
Nachdem LG auf dem Mobile World Congress in Barcelona im Februar diesen Jahres das erste 3D-Smartphone weltweit vorgestellt hat, zieht HTC jetzt nach. Das HTC Evo 3D, das in den USA bereits auf dem Markt ist, wird im Juli auch in Europa zu haben sein.

Die technischen Spezifikationen erinnern an das HTC Sensation
Das HTC Evo 3D wird mit einem 1,2 GHz Qualcomm Snapdragon Dualcore-Prozessor ausgestattet sein. Das Display hat eine Auflösung von 960 x 540 Pixel, bei einer Größe von 4,3 Zoll. Das entspricht auch der technischen Ausstattung des HTC Sensation.
Mit seinen 171 Gramm ist es allerdings ein echter Brocken. Die 3D-Technik fordert hier ganz offensichtlich seinen Tribut. Außerdem hat diese Technik auch seinen Preis. Mit 699 Euro bzw. 799 Schweizer Franken kann man das Gerät als nicht gerade billig bezeichnen.
Der interne Speicher für Apps, Bilder, usw. liegt bei 1GB. Als Betriebssystem ist Android 2.3.4 installiert. Außerdem kommt als Benutzeroberfläche, so wie beim Sensation und dem Flyer, das neue HTC Sense 3.0 zum Einsatz. Auf eine eigene 3D-Oberfläche, die LG anbietet, verzichtet HTC. Das ist wahrscheinlich auch besser so. Zu viel 3D strengt das Auge nur an.
Gehäuse = Kunststoff statt Metall
Optisch ist das HTC Evo 3D sicherlich in gewisser Weise gewöhnungsbedürftig. Es wirkt sehr kantig und ist mit einer Dicke von 1,2 cm auch nicht gerade filigran. Das Material des Gehäuses ist (leider) Kunststoff, wahrscheinlich auch um zusätzliches Gewicht zu vermeiden.
Wahrscheinlich rückt der Formfaktor aber sowieso in den Hintergrund. Das Evo 3D definiert sich wirklich ganz und gar über das 3D-Erlebnis.
HTC Evo 3D - das Gerät für Entertainment-Fans
Das neue Android Smartphone funktioniert, so wie das LG Optimus 3D auch, ohne 3D-Brille. Die Technik, die hier verwendet wird, nennt sich Parallax. Dabei werden die Lichtstrahlen zwei unterschiedlicher Bilder so zurückgeworfen (bzw. zurückgehalten), dass diese dann im Gehirn zu einem vollständigen, passenden Bild mit Tiefen zusammengesetzt.
Mit dem neuen Androiden kann man sowohl 2D-, als auch 3D-Bilder bzw. -Filme aufnehmen und wiedergeben. Über den HDMI-Ausgang können diese dann auch an einen Fernseher ausgegeben werden. Übrigens funktioniert dies auch bei 3D-Fernsehern, die mit Shutter-Brillen ihren 3D-Effekt erzielen.
3D Content ist auf dem Vormarsch
Wer das dreidimensionale Erlebnis nicht nur bei selber geschossenen Bildern und Filmen auf dem Android Smartphone genießen möchte, darf sich freuen. Es gibt immer mehr Content, der für 3D-Geräte geschaffen wird. Und dies beschränkt sich nicht nur auf Kino-Blockbuster. Es gibt auch immer mehr Games, die speziell für die neue Geräte-Spezies angepasst werden. Und bald wird auch Google Maps als spezielle 3D-Version angeboten werden.
HTC Watch - das Tüpfelchen auf dem i
Ich war bislang nicht sonderlich von 3D-Smartphones überzeugt. Es ist zwar mal ganz nett ein oder zwei Bilder zu schießen und diese dann später der Familie und den Freunden zu zeigen. Einen Wow-Effekt erzeugt man damit allemal. Allerdings verpufft dieser natürlich nach einer Zeit auch wieder. Was zurück bleibt - so meine bisherige Meinung - ist der teure Preis für ein solches Gerät. Und auch die Kompromisse, wie Gewicht und gewöhnungsbedürftiges Design, die man beim Kauf des Geräts eingangen ist.
Die hauseigene "Videothek" HTC Watch brachte bei mir aber heute den Aha-Effekt. Ich muss zugeben: Als uns heute der Blockbuster "The Green Hornet" auf dem Evo 3D vorgeführt wurde (der Film wird übrigens beim Kauf des Geräts standardmäßig mitgeliefert) wurde bei mir eine Begehrlichkeit geweckt. Es war ziemlich beeindruckend den Film in dieser Qualität dreidimensional anzusehen. Die Qualität hat mich wirklich umgehauen. Unter HTC Watch kann man sich dann auch später viele weitere Filme leihen oder kaufen.
Und so macht ein Gerät dieser Klasse auch wirklich Sinn. Wer schon heute gerne im Kino 3D-Filme ansieht, wird ein solches Angebot lieben. Alleine der Vorteil, dass man ganz ohne Brille Filme dreidimensional ansehen kann, ist für mich schon entscheidend. Allerdings ist eben dieser Fakt zugleich auch die Archillesferse des Androiden. Der sogenannte "Sweet Spot", also der Blickpunkt, an dem das 3D-Erlebnis perfekt ist, ist beim Evo 3D relativ eng. Da reicht es schon mit dem Kopf ein wenig zu weit nach links oder rechts zu drehen, um den Tiefeneffekt zu verlieren.
Trotzdem kann man eigentlich allen 3D-Fans nur raten sich das Gerät einmal anzusehen. Ich selber bin zumindest mit dem Film-Erlebnis zu einem neuen Fan, und das HTC Evo 3D für mich zu einem neuen "Must Have" geworden.

Philip Käfer
Mhh, wieso Plastik ?