
Erst kürzlich hatte ich eine große, fast schon philosophische Diskussion mit einigen Leuten zum Thema was sie mit Android verbinden. Unsere einhellige Meinung war fast überall: "Freiheit". Das mag zunächst ein wenig überzogen klingen, ist aber beim zweiten Nachdenken nicht so abwegig. Wer will sich schon alles genau vorschreiben lassen, was man auf seinem Gerät installieren darf und was nicht? Wer möchte sich denn sagen lassen, welche Dateien man auf und vom Gerät ziehen kann? Möchte man nicht viel lieber selber das Sagen haben?
Der Smartphonemarkt könnte gerade nicht polarisierender aufgeteilt sein, als er es gerade aktuell ist. Da haben wir auf der einen Seite Android, bei dem es quasi keine Regeln gibt. Android Apps werden nicht von Google kontrolliert und entsprechend auch nicht zensiert. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, wie Apple oder Microsoft, die jede App genau unter die Lupe nehmen bevor diese in den jeweiligen Markets angeboten werden können.
Ein Techcrunch-Artikel bewegte mich dazu ein wenig mehr über dieses Thema nachzudenken:
Tücken und Lücken - hüben wie drüben
Gerade Apple hat sich mit seiner App-Politik nicht immer Freunde gemacht. Die Art und Weise wie Apps freigeschaltet wurden ist oft nicht durchsichtig. Das führt bei vielen Unternehmen zu großer Verunsicherung. Denn es kam vor, dass teilweise aufwendig programmierte Apps keine Zulassung fanden. Die Begründungen konnten dabei nicht immer überzeugen.
Auf der anderen Seite dann Google und der Android Market: grenzenlose Freiheit. Aber dafür eine oft sehr minderwertige Qualität der Apps. Was leider auch immer wieder sehr beliebt ist, sind die ständigen Urheberrechtsverletzungen von App Entwicklern, die vornehmlich aus dem asiatischen Raum kommen. Diese nehmen sich ein bekanntes Brand und bauen daraus eine App, wie z. B. ein Puzzle mit einer bekannten Kleidungsmarke, ein Wallpaper mit sehr bekannten Zeichentrickfiguren, usw.
Botnets könnten [für Android?] zu einer realen Gefahr werden
Für die Nutzer sind Urheberrechtsverletzungen eher zweitrangig. Die Qualität der Apps und die Fülle an Wallpapern, die den Market fluten, sicherlich ärgerlich, aber eigentlich gut verkraftbar. Immerhin wird der Android Market auch immer besser, so dass der "Müll" nicht mehr zu stark nach oben geschwemmt, und der Market damit unübersichtlich wird.
Nun kommt aber ein echter Angriff auf die "Freiheit". In der vergangenen Woche musste Google nicht nur jede Menge infizierter Apps aus dem Google Market entfernen, sondern diese Apps einige hunderttausend Mal aus der Ferne direkt auf den Endgeräten der Android-Nutzer löschen. Interessanterweise hatte ich mich just an diesem Tage mit dem CEO der russischen Anti-Viren-Schmiede "Doctor Web", Boris Sharov, über dieses Thema unterhalten. Seine Befürchtung ist, dass irgendwann in nicht mehr allzuweiter Zukunft mit infizierten Apps Smartphones zu sogenannten Botnets werden könnten.
Würde es jemandem gelingen unbemerkt infizierte Apps zu verteilen, um so ein Botnetz aufzubauen, könnten die infizierten Smartphones für alle möglichen Zwecke von einer Person missbraucht werden. So könnten über fremde Smartphones E-Mails verschickt, Verbindungen zu dritten Rechnern aufgebaut oder auch DDoS-Attacken durchgeführt werden.
Boris Sharov: "Ich bin mir sicher, dass Apple Apps nicht auf Herz und Nieren prüfen kann"
Ist Android nun aber wirklich unsicherer als die "walled gardens", also die geschlossenen Systeme, bei denen alles geprüft, bevor es dann auch veröffentlicht wird? "Nein", denkt der Doctor Web CEO Boris Sharov. Seiner Theorie nach ist es wirtschaftlich einfach noch nicht interessant genug sich auf das iOS zu stürzen. "Aber das ist nur eine Frage der Zeit", meint Sharov weiter.
Trotzdem meint Boris Sharov, dass Android über gravierende Sicherheitslücken verfügt. Gerade weil Android so schnell, und teilweise auch unkontrolliert wächst, denkt er, dass die Themen "Android" und "Sicherheit" in vielen Ländern zum Thema Nummer 1 im Mobilfunkbereich werden dürften.
Virensoftware und Smartphones - "Just good friends"
Selbst wenn uns Apple das momentan noch glauben lassen möchte - die Zeit wird kommen in denen es einfach wirtschaftlich interessant genug sein wird auch iPhone Apps zu attackieren. Dass Android Apps bereits jetzt infiziert wurden dürfte an dem etwas anonymer wirkenden System (als App Entwickler muss man sicherlich nicht so viel preisgeben wie bei Apple) liegen. Und sicherlich auch daran, dass Android kostenlos für Hardwarehersteller zu haben ist und damit der Grundstein für den großen Erfolg von Android auch im südostasiatischen Raum gelegt wurde.
Es ist also (wahrscheinlich) ein ganz normaler Vorgang, dass ausgerechnet jetzt so viele infizierte Apps aus dem Verkehr gezogen wurden. Sicherlich ist es erstmal ein Schock für viele, dass es gleich 21 Apps geschafft haben so lange Zeit unentdeckt zu bleiben, obwohl sie wohl trotzdem so interessant waren, dass viele hunderttausend User sie auf ihren Telefonen installiert hatten. Wie auch immer: Antiviren-Hersteller stehen in den Startlöchern. Und sie werden uns (hoffentlich) auch dabei helfen unsere "Freiheit" zu verteidigen...
Selbst wenn es jetzt ein wenig überzogen klingen mag:
Let freedom prevail!

Benny White
Smartphones sind doch aufgrund ihrer Schnittstellen noch zu viel mehr fähig, als NUR Internetschandtaten zu begehen. Warum nicht gleich auch z.B. Autos über Bluetooth und Serviceprovider via GSM/UMTS lahmlegen?