Wie fast jeden Samstag gibt es auch heute wieder einen Kommentar zu einem bestimmten Thema. Doch dieses Thema ist wieder eines, welches fast omnipräsent ist in den derzeitigen Nachrichten über Android und der „Post-PC-Ära“: Der Tabletmarkt.
Doch dies wird nicht eine Lobhuddelei auf den Tabletmarkt werden, wie sie doch so oft auf allen Portalen geschieht, sondern ich werde versuchen den derzeitigen Markt zu analysieren und meine persönliche Meinung wird zweifelsohne einfließen.

Am Anfang meines Blogs stehen diverse Nachrichten der vergangenen Tage und Wochen:
- 1) Acer musste seine Absatzprognose von Tablets um die Hälfte reduzieren.
- 2) Das Blackberry Playbook verkauft sich nicht wie erhofft.
- 3) Das Asus Transformer wurde bisher 400000x verkauft.
- 4) Amazon wird ein Tablet veröffentlichen und plant 800000 Verkäufe pro Monat.
- 5) Der Webtraffic ausgehend von Tablets ist dominiert durch das iPad.
- 6) Apple kurbelt die iPad 2 Produktion an.
Man erkennt, allein durch die Betrachtung dieser sechs Nachrichten, das Problem des derzeitigen Tabletsmarkts. Ich weiß, dass das auf einer Android Plattform nicht gut ankommt, aber das Problem der Android Tablets ist, dass es anscheinend keinen Markt für Tablets an sich gibt, sondern nur einen Markt für iPads. Anders kann man den ersten Blick auf diese sechs News nicht erklären.
Doch bevor wir zu einer genaueren Analayse der derzeitigen Situation kommen, ist es vielleicht angebracht den derzeitigen Stand der Produktivität zu überprüfen. Denn was kann man denn überhaupt mit Tablets anstellen? Wie viel Nutzen steckt denn in solch einem Tablet und ist das Tablet wirklich der Untergang des Laptops? – In meinen Augen (noch nicht)!
Tablets sind sehr praktische und portable Geräte und ich muss in diesem Punkt vehement unserem AndroidPit-Guru Fabien widersprechen, der den 7 Zoll Formfaktor transportabler und mobiler findet, als den 10 Zoll. Denn ich sehe in diesen beiden Formaten keinen Unterschied. Es mag ja sein, dass ich es in der Jackentasche verstauen kann oder in der hinteren Hosentasche (was unter uns gesagt mehr als lächerlich aussieht), aber im Sommer trage ich nun mal keine Jacke und ein 10 Zoll Tablets ist mittels einer kleinen Umhängetasche (die man auf dem Weg zur Uni oder zur Arbeit immer dabei hat)keine große Belastung. Dafür bietet das Tablet einen Ersatz viel eigentlich alle kleineren Arbeiten: Notizen, kleine Präsentationen, Mitschriften und Bearbeiten von PDF Dateien gehen mehr als leicht von der Hand und in diesem Fall schlägt das Tablet das Notebook um Welten. Die Bedienung von einem Tablet ist nämlich einfach intuitiver als der eines Notebooks.
Das Problem bei den derzeitigen Tablets ist jedoch die fehlende Rechenpower und das Problem der Peripheriegeräte. Denn wenn man einen Blogeintrag wie diesen verfassen will ist eine Tastatur obligatorisch. Auch andere Punkte wie Textbearbeitung und aufwändige Präsentationen und Tabellenkalkulationen, Schneiden von Filmen oder die Bearbeitung von Bildern funktionieren noch „effektiver“ mit einem Notebook. Auch die „Post-PC-Ära“ ist noch nicht angebrochen, da man einfach einen (stationären) PC zu Hause braucht, um Daten abzugleichen oder auf einem größeren Bildschirm zu arbeiten.
Nachdem wir nun die ungefähre Arbeitssituation umrissen haben, kommen wir zum eigentlichen Thema meines Blogs: Dem Tabletmarkt.
Wie kann es nun sein, dass Android Markets wie Blei in den Regalen liegen und iPads zu jedem erdenklichen Preis verkauft werden?
Zum Einen spricht der Preis eine gewisse Sprache. In der weitläufigen Meinung ist verbreitet, dass das iPad ein Hochpreisprodukt ist, wie es alle Apple Produkte sind. Nun ist der Preis eines vergleichbaren Android Tablets genauso hoch wie der eines iPads. Was schließen wir daraus? Der 0815 Käufer, der sich vorab nicht durch hunderte Webseiten und Blogs gekämpft hat wird das iPad bevorzugen, da dieses aus einer Kombination von Werbung, Medienrummel und Markennamen eine hohe Bekanntheit besitzt. Weiterhin versteht es der normale Käufer nicht, warum ein Android Tablet von einem Hersteller wie Acer, Asus oder Samsung genausoviel kostet wie das Tablet von Apple. Denn bei Notebooks und PCs ist dies doch auch nicht der Fall. Geschweige von den Smartphones wo die genannten Hersteller mindestens 200-300 Euro billiger sind.
Das Problem , welches ich hier anspreche, ist die Verteilung des Hochpreismarktes. Denn Android konnte im Smartphonesegment so erfolgreich sein, da die Geräte allesamt die Funktionen des iPhones boten – es teilweise auch übertrafen – dabei aber mindestens um ein Drittel günstiger waren. Natürlich spielen Open Source und Individualisierung auch eine große Rolle, aber die Zugkraft des Preises darf hier nicht vergessen werden.
Bei den Tablets jedoch ist dies nicht der Fall und deshalb müssen sich die derzeitigen Android Tablets den Markt mit dem iPad 1 und 2 teilen, welches auch in meinen Augen, das derzeit vollkommenste Tablet auf dem Markt ist.
Der zweite Punkt meiner Analyse bezieht sich, wie gerade auch angeklungen, auf die Vollkommenheit des gewünschten Tablets, also genauer der Kombination von Hardware und Software. Denn in meinen Augen vergessen – auch bei AndroidPit – viele, dass die Quintessenz eines Tablets nicht der Prozessor oder der Grafiktreiber ist, sondern die Apps die auf dem Tablet laufen.
Jetzt werden einige von euch entgegnen, dass man doch sowieso nur den Browser, Mail, Youtube und den Kalender benutzt. Meine Antwort auf diese Behauptung ist: Weil es bei den derzeitigen Android Tablets einfach keine breite Masse an hochqualitativen Apps gibt.
Wer iPad und ein Android Tablet vergleicht wird bemerken, dass das Android Tablet derzeit in den oben genannten Kategorien besser abschneiden, aber das Appangebot doch sehr zu wünschen übrig lässt. Es gibt einfach nicht die breite Masse an sehr guten – an das Tablet angepasste – Apps, die einen von den vier oben genannten Anwendungen wegzieht.
Dies erkennt man allein schon nach einer kurzen Suche bei Google, denn bedingt durch die „Verspätung“ von Google Honeycomb gibt es derzeit maximal 100 gute Apps, die auf dem Tablet laufen. Zum Vergleich: Beim iPad sind es über 90000 Apps.
Und genau dies macht den Erfolg des iPads aus, denn Tablets leben von der Qualität der Apps. Apps sollte Spaß machen und zwar so sehr, dass man Aufgaben die man normalerweise mit dem Notebook oder dem PC macht, lieber mit dem Tablet macht. Die Bedienung, die Aufmachen und das Gesamtbild müssen den Nutzer fesseln und ihm einen echten Mehrwert gegenüber den normalen "Anwendungen" bzw. Webseiten bieten. Als allgemeiner Vertreter sei hier die offizielle Twitter App genannt.
Natürlich wird hier in Zukunft der gleiche Vorgang passieren, den wir schon beim Smartphone erlebt haben. Es wird relativ schnell eine große Anzahl von Apps für HoneyComb geben und somit das Betriebssystem attraktiver machen, da Honeycomb einfach mehr Potenzial hat als iOS, besonders in den Kategorien Individualität und Freiheit, aber ich blicke da nicht so rosig in die Zukunft wie so manch anderer, denn es gibt noch einen Punkt der mich etwas zweifeln lässt: Die Mentalität des Appkaufs.
Was meine ich nun damit? Ganz einfach: Wenn man sich mal im App Store von Apple umsieht merkt man, dass dort viele iPad Apps eine relativ „große Summe“ an Geld kosten. Das geht bei 0,79 Cent los, aber der Großteil der Apps schwankt zwischen 2-3 Euro. Nun ist die Situation bei Android eine ganz andere. Es herrscht – ja man kann sich über diesen Punkt streiten – eine Mentalität, dass alles gratis ist. Auch wenn einzelne Beispiele widersprechen und sich durch Werbung große Summen erzielen lassen (man siehe das Beispiel Angry Birds), so ist doch für den normalen Programmierer eine gewisse Aussicht vorteilhaft, dass seine Tablet App, die auch ein Eye Candy ist, gekauft wird. Doch diese Entwicklung vermisse ich persönlich bei Android. Und somit werden auch wirkliche Hammer-Apps nicht so bald erscheinen. Dies ist natürlich auch Google geschuldet, aber auch der Android Plattform im Allgemeinen. Es gibt halt so viele Alternativen und ich persönlich nehme im Zweifel immer die werbefinanzierte kostenfreie Version, auch wenn die nur 1,59 Euro teuere App wesentlich besser ist.
Damit fehlen am Beginn die Anreize für das neue System zu programmieren, da Einnahmen ungewiss sind und somit verschleppt sich die Aufholjagd unnötig nach hinten.
Wenn man nun alle drei Faktoren: Hochpreismarkt, App-Angebot und Kostenmentalität zusammen nimmt ergeben die oben genannten Nachrichten einen Sinn. Denn sogar wenn man sich informiert hat wird man tendenziell zum iPad 2 greifen und abwarten wie Android aufholt. Die Frage die man sich nun stellen muss ist, ob Android es schafft iPad 2 Nutzer vom Kauf eines neuen iPads abzuhalten und zu Android zu führen.
Ein weiterer positiver Aspekt sind die Ankündigungen von Archos. Denn Tablets in einem Bereich von über 100-200 Euro unter dem iPad sprechen kostenbewusste Käufer an. Dadurch wird die Nutzerzahl von Honeycomb bzw. später Ice Cream Sandwich erhöht und dadurch widerrum die Attraktivität für App Entwickler gesteiger. Dies steigert dann wieder die Attraktivität der Hochpreisgeräte und so weiter…
Der letzte große Pluspunkt für den Tabletmarkt könnte Amazon sein. Denn sollten sich die Nachrichten um ein Amazon Tablet bewahrheiten, wird dies der Android Plattform einen enormen Schub verleihen. Denn Amazon wird seine Tablets subventionieren und mit seinem Ökosystem aus eigenen Dienstleistungen Apple harte Konkurrenz machen. Durch den wahrscheinlichen Erfolg werden widerrum mehr Menschen auf Android aufmerksam, was den anderen Hochpreisherstellern widerrum zu Gute kommt und schlussendlich auch den derzeitigen Early Adoptern bei den Apps Freude bereiten wird.

Bernd L.
Bleibt nicht mehr viel dazu zu sagen, wo du recht hast hast du recht.
Ich wäre froh wenn es endlich mal ein richtig gutes android tablet geben würde, am liebsten von htc, aber aktuell kommt an die ipads leider nichts ran.