Was ist dran an dem Gerücht, Android-User wären geizig?
Ich suche auf meinem Weg durch das Netz immer wieder Seiten von App-Entwicklern für Android auf. Und zu meinem Erschrecken schreiben sich dort die Entwickler immer öfter ihren Kummer von der Seele:
» Google würde sie in vielerlei Hinsicht zu sehr einschränken,
» der Market wäre Entwickler-unfreundlich (Kosten, Zahlweise, Promotion ihrer Apps),
» keiner ist erfreut darüber, daß Google den Market anscheinend als reinen Selbstläufer betrachtet
» sie hätten ihre liebe Not damit, allen Android Besitzern gerecht zu werden (Versionen)
» und nicht zuletzt sind die meisten der festen Überzeugung (oder sprechen aus Erfahrung), daß iPhone-Usern der Geldbeutel wesentlich lockerer sitzt als Android-Usern, wenn es um Bezahl-Apps geht. Genau DAS ist meistens der springende Punkt! Und ich habe ja Verständnis dafür: Entwickler wollen schließlich auch an ihrer Arbeit verdienen.
Viele Android-Entwickler tanzen entweder parallel auf mehreren Betriebssystem-Hochzeiten oder sind auf den Android-Zug aufgesprungen, um sich ein zweites Standbein neben ihren Apps für den Apple-Markt zu schaffen. Wie auch immer. Sie haben jedenfalls direkte Vergleichsmöglichkeiten. Und nicht selten findet man Statistiken auf den Webseiten der Entwickler, in welchen dem Besucher - quasi schwarz auf weiß - verdeutlicht wird, daß Entwicklung für Android alles andere ist als ein kostendeckendes, geschweige denn lohnendes Geschäft.
Aber inwieweit sind wir, die User von Android-Systemen, daran schuld? Muß ich mir den typischen Android-User wirklich mit aufgenähten Flicken auf den Pulli-Ellbogen vorstellen, die Hosenknie durchgewetzt bis auf ein paar fadenscheinige Stellen, die Schuhsohlen voller Löchern à la Camel-Werbung und der Geldbeutel fleckig, zerschlissen und - vor allem - fest verschlossen?
Schließlich liegen die Apps der Konkurrenz preislich meistens auch 'nur' im einstelligen Bereich. Ist also die "andere Fraktion" wirklich kauflustiger? Kommen Brot, Wurst, Käse und Bier im Kühlschrank eines Entwicklers rein aus dem Apple-Markt? Und das da in der Zimmerecke... da hinten, ...ja, dort neben dem Stuhl... die Chipstüte...! Die hat dann wohl Android finanziert...
Aber halt!
... liegt die Zurückhaltung der Android-Nutzer vielleicht zum Großteil doch nur an der eingeschränkten Möglichkeit zur Bezahlung kostenpflichtiger Apps im Market (Kreditkarte)? Frei nach dem Motto: "Wir können und würden ja so gerne, aber man läßt uns nicht!"
... oder ist das zögerliche Kaufverhalten der "Androiden" durchaus auch auf mangelnde Aktualität, schlechte Qualität und fehlendes "geil, will ich haben!"-Gefühl vieler angebotener Bezahl-Apps zurückzuführen?
Wird uns "Androiden" also ganz zu Unrecht der Schwarze Peter von den Entwicklern untergeschoben?
Wie ist das nun? Habe ich mir meinen teuren Androiden nur als Spielzeug gekauft und bin damit zufrieden, ihn mit kostenlosen Apps jeglicher Couleur (auch schlechter) vollzustopfen, Hauptsache bunt und laut? Oder aber bin ich bereit, auch mal in die Tasche zu greifen und ein paar Euros hinzulegen, wenn ich eine App finde, die ihren Namen zu Recht verdient und es ersichtlich ist, daß der Entwickler sich wirklich Gedanken gemacht und Mühe gegeben hat?
Bin ich nicht? Nein? Ich komme mit Gratis-Apps gut über die Runden? Geiz ist geil?
Hmmm, aber was, wenn der gute Entwickler irgendwann doch entnervt das Handtuch wirft und beschließt, keine Programme mehr für Android zu schreiben, weil u.a. die Erträge den Aufwand nicht rechtfertigen und mit ihm sowohl seine Bezahl- als auch seine Gratis-Apps vom Market verschwinden? Und wenn diesem Entwickler langfristig immer mehr folgen? Aus ähnlich gelagerten Gründen?
Überfluten uns dann künftig immer mehr Apps, gebastelt von 16jährigen, die ihre pupertären Phantasien durch den Upload von schmuddeligen Bildchen ausleben? Werden wir von gescheiterten Existenzen, die sich an der ganzen Welt rächen wollen, mit nervenzerfetzenden Tic-Tac-Toe-Spielen bombardiert? Freuen wir uns letztendlich über jede zwielichtige Gestalt ohne Email- und Webseiten-Adresse, die uns prächtig anzuschauende Systemabstürze frei Haus via App liefern kann?
"Entwickelt" sich der Android Market dann - schneller als bisher - zu einem "Ramsch-Market"?
Liegt es nicht vielmehr in unserem Interesse, gute Programmierer durch den Kauf ihrer Apps zu unterstützen und ihnen dadurch zu zeigen, daß man auch für Android schreiben und sich damit ein Auskommen mit dem Einkommen schaffen kann? Auf daß es sich herumspräche in der Hemisphäre aller guten Entwickler...

Jojo
Das iPhone ist teuer, entsprechend hat es eine vermögendere Nutzerschaft und die kauft sich eher mal eine App. Macht Sinn. Die Apps sind nun aber nicht so teuer als dass das einen so Riesenunterschied macht. Der größte Unterschied dürfte die Nutzerbasis sein. Da ist Apple natürlich weit voraus, aber auch da wird man aufholen.
Ganz ohne Frage gehen einige Punkte in Richtung Google völlig zurecht. Die Bezahloptionen sind für Deutschland einfach Müll. Kreditkarten haben nicht die notwendige Verbreitung um einzige Bezahloption zu sein. Der Market ist nett, aber es kann ja nicht so schwierig sein dazu auch noch eine ordentliche Webseite zu basteln ...