanboys sind. Leider habe ich keine geschichtlichen Daten wann und wo die ersten Fanboys gesichtet wurden, aber ich kann mir vorstellen, dass schon damals vor hunderttausenden von Jahren unsere Spezies von Fanboys bevölkert wurde – natürlich kann ich das nicht Beweisen, aber ich bin fest davon überzeugt.
Der gemeine Fanboy zeichnet sich dadurch aus, dass er eine Marke oder einen Verein in sein Herz geschlossen hat (bzw. verschiedene Marken und Vereine) und diese „Liebe“ auch zum Ausdruck bringt. Dies geht soweit, dass die Akzeptanz gegenüber anderen Marken sinkt und jedes gute Produkt der anderen Hersteller in einem besonders skeptischen Licht analysiert wird. Diese Skepsis und auch Verneinung von Fremdherstellerprodukten verkündet er auch in seinem Freundeskreis bzw. in den Weiten des WWW und verteidigt gleichermaßen jedes Produkt „seiner eigenen“ Marke.
Das Phänomen kennen wir glaube ich alle zu Genüge. So dürften viele von uns – ich nehme mich da mal raus - eine gewisse Abneigung gegen die Apfelfirma pflegen, deren Produkte ja böse, überteuert und ja viel zu Mainstream sind. Auf der anderen Seite müssen sich Androidnutzer anhören, dass sie ein Betriebssystem besitzen, welches maximal den Charme einer „Werkstatt“ versprüht und dass das System ja ruckelt und allgemein eher schlecht als Recht läuft.
Die Erklärung dieser Erscheinung lässt sich – zumindest in meinem Gedankengang – relativ einfach erklären. Der Mensch ist im Großen und Ganzen kein Einzelgänger. Er braucht soziale Kontakte und möchte Teil einer Gruppe sein. Nun ist es in unserer Gesellschaft leider so, dass solche Gruppenzugehörigkeiten nicht mehr bzw. nicht ausreichend ausgebaut werden bzw. werden können. Was in der Jugend der Fußballverein war bzw. die Universität wird im Erwachsenenalter nur durch den Arbeitsplatz ersetzt und der Mensch strebt scheinbar auch in seinen „Hobbies“ in Richtung einer solchen Gruppe.
Nun kauft er also ein Smartphone (um beim angesprochenen Thema zu bleiben) und beginnt sich mit dem Betriebssystem zu identifizieren. Er liest sich durch Blogs, begleitet neue Geräte und fühlt sich von Gleichgesinnten akzeptiert und aufgenommen – dies ist der eigentliche Grund, warum AndroidPit so erfolgreich ist. Man fühlt sich hier Wohl und fast schon als Teil einer kleinen großen Familie.
Unser Fanboy beginnt jedoch nicht nur sich mit dem Betriebssystem auseinanderzusetzen, sondern nach einer Weile beginnt er zu glauben, dass dieses – eigentlich gesichtslose Betriebssystem – zu einem Teil seines Lebens geworden ist. Und so steigert sich diese Anteilnahme in wirkliche Sorgen und Freunde über erreichte Meilensteine und Niederschläge. So muss man sich wundern, dass die Kommentare so negativ sind, wenn es um nicht ersteigerte Nortel Patente geht. Denn eigentlich kann uns dieses Betriebssystem herzlich egal sein und wenn es unter geht, dann kaufen wir uns ein neues Smartphone mit einem anderen Betriebssystem.
Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Fantum auch absolut in Ordnung. Es überschreitet jedoch die Schwelle, wenn man nur noch unreflektiert und aggressiv auf Argumente reagiert, die in irgendeiner Weise das eigene „Gut“ angreifen. So erkenne ich persönlich (auch hier bei AndroidPit) einen immer aggressiveren Ton gegenüber Apple Produkten. Diese Beleidigungen die dort jedoch ausgesprochen werden sind aber vollkommen absurd und entbehren jeder Grundlade, besonders wenn Pauschalisierungen gepaart werden mit den erwähnten Beleidigungen. Auch Beispiele von fast schon missionarischen Diskussion bei Freunden wurden oft genug gehört und werfen kein gutes Licht auf die beteiligten Personen. Denn man darf nicht immer davon ausgehen, dass alle Menschen der eigenen Meinung sind und diese auch vertreten wollen.
Damit dürften wir den ersten Punkt – die Gruppenzugehörigkeit – erläutert haben. In meinen Augen gibt es jedoch noch einen Punkt, der das Fantum stark befeuert: Gewohnheit und Stolz.
So einfach Gewohnheit zu erklären ist, so schwer ist der Punkt Stolz zu erklären sein. Bei Gewohnheit geht es mir um den Punkt, dass der Mensch gerne in einem „Bereich“ bleibt. Er mag das Gewohnte und bleibt, sofern er nicht hinausgetrieben wird, immer an der gleichen Stelle. So kann man sich Lieblingsrestaurants erklären, spezielle Gewohnheiten und Rituale und den Fakt, dass es Käufer gibt die seit Generationen eine Automarke oder Konsolenmarke kaufen.
Diese Gewohnheit ergreift auch viele im Thema eines Betriebssystems – sei es Windows, Linux oder Android – und sie kaufen es immer und immer wieder, da sie es ja schon kennen und ein Wechsel mit zusätzlichen Anstrengungen verbunden wäre.
Der Punkt Stolz ist jedoch schwerer zu vermitteln. Unter Stolz bezeichne ich den Umstand, dass man den persönlichen Besitz verteidigt und fast generell als die bestmögliche Wahl darstellt. Niemand wird freiwillig zugeben, dass sein 600 Euro Smartphone Mist ist. Man geht lieber darin über die positiven Aspekte gebetsmühlenartig zu wiederholen und eventuell durch Aufzählen der Nachteile von der Konkurrenz, das eigene Produkt besser zu stellen. Anders kann ich mir persönlich nicht erklären warum es bei Android Fanboys von HTC und Samsung gibt, die hier Wortgefechte führen als ob es um die Zukunft der Menschheit geht.
Auch in persönlichen Gesprächen erkenne ich es immer wieder, dass auf Biegen und Brechen in einer Diskussion versucht wird die Vorteile des eigenen Geräts zu erläutern bzw. Kaufwilligen dieses Gerät empfohlen wird, auch wenn die Nachteile bekannt sind. So war das bei der Playstation 3 – Xbox 360 Diskussion und so ist das auch bei iOS und Android oder MacOS und Windows.
Fanboys sind eine Bereicherung für jede Firma. Sie bringen – teilweise jährlich wie bei Apple – einen gewissen Umsatz ein, sie sind leicht zufrieden zu stellen und im Allgemeinen bilden sie die Grundlage für den Erfolg einer Firma, indem sie neue Kunden anwerben und überzeugen. Ich bin auch ein Fanboy, auch wenn aus dem ersten genannten Grund und es ist gut so. Nur soll dieser Text den ein oder anderen anregen diesen Status nicht überzubewerten.
Denn wenn wir ehrlich sind ist es den Firmen eigentlich egal, ob wir sie jetzt verteidigen oder nicht. Wir sind die breite Masse, aber eigentlich haben wir keine Stimme. Man sollte das Fanboytum nicht so weit führen, dass sich andere beleidigt oder angegriffen fühlen, denn das ist es allemal nicht wert. Denkt daran, dass auf der anderen Seite des Internet ein Mensch sitzt, der auch nur ein kleiner Fanboy ist wie z.B. ich und „seine Marke“ verteidigen will.
Ich hoffe ich konnte mit meinem Beitrag ein wenig zum Denken anregen und für ein bisschen mehr Verständnis in der Welt der Anhänger werben – Vielen Dank!
Wie immer sind Kommentare mehr als erwünscht. Solltet ihr Anregungen und Themenvorschläge für den nächsten Tellerrand haben – nur her damit!

Peter Göbel
Klasse Beitrag!
Ich war Android-Fan seit der ersten Stunde und habe viele Geräte ausprobiert. Damals war ich auch der Meinung, iPhones sind Spielzeuge für Leute die keine Ahnung haben. Dann hab irgendwann eins geschenkt bekommen und bin seitdem dabei geblieben.
Ich kenn also beide Seiten des Tellerrandes - kommentiere aber so gut wie nie was aus den oben angesprochenen Gründen: Fanboy-Kriege.
Man ist es irgendwann Leid, mit Leuten zu diskutieren die Null Einsicht zeigen und ihren Verstand zugunsten des Fanboy-Daseins abschalten.
Ich hoffe das der ein oder andere wirklich mal drüber nachdenkt. Dann macht kommentieren und diskutieren auch wieder mehr Spaß :)