
Wie fange ich meine Geschichte heute an? Mit der verunglückten Pressekonferenz, die seither Tabletfans spaltet? Oder mit dem iPad, Apple's jüngster Genie-Marketing-Streich? Oder mit einer Diskussion, ob denn nun Tablets überhaupt etwas Neues sind, oder gar ein alter Hut, den es schon seit einigen Jahren gibt?
Ich fange einfach mal bei den Verlagen an. Lange Jahre waren sie es, die für unseren Content zuständig waren. Zeitschriften, Zeitungen, Bücher, Fernsehen, aber auch Musik und Filme - genau dafür waren sie zuständig und belieferten uns mit bedrucktem Papier oder die klassischen Distributionskanäle mit Informationen und Entertainmeht.
Verlage haben sich lange (un)erfolgreich dem Trend widersetzt und beharrten auf ihre bestehenden Geschäftsmodelle. Das digitale Zeitalter erhielt keinen Einzug. Man ging wohl davon aus, dass man sich den neuen Technologien und dem Preisverfall einfach durch das Ignorieren des Trends erwehren könnte. Schließlich habe man ja die Hoheit über die Inhalte.
Dann kam Apple! Und der iPod. Und die Musikverlage ließen sich überzeugen mit DRM (Digital Rights Management) dann doch irgendwie neue Vertriebswege zu beschreiten. Und Apple bewies allen, dass man auch im Internet mit Musik verdienen konnte. Die Musikindustrie veränderte sich. Heute wird bereits ein Großteil der Musik online verkauft. Davon wird ein Großteil über iTunes - und damit Apple - vertrieben. So viel, dass es Apple wohl gelingen dürfte seine eigenen Forderungen bei Musikverlagen durchzusetzen. Denn fliegt man mal bei iTunes raus, dürfte die Absatzkurve des betroffenen Unternehmens einen ordentlichen Knick bekommen. Die Musikverlage haben ordentlich an Macht eingebüßt. Weil sie das Wichtigste quasi verloren haben: die Kontrolle über den Vertriebsweg!
Das iPad schickt sich nun wiederum an eine Branche durcheinander zu wirbeln. Zeitungsverlage haben sich hierzulande bislang noch ganz gut gegen das Internet gewehrt. Spiegel.de, zum Beispiel, läuft vom Traffic her sehr erfolgreich. Richtig Geld wird damit aber wohl nicht verdient. Man schafft es aber noch irgendwie internetbegeisterte Spiegel-Leser zu halten. Bisher macht das digitale Lesen einfach noch nicht so viel Spaß. Die Ankündigung von Apple das iPad zu bringen, hat aber sicherlich einigen Verlagen Angstschweiss auf die Stirn gezaubert. Denn gelänge es Apple wieder den Vertriebsweg der Verlage zu kappen, wären sie in arger Bedrängnis. Würde das iPad ein ähnlicher Erfolg wie der iPod und gelänge es Apple hier wieder ein quasi Monopol aufzubauen, würde es richtig gefährlich für Verlage. Gefällt man dem kalifornischen Unternehmen nämlich nicht mehr, könnte man einfach von der Vertriebsliste gestrichen werden. Das kann existenzbedrohend sein.
Und dass man relativ einfach in Ungnade bei Apple fallen kann, zeigt alleine das Beispiel "BILD-App". Die mächtige BILD-Zeitung wurde nämlich selber Opfer von Zensur, als Apple die BILD-iPhone-App aus dem App Store entfernte bzw. damit drohte. Der Grund: es war eine weibliche Brust zu sehen. Das gefiel Apple nicht und so erfolgte das De-Listing.
Es wäre also durchaus denkbar, dass das iPad diesmal nicht nur den Vertriebsweg vorschreibt, sondern auch eine gewisse Art von Zensur durchzusetzen.
Ich behaupte nicht, dass dem so ist! Ich will hier lediglich die Gefahren aufzeigen, die von einem so proprietären Ecosystem, wie dem iPad ausgehen könnten.
Warum diese lange Vorgeschichte? Weil das WePad eine echte Chance für Verlage sein könnte sich einen eigenen Vertriebsweg zurück zu holen! Und gleichzeitig sehe ich auch hier die große Chance für den Erfolg des WePad - ganz unabhängig vom Betriebssystem, von den Funktionen oder ob nun Android, Linux oder sonst etwas darauf läuft. Denn Verlage werden das WePad lieben (müssen). Neofonie bietet ihnen eine neue, vielleicht letzte Chance. Ich könnte mir vorstellen, dass Verlage genau diese nutzen werden - und dabei helfen, das WePad erfolgreich zu machen.
Um es gleich vorweg zu nehmen: AndroidPIT ist kein Verlag! Wir sehen das Ganze neutral und sind nicht "befangen"...
Wie das WePad ist, was Verlage bekommen (könnten) und die Antworten auf meine gestern gestellten Fragen, lest Ihr im zweiten Teil, den es später noch zu lesen gibt!

Volker Lehnen
Na klasse, wenn die Verlage darin einen neuen Vertriebsweg entdecken, dann könnten sie es auch auch gleich als gesponsortes Bundle mit einem Abo verkaufen. Das wäre mal eine Aktion, die mir gefallen würde ;)