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Datenschutz: Kann das Internet Nutzer wirklich vergessen?

Kamal Nicholas
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Internet Servers

(Bild: Alan Brandt)

Wir hinterlassen überall Spuren. Schon seit Anbeginn der Zeit. Doch vielleicht erst mit dem Internet wird uns so langsam richtig bewusst, was mit diesen Spuren alles so angestellt werden kann. Das gilt sowohl für Positives, als natürlich auch für Negatives. Ein neues Gesetz, mit dem die Europäische Kommision sich derzeit auseinandersetzt, könnte in Zukunft dafür sorgen, dass sich dies - zumindest im Internet - ändern könnte. Es geht um das "Recht auf Vergessen" und soll Internetnutzer und deren privaten Daten besser schützen und Ihnen die Möglichkeiten, sämtliche Daten, die vor allem soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ & Co. sammeln, auf Wunsch zu löschen. Aber wollen wir das wirklich?

Die Idee eines Gesetzes zum "Recht auf Vergessen" stammt unter anderem von der EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Dieses neue Gesetz soll es im Grunde unmöglich für Unternehmen und deren Webseiten machen, Nutzerdaten zu speichern, ohne explizit auf diesen Vorgang und den Grund der Datenerhebung hinzuweisen. Und noch mehr: Nutzer sollen das Recht bekommen, dass all deren Daten (ja, alle) restlos von diesen Seiten gelöscht werden, sobald sie dies wünschen: das "Recht auf Vergessen". So erkärt Reding: "Die Nutzer müssen in einfacher, klarer Sprache informiert werden, welche Daten für welchen Zweck und für welchen Zeitraum gespeichert werden." Des Weiteren müssten im Fall von gestohlenen Daten die Unternehemn innerhalb von 24 Stunden die entsprechenden Nutzer darüber informieren. Und obwohl die Sache eigentlich erst einmal sehr gut klingt, gibt es da doch ein paar Schwierigkeiten. 

Laut der FAZ beinhaltet das geplante Gesetz noch Folgendes: "Reding will die sozialen Netzwerke dazu verpflichten, auch die Löschung von persönlichen Daten bei anderen Parteien durchzusetzen, wenn diese die Daten des sozialen Netzwerkes genutzt haben. Jeder soll das Recht haben, eine Kopie der von einem solchen Netzwerk gesammelten persönlichen Daten zu bekommen und die Daten zu anderen Netzwerken mitzunehmen. Das Recht auf Vergessen gilt nicht, wenn die Daten aus historischen oder statistischen Gründen gesammelt werden. Auch Journalisten sind von der Regelung weitgehend ausgenommen."

Der Vorschlag für dieses neue Gesetz basiert auf einer Umfrage, bei der 72% der Europäer und 81% der Deutschen mitteilten, dass sie sich um den Schutz ihrer Privatssphäre im Internet sorgen würden. So sollten endlich die alten, aus dem Jahre 1995 (lange vor Facebook & Co.) stammenden Datenschutzregeln überarbeitet werden. Nicht nur Europäische Unternehmen, sondern alle Unternehmen, die ihre Dienste in der EU anbieten, wären von diesem Gesetz betroffen

Viviane Reding

(EU-Justizkommissarin Viviane Reding, Bild: Hubert Burda Media)

Wenn es nach Viviane Reding ginge, würde diese neue Regelung in Form einer Verordnung erlassen werden, die dann in den EU-Staaten eins zu eins übernommen werden müssten. Ja, und hier setzt eine Hauptkritik an (z.B. von Bundesinnenminister Friedrich von der CSU), an. Denn Friedrich etwa sieht es sehr kritisch, ein eigenes EU-Recht vor die nationale Vorschriften zu setzen. Und auch in Washington wird sofort gemeckert, denn für die amerikanischen Behörden würde ein solcher Entschluss dafür sorgen, dass diese von Internetanbietern nicht mehr so leicht an Nutzerdaten kommen könnten.

Das geplante Gesetz greift einige der wichtigsten gegenwärtigen Fragen des Internets auf: Wem gehören persönliche Daten? Was passiert, nachdem diese online gestellt werden? Was ist die richtige Balance zwischen dem Schutz (und der Überwachung) der Privatssphäre und dem verfügbar machen dieser Daten für Werbezwecke und mehr?

Die Gegenwart:

Derzeit ist es zum Beispiel auf Facebook so, dass ein Nutzerkonto zunächst nur für 14 Tage deaktiviert wird, danach werden die meisten (aber eben nicht alle) persönlichen Daten von deren Servern gelöscht. Das Gesetz zum "Recht auf Vergessen" würde diesen Vorgang illegal machen und die betroffenen Unternehmen müssten bei Nichteinhalten mit hohen Geldstrafen rechen: Sollten nämlich nicht wirklich alle Daten gelöscht werden, drohen Strafen bis zu 2% des Jahresumsatzes bzw. maximal 1 Millionen Euro.

Aber genau das ist ein Problem, denn es ist für Internetfirmen doch meist ziemlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, wirklich sämtliche Daten zu löschen, da diese oft in vielen verschiedenen Datenbänken, Servern und Casheing-Systemen verteilt werden und sich so sehr schnell verstreuen. Wie genau soll das also durchgeführt werden? Und wer wird das überprüfen? Wie kann herausgefunden werden, ob ein Unternehmen wirklich alles gelöscht hat, was mit einem Nutzer in Verbindung steht?

Wer profitiert?

Die in Kalifornien lebende Anwältin Françoise Gilbert, die Technologie-Unternehmen vertritt, die Ihre Geschäfte in Europa machen, sieht in dem Gesetzesentwurf vor allem eine Verstärkung der Rechte für den Nutzer. Für die Unternehmen sieht sie sehr wenig Gutes, außer vielleicht eine "Reduzierung von administrativen Kopfschmerzen".

Aber ist eine solche komplette Löschung aller persönlichen Daten aus dem Internet überhaupt für die Nutzer so sinnvoll? Immerhin profitiert ja auch der Einzelne von einem gewissen Bekanntheitsgrad seiner eigenen angegeben Informationen. Ich persönlich bin zum Beispiel sehr froh, dass, wenn ich schon Werbung präsentiert bekomme, diese auch mein Interesse weckt und mir Produkte und Dienstleistungen gezeigt werden, die ich tatsächlich gebrauchen kann. Wie weit geht wirklich das Löschen "aller" Daten? Viviane Reding teilt mit, dass das "Recht auf Vergessen" kein absolutes sei, da sonst die Möglichkeit bestünde, "Geschichte auszulöschen". Aber wo ist die Grenze? Wann wird Geschichte geschrieben, wann nicht?

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde es ab dem Jahr 2014 in Kraft treten. Ich bin wirklich gespannt, wie sich diese Sache entwickelt. Was haltet Ihr von der ganzen Sache? Wo seht Ihr die Vorteile, wo die Nachteile?

 

Quellen: FAZ, NY Times, Horizont, Spiegel Online

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Kommentare

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  • Bernd L. 26.01.2012 Link

    Dafür!

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  • Marcus B. 26.01.2012 Link

    Google zb. verdient pro Sekunde an diesen unseren.Daten. Wer entwickelt dann noch unser geliebtes Android ???

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  • sartorius 26.01.2012 Link

    die Werbung ist für dich ein pro Argument? gehts noch?

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  • Tobi 26.01.2012 Link

    Zitat: "Aber genau das ist ein Problem, denn es ist für Internetfirmen doch meist ziemlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, wirklich sämtliche Daten zu löschen, da diese oft in vielen verschiedenen Datenbänken, Servern und Casheing-Systemen verteilt werden und sich so sehr schnell verstreuen. Wie genau soll das also durchgeführt werden? Und wer wird das überprüfen? Wie kann herausgefunden werden, ob ein Unternehmen wirklich alles gelöscht hat, was mit einem Nutzer in Verbindung steht?"

    Man kann doch bei Facebook die gespeicherten Daten über sich anfordern. Auch wenn dies tausende von Seiten sind, ist doch ein Bezug zu den Daten da. Also kann es doch nicht schwierig sein, diese zu löschen!

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  • Michael Peters 26.01.2012 Link

    Dein Gegenargument mit der Werbung greift nicht.
    Wenn Du personalisierte Werbung haben möchtest, dann nimmst Du halt Dein Recht auf Vergessen nicht wahr.
    Vor diesem Gesetzt gibt es die Möglichkeit des Vergessens gar nicht, nachher ist es möglich(!) nicht zwingend. Schließlich löschen die erst wenn Du sagst "Do It"

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  • Jörg U. 26.01.2012 Link

    Wer würde für eine Suche auf Google, sagen wir mal 2 Cent ausgeben?
    Wer würde für das anlegen eine FB profils 10 Euro pro Monat investieren?
    und dann die tausend anderen Seiten, wer möchte für alle einzelnen Seiten bezahlen?

    Alle die jetzt Ja sagen, dürfen für diese Regelung sein.
    Alle Anderen bezahlen mit Ihren Daten. Die Daten sind die Währung des Internet.
    (Das wäre so, als ob man den Banken verbietet mit Geld zu handeln)

    Wieviele von Euch sind bereit für eine App im Market zu bezahlen? Wenn es keine Werbung gibt und keine Bereitschaft zum Kauf gibt, wird es SEHR SEHR langweilig im Netzt!

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  • Marcus B. 26.01.2012 Link

    @Satorius

    Genau das meine ich, was Jörg so schön geschildert hat! Werbubg find ich zwar auch nicht schön, machen aber für uns alles kostenlos und dieser Deal geht in Ordnung.

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  • Patricia H. 26.01.2012 Link

    Wenn ich tatsächlich mit meinen Daten bezahle (Jörgs Vergleich ist nicht schlecht!), will ich mir aber aussuchen mit welchen Daten und wofür ich bezahle. Mein Bank gibt auch nicht ungefragt Geld von meinem Konto aus, für Dinge, die ich gar nicht möchte und von denen ich nichts weiß. Ich habe bspw. bei Google noch keine Möglichkeit entdeckt, ihnen detailliert mitzuteilen, was sie von meinen Infos wofür verwenden dürfen. In der realen Welt kann ich entscheiden, wem ich wieviel Zugang zu meiner Privatsphäre gebe. Das Selbe sollte für die virtuelle Welt gelten. Dort wird es einem allerdings viel schwerer gemacht diese Entscheidungen zu treffen. Ich halte zwar nichts von Brachialmethoden, doch momentan scheint die Rechtskeule das wirksamste Mittel zu sein, um der einen oder anderen Datenkrake ein wenig Einhalt zu gebieten. Schade, denn es gäbe sicher bessere Möglichkeiten, so man denn nur wollen würde.

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  • Jörg U. 26.01.2012 Link

    noch ein Wort zu den Datenkraken. Es geistert immer wieder so durch die Blogs. Die Daten sind Googles Kapital. Ich bin mir sehr sicher das meine Daten dort sicher sind. Google wird mit dem Klammerbeutel gepudert sein hier was anbrennen zu lassen. Ich persönlich habe damit überhaupt kein Problem. Google braucht diese Daten um Anderen Ihr Werbemodel zu verkaufen. Das ist absolut OK.
    Die Probleme fangen woanders an. Und zwar in dem Moment wenn staatliche Behörden auf diese Daten zugreifen wollen. Dann habe ich auch mein Problem damit. Und genau das soll mit diversen Gesetzten erreicht werden und das ist nicht in Ordnung!

    Ich möchte noch ein anderes Beispiel bringen wo man mit Daten bezahlt. Ihr kennt doch alle diese Payback Karten? Man bekommt Punkte die man dann einlösen kann. Die Anbieter wissen was Ihr kauft und geben Euch dafür etwas zurück. Daten gegen Geld.

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  • Andy N. 26.01.2012 Link

    So ein Gesetz ist längst überflüssig.

    Allerdings verstehe ich nicht, warum das Gesetz über nationalem steht. Ich dachte immer, die EU kann nur Vorgaben geben, die dann in ein nationales Gesetz umgewandelt werden müssen.

    "(...) wenn nicht sogar unmöglich, wirklich sämtliche Daten zu löschen, da diese oft in vielen verschiedenen Datenbänken, Servern und Casheing-Systemen verteilt werden und sich so sehr schnell verstreuen. Wie genau soll das also durchgeführt werden?"

    Wenn die Daten nicht mehr in der Datenbank gefunden werden, dann läuft etwas gewaltig schief.

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  • Antonio S. 26.01.2012 Link

    @Andy:

    die EU kann ganz normal verordnungen erlassen, die über den jeweiligen nationalen gesetzen stehen!

    vorgaben in form von richtlinien gehören ebenfalls dazu, die jeder staat in nationales recht "umwandeln" muss ;)


    ich find die idee net schlecht, man muss es ja net machen, ...
    dass ma aber zumindest die möglichkeit hat bestimmte daten oder alle daten löschen lassen kann!

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  • Martin K. 26.01.2012 Link

    grundlegend ist doch die idee, eine option auf vergessen ein zuführen gut. es kann ja alles beim alten bleiben, bis ich die daten wirklich löschen will. wo soll da ein problem sein. wenn ich nicht möchte, dass facebook meine daten verkauft, dann möchte ich das auch nicht, ich möchte facebook generell nicht, aber trauriger weise, spielt sich in zwischen in großteil des sozialen lebens auf dieser ebene ab, es ist sau schwer sich dem zu entziehn, man muss quasi seine mit seinen daten bezahlen, um sich nicht sozial auszuschließen, und an dem punkt ist doch son Recht auf vergessen gar nicht so schlecht.

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  • Raphael 27.01.2012 Link

    Anstatt sich Gedanken über "Recht auf Vergessen" zu machen sollten sich die Zuständigen lieber mal darum kümmern, dass die User vernünftig aufgeklärt werden.

    Ich erlebe es täglich, dass User ihre E-Mail Adresse eingeben, AGB/DSB bestätigen (offensichtlich ohne diese gelesen zu haben) und sich einen Tag später darüber aufregen, dass ihre Daten gespeichert wurden. ... Da könnt ich...
    Und genau solche Leute sind es auch die "mehr Datenschutz" verlangen.

    Oder: Jugendliche posten hemmungslos kompromittierende Party-Bilder im Netz. Unter Umständen wird ihnen das in ein paar Jahren den Job kosten.
    IMO: Selbst Schuld! Ein "Recht auf Vergessen" ist hier der falsche Ansatz. Die User müssen aufgeklärt und sensibilisiert werden! (Wenn Fremde so etwas posten sieht das natürlich ganz anders aus. )

    Einige - wenn nicht sogar viele - User sind sich nicht einmal im Klaren darüber, dass Daten die sie auf Formularen im Netz eingeben auf Fremden Servern gespeichert werden und nicht auf Ihrem Computer.

    Sollte es wirklich so weit kommen, das User alles nutzen dürfen und danach einfach ihre Daten wieder komplett löschen lassen wird es (wie Jörg U. schon geschrieben hat) "SEHR SEHR langweilig im Netzt".

    Denn wer soll dann Online-Angebote finanzieren, wenn nicht der User mit seinen Daten? Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass die Mehrheit der User plötzlich für Facebook, Google, Twitter & Co. bezahlen würde oder Seiten besuchen würden die vollgepackt mit (unpersonalisierter) Werbung sind, oder?

    Wenn jemand seine Daten nicht preis geben Möchte, dann kann er eben die kostenfreien Angebote nicht nutzen. Und wenn der User den Service nutzt, sollte IMO der Betreiber auch das Recht bekommen die Daten zu behalten.

    Wie schon erwähnt:
    Es ist ein ganz einfaches Geschäft bei "kostenfreien" Online-Diensten: Daten gegen Service. Und wenn das jedem bewusst wäre, bräuchte man sich überhaupt keine Gedanken mehr um "Recht auf Vergessen" machen.

    IMO: Ein "Internet-Führerschein" muss her!

    Btw.: Service-Provider aus Deutschland müssen dem User laut Telemediengesetz dieses "Recht auf Vergessen" bereits gewähren. (§13)

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  • Raphael 27.01.2012 Link

    Und noch was:

    Was z.Z. als Datenschutz diskutiert wird ist eher ein Garant für Narrenfreiheit.

    Datenschutz sollte sich aber gegen Datenmissbrauch wenden, was genau betrachtet verhältnismäßig selten vor kommt.

    Denn so ziemlich jeder Provider schreibt in seine AGB/DSB was mit den Daten gemacht wird. Und wenn da steht dass Daten an Dritte weiter gegeben werden und dass man diese Weitergabe mit Registrierung/Anmeldung/Nutzung bestätigt dann erteilt man dem Provider eben einen Freischein. Wer diese Bedingungen nicht liest oder ignoriert ist selbst schuld.

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  • Jörg U. 27.01.2012 Link

    @Raphael 100% Zustimmung, sehe ich identisch

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  • Karius Baktus 28.01.2012 Link

    ich bin für das Gesetz, aber wie will man kontrollieren, ob die Daten auch wirklich gelöscht wurde.

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  • Mona P. 06.02.2012 Link

    Wann schreibt man in Facebook schon Geschichte? O.o
    Da wäre es sehr sinnvoll alle Daten löschen zu können

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